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Madame beabsichtigt, zu strafen

Eine strafende Frau - erschienen 1990 - wirkt aber wie aus den 1950er Jahren
Die „moderne“ Pornografie beschert uns Bilder von dominanten Frauen, die sich wie Huren kleiden oder sich so weit ausziehen, dass der Mann den Respekt vor ihnen verlieren würde, wenn alles real wäre.

In der Anfangszeit der lustvoll dargebotenen Dominanz wurde noch mehr an die Fantasie appelliert. Wir finden ein natürliches, fast nüchternes Interieur vor statt der pornografischen, überladenen Installation eines „Studios“. Statt einer übertriebenen Geste sorgt das „Aufkrempeln“ der Ärmel für Entschlossenheit – und die Strapse zeigen, dass es hier um eine handfeste erotische Züchtigung geht. Und der locker gehaltene „Schlegel“ wird fast bedrohlicher als eine mühsam für ein Foto hochgehaltene Peitsche.

Und du? Regt dich das Bild zum Schreiben an? Versetzt es dich in eine Zeit, als die Fantasien noch im Kopf entstanden?

Das Bild entstammt dem legendären, auf einfachem Papier gedruckten „Ledagramm“ (ca. 1990) © (gegen) 1990 by Leda, San Marcos. .

Ein Bar für unartige Frauen und Männer

Nein, diese Bar gibt's nicht ... aber schreiben könnte man darüber ...
Natürlich gibt es diese Bar nirgendwo. Aber wir kennen einige Menschen, die sie jederzeit besuchen würden ... nicht nur Weihnachten. Und obwohl es diese Bar nicht gibt, habe ich schon Pubs gesehen, in denen der Effekt durchaus in den Vordergrund gestellt wurde.

Und allemal wäre es ein hübsche Anregung, darüber eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Der Dating-Fall, der Dinosaurier und die Nicht-Bio-Frau

Ein gewöhnliches Date? Nicht ganz ...
Der Standard (at) forderte seine Leser(innen) auf, ihr schlimmstes Date zu beschreiben, und nannte dabei folgendes Beisipiel:

Vielleicht saß man jemandem gegenüber, der in seiner Freizeit gerne Erotikgeschichten über Dinosaurier schreibt.


Oh – erzählen Sie nie ihrer Partnerin (auch Ihrem Partner bitte nicht), dass sie Erotikgeschichten schreiben – nicht über Dinosaurier und erst recht nicht über Menschen. Man denke – Menschen – die sind so etwas von peinlich!

Ansonsten finde ich, dass noch viele zu wenig Erotikgeschichten über (glaubwürdig) sinnliche Dates geschrieben wurden. Mal ehrlich: wenn nicht beim (oder nach dem) Date, wann und wo denn sonst?

Nein, ich will es nicht beschwören … aber … war die schöne Blondine immer eine „Bio-Frau“, die ihr getroffen habt?

Jedenfalls – das wäre doch mal eine Story, nicht wahr: Eleganter Mann, Alpha-Typ und so weiter, trifft verführerische post-op Frau. Ich weiß – das fassen die meisten von euch nur mit der Kneifzange an. Muss „Mann“ nicht erlebt haben, kann man aber mal im Hirn ventilieren.

Ein Story dazu erzählt Jonathan Ames in "What's not to Love"?

Manchmal dringen dunkle Wolken in meine Seele ...

Die dunkle Seite - hier aus einem Detektivroman der 1950er Jahre
Die folgende Szene eignet sich vorzüglich für Autorinnen, die ihrer Figur die Freiheit schenken wollen, die sie selbst nicht haben:

Ich kenne mich gut … auch die dunklen Seiten in mir. Ich bin ein bisschen pervers, gerade soviel, dass es andere interessiert, aber nicht abschreckt.

Manchmal jedoch dringen heftige Gewitterwolken in meine Seele ein. Dann kommt ein dunkle Seite zum Vorschein. Ich umkreise sie mit meinen Gedanken, und zugleich versuche ich, ihre Existenz zu verneinen. Ich bilde mir ein, sie wäre gar nicht da, doch sie sitzt plötzlich wieder neben mir. Diese Seite hat viel Geduld – sitzt einfach da und wartet. Sie ist sich sicher, dass ich eines Tages einen Blick auf sie werfen werde. Wartet auf den heißen Moment, in dem mich die Wollust packt. Dann überwältigen mich meine Sehnsüchte, Bedürfnissen und die Grausamkeiten, die ich ertragen will.

Ein Blick zur Seite – alles ist, wie es immer ist. Da steht mein Bett, da sitze ich und träume von ganz gewöhnlicher Sinneslust, mit ein bisschen Chilisoße, damit der Po brennt – aber nicht mehr. Und dann kommt diese dunkle Seite: flüsternd, verführerisch, schmeichelnd. Ich versuche, sie wegzuschieben – weiche, Dämon, weiche! Es funktioniert nicht. Ich stelle mir vor, dass es nur ein leises Flüstern eines hinterhältigen Triebes ist, der mich lockt und keine Vorstellung, die Form annimmt. Aber sie nimmt Form an … und beherrschst mich immer mehr.


Was uns die Story vermittelt

Ihr merkt sicher: Noch ist uns absolut unklar, was unserer Heldin meint. Sie ist offenbar schon etwas erfahren mit den „dunklen Seiten“, wie Masochismus oder S/M, Flagellationen und Unterwerfungen. Sehr ihr, und genau hier könntet ihr … weiterschreiben. Ihr könnt dabei durchaus so weiterschreiben, dass die Figur nun von ihrer Fantasie getrieben wird und in der Realität nichts passiert. Oder aber, dass sie die Realität erlebt und sie dabei zu grausam und abstoßend empfindet, um ihr weiter zu folgen.

Das „andere ich“, das zugleich fasziniert und abgestoßen von sinnlichen Szenen der „harten Art“ ist, müsste eigentlich in jedem Erotik-Schriftsteller vorhanden sein – so, wie es im Übrigen auch in der „großen Dichtung“ vorkommt.

Vorbild Jekyll and Hyde

Was du tun kannst, ist immer dies: Teile deine Gedanken in die des braven Dr. Jekyll und in die des bösen Mister Hyde. Dann überlege, dass Dr. Jeckyll und Mr. Hyde ja ursprünglich in einer Person existierten. Du kannst für deinen Roman also das „Doppelgängermotiv“ nutzen: Mal ist deine Heldin eine ganz gewöhnliche Geliebte, eine angesehene Person, die nur nach dem „besonderen“ Kick sucht. Und dann geht sie ganz gar in einer Figur auf, die nur noch im Extrem ihre Lüste findet, sei sie nun Masochistin oder Sadistin oder etwas anderes.

Ausgestalten und mit Inhalten füllen musst du die Geschichte nun selber.

Viel Glück - und sag uns mal, ob du es wirklich wagst.

Ein wichtiger Satz über die Lust – für Autorinnen

Völlig von Sinnen - Lust im Delirium
Ich habe einen Satz in „Delirium“ gefunden, den ich im Original nicht einmal wiedergeben kann – einmal wegen der möglichen Zensur und zweites, weil jetzt ja alles „sozial korrekt“ sein muss. Also –wenn ihr ihn im Original lesen wollt, dann bliebt auch nichts anderes übrig, als das Buch zu kaufen – 1977 erschienen, in Deutschland erst zwei Jahre später.

Nun, ich will den Satz gerne so wandeln, dass er für dich passt, wenn du Autorin bist.

Diese Geschichten sind die Besten: Wenn deine Figur zittert, immer etwas verstört ist, wenn ein Mann in sie eindringt. Das genießt diene Leserin mehr als alles andere, weil sie jedes Mal glaubt, dass etwas Verbotenes geschieht.

Wie ich bereits sagte, es ist nicht der Originaltext. Aber es ist der Geist des Textes. Wenn die Heldin zugleich nach der Erfahrung lechzt und davor zittert, dann sind wir an dem Punkt angelangt, an dem Gefühle überschäumen. Und weil wir gerade dabei sind: Es muss ich nicht zwangsläufig um einen Mann und eine Frau handeln, und es muss nicht der Penis sein, der ängstigt.

Du kannst überall nachlesen, dass es nichts Langweiligeres gibt, als wenn alles „wie am Schnürchen“ flutscht. Nicht beim „ersten Mal“ und nicht beim ersten Mal mit dem/der Neuen. Und natürlich nicht bei einem der späteren ersten Male, wenn deine Figur neue Szenarien erprobt.

Der beste Mix: Mut, Geilheit und etwas Furcht

Am besten ist, deine Figur mit Mut, Geilheit und etwas Furcht auszustatten. Dann gelingt das, was du erreichen willst. Irgendwann gibt sich deine Figur nach vielen kleinen Widerständen und zwiespältigen Gefühlen endgültig und restlos hin. Und bei etwas sprachlichem Geschick wird deine Leserin glauben, sie habe sich gerade selbst der Lust hingegeben.

Zuvor las sich einen anderen Satz an einem anderen Ort. Die Sprache, so heißt es dort, würde uns viel mehr verstören als das Bild. Ich versuche das mal in „anständigem Deutsch“: eine erlebnisbereite Vulva oder ein heftig erigierter, begehrenswerter Penis, ins Bild gesetzt, mag „anmachen“ oder „erschrecken“, beides mag den Blick auf sich ziehen oder befremdet woanders hin lenken. Bist du eine Voyeuse (oder ein Voyeur), so guckst du hin und es macht dich vielleicht geil. Wenn du es nicht bist, ärgern dich diese Bilder oder sie lassen dich kalt.

Aber wenn du darüber liest, dann kannst du dich nicht gegen die Worte wehren, die deine Psyche behacken wie ein Specht die Rinde eines Baumes. Diese lustvollen, unverschämten, direkten Worte …

Die muss sie natürlich erst einmal finden. Dazu fällt mir ein, dass du deine Figur ruhig einmal animieren kannst, einen völlig schlaffen Penis durch bloßes Liebkosen aufzurichten – und sich dabei ein bisschen zu schämen.

Nun, dir fällt wahrscheinlich noch viel mehr dazu ein.

Delirio erschien zuerst 1977 in Mailand. Die deutsche Ausgabe heißt "Delirium"