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Gebunden sein zwischen "Tu es!" und "Wehe, du tust es!"

Widersprüche zwischen Lüsten, Normen und Verhaltensweisen
Ein altes Thema holte mich dieser Tage wieder ein: Doppelbindung. Wer das googlen sollte, wird schneller verwirrt, als dass er korrekte Information bekommen würde.

Tu es, aber wehe du beginnst wirklich damit

Sagen wir’s mal so: Wenn du etwas tun sollst, aber es eigentlich lieber lassen solltest, dann sitzt du in der Klemme. Da sagt die Mutter zur Tochter: „Gehe endlich mal deine eigenen Wege und spiel nicht dauernd mit dem Handy herum – aber wehe, du lässt dich da draußen auf Männer ein.“ Das ist eine häufige Version des alten Themas: „Tu endlich etwas – aber wehe, es hat Konsequenzen“.

Bei Dates ist die Methode „Doppelbindung“ beliebt

Bei Dates wird häufig eine Methode angewendet, die aus einem inneren Konflikt einen äußeren macht. Die Frau hat sich mit viel Mühe die Zeit für ein Date erkämpft, war beim Friseur und bei der Kosmetikerin, hat sich sexy Wäsche als letzte Hülle besorgt und zeigt mit jeder Faser, dass sie erwartet, verführt zu werden. Sagt ihr in Aussicht genommener Lover aber zu früh: „Komm lass uns zu mir gehen, du hast doch nichts anderes vor?“, wird sie vielleicht antworten: „Hältst du mich für eine Schlampe, die gleich mit jedem mitgeht?“

Ein sehr populäres Beispiel aus jüngster Zeit: Sie gilt als emanzipiert und ist auffällig feministisch orientiert. Er fragt politisch korrekt, ob er sie küssen darf. Sie sagt: „Mann, was bist du für ein Schlappschwanz … wenn du so fragst, kannst du gleich in den Wind schießen!“

Bindung an Begierde und Bedenken zugleich

Die Doppelbindung ist also eigentlich keine „Doppelte Bindung“, sondern eine Bindung an zwei Teile eines offenkundigen Widerspruchs, so wie im Schlager „Komm“ (1):

Sie denken sicher weiß Gott was,
weil ich Sie eingeladen hab’,
und Sie sind jetzt mit mir allein!

Vielleicht ist’s besser, dass Sie geh’n,
Sie glauben sonst wohlmöglich noch,
das ist so üblich hier bei mir.


Vielleicht hat der Schlagertext euch den letzten Kick gegeben, um den Widerspruch zu verstehen. „Verführ mich um Himmel willen endlich, aber glaub ja nicht, dass ich die Absicht dazu hatte.“

Doppelte Bindungen im erotischen Roman

Im erotischen Roman kannst du diesen Umstand jederzeit verwenden, und viele Autorinnen tun es auch schon. Dabei kannst du von verschiedenen Widersprüchen ausgehen:

1. Was sie sagt, passt nicht zu ihrer Körperhaltung. Üblicherweise sagt sie, dass sie keinen Sex will, kann aber die Beine nicht zusammenhalten und ihre Augen strahlen Bedürftigkeit aus.
2. Das Gegenteil: Sie sagt etwas sehr Sinnliches. Ihre Körperhaltung ist dabei aber steif und unnahbar.
3. Sie weist ihn ab, als er sie küssen will. Als er sie später fragt, ob er sie küssen darf, sagt sie: „So geht es schon gar nicht.“
4. Ihre Kleidung passt nicht zu ihrem Anliegen. Sie wünscht, dass er ihr Buch beurteilt, aber sie ist so aufregend angezogen, dass er völlig abgelenkt wird.

Umsetzung des Widerspruchs

Die Widersprüche können deiner Figur bewusst sein oder auch nicht – sie können aber auch ein Trick sein, um die Partner(innen) zu täuschen. Oder sie können Teil eines verborgenen psychischen Problems sein, dass durch eine Provokation gelöst werden soll oder eben auch zufällig gelöst wird.

Ein Beispiel aus einem Roman – die Entlarvung

In einem sehr erotischen Roman (2), der in Deutschland kaum bekannt ist, entlarvt die lesbische Verführerin ihre unschlüssige Partnerin, in dem sie die Widersprüchlichkeit aufdeckt:

Du bewegst jedenfalls deinen Bürzel wie ein Mäuschen vom Kabarett mit dem kleinen Fummel zwischen den Beinen, ohne den kleinsten Hintergedanken … oder? Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Art, wie du dienen Hintern bewegst und dem, was dein verführerisches Mündchen hervorbringt.


Entsprechen geht es weiter. Nach und nach verliert sich die Fassade, und die Verführerin wird noch deutlicher:

Du bist eine heilige Kokotte. Du liebst es, wenn man dir in den Schritt schielt, und dabei tust du so, als ob du es gar nicht bemerkst.


Andere Möglichkeiten

Die „Entlarvung“ ist nicht unbedingt nötig, macht sich als Stilmittel aber gut, weil nun die Fassade bröckelt und die zur Schau getragene Schicht (in diesem Fall der heterosexuellen, distanzierten Journalistin) ganz von der Person abfällt.

Wichtiger ist, die Gegensätze, an die deine Figur innerlich gebunden ist, deutlich zu machen. Die naturgegebene Wollust gegen die gesellschaftliche Konvention, die Furcht vor Entlarvungen gegen die Begierde, die religiöse Bindung gegen den liberalen Anspruch. Das „warnende Mäuschen hinter dem Ohr“ gegen den Anspruch auf eigenständige Lüste. Es mögen nicht alles wirkliche „Doppelbindungen“ sein – immerhin aber es sind bekannte Konflikte, die „an die Nieren gehen“, und sie quälen deshalb die Figuren erotischer Romane immer wieder.

(1) Gerog Kreisler, gesungen von Topsy Küppers)
(2) Fuchsia (Autorin Anne Félix)
Bild: Carouchet, Teilansicht (1904) in: La Flagellation à travers le monde

Frauen als aggressive Verführerinnen - das Rollentausch-Phänomen

Bild einer Tierlehrerin, als Zirkusplakat benutzt
Wenn du nach einer Idee (oder nach einem Plot) für ein erotisches Werk suchst, wirst du wenig Erfolg haben. Es gibt zwar mehrere Autorinnen (auch Schreib-Lehrerinnen), die dir verraten, wie du die Basis für eine romantische Liebesgeschichte (inklusiv diverser Konflikte) entwickelst, aber was fehlt, sind entsprechende „Kataloge“ für Erotik-Autorinnen.

Jüngst fand ich eine Idee, die im erotischen Roman immer „geht“ und die inzwischen viel Erfolg hat - das Rollentausch-Phänomen. Doch zunächst lassen wir mal die Klischees sprechen.

Der Mann als böser Verführer

Sieh mal, der Mann tritt fast immer als Verführer oder Bedränger auf, vom sanften, wortreichen Gentleman-Verführer bis zum aggressiven, fordernden und drangsalierenden Macho. Es gab einmal Zeiten, in der nahezu jeder Mann die gleiche, schnöde und irgendwie abgeschmackte Rolle spielte. Sie war so gut wie „vorgeschrieben“ und ein heimliches Konzept bei jeder Verabredung: Versuche es in jedem Fall, Mann – wenn sie „nein“ sagt, kannst du immer noch aufhören. Das Spiel gab es in Dutzenden von Verfahrens- und Verhaltensweisen. Die modernste ist die Dating-Variante (aus der Sicht einer Frau):

Ich werde dich hassen, wenn du versuchst, mich ins Bett hineinzureden – ich bin schließlich kein Flittchen, die für jeden zu haben ist. Aber wehe, du versucht nicht wenigstens, mich in Betracht zu ziehen – bin ich dir etwa nicht attraktiv genug?


Natürlich kannst du auch aus dieser Art einer sogenannten „Doppelbindung“ eine hübsche Geschichte formen. Eine „Doppelbindung“ in der Erotik entsteht immer, wenn jemand versucht, dich erotische zu begeistern und dich zugleich moralisch davon abhält, es auch wirklich mit dir zu praktizieren. Es gibt viele andere Varianten – doch davon vielleicht später einmal.

Rollenwechsel - Frauen verführen und bedrängen

Drehen wir im Moment mal die Rollen der Verführung, Bedrängung oder Aufforderung zum Sex um.

Dann wäre deine Protagonistin jemand, der um jeden Preis versucht, eine andere Person in eine ausweglose Situation zu bringen. Wenn ich schreibe „ausweglos“, bedeutet dies nicht, dass es niemals den „Weg hinaus“ gegeben hätte. Zumeist geht es um „gewillkürte Abhängigkeiten“, von denen die „Salamitaktik“ am bekanntesten ist. Neben sozialen Abhängigkeiten werden oftmals psychische Verstrickungen oder eine Pseudo-Gefangenschaft genutzt, um den Widerstand der männlichen Partner zu brechen. Oder aber auch seine Begierde so stark anzufachen, dass er alle Vorsicht und ethischen Überzeugungen vergisst.

Der Mann im Spinnennetz weiblicher Verführung

Das Thema funktioniert in zwei Varianten:

Weicher Mann

Der weiche Mann will natürlich Sex, fürchtet sich aber vor jeglicher Konsequenz. Er wird zumeist körperlich oder emotional gedemütigt und als williges Objekt benutzt. Klar, dass er einverstanden sein muss – aber er hatte eigentlich andere Vorstellungen vom Verlauf der Begegnung. Am Ende ist er froh, dass er überhaupt ein sexuelles Erlebnis mit deiner Protagonistin haben dufte.

Harter Mann

Der harte Mann kommt siegessicher daher, und er denkt, die Frau schenkt ihm sowieso alles, was Männer beglückt. Er wird „gebrochen“, das heißt, ihm wird die Kläglichkeit der männlichen Existenz vor Augen geführt, damit er in das Spiel einwilligt, dass deine Protagonistin mit ihm plant. Am Ende wischt er sich die Augen und denkt: „Wie konnte ich nur?“

Tipp: Wissen über das Rollenverständnis aneignen, bevor du tauscht

Ein Tipp: Wenn du wirklich mit einem Rollenwechsel spielst, solltest du sicherstellen, dass du beide Rollen recht gut kennst und weißt, was sich „drehen“ lässt und was nicht. Denk dran, dass die meisten Männer die Rolle des „Hineingetricksten“ oder Bedrängten nicht akzeptieren würden – sie würden sich wehren. Das Gegenmittel ist das Versprechen, das es irgendwann und irgendwie doch noch Sex gibt, und das ist praxiserprobt und keine schnöde Fantasie. Denk auch dran, dass du eine konsequente, manchmal kompromisslose Protagonistin benötigst, und stelle sie glaubhaft dar.

Hinweis: Das Zitat stammt aus einem Gespräch mit einer Dame, die Online-Dating betreibt und jedes Mal viel Aufwand verwendet, um sich attraktiv darzustellen.

Die Person in deiner Geschichte - kritisch betrachtet

Und am Ende füge man die Figur hinzu ...
Was wichtig ist? Das Thema? Na gut. Das Plot? Na ja. Die „Dramatik“? Großes Wort, aber was denn nun? Ach, der Hauptkonflikt etwa? Die Person? Wie, es gibt da auch noch eine Person? Ja, es gibt sie – die Hauptfigur, vorzugsweise die Person, die erzählt. Es ist die Figur, um die sich alles dreht – jedenfalls zumeist.

Alles durchplanen, dann Figuren erfinden?

Ich habe jüngst gelesen, dass sich Schriftsteller erst um „alles andere“ kümmern sollten, bevor sie ihre Figur entwickeln. Na schön, jeder darf eine Meinung haben. Ich muss dabei unwillkürlich lächeln – und glaube kein Wort davon. Du kannst keine Handlung entwickeln, wenn du deine Person nicht ganz genau im Auge hast – schließlich soll sie ja die Geschichte erzählen, durchleben und gegebenenfalls durchleiden.

Ach, das soll sie gar nicht?

Marionette oder Protagonistin?

An dieser Stelle entgleitet mir die Welt professioneller Schreibschulen. Wenn die Person erst ziemlich weit hinten steht, wie glaubwürdig ist sie dann noch? Und warum denke ich da zum Beispiel an Anastasia Rose Steele, die von ihrer Schöpferin wie eine Marionette im Roman spazieren geführt wird? Nein, ich habe den Erfolg dieser Bücher nicht vergessen. Und dennoch darf ich sie für mies halten – das gestatte ich mir einfach.

Also gut, das war die Kritik. Doch immerhin – auch Schreiblehrer(innen) und Schreibschulen brauchen Figuren. Man nennt die Hauptfigur auch den Protagonisten, also denjenigen, der „zuerst handelt“. Die Klassiker benötigen noch einen Antagonisten, also einen Gegenspieler. „Protagonistin“ ist ein großes Wort für eine kleine Figur, die noch nicht mit Leben befüllt wurde..

Die mit Eigenschaften ausstaffierte Figur

Zu meiner Freude erfuhr ich auf einigen schriftstelleraffinen Seiten: Ja, irgendwie ist der der Protagonist ja nun doch wichtig, der Held, die Heldin, die Figur … denn sie verändert sich im Laufe der Geschichte am meisten. Hübsch, dass man ihr wenigstens zutraut, „sich“ zu verändern. Im Übrigen, auch das las ich, sei es nun ganz wichtig, diese Person „auszustatten“. Vorzugsweise mit etwas Ungewöhnlichem, und ich frage mich: ja, mit was denn sonst? Wird sich jemand für einen Buchhalter interessieren, der Tag für Tag in sein Kontor geht, sich jeden Tag von seiner Ehefrau ein Fleischgericht kochen lässt und sie am Samstag Abend in Missionarsstellung vögelt?

Na gut, ich entschuldige mich für das Vögeln. Für den Rest, so denke ich, muss ich mich nicht entschuldigen. Wer alles andere an den Anfang stellt, bevor er die Person überhaupt erwähnt, muss sich gefallen lassen, das man so lapidare Sätze wie „statte deine Person mit etwas Interessantem aus“, mit Spott überzieht.

(Oh, ich weiß, dass ich in diesem Punkt angreifbar bin, danke für die Brennnesseln und Rosen).

Die Person in den Mittelpunkt stellen

Gut, gut … also, für mich gehört die Person in den Mittelpunkt. Ob sie ein echtes Schicksal durchlebt oder ob du sie als verlängerte Spielwiese deines erotischen Dranges benutzt, ist ziemlich gleichgültig. Deine Leserin muss ihr später unter die Haut kriechen können und mit ihr weinen, mit ihr lüsten und mit ihr leiden.

Die Person, von der du nicht weißt, wozu sie fähig ist

Wenn du zu schreiben anfängst, dann beschäftige dich mit einer Person an, die du kennst, von der du aber noch nicht alles weißt. Die geeignetste Person bist du wahrscheinlich selbst. (1) Wenn du das nicht so siehst, dann suche dir eine Person, die dich schon immer fasziniert hat: eine, die wesentlich selbstbewusster ist als du. Oder wesentlich unterwürfiger. Es ist sehr günstig, das Milieu zu kennen, in dem sie lebt oder nach dem sie sich sehnt. Erstaunlicherweise ist das Alter nicht ganz so wichtig, und manchmal nicht einmal das Geschlecht. Ich denke, die meisten Menschen erkennen, wenn eine soziale Umgebung, eine erotische Praxis oder ein Ort falsch beschrieben wird. Sie erkennen hingegen kaum, ob ein inneres Gefühl exakt dargestellt wird. Wieder mal sind die „Shades of Grey“ ein „gutes“ Beispiel für das Schlechte: Ach, Miss Steel durfte die Peitsche zwischen den Beinen spüren? Da sagt sie „Aua“. Ja was sagt eine naive Leserin denn sonst …?

Die Person - anders definiert

Na ja, also wir waren bei der Person, nicht wahr?

Das Wichtigste ist, dass deine Person, dein Protagonist, dein Held oder deine Figur zum Leben erwacht. Auch, wenn es schon andere tausendfach geschrieben haben, sage ich es noch einmal:

Deine Figur ist keine Bauchrednerpuppe, die du an der Hand führst. Sie ist eine Person, und sie will hinaus auf die Bühne ihrer bescheidenen kleinen Existenz, die du ihr gibst.

Nimm einmal an, du würdest die Geschichte einer Schriftstellerin schreiben, die gerade ihr erstes erotisches Werk beginnt, und die eine Figur entwickelt, die so viel freier und sinnlicher ist als sie selbst. Das Schreiben über diese Figur würde das Leben ihrer Autorin verändern, sodass sie selbst freier und sinnlicher würde, und dies wiederum würde die Figur zu noch sinnlicheren Höhepunkten führen.

Hast du das ganze Szenario noch vor Augen? Dann ahnst du vielleicht, warum Figuren in sinnlichen Geschichten nicht einfach Marionetten sind, und warum du sie nicht nach festgelegten Handlungsabläufen agieren lassen solltest.

(1) Die Person, die du beschreibst, und die Person, die du bist gehen eine Beziehung ein. Und wenn du aufgefordert wirst, ein „psychologisches Profil“ deiner Person zu beschreiben, dann überlege dir mal, ob du es überhaupt schaffst, ein „psychologisches Profil“ von dir selbst zu entwerfen.
Zeichnung: Historisch, ca. 1818

Plots – was ist das eigentlich?

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, was Plots sind und ob und wann sie sinnvoll und notwendig sind. Am Ende stelle ich einige, wenige Plots vor, die in der erotischen Literatur sinnvoll sein könnten.

Mit neuen Wörtern aus dem Englischen kann man einfache Gemüter immer wieder beeindrucken. Und ein „Plot“ ist ein solches Wort. Es lässt sich leicht entzaubern, indem wir den Begriff des Grundschullehrers vergangener Tag verwenden: Es ist ein Handlungsgerüst.

Meilensteine in Geschichten erwünscht? Dann nimm Plots!

Ich will das mal so erklären: Wenn du mit dienen Gedanken wanderst und genau weißt, wohin du willst, dann kannst du unterwegs „Meilensteine“ oder „Wegzeichen“ setzen. Von „A“ nach „“E“ geht es also über B, C und D.

Das wird im Lexikon der Literatur (online) so erklärt:

Bevor der Autor die Handlung genau aufschreibt, überlegt er sich in der Regel zuerst das Gerüst seiner Geschichte. Er überlegt sich also, welche Personen, Orte, Ereignisse in seiner Geschichte auftreten, welche Verwicklungen geschehen und wie sie wieder gelöst werden können. (…) Wichtig bei einem Plot ist, dass die einzelnen Ereignisse logisch und wahrscheinlich aufeinander folgen und die Personen stimmig gezeichnet sind.


Im sogenannten „narrativen“ (erzählerischen) Schreiben könnte ein Plot notwendig werden, wenn deine Geschichte ohne Plot unübersichtlich oder unlogisch wäre oder relativ viele Personen, Ort und Ereignisse vorkämen.

Und wie wäre es ohne Plot?

Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass Schreibanfänger oder schreibende Enthusiasten sich gleich an Werke wagen, die Romanlänge haben, und die sich nicht in Episoden aufteilen lassen. Und da wäre natürlich sofort die Frage: was wäre, wenn wir kein Plot verwenden würden?

Ganz einfach: Wenn jemand übersichtliche Geschichten mit wenig beteiligen Personen (zwei oder drei) schreibt, die an einem Ort spielen und in denen ein Ereignis dominiert – dann braucht er kein Plot.

Manche Autoren verwenden auch deshalb keine Plots, weil sie ihrer Hauptfigur einen Freiraum lassen wollen. Wir haben ja gehört, dass Plots „Meilensteine“ benötigen. Es mag aber sein, dass deine Figur in höchster Erregung (als kurz vor dem Höhepunkt der Geschichte) einer anderen Weggabelung folgt – auf der naturgemäß keine Meilensteine zu finden sind.

Kannst du Standard-Plots verwenden?

Für erotische Geschichten, in denen die spontane Leidenschaft oft eine große Rolle spielt, sind nur wenige Standard-Plots wirklich geeignet. Dazu muss man wissen, dass Standard-Plots zumeist an die erzählerische Aufbereitung von Schicksalen gebunden sind. Sie beschäftigen sich daher mit dem Aufstieg und dem Fall, auch dem erneuten Aufstieg und einem erneuten Abstieg) von Personen.

Märchenhafte Lust und Liebe

Oft wird das Cinderella-Plot verwendet. Es ist dem märchenhaften Aufstieg, dem vorübergehenden Fall und dem erneuten Aufstieg des „Aschenbrödels“ entlehnt. Weil es märchenhaft und anrührend ist, wird es oft in Liebesromanen verwendet. Allerdings ist das Plot (wie auch das Thema) schrecklich abgegriffen.

Abenteuer Lust

Spielen in dem Cinderella-Plot noch Gerechtigkeit, Mitleid und Rührung die Hauptrolle, so ist die „Suche nach dem (wahren) Glück“ die willkürliche Suche nach Lust, Liebe und Leidenschaft. Das Abenteuer beginnt also aus reiner Lust und Neugierde. Daher musst du auch kein Ziel definieren. Hat deine Figur das Glück gefunden, ist deine Geschichte beendet.

Wiedergeburt (verändert oder geläutert werden)

Die Liebe verändert manche Menschen radikal. Um dies zu schildern, ist ein besonders heftiges erotisches, oft auch magisches Ereignis nötig. In diesem Plot kommt deine Figur durch wenige Erlebnisse „als ein anderer Mensch“ oder „wie umgewandelt“ zurück.

Reise und Rückkehr

Dieses Plot hat Tradition. Jemand wird auf eine wirkliche oder emotionale Reise geschickt, die ihn verändert. Meist werden dabei viele Stationen durchlaufen, in denen deine Figur etwas über sich selbst lernt. Im erotischen Roman sind es Episoden, die ihre erotische Persönlichkeit formen. Im Gegensatz zu „Wiedergeburt“ liegt der Wandlung also ein Lernprozess zugrunde. Diese Methode ist sehr gut geeignet, um einzelne Episoden zu beschreiben, die in sich auch abgeschlossen gelesen werden können.

To Plot or not to Plot?

Solltest du nun „plotten“ oder lieber nicht „plotten“? Wenn du rein erzählerisch vorgehen willst und dir über Weg und Ziel bei einem langen Werk (Roman) allzeit klar sein willst, dann kannst du Plots entwerfen. Ansonsten geht’s jederzeit ohne Plot und auch ohne Literaturtheorie.

Liebe, Beziehung – oder reichen auch Lust und Neugierde?

Die Beziehung entsteht im Kopf - auch zu einer Statue
In der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte“, habe ich kürzlich geschrieben. Doch ich weiß natürlich (und ich denke, ihr auch) dass eine Unzahl von Kurzgeschichten und Episodenromanen gibt, in denen es um ein meist hocherotisches Solo-Thema geht.

Bei dieser Frage hilft uns eine bekannte Autorin (eigentlich die einzige, die sich wirklich ums Thema bemüht), nämlich Elisabeth Benedict (1). Sie stellt vier Eckpunkte auf, die in einem erotischen Roman unbedingt berücksichtigt werden sollen, und die ich hier stark gekürzt wiedergebe:

1. Guter Sex ist nicht nötig, aber gutes Schreiben ist unerlässlich.
2. Eine gute Sex-Szene sollte immer … im Handlungsablauf von Bedeutung sein.
3. Bedürfnisse und Impulse sind der Treibstoff für Sex-Szenen.
4. Die Beziehungen der Figuren zueinander sind ausschlaggebend.


Das heißt nun: Wenn wir die Liebe als Motor für die erotischen Gelüste ausschließen, bleiben immer noch zwei Motivationen: Bedürfnisse und Impulse. Frau Benedict nennt auch noch Vergangenheiten, doch ich würde eher dazu neigen, Neugierde als wesentliches Motiv einzubringen.

Die Frage nach der Beziehung zueinander

Was nun die Beziehungen der Personen zueinander angeht, so hilft uns die moderne Psychologie tatsächlich weiter. Auch wenn wir keine offenkundige Beziehung zu einer anwesenden Person haben, so ist es doch unmöglich, gar keine Beziehung zu ihr zu haben – schon gar nicht in einer Sexszene. Wer diesen Satz für schwer verdaulich hält, sollte sich vergegenwärtigen, dass der Glaube daran, eine sinnliche Beziehung zu jemandem zu haben, völlig ausreicht, um anzunehmen, ihn/sie zu lieben.

Wer die Beziehungen gar nicht berücksichtigen mag, wird fast unweigerlich zum Pornografen. Wer es tut, kann zudem nur noch beschreiben, was die Person „A“ mit der Person „B“ treibt und wie „B“ darauf reagiert. Das ist übrigens eine weitere Folge „traditionellen“, also erzählerischen Schreibens: da passiert etwas, dann passiert wieder etwas und danach passiert noch etwas.

Auf diese Weise wirst du niemals die Motive, Gedanken, Gefühle oder die verborgener Beziehung berühren. Denke dabei ruhig einmal an Pygmalion oder die Liebe japansicher Männer zu ihren teuren und exklusiven Sex-Puppen.

Zufrieden mit der Antwort? Wenn nicht, dann hinterlasse hier einfach einen Kommentar.

(1) Erotik Schreiben, New York 2002