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Ist der Mann nur geil, wenn er steif ist?

Prelude zu einer Sexszene
Es gibt Klischees über Frauen und solche über Männer. Das beliebteste Klischee über Männer besteht darin, dass sie immer „einen Steifen in der Hose haben“, den sie blitzartig und ohne namhafte Stimulation einsetzen können. Die Frau, die noch keinesfalls erregt ist, kann sich dann noch weigern, sich widerwillig hingeben, Bereitschaft herbeitricksen oder tatsächlich schon geil sein.

Die Frau als Objekt - ein männlicher Gedanke?

In der Tat beinhaltet das „Script“ vieler Männer: Wenn sie schon mal soweit ist, dass sie den Slip runterlässt, dann will sie auch mein Ding in ihrem Ding. „PiV“ (1) ist das Ziel, meint der Mann über die Frau, und die Frau meint, dass der Mann genau das von ihr will. Wenn ein Mann mal etwas „auf schön“ will und erst „angeheizt“ werden muss, dann ist er – so die Legende – gar kein richtiger Mann. Natürlich auch nicht, wenn er den Genuss liebt, irgendetwas „genascht zu bekommen“. Er ist das männliche Tier, das sich auf das weibliche stürzt, während dieses brav und lustlos „hinhält“.

Armer Mann – er versäumt manches?

Klar, dass Männer dabei manches versäumen. Trifft der Klischee-Mann auf die Klischee-Frau, dann hat er nicht viel Spaß, außer vielleicht für ein paar Sekunden einen ekstatischen Orgasmus, gefolgt von dem Gedanken: „Ach, das war’s mal wieder?“ Die Frau hat möglicherweise noch weniger davon und denkt: „Warum hab ich ihm überhaupt mitgenommen? Ist doch sowieso immer das Gleiche.“

Und die Nicht-Klischee-Frau?

Gut – es mag schwierig sein, keine Klischee-Frau zu treffen, sondern eine Künstlerin der erotischen Verführung, die sagt: „Leg dich einfach hin, und lass mich machen.“ Aber dann müssten sämtliche Klischees vom Tisch, denn „so etwas“ tut keine anständige Frau und kein braver Mann fordert so etwas von einer Frau an – er könnet ja bezichtigt werden, sie für eine Hure zu halten. Oder er vermutet, dass sie ihn dann für einen Schlappschwanz hält – und das vielleicht noch herumerzählt.

Eine Historikerin redet Tacheles

Entsprechend las ich dieser Tage bei einer Historikerin (2):

Es wird davon ausgegangen, dass Männer immer zum Sex bereit sind. Es wird angenommen, dass sie immer Freude am penetrativen Sex haben, und dieser soll sie immer befriedigen. Um männlich zu sein, muss man außerdem ständig aktiven männlichen Sex betreiben und dabei viele Frauen penetrieren. Das heißt, viele Männer gehen schon mit einem bestimmten Drehbuch an die Frauen heran, das sie nicht wirklich befriedigt – aber sie dürfen es nicht zugeben, um nicht als „unmännlich“ angesehen zu werden.


Wer kann eigentlich immer?

Während eines Gesundheits-Kongresses sagte einmal eine Dame zu mir: „Ihr Männer seid komisch – ihr denkt, dass ihr immer ‚können‘ müsst. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: ein bisschen Entspannung, etwas Gleitmittel – dann wird dir jede Frau vorspielen können, dass sie bereit ist.“

Was kannst du mit diesem Wissen anfangen? Ich denke, du kannst die Rolle des Mannes verändern, wenn du schreibst – aber erst recht die Rolle der Frau. Und vielleicht entsteht dann ja etwas völlig Neues.

Bild: Skizze von Paul-Émile Bécat - "Prelude", Ausschnitt
(1) PiV - übliche angelsächsische Bezeichung für "Penis in Vagina"

(2) Aus: Going Medieval, Blog.

Flirten ist oft besser als Sex – oder?

Übertriebene, aber weitgehend realitische Flirtpose
Für Autorinnen und Autoren ist der Flirt theoretisch einfacher zu schildern als alles, was mit „etwas in etwas“ oder „rein-raus“ zu tun hat.

Eigentlich wissen wir das ja – nicht wahr? Nur lese ich dennoch immer wieder das sein Händchen – so ganz plötzlich – unter ihrem Röckchen landet. Oder dass ihre sinnliche Hand sich ebenso plötzlich mit der Ursache seiner „Beule“ beschäftigt.

Der Flirt ist eine Verführung "ohne anzufassen"

Der Flirt ist eine sinnliche Verführung mit Worten „ohne anzufassen“. Manchmal bleibst’s dabei – das schadet weder ihm noch ihr, und auch die Leserin wird bestenfalls noch neugieriger, ob’s beim nächsten Mal richtig feucht wird zwischen beiden.

Ich las gerade im Internet, wie jemand einen Flirt für sich selbst beschreibt:

Flirts verbrauchen weniger physische und psychische Energien. Und ein wundervoller, begehrlicher Blick kann dazu führen, dass ich schneller feucht werde als von einer Hand, die versucht, meine Klitoris zu erreichen.


Mehr Flirts im erotischen Roman?

In der Praxis heißt das: Ein Flirt ist eine Mehrwege-Kommunikation ohne Anfassen, aber mit viel begehrlichen Blicken und sinnlichen Worten. Wenn ich das einmal in einen Gegensatz zu einer Verführung bringe, dann werden Verführungen normalerweise mit wenigen Worten, aber zahllosen Berührungen und Empfindungen beschrieben.

Mir scheint, der „Knackpunkt“ ist, dass nur wenige Autoren die überaus sinnlichen und hintergründigen Dialoge eines Flirts – sie nun verbal oder nonverbal – beschreiben mögen. Gerade sie sind aber die Bausteine für das Aufwallen der Begierde.
Was meint ihr? Ist es zu schwer, einen Flirt oder den Beginn einer Verführung in Worte zufassen? Oder warum wird in erotischen Romanen so wenig geflirtet, bevor der BH fällt oder sich der Reißverschluss öffnet?

Klassische erotische Frauenrollen: Die Intrigantin

Die Intrigantin (und Schluss)

Die Intrigantin ist per Definition jemand, der die Absichten anderer beeinflusst oder zerstört. Man sagt dazu auch: Es handelt sich um eine Frau, die „Ränkespiele“ inszeniert. Normalerweise nutzen Autorinnen die Intrigantin als „Antagonistin“ zu ihrer Heldin, also als „trickreiche Gegenspielerin“.

Allerdings bietet der erotische Roman auch den Stoff für eine Frau, die im Mittelpunkt steht und durch Intrigen zu Macht und Einfluss kommt. Und während ihre „kleine Schwester“, die nervige „Zicke“ schnell entlarvt und beseitige geschoben werden kann, verfügt die Intrigantin über Netzwerke, die für sie arbeiten – und das können durchaus moralisch integre Gestalten sein. Eine Sektenführerin, eine geheimnisvolle Psychologin, die oder die Chefin einer erotisch-esoterischen Schwesternschaft eignet sich vorzüglich. Wer sich für „geheime Geflechte“ hinter an sich seriösen Institutionen begeistern kann und dabei die erotische Begierde als Motiv entdeckt, ist mit solchen Geschichten gut bedient.

Auch die Freude daran, andere Menschen nicht selbst verführen zu müssen, sondern durch willige Helfer(innen) verführen zu lassen, spielt eine Rolle. Und aus dieser Sicht – nun ja, sind eben auch Autorinnen betroffen, die mit ihren Figuren teilweise ähnlich umgehen.

Je nachdem, ob der Aufstieg – und damit der Sieg des Bösen -, der Niedergang oder der Umstieg geplant ist, solltest du dein Plot sorgfältiger planen als sonst. Für Kurzgeschichten eignet sich die Intrigantin ganz vorzüglich. Du kannst sie dann allerdings fast nur grandios siegen oder ebenso heftig scheitern lassen.

Fazit und Abgesang

Theater-Rollen haben den Nachteil, dass sie in der Regel mit Klischees übersät sind – ähnlich wie die „lupenreinen“ Äquivalente in Romanen. Der Tipp: Versuche stets, individuelle Aspekte herauszuarbeiten. Und: Nichts sollte in Schwarz-weiß gemalt werden. Manchmal ist „böse zu sein“ gut gemeint, und manchmal kann die Güte Böses bewirken oder unterstützen. Und mal ganz "off topic": Wenn du Zeit und Muße hast, hör dir mal den tollen Song "Good n'Evil" aus Jekyll & Hyde an.

Klassische erotische Frauenrollen: Die Mütterliche

Die Mutterrolle, oder die mütterliche Frau

Die „Mutter“ ist im erotischen Roman entweder die ältere Geliebte (MILF, Cougar) oder die Gouvernante, manchmal auch die Domina oder die „strenge Erziehern“. Sie ist mal übertrieben liebevoll, dann wieder ungewöhnlich streng, aber sie ist immer jemand, der führt – und im erotischen Roman ist sie nicht selten die „natürlichste“ aller Verführerinnen.

Die "mütterliche" Frauenfigur passt in erotische Entwicklungsromane oder in das Prinzip: „Alt verführt Jung“. Als Plot kommt „Reise und Rückkehr“ infrage, wenn du einen Roman über eine Frau planst, die mehrere Männer oder Frauen erotisch „bemuttert“. Ein bisschen Vorsicht (auch beim Plot) ist geboten, weil der Begriff „Mutter“ normalerweise positiv besetzt ist. Manche Menschen empören sich, wenn reife Frauen sich mit erheblich jüngeren Männern oder Frauen einlassen. Bei der Kurzgeschichte steht nahezu immer eine konsequente Verführung durch die ältere, erfahrene Frau an. Und obgleich derartige Szenen von zahllosen Klischees besetzt sind, solltest du versuchen, eine neue, überraschende Variante in die Verführung durch eine ältere Frau einzubauen. Dabei hilft auch, den Begriff "Mutter" nicht immer mit "liebevoll" gleichzusetzen, denn gut ist nicht immer uneigennützig, und böse nicht immer sozialfeindlich.


Dieser Beitrag hat mehrere Teile. Nächster und letzter Teil: Die Intrigantin.

Klassische erotische Frauenrollen: Die Salondame

Die Salondame oder die Femme fatale

Die Rolle der „Salondame“ im Theater ist immer mit etwas „Verruchtem“ behaftet. Sie verhält sich nicht, wie es Sitte und Anstand verlangen, ja sie folgt gelegentlich gar keinen Konventionen, sondern tut das, was sie für richtig hält. In der erotischen Geschichte ist „Aufstieg und Fall“ das Plot, das zu ihr passt - gegebenenfalls auch zu ihren Opfern. Der Spannungsbogen ist einfach herzustellen: Ist der Höhepunkt erreicht, läuft irgendetwas aus dem Ruder und wahlweise deine Figur oder ihre Lover stürzen ab. Alle Plots mit „Aufstieg und Fall“, gegebenenfalls auch mit einem “Wiederaufstieg“ oder mit einem Wandel „Schlecht zu Gut“ passen in das Bild, das man sich von diesem Charakter macht.

Zu ihrer Rolle passen Storys über unberechenbare, aber auch berechnende Verführerinnen. Eine Kurzgeschichte über eine Salondame beginnt in der Regel mit ihrem „verruchten“ Aussehen, einer „unanständigen“ Handlung oder mit einer „für eine Frau“ ungewöhnliche Wortwahl. Schon bald folgt eine spielerischen Verführung, die so gut wie immer konsequent in ein sexuelles Abenteuer übergeht, in dem deine „Salondame“ unbeugsam Regie führt.

Dieser Beitrag hat mehrere Teile. Nächster Teil: Die Mütterliche.