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Kreatives Schreiben – für Anfänger

Kreativ schreiben - kein Hexenwerk
Es gibt im Netz einige Hunderttausend Artikel über „Kreatives Schreiben“. So, wie ich es hier in Anführungszeichen gesucht habe, findet allein Google fast 1,4 Mio. Ergebnisse.

Die Ergebnisse lesen sich merkwürdig – beinahe so, als würde man in eine geheimnisvolle Welt exotischer Regenwälder eindringen. Es scheint, als ob sich die Autoren die Finger verknotet hätten, um bewusst komplizierte Formulierungen zu finden, und dazu reicht völlig ein Blick in „WIKIPEDIA“ (1):

Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann.


Ich setze dem mal etwas entgegen.

Kreatives Schreiben soll dir dazu dienen, den Lesern Freude, Vergnügen und Lust zu bereiten – vielleicht sogar sein Lebensglück zu finden (2). Um das tun zu können, brauchst du zunächst nur die Lust daran, etwas mitteilen zu wollen, und dann die Technik, mit der Sprache Bilder zu malen, die andere verstehen können.


Ich habe vermeiden, zu behaupten „kreatives Schreiben ist …“, weil „Schreiben“ immer ein Prozess ist, und niemand kann Prozesse in einzelne, eherne Sätze gießen. Ganz hübsch ist die Formulierung (3):

Die Autoren wollen entweder nützen oder unterhalten - oder zugleich Erfreuliches und für das Leben Nützliches sagen.


Wenn wir dem Satz folgen wollen, und zugleich Nützliches und Erfreuliches vermitteln wollen, dann müssen wir dies unter Einsatz unseres Sinne tun, und zwar so lebendig wir möglich. Das ist der eigentliche Sinn von Prosa, und erst dann kommt all das, was wir als „Techniken“ oder „Verfahren“ bezeichnen.

Prozesse nutzen, um Sinnliches kreativ zu beschreiben

Die beste Methode besteht darin, Prozesse zu nutzen. Prozesse sind die Interaktionen zwischen Menschen oder zwischen Mensch und Umwelt. Oder noch einfacher: Was machen Menschen mit mir – was mache ich mit Menschen? Wie wirkt die Umwelt auf mich – wie wirke ich auf die Umwelt?

Wir können diese Umstände schnell erweitern: Was passiert in mir, wenn ich … zum Beispiel etwas Seltsames erlebt oder gehört habe. Im sinnlichen Bereich bestehen Prozesse aus allem, was zwischen Körper, Geist und Psyche stattfindet. Noch einfacher?

So läuft ein Prozess ab, den du kreativ umsetzen kannst

Deine Heldin sieht eine betörende, verwirrend Frau. Sie versucht, ihrer Faszination nicht zu erliegen. Ihr innerstes Selbst wehrt sich dagegen, doch ihr Kampf ist vergeblich. Eine kleine, harmlose Berührung elektrisiert ihren ganzen Körper. Ihr Unterleib sendet ein flatterndes Zucken an ihr Gehirn, ihre Hände werden feucht und die Schamlippen schwellen an.

Das ist nicht „kreatives Schreiben“, sondern nur der Prozess, den du nun kreativ beschreiben könntest. Die einzelnen Elemente sind mehrdeutig und enthalten Rückkoppelungen, und sie verlaufen teils parallel, teils entgegengesetzt, und teils kreuzen sie sich miteinander. Und all dies verläuft absolut ohne Planung.

Und nun frage ich dich: Wie willst du geplant über jemanden schreiben, der sich bewegt und selbst gar nicht weiß, in welche Richtung er sich entwickelt? (4)

Die Elemente kreativen Schreibens (Übersicht)

Das heißt also: Du musst einen anderen Weg gehen. Empfohlen werden innere und äußere Dialoge, bildhafte Schilderungen, spontane Erinnerungen und außergewöhnliche Sprachelemente. Beispielsweise wird deine Figur ihre Empfindungen kaum in „vollständigen Sätzen“ formulieren, sondern selbst erst einen Ausdruck für das erfinden müssen, was ihr gerade geschieht. Und du? Du führst sie dahin, lässt ihr die Freiheit, innere Kämpfe auszutragen und von unendlicher Begierde durchzuckt zu werden. Und am Ende der Geschichte oder des Kapitels führst du sie zurück in die Welt, die sie kennt – und die du kennst.

Ich gestehe, dass diese wenigen Sätze nicht ganz erklären, wie du diese Elemente nutzen kannst - und ich gebe dir in einen späteren Artikel gerne einen Überblick.

(1) Wikipedia
(2) Nach einer Aussage eines bekannten Kulturkritikers.
(3) Horaz, Ars poetica, 1. Jahrhundert v. Chr.
(4) Folgt dem Motto: "Lass deiner Figur freien Lauf ..."


Alle Sechs Teile – Schreiben für Einsteiger
Teil 1: Was bedeutet eigentlich Schreiben?
Teil 2: Reich deine Zeit für einen Roman?
Teil 3: Finde deine Idee und deind Figur.
Teil 4: Deine weibliche Figur entsteht.
Teil 5: Was ist eigentlich ein Schreibstil?
Teil 6: Kreatives Schreiben.


Erotisch schreiben heißt: Geh deiner Leserin unter die Haut

Du willst also erotisch schreiben? Lass dir zunächst sagen, was Schreiben überhaupt bedeutet.

Bevor es gedruckte Bücher gab, wurden Geschichten meist mündlich weitergegeben. Das heißt, man saß abends am Herd und erzählte von allerlei Begebenheiten, von denen man annahm, dass sie andere begeistern würden. Ein Erzähler war damals eine Art Schauspieler, der seine Zuhörer zu begeistern wusste. Er gab den bösen Räubern und den adligen Damen in der überfallenen Kutsche seine Stimme und illustrierte sie mit heftigen Bewegungen seiner Hände.

Was eine Erzählerin eigentlich tut

Weil viele Menschen nicht lesen konnten und Bücher sehr teuer waren, wurde auch später aus manchem Buch vorgelesen. Wieder waren es die „Umsetzer“ der Texte, denen die Aufmerksamkeit galt – sie waren die „Träger der Information“, wie man heute sagt.

Diese Geschichten brachten den Menschen etwas nahe, das sie nicht sehen und erfahren konnten. Der Klang der Stimme, die Geste des Vortragenden: All dies verschmolz mit den Worten, die aus den Büchern herausflossen.

Ein Buch ist keine Aneinanderreihung von Sätzen

Ein Buch zu lesen ist etwa ganz anderes: Du sitzt allein auf einem Sessel, das Buch vor den Augen. Alles, was du hast, sind Wörter, die zu Sätzen zusammengefügt wurden, und auf die wieder Sätze folgen. Mit anderen Worten: Es ist zunächst nur eine belanglose Erzählung, weiter nichts.

Die meisten Geschichten, die wir auf diese Weise lesen, werden mit Spannung angereichert – sie leben von der Neugierde der Leserinnen und Leser. Diejenigen, bei denen dies nicht der Fall ist, spielen die Trumpfkarte seelischer Empfindsamkeit aus. Sie wollen sozusagen „ans Eingemachte“, also an die Tiefen unserer Empfindungen. Das können alle Gefühle sein, die unsere Existenz hergibt: Trauer, Wut und Hass einerseits und Lebensfreude, Lust und Begierde andererseits.

Lust, Scham und der Zwiespalt

Ich nehme an, dass es dir um die Lebensfreude, die Liebe, die Lust, das Verlangen und die Begierde geht, wenn du erotisch schreiben willst. Vergiss dabei aber nicht, dass die Menschen auch zwiespältige Gefühle haben. Häufig paart sich der Wunsch, nichts als sinnliche Ekstase bei völliger Hingabe zu erleben und sich andererseits schamvoll zu fürchten solche Gedanken zu äußern.

Gehe deiner Leserin unter die Haut

Die erotische Erzählerin wird normalerweise immer auch mit ihrer eigenen Begierde und ihrer eigenen Scham konfrontiert. Das ist kein Hinderungsgrund, sondern eine ungeheuer wirksame Motivation, deinen Leserinnen wirklich „unter die Haut zu kriechen.“ Und die Figuren, die du erzeugst, kannst du nicht nur mit mehr Mut und Wollust, sondern auch mit mehr Zwiespälten ausstatten, als du sie selbst jemals erlebt hast.

Nimm am Leben deiner Figur teil

Langweile deine Leserinnen nicht mit langatmigen Schilderungen. Lass sie am Leben deiner Figur teilnehmen. Komm ihr nahe, wenn sie einen Kaffee trinkt, flirtet, verführt oder verführt wird. Und besonders dann, wenn sie vor Wollust juchzt und ganz und gar nicht mehr sie selbst ist.

Übrigens kannst du auch einen Mann auf die Reise in die Lust schicken. Ich habe im Text vermeiden, „Autorinnen/Autoren“ zu trennen oder „Leserinnen/Leser“. Du kannst aber damit rechnen, dass anspruchsvolle erotische Bücher überwiegend von Frauen gelesen werden.

Schreiben - Teil fünf: Was ist eigentlich ein Schreibstil?

Finde (d)einen Stil - oder mehrere
Falls du ins Internet schaust, wenn du etwas über den Schreibstil wissen willst, wirst du erschlagen von sogenannten „Tipps“ oder „Thesen“, wie du deinen Schreibstil in fünf, sieben oder 10 Schritten verbessern kannst.

Wenn du jetzt sagst: Ja, aber ich habe doch noch gar keinen Schreibstil, dann sind wir da, wo wir hinwollen: Was ist eigentlich ein Schreibstil, wodurch zeichnet er sich aus und wie wird er wirklich individuell?

Was ist ein Schreibstil?

Zunächst einmal ist ein Schreibstil nichts als die Art, in der jemand schreibt. Dazu setzt du … (Zitat) (1):

sprachliche Mittel bewusst so ein … dass … (du) … durch sie, also durch die Art der Formulierung, Wirkung ... (erzielst.)


Das bedeutet natürlich auch, die Fähigkeit zu erwerben, solche Stilmittel in Variationen einzusetzen – das heißt, du solltest viele Stilebenen kennen und wissen, wie du sie am besten benutzen kannst. Aus dem Bereich der Edelliteratur wird oft abgeleitet, du müsstest einen „eigenen, unverwechselbaren Schreibstil“ entwickeln.IIn Wahrheit kannst du verschiedene Schreibstile nutzen, die zu den Umgebungsfaktoren deiner Geschichte passen: Milieu, Zeitalter, Genre. Und du kannst (wenn du viel schreibst oder eben auch erotisch schreibst) für jedes deiner Pseudonyme einen eigenen Schreibstil zurechtlegen.

Es gibt kein „Richtig“ im Schreibstil

Kein Schreibstil ist „richtig“. In der Schule haben wir gelernt, keine „Bandwurmsätze“ zu verwenden, weil sie sich nur schwer lesen lassen. Doch E.T.A Hoffmann schrieb halbe Seiten in einem einzigen Satz. Wir haben auch gelernt, keine Satzfragmente zu verwenden, doch eine Fülle von Kurzgeschichtenautoren begeistert gerade dadurch.

Nachdem wir darüber soviel erfahren haben, schauen wir mal nach den Stilmitteln, die es gibt.

Wörter aneinanderreihen – nicht wie jede(r) andere

Rein formal ist Schreiben das Aneinanderreihen von Wörtern nach bestimmten Regeln. Es geht also um die Wahl der Wörter, die typisch für deinen Schreibstil werden, und um den Aufbau der Sätze. Dabei gilt: Deine Leserin muss verstehen, was du sagen willst – es heißt aber nicht, dass jedes Wort „gebräuchlich“ sein muss – ja, es muss nicht einmal im Duden stehen. Und in gleicher Weise muss nicht jeder Satz „grammatikalisch korrekt und vollständig“ sein.

Die wichtigsten Stilmittel

Nun kommen die Stilmittel, die eine große Rolle spielen:

1. Die Erzählweise (historische Zeit, Person, die erzählt.(2).
2. Die Art und Häufigkeit, in der du Handlungen schilderst.
3. Wie du deine Figuren beschreibst.
4. Dein Umgang mit den Gefühlen deiner Figuren.
5. Der Einsatz von Kommunikation und Dialogen.

Was du an „Tipps“ im Internet liest, hat zum allergrößten Teil nichts mit einem eindringlichen literarischen Schreibstil zu tun, sonder orientiert sich an „Content-Kriterien“, wie sie Werbetexter verwenden.

Nicht unbedingt ein "erotischer Schreibstil" ...
Der erotische Roman - die Nähe zur Figur

Im erotischen Roman spielt normalerweise die „Nähe zur Figur“, die wichtigste Rolle – das entspricht etwa dem Entwurf von Liebesromanen. Daher empfiehlt sich, deine Figuren möglichst so transparent darzustellen, dass sie deine Leser(innen) in sie völlig hineinfühlen können. Das gilt für ihre Gefühle (Lüste, Begierden) ebenso wie für ihre Körper (Berührungen, Eindringen in den Körper).

Lebendige, direkte Sprache und Zensur

Weil nun aber das Schwert der Zensur über dir als Autorin schwebt, kommst du in eine Zwickmühle: Du musst versuchen, die Gefühle so zu verklären, dass sie diene Leserin nachempfinden kann, der Zensor aber keinen Anstoß nehmen wird. Dazu werden üblicherweise bildhafte Umschreibungen benutzt.

Womit wir wieder beim Zitat wären, das ich hier einmal abwandele: Die Wirkung wird durch die Art der Formulierung der Handlungen erzielt und auf keinen Fall dadurch, dass etwas „stattfindet“. Und somit hätten wir auch gleich einen Anfängerfehler entdeckt: Die Handlung in den Vordergrund zu stellen, während die Gefühle verdrängt werden.

In eigener Sache - wir wollen dir nichts verkaufen

Natürlich kann „Sinnlich Schreiben“ auf diese Probleme im Detail eingehen. Aber „Sinnlich Schreiben“ ist nicht kommerziell und unsere Autoren schreiben deshalb nicht, um ihre Bücher und Kurse zu verkaufen. Und deshalb: Schreibt uns, was ihr denkt, wo wir uns irren, wo es bei euch hakt und wie ihr eure Schreibprobleme löst. Wir freuen uns darüber.

(1) Zitatenquelle: Was ist Stil?
(2) Dieses Thema ist unerschöpflich und soll hier bewusst nicht weiter ausgeführt werde.
Foto: Historisch, möglicherweise aus einem "Herrenmagazin" der 1950er Jahre.


Alle Sechs Teile – Schreiben für Einsteiger
Teil 1: Was bedeutet eigentlich Schreiben?
Teil 2: Reich deine Zeit für einen Roman?
Teil 3: Finde deine Idee und diene Figur.
Teil 4: Deine weibliche Figur entsteht.
Teil 5: Was ist eigentlich ein Schreibstil?
Teil 6: Kreatives Schreiben.

Peinlichkeiten, Schmerzgrenzen und Denkverbote

Sex ist normalerweise nicht tabuisiert - oder etwa doch?
Die eigentliche Pornografie in den Medien findet dort statt, wo man sie nicht vermutet: in Kriminalromanen und Fernsehkrimis. Der Tod und der Sex scheinen zwei der Komponenten zu sein, aus dem sich eine heiße Suppe kochen lässt. Und dies natürlich besonders dann, wenn sich entweder der Kommissar und das Opfer kannten oder der Kommissar die Hauptverdächtige intensiv vögelt. Ganz moderne Autoren verbinden sogar den neuen, ansonsten sexresistenten Sherlock Holmes mit einer Domina – ähnlich wie sich die Autoren von „Professor T.“ eine solche einfallen ließen.

Die Autorin Ines Witka schreibt:

Erotik … wird gepaart mit Aggressivität, Sadismus, mit Wahn, mit Religiosität, mit Spiritualität, mit Tragik, mit Schmerz … (es folgen weitere Begriffe).


Gut, war es das schon?

Nein, Frau Witka hat festgestellt:

Gewalt und Sexualität werden häufig in der Genre-Literatur der historischen Romane, der Horrorgeschichten, Science-Fiction- und Fantasy-Romane miteinander verbunden.


Es geht nicht darum, was du schreibst - sondern wie du es nennst, was du schreibst

Und nun kommt es ganz dick: Wenn du einen Sex-Roman schreibst, und dort gewisse Grenzen überschreitest, wirst du beschimpft, diffamiert und möglicherweise auch heute noch zensiert. Schreibst du jedoch über „etwas anderes“, dann „darfst“ du Versklavungen, Nötigungen, Vergewaltigungen und Folter als Stilmittel einbauen.

Wo die Tabus und Stolpersteine liegen

Peinliches, Gewaltsames, Bisexuelles - alles tabu?

Beginnen wir mal bei den Peinlichkeiten: Was dir als Autorin „peinlich“ ist, kann für andere sehr erhellend sei – oder deine Leser(innen) auch anregen – sie müssen nicht das Gleiche fühlen wie du. Dabei kannst du es so halten: Wenn du dich schämst, über etwas zu schreiben, kannst du diese Schamhaftigkeit auch auf deine Figur übertragen. Der kleine Unterschied: Du würdest dich schämen, „es“ zu tun, aber deine Figur wird es tun, nachdem sie ihre Scham überwunden hat. Es ist schreibtechnisch völlig unerheblich, ob es sich dabei um die „Aufnahme“ bei Fellatio oder um den Einsatz von „Natursekt“ handelt.

„Peinlich“ kann alles sein, was einen gewissen Widerstand in uns erzeugt – es kann sich dabei um eine Lappalie im Verhalten handeln oder um eine große Herausforderung. Und unsere Leser(innen)? Sie sind neugierig, wie Scham, Zurückhaltung und Peinlichkeit überwunden und in Lust verwandelt wird.

Geistiger Stacheldraht: Hürden, zu deren Überwindung Mut gehört

Es gibt zwei Tabus, die mit Vorliebe gebrochen und deren Tabubruch teils genossen, und teils verteufelt wird: körperliche Gewalt (auch spielerische) jeder Art und homosexuelle Kontakte unter Heterosexuellen.

Auch für diese Themen gilt: Falls du einen Roman über „etwas Anderes“ schreibst und die eine oder andere sexuelle Gewaltszene darin vorkommt, bist du entlastet. Das Gleiche gilt für zufällige männlich-homosexuelle (im Volksmund auch „bisexuell“ genannte) Aktionen in einem heterosexuellen geprägten Umfeld.

Solltest du aber einen Roman schreiben, in dem du deine Figuren ausschließlich am „sexuellen Abgrund“ wandeln lässt, giltst du als „Pornograf(in)“ und wirst entsprechend abgewertet. Dabei muss dein Roman nicht einmal „Sex- oder Gewaltszenen“ aneinanderreihen. Es reicht völlig aus, wenn deine Kritiker ein paar Haare in der Suppe finden – meistens Schamhaare.

Frauen und Männer – die neue Spaltung mit neuen Tabus

Seit das moderne „Neusprech“ mit seiner sozialen Korrektheit und dem Wort “Sexismus“ in Mode gekommen ist, gibt es Neo-Tabus, die zumindest für hocherotische Liebesromane oder bewusst pornografische Romane gelten. Eines davon ist, weibliche Figuren nicht durch Männer in Körper, Geist und Emotionen verletzen zu dürfen. Sicher gibt es Schlupflöcher, aber zunächst entsteht ein neues Tabu. Im Gegenzug wurden Romane enttabuisiert, in denen Männer durch Frauen geistig, körperlich oder emotional bezwungen werden. Dieser Prozess ist immer noch nicht beendet. Ähnlich kontrovers verhält es sich übrigens mit der homosexuell geprägten Literatur: Was zwischen Männern geschieht, solltest du nicht unbedingt heftig und konsequent schildern – es stört immer och viele Menschen (nicht nur Männer). Hingegen kannst du inzwischen jede Art von lesbischen Begegnungen in hellen und dunklen Farben ausmalen – es stört niemanden mehr.

Bekanntermaßen moralisiere ich nicht – und Tendenzen in der erotischen Literatur gab es schon immer. Es ist einfach so: Das glatteste Parkett, das du gegenwärtig betreten kannst, ist der eindeutig erotische Roman, in dem es um Sadismus, Masochismus, verschiedene Formen körperlicher und emotionaler Gewalt oder um bisexuelle Kontakte geht.

Bild oben: nach einer französischen Zeichnung, retuschiert.
Zitate: Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.

Schreiben - Teil vier: Deine weibliche Figur entsteht

Idee und Figur im Zusammenhang
Deine weibliche Figur – mit welchem erotischen Charakter willst du sie ausstatten?

Wir haben für euch vorgefühlt, welche erotischen Persönlichkeitsmerkmale oder „Charaktere“ eure weibliche Figur haben könnte. Warum wir nur von Frauen reden? Weil es in den meisten erotischen Romanen um eine Frau geht.

Die Junfrauenkarte spielen - ja oder nein?

In erotischen Romanen von Frauen für Frauen zeigte sich lange Zeit ein Trend, emotionale und körperliche „Jungfrauen“ als Heldinnen zu verwenden. Die meisten Autoren raten jedoch davon ab – und dies aus gutem Grund: Die Erfahrungen der Jungfrau reichen nicht aus, um die heftigen Emotionen während des Geschlechtsakts zugleich zu erleben und zu beschreiben. Es gibt andere Meinungen, zum Beispiel die, dass jeder Mensch die Ereignisse und Gefühle aus der „eigenen Biografie“ kennen würde. Ich hingegen warne davor, die eigene Biografie überhaupt ins Kalkül zu ziehen.

Drei erotische Grundtypen - sehr grob

Frauen – das ist eigentlich ein alter Hut, der aber noch mal neu aufgesetzt werden muss, teilen sich in Sexpositive, Sexneutrale und Sexnegative erotische Charaktere. Oder mit anderen Worten, einfacher:

1. Die Sexpositiven suchen sich Partner(innen) um möglichst intensive sexuelle Erlebnisse zu haben, bei denen sie selbst bestimmen können, wie die Sache läuft.
2. Die Sexneutralen brauchen „das gewisse Kribbeln“, das sie durch Menschen bekommen, die sie zu lieben glauben. Sie denken oder erfühlen, dass ihre Pater(innen) Sex wollen, und sie fügen sich dann in diese Rolle, die ihnen mal mehr und mal weniger gefällt.
3. Die Sexnegativen wollen eigentlich keinen Sex, tun „es“ aber trotzdem manchmal - aus den verschiedensten Gründen.

Nun gibt es für einen Menschen niemals nur ein Attribut, das ihn charakterisiert. Im Allgemeinen sagen wir, dass sich Menschen so gut wie sicher durch drei Eigenschaften charakterisieren lassen: „Eine Selbstbewusste, sexpositive Frau in guter Position“, beispielsweise.

Obgleich die selbstsichere, mutige und erfahrene Frau mit Sicherheit ein besseres Vorbild wäre als eine unsichere, wankelmütige und unerfahrene Frau, suchen Autorinnen zumeist den eher unsicheren Typ, der sich verführen lassen muss, um zum erotischen Glück zu gelangen. Es mag sein, dass daher auch der Trend zur „Jungfrau“ kommt.

Fünf Figuren eignen sich für erotische Romane

Wir fanden fünf erotische Frauenpersönlichkeiten, die sich für Romane und Kurzgeschichten eignen. Sieben davon wollen wir euch vorstellen, absteigend nach der sexuellen Aktivität:

1. Verführerinnen werden zumeist als selbstbewusst beschrieben. Sie wissen, was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es gerne hätten. Dazu gehen sie auch Abenteuer und Experimente ein. Diese Frauen sind oft nicht sehr gebildet und kommen nicht aus den sozialen Milieus der feinen Gesellschaft, begeistern aber durch ihre offene, natürliche Lebensart.
2. Krypto-Verführerinnen sind aktive, sexpositive Frauen, die nicht als „Schlampen“ verrufen werden wollen, und die sich deshalb vermeintlich zurückhalten, in Wahrheit aber das Gleiche Wollen wie aktive Verführerinnen. Sie täuschen Männer, indem sie vorgeben, nicht aktiv zu verführen, legen es aber darauf an, angesprochen zu werden und geben dem Mann das Gefühl, selbst der Verführer zu sein. Diese Haltung ist typisch für Frauen, die ihren Ruf verteidigen müssen.
3. Zurückhaltende Frauen stellen plötzlich fest, dass bei ihnen etwas „im Bauch kribbelt“ und versuchen dann auf Umwegen („Spielchen“), Sex zu bekommen. Das ist der Durchschnitt und zugleich der Lieblingstypus der meisten Autorinnen. Das Frauenbild, das dahintersteht, heißt ungefähr: „Der Mann erschließt ihr die Lust“, aber es kann heute auch eine Frau sein, der deine Figur verfällt.
4. Unsichere Frauen haben widersprüchliche Gefühle, zeigen diese aber nicht. Auch sie sind bei Autorinnen beliebt, weile es relativ leicht, aber andererseits sehr spannend ist, solche wechselnden Gefühlsbäder zu beschreiben und zu einem „Happy End“ zu führen: Dieser Typus eignet sich für den Plott „Verloren gehen und neu geboren werden.“
5. Weitgehend Neutrale, nicht an bestimmte Emotionen gebundene Frauen lassen Sex zu, weil es in bestimmten Situationen für sie „so üblich ist“. Dieser Typus eignet sich sehr gut für Alltagsschilderungen – vor allem, weil Sex im alltäglichen Leben ja eher eine „Option mit ungewissem Ausgang“ ist.

Deine Möglichkeiten

Die restlichen Frauentypen fallen aus dem Raster erotischer Romane, weil sie mit sich selbst kämpfen müssen, um schmerzlichen Geschlechtsverkehr zu haben oder – in anderer Weise schmerzlich – auf Geschlechtsverkehr verzichten. Diese Charaktere sind ausgesprochen interessant, eigenen sich aber nicht für erotische Romane.

In den meisten Romanen, insbesondere aber in Kurzgeschichten, gibt es einen offenkundigen Wandel des Fühlens, Wollens oder Handelns. Es mag sein, dass die „eher wenig spektakulären Figuren“ diesen Höhepunkt intensiver erleben können – und damit auch deine Leserinnen.

Die Verführerinnen hingegen eignen sich eher für Plots wie „Reise und Rückkehr“, also beispielsweise die Schilderung eines an Affären reichen Lebens oder für die Aufbereitung eines Doppellebens.

Alle Sechs Teile – Schreiben für Einsteiger
Teil 1: Was bedeutet eigentlich Schreiben?
Teil 2: Reich deine Zeit für einen Roman?
Teil 3: Finde deine Idee und diene Figur.
Teil 4: Deine weibliche Figur entsteht.
Teil 5: Was ist eigentlich ein Schreibstil?
Teil 6: Kreatives Schreiben.