Skip to content
Manifest

Liebe Leser, Kritiker und Stänkerer ...

Positives und Negatives erwünscht
Liebe Leser, Kritiker und Stänkerer,

Ich bin stolz auf jeden Pluspunkt, den ihr mir gebt, und noch mehr darauf, dass ihr so viele Minuspunkte verteilt.

Nur verhält es sich leider so: Ich kann eurer Bepunktung nichts, aber auch gar nicht entnehmen.

Einer der zweifellos interessanten, wohlfundierten und sicherlich wahrhaftigen Artikel, den wir hier veröffentlichten, erhielt 53 Minuspunkte. Ich erwähne ihn, weil er erst 2019 geschrieben wurde, also nach der ersten Revision dieses Blogs.

Auch die Vorschläge für 10 Plots, die noch nicht restlos bekannt sind, bekamen das Rekordergebnis von Minus 59 Punkten. Meiner Meinung nach habt ihr nicht einmal gelesen, was wir geschrieben haben.

Nein, ich beklage mich nicht - es ist eure Meinung.

Allerdings könnte ihr wirklich so nett sein, mir die Gründe für eure Negativhaltung mitzuteilen. Sonst käme ich vielleicht auf die Idee, ihr wäret Miesmacher oder Neider.

Euer Sehpferd
Kategorien: archive | 0 Kommentare
Abstimmungszeitraum abgelaufen.
Derzeitige Beurteilung: 1.50 von 5, 4 Stimme(n) 588 Klicks
Tags für diesen Artikel:

Eine erotische Geschichte beginnen – am Beispiel

Bilder machen neugierig - auch als Text
Dieser Artikel behandelt den „schnellen Einstieg ins Thema“ anhand der ersten Zeilen eines existierenden Romans. Du kannst daraus entnehmen: Im Grund ist es gleich, ob du eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibst. Es geht bei den ersten Sätzen nur darum, wie du deine Leserinnen neugierig machen, weiterzulesen.

Interesse wecken in vier Stufen

Der erste Satz einer erotischen Geschichte

„Ich nehme an, es kann befremdlich wirken…“

Mit diesem Satz beginnt der erotische Roman „Lulu“ von Almudena Grandes.

Der Satz erfüllt alle Voraussetzungen eines spannenden Beginns, denn wir fragen uns: „Ja, was denn?“

Nun schiebt die Autorin ein Bild nach:

„Aber dieser Anblick, dieses unschuldige Bild, hatte eine gewaltige Wirkung, übte eine überaus magische Wirkung aus.“

Wir wissen immer noch nicht, wo wie sind und was geschieht. Und das bleibt auch noch eine Weile so, denn

„Ihre schönen Gesichter rahmten rechts und links den Hauptakteur ein.“

Nun ahnen wir – da ist jemand, mit dem etwas geschieht. Aber was?

Statt das Geschehen sofort zu beschreiben, greift Almudena Grandes zu einem Kunstgriff: Sie produziert uns ein Bild der fleischgewordenen Wollust:

„Vollkommenes, glänzendes Fleisch schien sich ohne jegliches Tabu selbst zu genügen, Subjekt und Objekt einer totalen Lust …“

Erst später folgt die Beschreibung der Szene – und wir erfahren, was auf den erotischen Einstieg folgte..

Die Theorie dazu

Der schnelle Einstieg in eine Geschichte ist immer ähnlich:

1. Du erzeugst Aufmerksamkeit.
2. Deine Leserin will mehr erfahren.
3. Nun versuchst du, ein Verlangen in ihr wachzurufen.
4. Anschließend schilderst du mit klaren Worten die Szene, mit der du beginnen willst.

Diese Segmente können wesentlich länger sein als hier angeführt.

Versuche, dieses Schema zu verwenden – es lohnt sich in jedem Fall. Du kannst damit die erste Seite oder die ersten beiden Seiten füllen. Bis dahin wird deine Leserin an. deiner Figur kleben und wissen wollen, wie es weitergeht.

Unser Autor ist Fachmann für Kommunikation und Problemlösungsverfahren.
Der Roman "Lulú" erschien zuerst 1989 in spanischer Sprache und wurde ein grandioser Erfolg.

Aufräumen für das neue Konzept

Wir räumen auf ...

Wir räumen hier auf, um Platz zu schaffen für Neues. Wie ihr seht, schmeißen wie auch die feuchten Tücher weg, denn wir arbeiten an einem neuen Konzept für diese Webseite. Falls ihr mitmachen wollt: E-Mail reicht.

Unser Ziel beim Aufräumen:

Von unseren 691 bisher veröffentlichen Artikeln werden nach vorsichtigen Schätzungen etwa zehn Prozent übrigbleiben, der Rest wird zwar archiviert, steht aber für die Öffentlichkeit bald nicht mehr zur Verfügung. Wenn ihr fragen habt - bitte per E-Mail.

E-Mail Schnellkontakt:

Ist der Mann nur geil, wenn er steif ist?

Prelude zu einer Sexszene
Es gibt Klischees über Frauen und solche über Männer. Das beliebteste Klischee über Männer besteht darin, dass sie immer „einen Steifen in der Hose haben“, den sie blitzartig und ohne namhafte Stimulation einsetzen können. Die Frau, die noch keinesfalls erregt ist, kann sich dann noch weigern, sich widerwillig hingeben, Bereitschaft herbeitricksen oder tatsächlich schon geil sein.

Die Frau als Objekt - ein männlicher Gedanke?

In der Tat beinhaltet das „Script“ vieler Männer: Wenn sie schon mal soweit ist, dass sie den Slip runterlässt, dann will sie auch mein Ding in ihrem Ding. „PiV“ (1) ist das Ziel, meint der Mann über die Frau, und die Frau meint, dass der Mann genau das von ihr will. Wenn ein Mann mal etwas „auf schön“ will und erst „angeheizt“ werden muss, dann ist er – so die Legende – gar kein richtiger Mann. Natürlich auch nicht, wenn er den Genuss liebt, irgendetwas „genascht zu bekommen“. Er ist das männliche Tier, das sich auf das weibliche stürzt, während dieses brav und lustlos „hinhält“.

Armer Mann – er versäumt manches?

Klar, dass Männer dabei manches versäumen. Trifft der Klischee-Mann auf die Klischee-Frau, dann hat er nicht viel Spaß, außer vielleicht für ein paar Sekunden einen ekstatischen Orgasmus, gefolgt von dem Gedanken: „Ach, das war’s mal wieder?“ Die Frau hat möglicherweise noch weniger davon und denkt: „Warum hab ich ihm überhaupt mitgenommen? Ist doch sowieso immer das Gleiche.“

Und die Nicht-Klischee-Frau?

Gut – es mag schwierig sein, keine Klischee-Frau zu treffen, sondern eine Künstlerin der erotischen Verführung, die sagt: „Leg dich einfach hin, und lass mich machen.“ Aber dann müssten sämtliche Klischees vom Tisch, denn „so etwas“ tut keine anständige Frau und kein braver Mann fordert so etwas von einer Frau an – er könnet ja bezichtigt werden, sie für eine Hure zu halten. Oder er vermutet, dass sie ihn dann für einen Schlappschwanz hält – und das vielleicht noch herumerzählt.

Eine Historikerin redet Tacheles

Entsprechend las ich dieser Tage bei einer Historikerin (2):

Es wird davon ausgegangen, dass Männer immer zum Sex bereit sind. Es wird angenommen, dass sie immer Freude am penetrativen Sex haben, und dieser soll sie immer befriedigen. Um männlich zu sein, muss man außerdem ständig aktiven männlichen Sex betreiben und dabei viele Frauen penetrieren. Das heißt, viele Männer gehen schon mit einem bestimmten Drehbuch an die Frauen heran, das sie nicht wirklich befriedigt – aber sie dürfen es nicht zugeben, um nicht als „unmännlich“ angesehen zu werden.


Wer kann eigentlich immer?

Während eines Gesundheits-Kongresses sagte einmal eine Dame zu mir: „Ihr Männer seid komisch – ihr denkt, dass ihr immer ‚können‘ müsst. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: ein bisschen Entspannung, etwas Gleitmittel – dann wird dir jede Frau vorspielen können, dass sie bereit ist.“

Was kannst du mit diesem Wissen anfangen? Ich denke, du kannst die Rolle des Mannes verändern, wenn du schreibst – aber erst recht die Rolle der Frau. Und vielleicht entsteht dann ja etwas völlig Neues.

Bild: Skizze von Paul-Émile Bécat - "Prelude", Ausschnitt
(1) PiV - übliche angelsächsische Bezeichung für "Penis in Vagina"

(2) Aus: Going Medieval, Blog.

Flirten ist oft besser als Sex – oder?

Übertriebene, aber weitgehend realitische Flirtpose
Für Autorinnen und Autoren ist der Flirt theoretisch einfacher zu schildern als alles, was mit „etwas in etwas“ oder „rein-raus“ zu tun hat.

Eigentlich wissen wir das ja – nicht wahr? Nur lese ich dennoch immer wieder das sein Händchen – so ganz plötzlich – unter ihrem Röckchen landet. Oder dass ihre sinnliche Hand sich ebenso plötzlich mit der Ursache seiner „Beule“ beschäftigt.

Der Flirt ist eine Verführung "ohne anzufassen"

Der Flirt ist eine sinnliche Verführung mit Worten „ohne anzufassen“. Manchmal bleibst’s dabei – das schadet weder ihm noch ihr, und auch die Leserin wird bestenfalls noch neugieriger, ob’s beim nächsten Mal richtig feucht wird zwischen beiden.

Ich las gerade im Internet, wie jemand einen Flirt für sich selbst beschreibt:

Flirts verbrauchen weniger physische und psychische Energien. Und ein wundervoller, begehrlicher Blick kann dazu führen, dass ich schneller feucht werde als von einer Hand, die versucht, meine Klitoris zu erreichen.


Mehr Flirts im erotischen Roman?

In der Praxis heißt das: Ein Flirt ist eine Mehrwege-Kommunikation ohne Anfassen, aber mit viel begehrlichen Blicken und sinnlichen Worten. Wenn ich das einmal in einen Gegensatz zu einer Verführung bringe, dann werden Verführungen normalerweise mit wenigen Worten, aber zahllosen Berührungen und Empfindungen beschrieben.

Mir scheint, der „Knackpunkt“ ist, dass nur wenige Autoren die überaus sinnlichen und hintergründigen Dialoge eines Flirts – sie nun verbal oder nonverbal – beschreiben mögen. Gerade sie sind aber die Bausteine für das Aufwallen der Begierde.
Was meint ihr? Ist es zu schwer, einen Flirt oder den Beginn einer Verführung in Worte zufassen? Oder warum wird in erotischen Romanen so wenig geflirtet, bevor der BH fällt oder sich der Reißverschluss öffnet?