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Wie ordnet die Literaturszene Frauenerotik ein?

lesen, anschauen, abwenden?
Die Literaturbranche wurde ganz offensichtlich von der weiblichen Erotik-Welle überrollt – was einerseits nicht verwundert, wenn man die Prüderie der Branche in Betracht zieht. Andererseits jedoch folgt genau diese Erotikwelle einer Tradition, denn Frauen haben ihre Informationen über die Sexualität auch schon in vergangenen Zeiten überwiegend oder gar ausschließlich aus der erotischen Literatur bezogen. Dies behauptet jedenfalls Werner Fuld in seinem Buch „Die Geschichte des sinnlichen Schreibens“.

Doch weder Literaturkritiker, noch Verleger, noch Buchhändler würden zugeben, dass die erotische Literatur noch (oder wieder?) eine so große Rolle für die Frauen des 21. Jahrhunderts spielt. Schließlich fühlt man sich als Kulturelite und redet auch so. Und Kultureliten sprechen nicht über „Schweinkram“.

Immerhin versuchte Wikipedia (englisch), die Sache anzugehen:

Viele Leserinnen sind inzwischen von Pornografie begeistert, sei es traditionelle Pornografie oder maßgeschneiderte Frauenerotik. Liebesromane werden manchmal als „Erotik“ vermarkte – und umgekehrt. Erotische Liebesromane sind ein relativ neues Genre der Liebesromane mit einem betont erotischen Thema und eindeutigen Sexszenen. Im Kern folgen sie jedoch dem Genre der Liebesromanze.


(Nur im englischen Wikipedia, frei übersetzt)

Die Sache hat durchaus Brisanz, denn wenn wer lebensnahe und begeisternde erotische Literatur will, darf im Grunde nicht erwarten, dass die Liebesschnulzen-Fließbandschreiberinnen die richtigen Autorinnen für diese Aufgabe sind. Möglicherweise muss der Weg zu wirklich sinnlicher, unverkitschter Erotik-Frauenliteratur noch gefunden werden.

Ich gehe noch einen kleinen Schritt darüber hinaus: Wie das Körperliche bis ins Detail in Farbe und Bewegung funktioniert, kann heute jede Frau im Internet sehen. Aber wie es sich anfühlt, wie die Sinne dabei mitgehen oder sich verweigern - das kann sie nicht sehen. Das muss sie lesen und dabei erfühlen. Natürlich könnet man nun sagen: „Bei Männern ist das aber auch so“. Aber die Männer wollen es zumeist nicht vorab wissen, sondern einfach nur erleben.

Hinzu kommt noch, dass sich Frauen viel intensiver vom geschriebenen Wort tragen lassen als Männer. Sie erwarten also auch von der Literatur über erotische Fantasien, dass sie „mitgenommen“ werden.

Was das alles bedeutet?

Vor allem dies: Wir müssen erotische Literatur viel ernster nehmen.

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