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Die Person in deiner Geschichte - kritisch betrachtet

Und am Ende füge man die Figur hinzu ...
Was wichtig ist? Das Thema? Na gut. Das Plot? Na ja. Die „Dramatik“? Großes Wort, aber was denn nun? Ach, der Hauptkonflikt etwa? Die Person? Wie, es gibt da auch noch eine Person? Ja, es gibt sie – die Hauptfigur, vorzugsweise die Person, die erzählt. Es ist die Figur, um die sich alles dreht – jedenfalls zumeist.

Alles durchplanen, dann Figuren erfinden?

Ich habe jüngst gelesen, dass sich Schriftsteller erst um „alles andere“ kümmern sollten, bevor sie ihre Figur entwickeln. Na schön, jeder darf eine Meinung haben. Ich muss dabei unwillkürlich lächeln – und glaube kein Wort davon. Du kannst keine Handlung entwickeln, wenn du deine Person nicht ganz genau im Auge hast – schließlich soll sie ja die Geschichte erzählen, durchleben und gegebenenfalls durchleiden.

Ach, das soll sie gar nicht?

Marionette oder Protagonistin?

An dieser Stelle entgleitet mir die Welt professioneller Schreibschulen. Wenn die Person erst ziemlich weit hinten steht, wie glaubwürdig ist sie dann noch? Und warum denke ich da zum Beispiel an Anastasia Rose Steele, die von ihrer Schöpferin wie eine Marionette im Roman spazieren geführt wird? Nein, ich habe den Erfolg dieser Bücher nicht vergessen. Und dennoch darf ich sie für mies halten – das gestatte ich mir einfach.

Also gut, das war die Kritik. Doch immerhin – auch Schreiblehrer(innen) und Schreibschulen brauchen Figuren. Man nennt die Hauptfigur auch den Protagonisten, also denjenigen, der „zuerst handelt“. Die Klassiker benötigen noch einen Antagonisten, also einen Gegenspieler. „Protagonistin“ ist ein großes Wort für eine kleine Figur, die noch nicht mit Leben befüllt wurde..

Die mit Eigenschaften ausstaffierte Figur

Zu meiner Freude erfuhr ich auf einigen schriftstelleraffinen Seiten: Ja, irgendwie ist der der Protagonist ja nun doch wichtig, der Held, die Heldin, die Figur … denn sie verändert sich im Laufe der Geschichte am meisten. Hübsch, dass man ihr wenigstens zutraut, „sich“ zu verändern. Im Übrigen, auch das las ich, sei es nun ganz wichtig, diese Person „auszustatten“. Vorzugsweise mit etwas Ungewöhnlichem, und ich frage mich: ja, mit was denn sonst? Wird sich jemand für einen Buchhalter interessieren, der Tag für Tag in sein Kontor geht, sich jeden Tag von seiner Ehefrau ein Fleischgericht kochen lässt und sie am Samstag Abend in Missionarsstellung vögelt?

Na gut, ich entschuldige mich für das Vögeln. Für den Rest, so denke ich, muss ich mich nicht entschuldigen. Wer alles andere an den Anfang stellt, bevor er die Person überhaupt erwähnt, muss sich gefallen lassen, das man so lapidare Sätze wie „statte deine Person mit etwas Interessantem aus“, mit Spott überzieht.

(Oh, ich weiß, dass ich in diesem Punkt angreifbar bin, danke für die Brennnesseln und Rosen).

Die Person in den Mittelpunkt stellen

Gut, gut … also, für mich gehört die Person in den Mittelpunkt. Ob sie ein echtes Schicksal durchlebt oder ob du sie als verlängerte Spielwiese deines erotischen Dranges benutzt, ist ziemlich gleichgültig. Deine Leserin muss ihr später unter die Haut kriechen können und mit ihr weinen, mit ihr lüsten und mit ihr leiden.

Die Person, von der du nicht weißt, wozu sie fähig ist

Wenn du zu schreiben anfängst, dann beschäftige dich mit einer Person an, die du kennst, von der du aber noch nicht alles weißt. Die geeignetste Person bist du wahrscheinlich selbst. (1) Wenn du das nicht so siehst, dann suche dir eine Person, die dich schon immer fasziniert hat: eine, die wesentlich selbstbewusster ist als du. Oder wesentlich unterwürfiger. Es ist sehr günstig, das Milieu zu kennen, in dem sie lebt oder nach dem sie sich sehnt. Erstaunlicherweise ist das Alter nicht ganz so wichtig, und manchmal nicht einmal das Geschlecht. Ich denke, die meisten Menschen erkennen, wenn eine soziale Umgebung, eine erotische Praxis oder ein Ort falsch beschrieben wird. Sie erkennen hingegen kaum, ob ein inneres Gefühl exakt dargestellt wird. Wieder mal sind die „Shades of Grey“ ein „gutes“ Beispiel für das Schlechte: Ach, Miss Steel durfte die Peitsche zwischen den Beinen spüren? Da sagt sie „Aua“. Ja was sagt eine naive Leserin denn sonst …?

Die Person - anders definiert

Na ja, also wir waren bei der Person, nicht wahr?

Das Wichtigste ist, dass deine Person, dein Protagonist, dein Held oder deine Figur zum Leben erwacht. Auch, wenn es schon andere tausendfach geschrieben haben, sage ich es noch einmal:

Deine Figur ist keine Bauchrednerpuppe, die du an der Hand führst. Sie ist eine Person, und sie will hinaus auf die Bühne ihrer bescheidenen kleinen Existenz, die du ihr gibst.

Nimm einmal an, du würdest die Geschichte einer Schriftstellerin schreiben, die gerade ihr erstes erotisches Werk beginnt, und die eine Figur entwickelt, die so viel freier und sinnlicher ist als sie selbst. Das Schreiben über diese Figur würde das Leben ihrer Autorin verändern, sodass sie selbst freier und sinnlicher würde, und dies wiederum würde die Figur zu noch sinnlicheren Höhepunkten führen.

Hast du das ganze Szenario noch vor Augen? Dann ahnst du vielleicht, warum Figuren in sinnlichen Geschichten nicht einfach Marionetten sind, und warum du sie nicht nach festgelegten Handlungsabläufen agieren lassen solltest.

(1) Die Person, die du beschreibst, und die Person, die du bist gehen eine Beziehung ein. Und wenn du aufgefordert wirst, ein „psychologisches Profil“ deiner Person zu beschreiben, dann überlege dir mal, ob du es überhaupt schaffst, ein „psychologisches Profil“ von dir selbst zu entwerfen.
Zeichnung: Historisch, ca. 1818

Plots – was ist das eigentlich?

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, was Plots sind und ob und wann sie sinnvoll und notwendig sind. Am Ende stelle ich einige, wenige Plots vor, die in der erotischen Literatur sinnvoll sein könnten.

Mit neuen Wörtern aus dem Englischen kann man einfache Gemüter immer wieder beeindrucken. Und ein „Plot“ ist ein solches Wort. Es lässt sich leicht entzaubern, indem wir den Begriff des Grundschullehrers vergangener Tag verwenden: Es ist ein Handlungsgerüst.

Meilensteine in Geschichten erwünscht? Dann nimm Plots!

Ich will das mal so erklären: Wenn du mit dienen Gedanken wanderst und genau weißt, wohin du willst, dann kannst du unterwegs „Meilensteine“ oder „Wegzeichen“ setzen. Von „A“ nach „“E“ geht es also über B, C und D.

Das wird im Lexikon der Literatur (online) so erklärt:

Bevor der Autor die Handlung genau aufschreibt, überlegt er sich in der Regel zuerst das Gerüst seiner Geschichte. Er überlegt sich also, welche Personen, Orte, Ereignisse in seiner Geschichte auftreten, welche Verwicklungen geschehen und wie sie wieder gelöst werden können. (…) Wichtig bei einem Plot ist, dass die einzelnen Ereignisse logisch und wahrscheinlich aufeinander folgen und die Personen stimmig gezeichnet sind.


Im sogenannten „narrativen“ (erzählerischen) Schreiben könnte ein Plot notwendig werden, wenn deine Geschichte ohne Plot unübersichtlich oder unlogisch wäre oder relativ viele Personen, Ort und Ereignisse vorkämen.

Und wie wäre es ohne Plot?

Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass Schreibanfänger oder schreibende Enthusiasten sich gleich an Werke wagen, die Romanlänge haben, und die sich nicht in Episoden aufteilen lassen. Und da wäre natürlich sofort die Frage: was wäre, wenn wir kein Plot verwenden würden?

Ganz einfach: Wenn jemand übersichtliche Geschichten mit wenig beteiligen Personen (zwei oder drei) schreibt, die an einem Ort spielen und in denen ein Ereignis dominiert – dann braucht er kein Plot.

Manche Autoren verwenden auch deshalb keine Plots, weil sie ihrer Hauptfigur einen Freiraum lassen wollen. Wir haben ja gehört, dass Plots „Meilensteine“ benötigen. Es mag aber sein, dass deine Figur in höchster Erregung (als kurz vor dem Höhepunkt der Geschichte) einer anderen Weggabelung folgt – auf der naturgemäß keine Meilensteine zu finden sind.

Kannst du Standard-Plots verwenden?

Für erotische Geschichten, in denen die spontane Leidenschaft oft eine große Rolle spielt, sind nur wenige Standard-Plots wirklich geeignet. Dazu muss man wissen, dass Standard-Plots zumeist an die erzählerische Aufbereitung von Schicksalen gebunden sind. Sie beschäftigen sich daher mit dem Aufstieg und dem Fall, auch dem erneuten Aufstieg und einem erneuten Abstieg) von Personen.

Märchenhafte Lust und Liebe

Oft wird das Cinderella-Plot verwendet. Es ist dem märchenhaften Aufstieg, dem vorübergehenden Fall und dem erneuten Aufstieg des „Aschenbrödels“ entlehnt. Weil es märchenhaft und anrührend ist, wird es oft in Liebesromanen verwendet. Allerdings ist das Plot (wie auch das Thema) schrecklich abgegriffen.

Abenteuer Lust

Spielen in dem Cinderella-Plot noch Gerechtigkeit, Mitleid und Rührung die Hauptrolle, so ist die „Suche nach dem (wahren) Glück“ die willkürliche Suche nach Lust, Liebe und Leidenschaft. Das Abenteuer beginnt also aus reiner Lust und Neugierde. Daher musst du auch kein Ziel definieren. Hat deine Figur das Glück gefunden, ist deine Geschichte beendet.

Wiedergeburt (verändert oder geläutert werden)

Die Liebe verändert manche Menschen radikal. Um dies zu schildern, ist ein besonders heftiges erotisches, oft auch magisches Ereignis nötig. In diesem Plot kommt deine Figur durch wenige Erlebnisse „als ein anderer Mensch“ oder „wie umgewandelt“ zurück.

Reise und Rückkehr

Dieses Plot hat Tradition. Jemand wird auf eine wirkliche oder emotionale Reise geschickt, die ihn verändert. Meist werden dabei viele Stationen durchlaufen, in denen deine Figur etwas über sich selbst lernt. Im erotischen Roman sind es Episoden, die ihre erotische Persönlichkeit formen. Im Gegensatz zu „Wiedergeburt“ liegt der Wandlung also ein Lernprozess zugrunde. Diese Methode ist sehr gut geeignet, um einzelne Episoden zu beschreiben, die in sich auch abgeschlossen gelesen werden können.

To Plot or not to Plot?

Solltest du nun „plotten“ oder lieber nicht „plotten“? Wenn du rein erzählerisch vorgehen willst und dir über Weg und Ziel bei einem langen Werk (Roman) allzeit klar sein willst, dann kannst du Plots entwerfen. Ansonsten geht’s jederzeit ohne Plot und auch ohne Literaturtheorie.

Liebe, Beziehung – oder reichen auch Lust und Neugierde?

Die Beziehung entsteht im Kopf - auch zu einer Statue
In der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte“, habe ich kürzlich geschrieben. Doch ich weiß natürlich (und ich denke, ihr auch) dass eine Unzahl von Kurzgeschichten und Episodenromanen gibt, in denen es um ein meist hocherotisches Solo-Thema geht.

Bei dieser Frage hilft uns eine bekannte Autorin (eigentlich die einzige, die sich wirklich ums Thema bemüht), nämlich Elisabeth Benedict (1). Sie stellt vier Eckpunkte auf, die in einem erotischen Roman unbedingt berücksichtigt werden sollen, und die ich hier stark gekürzt wiedergebe:

1. Guter Sex ist nicht nötig, aber gutes Schreiben ist unerlässlich.
2. Eine gute Sex-Szene sollte immer … im Handlungsablauf von Bedeutung sein.
3. Bedürfnisse und Impulse sind der Treibstoff für Sex-Szenen.
4. Die Beziehungen der Figuren zueinander sind ausschlaggebend.


Das heißt nun: Wenn wir die Liebe als Motor für die erotischen Gelüste ausschließen, bleiben immer noch zwei Motivationen: Bedürfnisse und Impulse. Frau Benedict nennt auch noch Vergangenheiten, doch ich würde eher dazu neigen, Neugierde als wesentliches Motiv einzubringen.

Die Frage nach der Beziehung zueinander

Was nun die Beziehungen der Personen zueinander angeht, so hilft uns die moderne Psychologie tatsächlich weiter. Auch wenn wir keine offenkundige Beziehung zu einer anwesenden Person haben, so ist es doch unmöglich, gar keine Beziehung zu ihr zu haben – schon gar nicht in einer Sexszene. Wer diesen Satz für schwer verdaulich hält, sollte sich vergegenwärtigen, dass der Glaube daran, eine sinnliche Beziehung zu jemandem zu haben, völlig ausreicht, um anzunehmen, ihn/sie zu lieben.

Wer die Beziehungen gar nicht berücksichtigen mag, wird fast unweigerlich zum Pornografen. Wer es tut, kann zudem nur noch beschreiben, was die Person „A“ mit der Person „B“ treibt und wie „B“ darauf reagiert. Das ist übrigens eine weitere Folge „traditionellen“, also erzählerischen Schreibens: da passiert etwas, dann passiert wieder etwas und danach passiert noch etwas.

Auf diese Weise wirst du niemals die Motive, Gedanken, Gefühle oder die verborgener Beziehung berühren. Denke dabei ruhig einmal an Pygmalion oder die Liebe japansicher Männer zu ihren teuren und exklusiven Sex-Puppen.

Zufrieden mit der Antwort? Wenn nicht, dann hinterlasse hier einfach einen Kommentar.

(1) Erotik Schreiben, New York 2002

Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben?

Wanda - die Venus im Pelz - ist die Heldin bei Sacher-Masoch
Was ist das eigentlich, „Sadomasochistische Literatur“? Man kann sich’s wirklich einfach machen und Etiketten draufkleben. Dann ist es so:

Sadomasochistische Literatur beschäftigt sich mit Themen zur sadomasochistischen Sexualität und zur Partnerschaft von Personen mit entsprechender sexueller Disposition. Hierbei kann es sich um Erotik, Pornografie, fiktive Geschichten, Erlebnisberichte, wissenschaftliche/pseudowissenschaftliche Abhandlungen, Ratgeber und Aufklärungsbücher handeln.


Das mag aus der Sicht eines Lexikons richtig sein. Aber wenn wir wirklich wissen wollen, wie Literatur und Sadismus, Literatur und Masochismus, und schließlich Literatur und „Sadomasochismus“ zusammenkommen, hilft uns das nicht viel. Denn in der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte, in die (in diesem Fall) Elemente der Beherrschung und Unterwerfung einfließen.

Vergiss de Sade und Sacher-Masoch

Es nützt wenig, sich mit den Namensgebern und ihrer Literatur zu beschäftigen – nämlich dem Marquis de Sade, einem französischen Schriftsteller und dem österreichischen Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch. Ebenso wenig nützt es uns, den deutschen Psychiater zu lesen, der den Knoten zwischen beiden hervorbrachte: Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, besser bekannt als Richard von Krafft-Ebing.

Weg von den albernen Psychiatrie-Begriffen

Das Problem all dieser Begriff besteht darin, dass sie psychologisch und/oder psychiatrisch besetzt sind. Und dies verhindert, sie neutral als menschliche Züge zu bezeichnen, die in Verbindung mit der Sexualität zu ekstatischer Lust führen können. „Krankheiten“, „Perversionen“ und selbst die abgemilderten „Paraphilien“ sind kein gutes Omen für die pure Sinneslust.

Keine Klassifizierung – sondern Lust pur

Echte Liebesromane mit stark sinnlichen Zügen benötigen keine Klassifizierung, auch dann nicht, wenn deine Figur es entweder liebt, ihren Partner in vielfältiger Weise zu dominieren, von ihr dominiert zu werden oder mal das Eine, dann wieder das Andere zu tun. Grundsätzlich sollten wir bedenken:

1. Wir schreiben über die Liebe, und zwar über eine besonders intensive, ekstatische Liebe.
2. Innerhalb der Geschichte schreiben wir über Sexualität, also über eine sinnliche Urkraft des Menschen, die rauschähnliche Zustände erzeugt.
3. Zur Steigerung der Lust werden verschiedene Elemente verwendet – hier zumeist Dominanz, Fesselungen, Bisse, Kratzer und Schläge – aber auch andere, die hier keine Rolle spielen sollen.
4. Parallel zu den körperlichen Reaktionen (Schmerz) sollen damit zumeist auch psychische Sensationen ausgelöst werden, die ihrerseits wieder zum Teil auf drogenähnlichen Botenstoffen basieren.
5. Wenn all dies nicht als Spiel aufgefasst wird, kommen wir an die Grenze zur Psychiatrie, die von manchen Autoren auch erreicht wird.

Damit wäre die Frage zu stellen, ob es (außerhalb der Pornografie und der Psychiatrie) überhaupt notwendig ist, den Handlungen ein Etikett zu verpassen.

Die Antwort ist: Nein, es sei denn, du würdest für die „Kaste“ der BDSM-Anhänger schreiben.

Der alberne Streit um „echte“ BDSM-Literatur

Die ganze Angelegenheit um „Sado“ und „Maso“ wurde ad absurdum geführt, als die Trilogie „50 Shades of Grey“ erschien. Die Autorin hatte ihre Protagonistin mit einer erbärmlichen Gefühlswelt ausgestattet. Das erkannten die BDSM-Anhänger sofort und schrieben erboste Kommentare, weil sie keinen „korrekten“ Sadomasochismus dahinter erkennen konnten. Das allerdings war auch kaum die Absicht: die Geschichte sollte mit den BDSM-ähnlichen Szenen nur „aufgehübscht“ werden.

Damals ergab sich sehr schnell, dass mit dem Aua-Effekt eine neue Richtung der unterhaltenden Literatur, die „Mütterchen-Pornografie“ erschaffen wurde, die weder Pornografie noch Literatur war. Seither gibt es Varianten dieses Themas in Hülle und Fülle, aber auch der „harte“ Sadismus oder der entsprechende Masochismus existierte in zahllosen Schriften weiter. Beide sind nicht unbedingt empfehlenswert.

Verwende die Elemente wie alle anderen auch

Inzwischen wäre die Frage, ob die drei Hauptelemente des Genres nicht in jedem beliebigen erotischen Roman erscheinen könnten, die da sind:

1. Psychische Unterwerfung, Gehorsam.
2. Körperliche Züchtigungen, nicht notwendigerweise als Strafen.
3. Fesselungen und andere Bewegungshemmungen.

Voraussetzung wäre, dass sie Teile des normalen Liebesspiels würden – was heute schon recht häufig der Fall ist.

Zum besseren Verständnis sollte ich noch sagen, dass solche Liebesszenen, ebenso wie manche Verführungen, lustvolle Spiele der Erwachsenen sind, die keinen „ideologischen Überbau“ benötigen. Oder mit anderen Worten: Kenntnisse in Psychologie und Anatomie sowie ein klarer Sinn dafür, wie sich Schmerzen „anfühlen“ und wann Menschen in Schreie und Tränen ausbrechen, sind immer sinnvoll.

Fazit - die Antwort auf die Frage

Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben? Nein, solltest du nicht. Schreibe gute Texte, in denen besonders farbenprächtige Fantasien vorkommen. Schreibe über Lust und Schmerz und lass dabei nichts aus – aber schreibe auf keinen Fall „sadomasochistische Literatur“.

Bild: Umwandlung eines Fotos in ein Symbolfigur, © 2019 by liebesverlag.de

Warum gibt es keine Literatur über sinnlichen Sadismus?

das gesicht des sadismus
Wann immer du im Internet oder sonst wo nach „sinnlichem Sadismus“ suchst, wirst du lediglich die von Textern geschriebenen Anzeigen von Frauen finden, die sich sadistische Züge angeschminkt haben – volkstümlich Dominas oder neuerdings auch „Bizarrladys“ genannt. Unter dem Ausdruck „sinnliche Dominanz“ finden wir ebenfalls wenige Einträge, und darunter noch etliche, die auf Pornografie oder ebenfalls auf die vorgenannten Damen verweisen.

Drei goldene Regeln für alle erotischen Schriftsteller(innen)

Gut – nachdem dies gesagt ist, muss ich einen Grundsatz loswerden, der für alles gilt, was du jemals schreiben oder nicht schreiben wirst:

1. Wissen
Die Fakten lassen sich für jedes Thema ermitteln. Je mehr du weißt, umso weniger ängstigt dich das Thema.
2. Einfühlen
Je mehr du dich in ein Thema einfühlen kannst, auch ohne es zu akzeptieren, umso mehr kannst du es auch vermitteln.
3. Sein
Sobald dir gelingt, deine Psyche für eine kurze Zeit so einzurichten, dass sie den Gefühlen folgt, die du gefunden hast, umso mehr kannst du deine Figur in die neue Lust hineinschicken.

Ganz schlecht sind Vorurteile, die du selbst hast, die deine Figur aber auf keinen Fall haben soll. Glaubwürdig hingegen ist ein Zwiespalt, den deine Figur haben mag – so wie du.

Wie du das Thema "sinnlicher Sadismus" in den Griff bekommst

Wohlan – die Fakten über sinnlichen Sadismus bekommst du nirgendwo, aber es gibt einige Wege "drumherum".

Eine sehr selbstbewusste Sadistin und Masochistin (1) schreibt:

Wenn jemand von mir verlangt, sadistisch zu sein und dies als erotisches Spiel versteht, ist alles in Ordnung. Zum Beispiel, wenn die Person auf einen vorsichtigen Biss oder einen sinnlichen Kratzer wirklich emotional reagiert und sie mich um mehr bittet, macht mich das glücklich. Es ist jene Art von Fröhlichkeit, die sich am gemeinsamen Erfolg misst. Wenn sich der Masochist unter meinen Handflächen wimmert und stöhnt, während ihm der Schmerz Lust bereitet, dann hüpft mein Herz vor Freude. Wenn ich auf einem Gebiet wirklich gut bin, und wenn jemand will, dass ich seinen inneren Masochisten verwöhne, fühle ich mich absolut geehrt, weil er mir ja seinen schutzlosen Körper und seine nackte Psyche anvertraut.


Sadismus als Win-win-Siutation

Das ist schon ein ausgesprochen sinnlicher Sadismus. Jemand anderem zu etwas zu verhelfen, was er wirklich will, auch gegen innere Widerstände, ist ja im Grund geradezu altruistisch. Macht es dann auch noch selber Freude – was könnte besser sein als diese Win-win-Situation?

Schauspiel ist nicht nur Schau-Spiel

Manche selbstbewusste Frauen, die sadistisch auftreten können, aber dies nicht als ihre ureigene Persönlichkeitseigenschaft ansehen, retten sich auch in die Rolle einer Schauspielerin: Solange ich etwas spiele, bin ich es. Gehe ich von der Bühne, bin ich wieder ich selbst.

Die unbarmherzige Samariterin

Andere sehen sich als eine Art unbarmherzige Samariterin. Sie sagen beispielsweise, dass sie ein Verlangen erfüllen, zu dem nur wenige Frauen bereit sind – und sie sind stolz darauf, diesen Dienst einigen Auserwählten anzubieten. Andere wieder rühmen sich, dir Situation völlig beherrschen zu können, denn im Gegensatz zur „echten“ Sadistin würden sie nicht aus einer krankhaften Gefühlslage heraus handeln.

Was deine Figuren auch tun werden - alle lässt sich beschreiben. Und bei allem sind Gefühle beteiligt, die du an den Tag bringen kannst. Am Ende kannst wirklich lernen, deine Heldin an der langen Leine laufen zu lassen, wohin sie will.

Wahrscheinlich sage ich nichts Neues, wenn ich dir verrate: Diese Frau kann deine Nachbarin oder Arbeitskollegin sein. Sie kann sanft wie ein Lämmchen sein oder wild wie ein reißender Wolf. Ja, sie kann sogar heute sadistisch sein und morgen masochistisch, weshalb die Psychologen in ihrer Überheblichkeit auch von „Sadomasochismus“ sprechen.

Nicht urteilen - beschreiben

Du solltest sie nicht einstufen, sondern beschreiben, was sie tut, wie sie es tut und was sie dabei fühlt. Das allein ist sinnvoll – jedenfalls für eine Autorin.

(1) Zum Schutz der Betroffenen werden alle Zitate so abgewandelt, dass die Ursprungsquellen im Internet nicht zu ermitteln sind. Fotomontage © 2019 by Liebesverlag.de