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Vom Teufel zum Love-Bot - der „Altböse“ in der Erotik

Das feurige Herz des Teufels
Der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel - bereitete er mehr Vergnügen als der mit einem Mann? Und so der Teufel dies mehrfach an dir tat, ergab sich jedes Mal ein Samenfluss? (1)

Eines der immer wiederkehrenden Themen der Literatur ist die „Buhlschaft mit den Ausgeburten des Schattenreichs“, wo immer sie sich auch befinden mochten und wie auch immer man sie benannte.

Der Teufel erscheint nicht höchstselbst - er wandelt sich

Dabei kommt der Teufel nicht in der Gestalt des Satans, so wie er oft in Zeichnungen dargestellt wird: Weder gehörnt noch bockfüßig, sondern in Gestalt eines wunderschönen Jünglings. („In eines wackeren Jungen Gestalt“).

Mit großer Wahrscheinlichkeit ging es dem jungen Mann einfach darum, den Geschlechtsverkehr mit der Frau zu vollziehen - von einem Teufel konnte keine Rede sein. Überhaupt bedurfte es ja der üblen Nachrede und der Missgunst, um eine Frau anzuklagen, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Und so wurde unter dem Druck des „Richters“ und seiner Befragungsmethoden aus dem heimlichen Liebhaber der Teufel, der die Jungfrau heimsuchte.

Der Kampf gegen die Volksreligion und das Glied des Teufels

Oftmals wurden Frauen der Teufelsbuhlschaft bezichtigt, die an Fruchtbarkeitsritualen der Volksreligion teilgenommen hatten, namentlich Frühlingsfesten, bei denen die Frauen drogenartige Substanzen zu sich nahmen oder auf der Haut verrieben. Daher kommen die eigenartigen Begriffe für das Teufelsglied, das „Membrum Diaboli“. Die „Richter“ der damaligen Zeit machten sich sehr viele Mühe, um etwas über die „Beschaffenheit“ desselben zu erfahren. Üblicherweise wurden die „Dinger vor dem Leibe“ von den Frauen nicht als hübsch oder mächtig, warm oder lustvoll beschreiben, sondern als „kalt“, „hölzern“ oder „schuppig“.

Der Teufel ohne "echten" Penis?

Selbst, wenn wir für einige Sekunden annehmen, dass der Teufel wahrhaftig ist und irdische Varianten aller Art erzeigen kann, so wäre es absonderlich, wenn er ausgerechnet sein „Membrum“ nicht nach irdischem Vorbild gestalten könnte. Und in der Tat: Die „Sukkuben“ und „Inkuben“ der Literatur, allesamt sinnliche Dämonen, haben durchaus menschliche Penisse oder Vaginen. Begründet wurde dies damit, dass der Teufel jede Gestalt annehmen kann - auch die einer Frau. Warum sollte er auch nicht? Die Welten des Bösen waren - aus der Sicht der Mythen - überall zu finden. Selbst die Lilith, im Volksglauben die „erste Frau Adams“ feierte als dämonische Verführerin Triumphe. Wie später Eva, hat sie eine intensive Beziehung zu einem Baum und einer Schlange, und wie Eva wird sie aus diesem Paradis („dem Weltenbaum“) vertrieben.

Frauen - als die Religionen des Orients das Gute vom Bösen trennten

Im Grunde entstammen die Verführerinnen und Verführer in den altorientalischen Religionen einem Zweig, der später getilgt werden sollte, ohne dass dies jemals gelang. Zwar wurde der Weltenbaum gespalten, doch Lilith entfloh. Zwar erschuf der Christengott die erste Frau aus Lehm, aber sie verschwand spurlos. Zwar war Eva die Inkarnation der „guten Frau“, aber sie sündigte auf Befehl der Schlange, indem sie von der „Erkenntnis“ naschte. Frau und Schlange, manchmal auch eine gefiederte Version derselben und der Einfluss „des Bösen“ wirkten also weiter auf die Welt ein.

Was dem Mathematiker oder Biologen fremd sein mag, ist der Literatur durchaus recht: das Fremde, das Dämonische, das Unwirkliche und Undenkbare in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn die Wesen der Finsternis nicht plötzlich aus ihren Schlupfwinkeln auf die Erde vordringen, dann sind es neugierige Forscher, die sie verfolgen und dabei erwecken oder Künstler, die sie erschaffen und mit Leben behauchen.

Die neue Gestalt des Schattenreichs ist der Computer

In der erotischen Literatur lösen die Wesen der Unter- und Halbwelten Faszination und Furcht zugleich aus - davon leben die Vampir- und Gruselgeschichten. In der neuen Zeit sind sie etwas zurückgetreten - doch ihre Nachfolger sind schon da. Sie fußen auf Pygmalion, der Olimpia von E.T.A. Hoffmann und zahllosen Mythen und Halbwahrheiten über „Bots“ - Roboter, die wirkliche Liebe oder jedenfalls erregenden Sex vortäuschen können.

Jeder Physiker, Biologe oder IT-Fachmann wird dir nachweisen können, dass alles, was darübergeschrieben wird, nichts als böse Märchen für Erwachsenen sind. Denn die wahren „Bots“ sind Maschinen und Menschen, die Bedürfnisse erwecken und verstärken können, ohne sie zu erfüllen.

(1) Fragen des Richters an eine Frau, die der Teufelsbuhlschaft beschuldigt wurde.
Bild: ©: 2020 by Liebesverlag.de

Phönix steigt wieder auf - aus dem Staub der Archive

Wie schnell sich doch das Leben verändert – gestern noch dachte ich, dass ich dies Blog einfach seinem Schicksal überlassen sollte. Jeden Tag neue Ideen zu produzieren, mit dem Risiko, wegen des Stils oder der Inhalte angegriffen zu werden? Von Schreibschulen gehasst, vor Verleger(innen) und Autor(innen) ignoriert oder verachtet werden? Viel Aufwand und kein Ertrag?

Indessen fand ich eine kleine Goldgrube: alles, was „Die Erzählerin“ vor vielen Jahren schrieb. Und außerdem das Archiv von Johann Fürchtegott Gramse, das ich schon seit Jahren nicht mehr gesichtet hatte. Hinzu kamen noch einige kleinere Geschichten, die das Leben der bürgerlichen und adligen „höheren Töchter“ um die 1900er Jahrhundertwende schilderten, sowie einige nachempfundene Geschichten ähnlicher Art aus den frühen 1930er Jahren. Leider habe ich die vielen maschinengeschriebenen oder "hektografieren" erotischen Geschichten aus den 1950er Jahren verloren – aber vielleicht hat ja noch jemand einzelne Exemplare – oder kann sie nacherzählen.

Abschied von diesem Blog - vorläufig verschoben

Entspannter als zuvor, kämpferischer als zuvor
Es ist niemals gut, mit seinen Leserinnen und Lesern zu hadern. Und weil ich das vermeiden wollte, habe ich hier einmal gesagt, dass ich damit aufhöre, für euch zu schreiben.

Ich dachte, ich hätte mit „Sinnlich Schreiben“ nicht den Nerv, das Ohr, die Fingerspitzen, die Zungen oder auch Vaginen getroffen. Im Gegenteil, so glaubte ich, riefe ich hinaus in die Wüste, und nicht einmal die Schakale heulten, wenn ich schrieb.

Ich habe inzwischen nicht einige Hundert, sondern ein paar Tausend Arbeitsstunden an euch verfüttert, und vielleicht sind ein paar davon verschwendet worden an ein geiferndes Publikum, das ich nicht rufen wollte. Und ja - ich vermisse nach wie vor Lob und Kritik. Wer schon einmal irgendetwas geschrieben hat, weiß: Am meisten schmerzt, nicht wahrgenommen zu werden. Inzwischen bin ich gegen diesen Schmerz immun - das war nicht immer so.

Heute ist es mir wieder relativ gleichgültig, ob ich „ein Publikum“ habe oder „mein Publikum“ erreiche, und ich bin nach wie vor resistent gegen Verdächtigungen über meine Motive.

Ich habe mich auf die angeblichen „Niederungen“ der Erotik eingelassen, und ich halte erotische Werke nach wie vor für Literatur. Als Blogger und Journalist riskiere ich, nicht mehr „ernst genommen“ zu werden. Schriftsteller, Blogger und Journalisten wie ich werden stets beargwöhnt, nicht dem Guten, sondern dem Schlechten zugewandt zu sein. Denn immer noch ist „das Erotische“ etwas, das mit dem Gedanken an eklige, abwertende oder gar „kranke“ Denkweisen in Verbindung gebracht wird.

Doch das Einzige, was wird dagegen tun können, ist etwas zu veröffentlichen, was Sinn hat, gefällt und vielleicht sogar zu mehr Lust beiträgt.

Ja, ich hatte die Nase voll, nicht von Schnupftabak, sondern von einigen Idioten, die mich ignoriert haben. Aber ich habe, wie ihr sicher inzwischen festgestellt habt, dies Blog nicht einfach seinem Schicksal überlassen.

Der Text wurde im Juni 2020 vollständig verändert

Ist Ethik in der erotischen Literatur scheißegal?

Wer von Literatur redet, der meint das geschriebene Wort. Indem wir es niederschreiben, definieren wir nicht nur unser eigenes Universum, wir versuchen auch, in die Universen unserer Leser(innen) einzudringen.

Wie gehen wir dabei mit „Geschlecht und Identität“ um? Schludrig? Verantwortlich? Oder sagen wir uns einfach: „Lasst mich bitte in Ruhe mit dem Ethikkrempel, ich will meine Leser(innen) unterhalten?

Ich interessiere mich wahrhaftig für eure Antworten.

Es wäre gut, auch diesen Artikel zu lesen.

Sinnlich schreiben: Web Eins Null, Zwei Null oder Drei Null?

So, wie das World Wide Web in den Kriminalroman eingedrungen ist, so weit könnte es auch in den erotischen Roman vordringen.

Web 1.0 – der Anfang, schon ziemlich heftig

Sklave des Computers
Tatsächlich war es schon da, nur habt ihr’s vielleicht nicht gemerkt. Ob „VOX“, „My Tiny Life“ oder die „Cybergypsies“ – alles noch ein bisschen WEB 1.0. Hauptsächlich ging es um die ersten „virtuellen Welten“, Flirts in Chat-Boxen oder Liebeszauber per E-Mail. Das Interessante (auch wieder mit Parallelen zum Kriminalroman): Du weißt nie so genau, wer am anderen Ende sitzt: ein Betrüger, ein Spion, ein Zuhälter, ein Mörder gar? Die Spannung, aber auch der Konflikt entsteht aus dem Missverhältnis zwischen Realität und Wunschvorstellung. Es gibt Paare, die ganz bewusst die Illusion aufrechterhalten, zusammenzukommen, aber dies nie verwirklichen. Sie sind sozusagen Autorinnen/Autoren ihrer eigenen Träume, die sie nur dem anderen mitteilen, aber nicht einer weltweiten Leserschaft.

Web 2.0 – wo wir jetzt sind

Künstliche Welten, virtuelle Realitäten, vor allem aber vorbeihuschende Gesichter und Mitteilungen … dazu noch heftigere Leidenschaften, die Teil schamlos genutzt werden … das ist die Welt von Web 2.0. „Nutze es oder verliere den Kontakt mit deinen Freunden“, wird allen jungen Menschen suggeriert. Und sie nutzen es – intensiv, lustvoll, teils bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Das Paralleluniversum, schon in „Web 1.0“ heftig diskutiert, wird zur zweiten Heimat, zu dem Ort, in dem ein zweites Leben pulsiert, auch wenn es sich gar nicht um ein Leben handelt. Wenn Hans oder Grete im Netz flirten und dabei etwas naiv sind, kann ihr Partner ein „Chatbot“, eine Frau oder ein Mann sein, ein Detektiv oder ein professioneller Betrüger. Web 2.0 zu nutzen heißt, sich auf eine Reise in Abenteuer zu begeben, die zwar in der Realität stattfinden, die aber vom „Web“ weitgehend beeinflusst werden.

Web 3.0 – wo wir hinkommen

Dinge machen etwas selbst. Sie schalten sich ein und aus, benachrichtigen und bestellen automatisch, sie bringen Pakete und haben automatische Programme zur Selbstbefriedigung. Zugleich überwachen sie Räume und Körper, sammeln Daten und bringen Partner zusammen. Alles ist möglich, alles ist im Fluss. Noch ist dies eine Zukunftswelt, aber wir sind mitten drin, in sie hineinzugleiten. Und weil diese Welt so schillernd ist, werden sich viele wieder in eine Wohnhöhle hineinwünschen: kein WLAN, kein Handy-Funkverkehr. Was, wenn die Öko-Frau den Programmierer trifft? Was, wenn alle sozialen Schranken durch einen Wisch auf dem Handy überwunden werden: „Klar weiß ich, dass du ein arbeitsscheuer Macho bist – aber ich will dich im Bett haben?“ Gut, auch das ist nicht so schrecklich neu. Web 3.0 lebt von zweierlei: der Überzeugung, dass deine Figur der Dauerüberwachung entweichen kann und dem Wunsch, alles zu erproben, was die neue Technik zur Verfügung steht – und nicht nur technisch.

Bild: Computermagazin, historisch, ca. 1988