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Dating – Überraschung inbegriffen

Man weiß nie, wann man einander begegnet ...
Die bekannte Schreiblehrerin Elisabeth Benedict hat den Kernpunkt aller Dates (also nicht nur erotischer oder spontaner Begegnungen) in einem von fünf Sätzen getroffen:

Sie stellen möglicherweise sehr unterschiedliche Erwartungen an die Begegnung.

Ja, das tun sie. Und genau das ist der Punkt, der in der gesamten „offiziellen“ Dating-Literatur verkannt wird, gleich, ob du ein Sachbuch oder eine der zahllosen Erlebnisschilderungen zur Hand nimmst.

Man kann die Teilnehmer solcher Verabredungen in vier Kategorien einteilen:

1. Sexuell und emotional zurückhaltend.
2. Sexuell offen, emotional hingegen zurückhaltend.
3. Emotional offen, sexuell hingegen zurückhaltend.
4. Emotional und sexuell offen.

Die erste Kategorie stammt gedanklich aus den Zeiten, als es weder “angebracht” war, Gefühle zu äußern als auch, sich aus sexueller Bedürftigkeit mit jemandem zu treffen. Es sid eigentlich Treffen, um die Möglichkeit einer späteren Eheschließung auszuloten.

Die zweite besteht aus Menschen, die sich wegen des Geschlechtsverkehrs oder andrer erotischer Vergnügungen treffen – auch „Casual Dating“ genannt,

Die dritte Gruppe sucht die „Seelenverwandtschaft“ mit einem Menschen und eröffnet ihm dabei die eigene Gefühlswelt.

Die vierte Gruppe schließlich sieht Sex als eine mögliche Art der lustvollen Freizeitbeschäftigung mit einem interessanten Menschen, die auch zu „mehr“ führen könnte. Und letztlich auch zu absolut skurrilen Erfahrungen mit wundersamen sexuellen Praktiken.

Der Anlass des Treffens ist völlig gleichgültig

Für Autorinnen (und damit für die Literatur) spielt der Anlass eines Treffens überhaupt keine Rolle. Deswegen ist die gesamte Ratgeber-Literatur und alles was du sonst vielleicht darüber gelesen hast, nicht als wert. In „Fuchsia“, einem Werk, das ich gerne als Referenz erwähne, entsteht die sexuelle Beziehung, als die Heldin, eine jungfräuliche Journalistin, von ihrer Interviewpartnerin auf raffinierte Weise verführt wird.

„Offizielle Dates“ sind oftmals verkrampftes Kaspertheater

In den meisten Schilderungen nicht-erotischer Art wird das „offizielle“ Date über alle Maßen mit „Erwartungen“ oder gar „Ansprüchen“ dicht gepflastert, sodass gar kein Platz mehr für die Lust bleibt.
Erstaunlicherweise wird Sex auch selten als „Alternativlösung“ verstanden: Kommt die reale Partnersuchende mit dem Wunsch, zu heiraten, so will sie heiraten. Kommt sie mit der Absicht, den Mann sexuell auszukosten, so muss es auch im Bett enden – schließlich hatte die Frau dafür viele Vorbereitungen zu treffen.

Öder Konflikt – er will Sex, sie eine Beziehung

Der Konflikt zwischen einem Mann, der eher an Sex interessiert ist, und einer Frau, die heiraten will, ist derartig ausgelutscht, dass es ich wahrhaftig nicht lohnt, darüber zu schreiben. Das Thema wurde in vielen Büchern moralisierend, aber literarisch wertlos behandelt. In den letzten Jahrzehnten gab es – zum Erstaunen der Männer – oftmals die umgekehrte Interessenlage. Dabei hatten sich Frauen wochenlang auf diesen einen Tag vorbereitet, um endlich den Sex mit einem Mann genießen zu können – doch der potenzielle Partner suchte eher nach einer Beziehung und wertete dann die Frau ab, die „nichts als vögeln“ wollte.

Nie nach Schema … immer etwas Besonderes ausdenken

Ganz generell lässt sich das so sagen: Alles, was noch „Schema F“ bei Begegnungen abläuft, ist völlig uninteressant und eignet sich kaum für Erotik-Geschichten – inklusive des ausgetretenen Konflikts „er will Sex, sie eine Beziehung“.

Elisabeth Benedict kennt die Gewürze, das alles verändern: kultureller Wandel, historische Umbrüche … aber auch Geheimnisse und Hintergründe, die nicht sofort in den Fokus der Beteiligten geraten. Warum trifft die Frauenrechtlerin den durchtriebenen Macho? Warum lechzt der Manager nach der schlampigen Putzfrau statt nach der sorgfältig geschminkten Sekretärin? Was bedeutet Begierde, wenn sie mit Ideologien über Kreuz gerät?

Beim „Dating“ ist oftmals alles erlogen, weil beide nur ihre Fassaden gegenüberstellen. Was dahinter tickt und brodelt, wird oftmals nie entdeckt, andererseits aber auch viel zu schnell an den Tag gelegt.

Ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert

Eine Schilderung aus neuester Zeit, die so ähnlich tatsächlich stattgefunden haben könnte, würde sich so lesen:

Er hatte einen ziemlich langen Satz gesagt, und sah nun bedeutsam zu mir hin. Es war ein Satz in einer ganzen Kette von Sätzen, alle wohlformuliert und sorgfältig geglättet. Bevor er den nächsten Satz hervorbrachte, sagte ich leise: „Und was willst du wirklich von mir?“

Über sein Gesicht wanderte ein langer Schatten, so, als ob er aus einem Traum aufwachen würde.
„Wieso wirklich?“, fragt er verwirrt.

„Weil niemand zusammenkommt, um nur zu reden. Hast du keine Lust auf mich? Gefalle ich dir nicht?“

Er rang sichtlich nach Worten – wirklich süß, wie er dabei errötete.

Ich legte ihm einen Finger über den Mund. „Antworte besser nicht. Du kommst heute Nacht zu mir, und ich denke, ich werde dich nicht vor morgen früh wieder laufen lassen.“

Sicher – im Beispiel liegt kein äußerer Konfliktstoff. Aber vielleicht kommt das ja noch, wenn sie ihrem Gelegenheits-Lover offenbart, was sie alles mit ihm vorhat …“

Ich wünsche euch viel Erfolg mit dieser und anderen Varianten des wirklich zeitgemäßen „Datings“.

Zitat und literarische Hinweise aus: "Erotik schreiben", zuerst erscheinen New York, 2002. Background Informationen (Dating) und Recherche: Gebhard Roese, Ex-Redakteur Liebe Pur. Textschnipsel: Isidora. Bild Aus einem US-Pulp Magazin.

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