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Frauen sind die bewussteren Exhibitionisten

Zweiter Teil von: Voyeur und Voyeuse, Exhibitionist und Exhibitionistin
Expertin: Stripperin bei einer Shoe
Sind Frauen wirklich Exhibitionistinnen?

Beim Thema „Frauen als Exhibitionistinnen“ zeigt sich die bereist erwähnte Forschungslücke: In einer der wesentlichen Studien zum Thema „erotische Fantasien“ wurde nicht abgefragt, ob Frauen gerne aktive, sinnliche Verführerinnen sein würden. Als man es dennoch einmal tat, waren die Versuchskaninchen junge Studentinnen und Studenten – nicht einmal viele. Dennoch soll in dieser Studie (Symons-Ellis) festgestellt worden sein (1),

Dass in mehr als der Hälfte der weiblichen Fantasien der Wunsch zum Ausdruck kommt, sexuell unwiderstehlich zu sein.


Der Wunsch, um jeden Preis begehrt zu werden und dabei wirklich alle Register zu ziehen ist Fantasie und Realität zugleich. Dabei ist es nicht allein die Präsentation auf Partys und auf Bällen, in Bars und bei Dates. Es ist auch das sinnliche oder auch aggressive Flirtverhalten, das sich nahezu beliebig steigern lässt. Am Ende der Kette stehen dann die Fantasien, die all dies noch einmal mit der scharfen Chilisoße der absoluten Sinneslust würzen: Sklavin oder Haremsdame sein, Stripperin oder Burlesque-Tänzerin, Animierfrau oder Escort-Girl.

Und auch abseits der Evolutionspsychologie, aus dem der wissenschaftliche Ansatz stammt, kann in der Praxis festgestellt werden: Frauen versuchen gerne auf ihre Art unwiderstehlich zu sein – und zwar entweder als selbstbewusste Verführerin oder als scheinbar leichtfertige Frau, die dem Mann im Glauben lässt, selber der Verführer zu sein.

Die Frau als unwiderstehliche Verführerin
Präsentation aus den 1950er Jahren - möglicherweise Amateurfoto
Um diese Thesen zu belegen, müsste man eigentlich nur eine beliebige Mainstream-Frauenzeitschrift aufschlagen, in denen mehr oder weniger nichts anderes zu lesen ist: Verführe mit einem modifizierten Körper und verführerischen Klamotten, Dessous inbegriffen.

Die Faszination der nackten (reinen) Verführerin mit entblößtem Körper hat in der heutigen Zeit nachgelassen. An ihre Stelle ist die Verführerin getreten, die sich raffiniert entblößt – und dann plötzlich nicht mehr als „rein“ oder „natürlich“ angesehen wird, sondern als „verrucht“.

Edgar Allan Poe hat eine bemerkenswerte Szene über eine weibliche Exhibitionistin in eines seiner Werke eingebaut. Hier der Auszug aus dem Text:

»Eugénie Salsafette … war ein sehr hübsches und zurückhaltendes junges Mädchen, dem die übliche Kleidertracht anstößig erschien; sie versuchte deshalb, statt in die Kleider hineinzuschlüpfen, aus ihnen herauszukommen. Das geht übrigens ganz leicht. Man braucht nur so – zu machen – und dann so – so – so – und dann so – und so – und so – und dann –«
»Mein Gott! Fräulein Salsafette!« riefen ein Dutzend Stimmen. »Was fällt Ihnen ein! – Gott bewahre! Genug, genug! – Wir sehen deutlich genug, wie es gemeint ist! – Halt, halt!« Und einige sprangen schon von ihren Sitzen, um Fräulein Salsafette davon abzuhalten, sich in das Kostüm der Mediceischen Venus (2) zu werfen.


Das Beispiel mag zeigen, welche Faszination davon ausgeht, sich unbekleidet zu zeigen, aber auch, wie selbst unter den Umständen (alle sind Patienten der Psychiatrie) die Entkleidung als schweres Vergehen gegen die Sittlichkeit betrachtet wird.

Die inneren Konflikte, die daraus entstehen, verführerisch wirken zu wollen, sich dann betont erotisch zu entkleiden und schließlich nackt zu sein sind Gegenstand mancher erotischer Werke. Während jedoch früher eher die „Nacktheit“ thematisiert wurde, ist es heute die erotische Verführung durch das Ausziehen, die in im Mittelpunkt steht – und bisweilen Anstoß erregt.

Sinnliche Vorführungen - nicht immer gelingt die Pose
Exhibitionistisch anbieten – was passiert bei Ablehnung?

Frauen, die mit hohem Körpereinsatz spielen, erwarten normalerweise, damit einen nachhaltigen Eindruck bei Männern zu hinterlassen, sei es, dass die Partnersuche damit befeuert werden kann oder dass sich die männlichen Spendierhosen um sie scharen. Wann immer Männer dieses Verhalten nicht goutieren, glauben Frauen, persönlich versagt zu haben. Dem Autor liegen dazu Erfahrungen aus dem Bereich von sogenannten „Dates“ vor, also Verabredungen, um sich möglicherweise näherzukommen. Keine Frau erwartete dabei, dass ihr Auftritt erfolglos sein könnte – die meisten sind sich sogar sicher, dass sie die freie Auswahl wie bei einer Losbude auf dem Jahrmarkt haben.

Varianten exhibitionistischen Frauen-Verhaltens

Die Frage ist nun natürlich, über was (und für wen) wir schreiben. Die Sekretärin, die ganz real zum Online-Date geht und dabei jeden Quadratzentimeter ihres Körpers auf Präsentation ausgerichtet hat, wird andere Erfahrungen machen als die tanzbegeistere Friseurin, die sich von einer Kollegin zu einer privaten erotischen Burlesque-Show in einer vornehmen Villa überreden ließ.

Nur über eines können wir uns ganz sicher sein: Jeder der „alten Kunstgriffe“, vom Finger im Mund über die hervortretenden Brustwarzen bis zum Hochschieben des Rocks auf dem Barhocker funktioniert gestern wie heute.

Männliche Exhibitionisten

Von „Penisfotos“ über „nackte Kerle“ bis hin zum Männer-Strip – das Thema gibt nicht viel her. Dennoch ist es möglich, die Faszination athletischer Männer, seien sie Artisten, Sportler oder Stripper in einen heterosexuell geprägten erotischen Roman mit einzubeziehen. Und dann kann die Autorin auch getrost ein paar Worte über „sein“ tolles Gesäß und die Schönheit oder Hässlichkeit des Penis fallen zu lassen. Die Idee, eine Frau im erotischen Roman sagen zu lassen: „Zieh dich jetzt vor mir aus“ ist zwar neu, wird aber immer populärer.

Was bedeutet dies alles für das „Sinnliche Schreiben“?

Das Thema des „Ausziehens“, vom verschämten, zurückhaltenden Entkleiden bei gedämpftem Licht über das elegante Ausziehen in sündhaft teuren Dessous vor einer Einzelperson bis zum „scharfen“ Strip im Scheinwerferlicht, ist ein beliebtes Erotik-Thema. Leser können damit unmittelbar fasziniert werden, Leserinnen achten erfahrungsgemäß auf jede Bewegung, die du beschreibst. Ein weiterer Artikel zum Thema, besonders für Autorinnen, ist in Vorbereitung.

(1) Aus: "Klick mich an" - In Kapitel sechs: Was psychisch anmacht –die Heldin.
(2) Bei der Venus handelt es sich um eine nackte Frauenstatue.
Bilder: Oben, unten: © 2019 by liebesverlag.de, Mitte © ?? unbekannt, vermutlich aus einer Sammlung von Amateurfotos, ca. 1950.

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