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Schreiben - Teil vier: Deine weibliche Figur entsteht

Idee und Figur im Zusammenhang
Deine weibliche Figur – mit welchem erotischen Charakter willst du sie ausstatten?

Wir haben für euch vorgefühlt, welche erotischen Persönlichkeitsmerkmale oder „Charaktere“ eure weibliche Figur haben könnte. Warum wir nur von Frauen reden? Weil es in den meisten erotischen Romanen um eine Frau geht.

Die Junfrauenkarte spielen - ja oder nein?

In erotischen Romanen von Frauen für Frauen zeigte sich lange Zeit ein Trend, emotionale und körperliche „Jungfrauen“ als Heldinnen zu verwenden. Die meisten Autoren raten jedoch davon ab – und dies aus gutem Grund: Die Erfahrungen der Jungfrau reichen nicht aus, um die heftigen Emotionen während des Geschlechtsakts zugleich zu erleben und zu beschreiben. Es gibt andere Meinungen, zum Beispiel die, dass jeder Mensch die Ereignisse und Gefühle aus der „eigenen Biografie“ kennen würde. Ich hingegen warne davor, die eigene Biografie überhaupt ins Kalkül zu ziehen.

Drei erotische Grundtypen - sehr grob

Frauen – das ist eigentlich ein alter Hut, der aber noch mal neu aufgesetzt werden muss, teilen sich in Sexpositive, Sexneutrale und Sexnegative erotische Charaktere. Oder mit anderen Worten, einfacher:

1. Die Sexpositiven suchen sich Partner(innen) um möglichst intensive sexuelle Erlebnisse zu haben, bei denen sie selbst bestimmen können, wie die Sache läuft.
2. Die Sexneutralen brauchen „das gewisse Kribbeln“, das sie durch Menschen bekommen, die sie zu lieben glauben. Sie denken oder erfühlen, dass ihre Pater(innen) Sex wollen, und sie fügen sich dann in diese Rolle, die ihnen mal mehr und mal weniger gefällt.
3. Die Sexnegativen wollen eigentlich keinen Sex, tun „es“ aber trotzdem manchmal - aus den verschiedensten Gründen.

Nun gibt es für einen Menschen niemals nur ein Attribut, das ihn charakterisiert. Im Allgemeinen sagen wir, dass sich Menschen so gut wie sicher durch drei Eigenschaften charakterisieren lassen: „Eine Selbstbewusste, sexpositive Frau in guter Position“, beispielsweise.

Obgleich die selbstsichere, mutige und erfahrene Frau mit Sicherheit ein besseres Vorbild wäre als eine unsichere, wankelmütige und unerfahrene Frau, suchen Autorinnen zumeist den eher unsicheren Typ, der sich verführen lassen muss, um zum erotischen Glück zu gelangen. Es mag sein, dass daher auch der Trend zur „Jungfrau“ kommt.

Fünf Figuren eignen sich für erotische Romane

Wir fanden fünf erotische Frauenpersönlichkeiten, die sich für Romane und Kurzgeschichten eignen. Sieben davon wollen wir euch vorstellen, absteigend nach der sexuellen Aktivität:

1. Verführerinnen werden zumeist als selbstbewusst beschrieben. Sie wissen, was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es gerne hätten. Dazu gehen sie auch Abenteuer und Experimente ein. Diese Frauen sind oft nicht sehr gebildet und kommen nicht aus den sozialen Milieus der feinen Gesellschaft, begeistern aber durch ihre offene, natürliche Lebensart.
2. Krypto-Verführerinnen sind aktive, sexpositive Frauen, die nicht als „Schlampen“ verrufen werden wollen, und die sich deshalb vermeintlich zurückhalten, in Wahrheit aber das Gleiche Wollen wie aktive Verführerinnen. Sie täuschen Männer, indem sie vorgeben, nicht aktiv zu verführen, legen es aber darauf an, angesprochen zu werden und geben dem Mann das Gefühl, selbst der Verführer zu sein. Diese Haltung ist typisch für Frauen, die ihren Ruf verteidigen müssen.
3. Zurückhaltende Frauen stellen plötzlich fest, dass bei ihnen etwas „im Bauch kribbelt“ und versuchen dann auf Umwegen („Spielchen“), Sex zu bekommen. Das ist der Durchschnitt und zugleich der Lieblingstypus der meisten Autorinnen. Das Frauenbild, das dahintersteht, heißt ungefähr: „Der Mann erschließt ihr die Lust“, aber es kann heute auch eine Frau sein, der deine Figur verfällt.
4. Unsichere Frauen haben widersprüchliche Gefühle, zeigen diese aber nicht. Auch sie sind bei Autorinnen beliebt, weile es relativ leicht, aber andererseits sehr spannend ist, solche wechselnden Gefühlsbäder zu beschreiben und zu einem „Happy End“ zu führen: Dieser Typus eignet sich für den Plott „Verloren gehen und neu geboren werden.“
5. Weitgehend Neutrale, nicht an bestimmte Emotionen gebundene Frauen lassen Sex zu, weil es in bestimmten Situationen für sie „so üblich ist“. Dieser Typus eignet sich sehr gut für Alltagsschilderungen – vor allem, weil Sex im alltäglichen Leben ja eher eine „Option mit ungewissem Ausgang“ ist.

Deine Möglichkeiten

Die restlichen Frauentypen fallen aus dem Raster erotischer Romane, weil sie mit sich selbst kämpfen müssen, um schmerzlichen Geschlechtsverkehr zu haben oder – in anderer Weise schmerzlich – auf Geschlechtsverkehr verzichten. Diese Charaktere sind ausgesprochen interessant, eigenen sich aber nicht für erotische Romane.

In den meisten Romanen, insbesondere aber in Kurzgeschichten, gibt es einen offenkundigen Wandel des Fühlens, Wollens oder Handelns. Es mag sein, dass die „eher wenig spektakulären Figuren“ diesen Höhepunkt intensiver erleben können – und damit auch deine Leserinnen.

Die Verführerinnen hingegen eignen sich eher für Plots wie „Reise und Rückkehr“, also beispielsweise die Schilderung eines an Affären reichen Lebens oder für die Aufbereitung eines Doppellebens.

Mitlüsten, Mitleiden, Mitekeln

In einer Filmkritik („Touch me not) mit sexbezogenen Szenen las ich:

Die Kamera kommt den Darstellern sehr nahe: Mitgefühl, Interesse, Neugier, auch Ekel – alles ist zulässig.


Warum sollte für das geschriebene Wort nicht das Gleiche gelten? Und zwischen der Kamera, die Menschen so entsetzlich nackt machen kann, dass es peinlich wirkt, und dem geschriebenen Wort liegen Unterschiede wie Tag und Nacht. Im Buch steht nur der „Rohstoff“. Erst das Gehirn des Lesers erschafft das Abbild seiner Realität – und nicht „der“ Realität, wie im Film.

Also, Autorinnen und Autoren: Lasst die Leser(innen) teilhaben an Wollust und Ekel eurer Figuren. Versucht gar nicht erst, einen Groschenroman-Entwurf mit „sanfter, romantischer Lust“ aufzuschönen. Niemand wird von sich sagen, dass jedes seiner sexuellen Erlebnisse ein Bad in der Wonne war.

Warum sollten wir nicht mitfühlen, mitleiden und und dann und wann auch mitekeln?

Der sinnliche Nikolaus - die sinnliche Nicola - 2018

Auch ein rotes Kleid hilft bei der Illusion, eine Nicola zu sein
Du willst 2018 eine Nikolaus-Geschichte schreiben, bei der es erotisch kribbeln soll?

Hier sind erst einmal die Fakten:

- Der „echte“ Nikolaus fällt aus. Der war der Legende nach der Bischof von Myra, und man hörte nur Edles von ihm. Lass ihn ich Ruhe.
- Sein falschbärtiger Kollege, der Volks-Nikolaus, hat von ihm den roten Mantel, den Bischofsstab und die guten Gaben geerbt, und aus bürgerlichen Erziehungstraditionen auch die symbolische Rute, mit der gegebenenfalls aber auch ganz unsymbolisch der Po traktiert wurde. Und weil der Nikolaus so viele Gaben verteilen musste, besaß er auch einen Sack – und da steckte er gegebenenfalls sogar ganz böse Kinder hinein.
- In vielen Gegenden Europas trennt man den guten Nikolaus und den bösen Nikolaus. Der „Böse“ heißt dann „Knecht Ruprecht“, „Pelzmärtel“ oder „Krampus“. Letzterer ist besonders in Österreich allzeit bereit, junge Damen zu entführen.

Und nun … zur Story.

Drei Fragen vorab

Erste Frage: Kommt Nikolaus oder Nicola? Geschlechterrollen sind heute austauschbar – also Hauptsache Nico, roter Mantel und Sack – Rute ist optional. Krampus & Co kommen selten vor.

Zweite Frage: mit etwas Mystik ohne Auflösung oder mit einer plausiblen Erklärung am Schluss? Die Sache mit der Mystik ist erregender: Wer war er/sie, mit de, deine Figur in dieser Nacht erotische Spielchen veranstaltete?

Dritte Frage: Zuckerstange oder Rute? Bei erotischen Nikolausgeschichten empfiehlt sich: entweder nur die Zuckerstange oder erst die Rute, dann die Zuckerstange. Bei allen SM-Anklängen ist die Grundsituation: „Du warst ein böses Mädchen (ein böser Knabe), und du musst zuerst dafür büßen.“ Ei, ei. Das Süße gibt’s später.

Nikolaus-Plots mit Variationen

Wenn du nun einen Plot brauchst, dann ist er eigentlich schon geschrieben.

Grundsituation - direkter Einstieg

Nikolaus oder Nicola steht plötzlich vor der Tür, erzählt eine plausibel oder fantastische Story, warum er/sie ausgerechnet deine Figur besucht.

Mittelteil: Situation geheimnisvoll verhüllen, dann Sex oder SM

Dann wird deiner Figur plötzlich „so anders“, sie es vom Konfekt, von einem Glas Sekt, vom Anblick des/der Fremden oder von der Drohung, nun das Strafregister zu verlesen. Wenn du sehr mystisch schreiben willst, siehst du hernach den Raum anders, in dem ihr euch befindet. Das ist zugleich die Rechtfertigung für das „Unerhörte“, das dann passiert. In diesem Mittelteil ist sonst alles so, wie es auch in einer gewöhnlichen Erotik-, Flagellations- oder Sexszene wäre, nur etwas verklärter.

Plot - Teil drei: Auflösung oder nicht?

Manchmal entschließen sich Autoren für ein Happy End – ach, da haben die Freunde mir noch einen Streich gespielt, aber Nico war wirklich so toll, dass …“. Doch ein „Open Ende“ mit dem ungelüfteten Schleier letzter Geheimnisse ist meist interessanter. Dann ist Nikolaus oder Nicola am nächsten Morgen verschwunden, und die Spuren der Liebesnacht (Sperma, Kondome, Kratzspuren, zerrissene Kleidungsstücke) sind nicht mehr vorhanden: Alles ist so, wie es am Abend zuvor war. Nur – wo kommt dieser merkwürdige Gegenstand (denke dir einen aus) her, den deine Figur unter dem Bett/Kopfkissen oder sonst wo gefunden hat. Oder: „Warum ist das Fenster nicht verschlossen?“ Bei Flagellationen bleiben manchmal Spuren zurück … die kann deine Figur im Spiegel betrachten und sich darüber wundern …

Ei holla, Nikoläuse und Nikolinen! Nehmt den Schreibgriffel in die Hand und fabuliert ins Blaue hinein. Es lohnt sich …

Über alle Monster der Nikolaus-Nacht klärt diese Seite auf - die Bilder sind köstlich, der Text leider fremdsprachlich. Bild: nachgearbeitete historische Buchillustration.

Sind Frauen auch mächtig, wenn sie lieben und lüsten?

Der Schatten der Macht, beharrlich wirkend
Macht und Ohnmacht liegen eng beieinander, wenn du dich ganz und gar vergisst und nur gelten lässt, was dir deine Lust befiehlt.

Und was ist, wenn du die Macht genießen willst? Wenn du über einen Mann erotisch herrschen willst, und sei es nur in einem eleganten Rollenspiel? Aufrechte Haltung markante Stimme, befehlsgewohnt, bedrohliche Wirkung durch Gebärdensprache?

Ich hab etwas gelesen, was mich etwas verwirrt. Sollte es stimmen, dann … ja, was ist dann eigentlich?

Frauen finden Wege, ihre Interessen durchzusetzen. Statt Machtworte zu sprechen, überzeugen Frauen anders, durch Beharrlichkeit zum Beispiel. Und erleben Momente, in denen sie sich mächtig fühlen.


Es stand in der ZEIT. Gemeint war wohl eher die berufliche Macht. Aber das ist viel zu ernst … und da fiel mir noch etwas auf:

Es gibt mehr als nur die männlichen Formen, Macht auszuüben.


Was nun? Auf zur ZEIT, um über die eigenen Machtgefühle zu berichten? Die Wochenzeitung sucht.

Momente der Macht – aus dem privaten Umfeld, aus Ihrem Berufsleben oder Ihrem Alltag, im Umgang mit Männern und mit Frauen.


Juckt es da nicht mancher Autorin in den Fingern? Obwohl – also ich denke oft: Macht ist in der Fantasie noch viel schöner als in der Realität. Die Realität ist immer so real, wisst ihr? Da musst du doch tatsächlich auch noch Verantwortung übernehmen, wenn du die Macht hast.

Die Zitate stammen aus der verlinkten Quelle: DIE ZEIT.

Dreier: Das Karussell mit drei Gondeln dreht sich … auch anders herum

Was gut für einen Mann ist, ist auch gut für eine Frau. Oder was ein Mann tun oder bekommen kann, kann auch eine Frau tun oder bekommen – die Soße, die gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter.

Britisches Sprichwort nebst Erklärung


Mann sucht Frau, Frau sucht Mann, Frau sucht Frau, Mann sucht Mann … das alles habt ihr schon mal gehört oder gelesen. Was aber ist mit diesen Sparten?

- Paar sucht Mann.
- Paar sucht Frau.
- Mann sucht Paar.
- Frau sucht Paar.


Da muss etwas anderes dahinterstecken, nicht wahr?

Und wenn ihr nun diesen erotischen Sündenpfuhl eintaucht, dann werdet ihr bald merken: Da ist ein bisschen mehr gefällig als nur ein Dreier, der von einem gelangweilten Ehepaar herbeigesehnt wird. Und die Solo-Männer und Solo-Frauen, die nach Paaren lechzen, was wollen die eigentlich?

Warum Dreier ohnehin als ziemlich frivol gelten

Alle diese Konstellationen sind asymmetrische sexuelle Verhältnisse, die noch weitaus mehr tabuisiert sind als beispielsweise der Partnertausch. Bei dem geht es wenigstens noch biologisch in die richtige Richtung, nur eben nicht ethisch. Und bei Dreiern ist schon deswegen etwas faul, weil da eigentlich einer übrig ist – ja, was macht der denn überhaupt?

Das ist genau das, worüber du dir klar werden musst, wenn du über sexuelle Beziehungen „zu dritt“ schreiben willst. Egal, ob sie deine Figuren an einem alkoholdurchtränkten Abend zufällig erlebt haben oder ob sie das Ergebnis einer Planung oder mehrerer Vorgespräche waren. Und vergessen wir bitte nicht: Es gibt auch Personen, die dauerhaft sexuell in Dreierbeziehungen zusammenleben.

Von ziemlich frivol bis ziemlich gewagt - alle Dreier

Generell gibt es vier Arten von Dreiern und eine Option, die immer häufiger vorkommt.

- MFF heterosexuell. Das, was der Mann sich meist in seinen Träumen vorstellt: Er hat zwei Frauen zur Verfügung, mit denen er sich parallel oder nacheinander vergnügen kann.
- MFF bisexuell. Auch das ist eine Version, die sich Männer gerne gefallen lassen. Wenn der Mann erschöpft ist, überlässt er das Feld der Lust den Frauen, die schon so ausgewählt wurden, dass mindestens eine bi-neugierig ist.
- FMM heterosexuell. Ein Frauenfavorit, denn sie kann sich sicher sein, von beiden Männern bewundert und begehrt zu werden..
- FMM bisexuell. Ein Favorit experimenteller Paare, bei denen der Mann seine Bi-Lüste nur in Anwesenheit einer Frau ausleben möchte.

Bei allen Varianten mit zwei Frauen kann eine von ihnen allerdings auch den männlichen Part übernehmen – das gilt als besonders frivol. Diese Variante kommt in der Literatur noch recht selten vor.

Neuerdings ist auch oft von SM-Varianten die Rede, bei denen zumeist einer der Männer lustvoll erniedrigt wird oder in denen die etwas gewagteren Varianten männlicher Bi-Neugierde zum Tragen kommen. Doch die Klischees, die das Internet darüber liefert, sind weit entfernt von der Realität. Denn selbst in offenen Beziehungen, in denen sonst fast alles möglich ist, greift die männliche Sperre, jemals bei einem Dreier einem Mann zu nahe zu kommen.

Ich zitiere mal sinngemäß eine Bloggerin:

Ich wünschte mir, mein Freund würde mal mitmachen, wenn ich einen anderen Mann „behandle“, und ich habe ihn auch schon mal ermutigt. Aber er will da nicht heran. Ich hätte nie gedacht, dass die Partitur so kompliziert wäre.


Es ist also nicht leicht, und weil es wirklich nicht "gängige Praxis" ist, fällt es den meisten Autorinnen und Autoren auch schwer, Dreier wirklich erregend zu beschreiben. Immerhin kannst du davon ausgehen, dass jede Leserin und jeder Leser das Thema „Dreier“ als ziemlich frivol ansieht – und dennoch gerne darüber liest, weil jedes Detail neugierig macht.

Falls ihr emotionslos an das Thema herangehen wollt - lest noch einmal das Zitat am Anfang und behandelt einfach Frauen und Männer gleich.

Nun seid ihr dran: Welches „Handwerkszeug“ habt ihr, und wie wollt ihr euer Figuren aufbauen? Ich bin sehr gespannt auf Vorschläge …

Eine Anmerkung: Bi-Neugierde und gleichgeschlechtliche Lust haben weder ursächlich noch zwangsläufig etwas mit sexueller Orientierung zu tun, wie in vielen Büchern behauptet wird.