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Abschied von diesem Blog

Es ist niemals gut, mit seinen Leserinnen und Lesern zu hadern. Also sage ich einfach, dass ich damit aufhöre, für euch zu schreiben.

Ich habe mit „Sinnlich Schreiben“ nicht den Nerv, das Ohr, die Fingerspitzen, die Zungen oder auch Vaginen getroffen. Im Gegenteil, ich rufe hinaus in die Wüste, und nicht einmal die Schakale heulen.

Indem ich dies zugebe, habe ich einige Hundert Arbeitsstunden an ein Publikum verfüttert, dass es offenkundig nicht gibt. Ich weiß nicht, wer ihr seid und wie ihr denkt. Jedenfalls öffnet ihr euch weder für Lob noch für Kritik. Wer schon einmal irgendetwas geschrieben hat, weiß: Am meisten schmerzt, nicht wahrgenommen zu werden. Gegen diesen Schmerz hilft nur, sich der Öffentlichkeit zu verweigern.

In vielen anderen Bereichen ist es mir relativ gleichgültig, ob ich „ein Publikum“ habe oder „mein Publikum“ erreiche, und ich bin mittlerweile resistent gegen Verdächtigungen über meine Motive.

Wer sich aber auf die „Niederungen“ der Erotik einlässt, wird anders betrachtet als der gewöhnliche Autor oder Journalist: Er wird beargwöhnt, nicht dem Guten, sondern dem Schlechten zugewandt zu sein. Denn immer noch ist „das Erotische“ etwas, das mit dem Gedanken an eklige, abwertende oder gar „kranke“ Denkweisen in Verbindung gebracht wird. Und das will ich wirklich nicht.

Es ist soweit: Ich habe die Nase voll, und nicht mit Schupftabak. Ich verabschiede mich nun still und überlasse dieses Blog seinem Schicksal.

Ist Ethik in der erotischen Literatur scheißegal?

Wer von Literatur redet, der meint das geschriebene Wort. Indem wir es niederschreiben, definieren wir nicht nur unser eigenes Universum, wir versuchen auch, in die Universen unserer Leser(innen) einzudringen.

Wie gehen wir dabei mit „Geschlecht und Identität“ um? Schludrig? Verantwortlich? Oder sagen wir uns einfach: „Lasst mich bitte in Ruhe mit dem Ethikkrempel, ich will meine Leser(innen) unterhalten?

Ich interessiere mich wahrhaftig für eure Antworten.

Es wäre gut, auch diesen Artikel zu lesen.

Sinnlich schreiben: Web Eins Null, Zwei Null oder Drei Null?

So, wie das World Wide Web in den Kriminalroman eingedrungen ist, so weit könnte es auch in den erotischen Roman vordringen.

Web 1.0 – der Anfang, schon ziemlich heftig

Sklave des Computers
Tatsächlich war es schon da, nur habt ihr’s vielleicht nicht gemerkt. Ob „VOX“, „My Tiny Life“ oder die „Cybergypsies“ – alles noch ein bisschen WEB 1.0. Hauptsächlich ging es um die ersten „virtuellen Welten“, Flirts in Chat-Boxen oder Liebeszauber per E-Mail. Das Interessante (auch wieder mit Parallelen zum Kriminalroman): Du weißt nie so genau, wer am anderen Ende sitzt: ein Betrüger, ein Spion, ein Zuhälter, ein Mörder gar? Die Spannung, aber auch der Konflikt entsteht aus dem Missverhältnis zwischen Realität und Wunschvorstellung. Es gibt Paare, die ganz bewusst die Illusion aufrechterhalten, zusammenzukommen, aber dies nie verwirklichen. Sie sind sozusagen Autorinnen/Autoren ihrer eigenen Träume, die sie nur dem anderen mitteilen, aber nicht einer weltweiten Leserschaft.

Web 2.0 – wo wir jetzt sind

Künstliche Welten, virtuelle Realitäten, vor allem aber vorbeihuschende Gesichter und Mitteilungen … dazu noch heftigere Leidenschaften, die Teil schamlos genutzt werden … das ist die Welt von Web 2.0. „Nutze es oder verliere den Kontakt mit deinen Freunden“, wird allen jungen Menschen suggeriert. Und sie nutzen es – intensiv, lustvoll, teils bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Das Paralleluniversum, schon in „Web 1.0“ heftig diskutiert, wird zur zweiten Heimat, zu dem Ort, in dem ein zweites Leben pulsiert, auch wenn es sich gar nicht um ein Leben handelt. Wenn Hans oder Grete im Netz flirten und dabei etwas naiv sind, kann ihr Partner ein „Chatbot“, eine Frau oder ein Mann sein, ein Detektiv oder ein professioneller Betrüger. Web 2.0 zu nutzen heißt, sich auf eine Reise in Abenteuer zu begeben, die zwar in der Realität stattfinden, die aber vom „Web“ weitgehend beeinflusst werden.

Web 3.0 – wo wir hinkommen

Dinge machen etwas selbst. Sie schalten sich ein und aus, benachrichtigen und bestellen automatisch, sie bringen Pakete und haben automatische Programme zur Selbstbefriedigung. Zugleich überwachen sie Räume und Körper, sammeln Daten und bringen Partner zusammen. Alles ist möglich, alles ist im Fluss. Noch ist dies eine Zukunftswelt, aber wir sind mitten drin, in sie hineinzugleiten. Und weil diese Welt so schillernd ist, werden sich viele wieder in eine Wohnhöhle hineinwünschen: kein WLAN, kein Handy-Funkverkehr. Was, wenn die Öko-Frau den Programmierer trifft? Was, wenn alle sozialen Schranken durch einen Wisch auf dem Handy überwunden werden: „Klar weiß ich, dass du ein arbeitsscheuer Macho bist – aber ich will dich im Bett haben?“ Gut, auch das ist nicht so schrecklich neu. Web 3.0 lebt von zweierlei: der Überzeugung, dass deine Figur der Dauerüberwachung entweichen kann und dem Wunsch, alles zu erproben, was die neue Technik zur Verfügung steht – und nicht nur technisch.

Bild: Computermagazin, historisch, ca. 1988

Muttertag … ist kein MILF-Tag

Nicht heute ...
Muttertag ist keinesfalls MILF-Tag. Wem das nichts sagt, der ist mit dem Vokabular der Erotik-Branche, aber auch mit dem aktuellen Genre für Erotik-Autorinnen, nicht recht vertraut. Demnach war die MILF ursprünglich ein Traum pubertierender Jünglinge: eine reife, mütterliche Frau oder tatsächliche Mutter in ihren „Mittleren Jahren“. Nach und nach haben die Macher der Branche, vom seriösen Schriftsteller bis hin zum Sexschmierer, das Thema unter diesem Namen aufgegriffen. Und mittlerweile nennen sich auch die Heldinnen dieses Genres so.

Meist wird der begriff i, Zusammenhang mit der Gier eines jungen Mannes verwendet. Dann ist die MILF eine Frau, die einen möglichst barrierefreien Zugang zu allen sexuellen Spielarten bietet, manchmal aber auch als aktive Sex-Lehrerin agiert.

Die MILF selber als Protagonistin oder Figur liebt es, mit jüngeren Männern erotisch zu spielen oder sie anzuleiten, genau ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Was das mit dem Muttertag zu tun hat? Eines der bekanntesten Sex-Video-Portale blockierte am vergangenen Muttertag den begriff MILF, und er ihn aufrief, bekam den Hinweis:

Es ist Muttertag! Ruf deine Mutti an, OK? Die MILFS können noch warten


Ob das den lüsternen jungen Männern einen Impuls gegeben hat? Es war jedenfalls ein Werbegag, und er soll große Anerkennung gefunden haben.

Wo ich gerade von Impulsen sprach: Altersunterschiede (unter Volljährigen selbstverständlich) sind immer interessant, wenn der Altersunterschied mehr als 20 Jahre beträgt. Dann hast du zwei Welten, die überwiegend durch ihre sinnliche Begierde zueinanderfinden. Es soll eine Win-win-Situation sein – oder ist es ein Albtraum?


Quelle: The Gentleman

Schreiben ist eher Leidenschaft als Technik

Schreiben heißt nicht, Wörter zu Sätzen zusammenzufügen. Es heißt nicht einmal, dies besonders gut zu können. Schreiben ist eine Leidenschaft. Sie erfordert von dir, dass du deine Gefühle kennst, und dass du sie gegebenenfalls überwindest. Wenn die Gedanken nicht in dir brennen, wenn du nicht der Überzeugung bist, dass sie heraus müssen und in die Welt sollen – dann lass es doch lieber. Kürzlich las ich einige Sätze, die ich euch nicht vorbehalten will. Sie sind ein Stakkato der Leidenschaft … und sie stammen von einem erfolgreichen Autor:


Es gibt keine magische Formel, um anzufangen. Es verlangt von dir lediglich, dass du intensiv am Leben teilnimmst, dass du aufmerksam verfolgst, was dich interessiert und dass du dem Jagdfieber folgst, das diese Interessen hervorrufen. Und weiter, dass du dich niemals fürchtest, darin tief einzudringen oder dich noch weiter in sie hineinzusteigern, vielleicht bis in die Tiefen des Kaninchenlochs (1), wenn du glaubst, dass es nötig ist.


Der Autor und Journalist Dan Savage (frei übersetzt) nach einer Aussage aus seinem Buch „Every Tool's a Hammer: Life Is What You Make It“

(1) Nach dem Vorbild von „Alice im Wunderland“, die ins Kaninchenloch abtaucht, um wundersame Wandel und kühne Wahrheiten zu erfahren.