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Manifest

Zier dich nicht ... komm ...

Komm ... und kommuniziere!
Komm! Der Name ist Zufall und und basiert auf einem „schicken Schlager“ (1). Wer sich in den Salon locken lassen will - oh, bitte. Der Vorhang aus rotem Samt wurde gerade geöffnet.

KOMM! ist ein Lockruf für alle, die an erotischer und nicht-erotischer Kommunikation interessiert sind. Ob seriös oder frivol - der Kommunikation ist es egal. Sie ist ein stark vernachlässigtes Forschungsgebiet und ihre Inhalte sind weitgehend unbekannt. Und ich sag mal so ... wenn du schreibst, dann hat das ja auch etwas mit Kommunikation zu tun, oder etwa nicht?

Na, kommst du mit? Kann ich dich verführen, einen Salon für Kommunikation zu betreten?

Ich war übrigens lange Jahre Dozent für Kommunikation - es ist zwar einige Jahre her - aber die Grundlagen ändern sich nicht.

(1) von Georg Kreisler, gesungen von Topsy Küppers.

Was ist die Wahrheit in der Erotik?

Nicht sehr real ... in Corona-Zeiten
Ich weiß nicht, welche Geschichten wirklich wahr sind. Aber ich habe vielfach erfahren müssen, wie langweilig wahre Geschichten sind . Also nehme ich an, dass meine Kolleginnen sie ein bisschen würzen, um sie zu erotischen Leckerbissen zu machen.

Wer aus der Realität heraus schreibt, zeigt uns zunächst einmal nur eine Momentaufnahme seiner Gefühle. Wenn die echten Gefühle mit den sinnlich-scharfen Gewürzen verwurstet werden, dann munden sie auch anderen. Es nützt ja nichts, dir nur selbst zu zeigen, was du selber fühlst.

Was den Körper durchzieht - und was im Text davon übrig bleibt

Was immer du dir aus dem Geschmack im Mund, dem Ziehen in der Brust, dem Dehnen der Vagina, oder auch dem Spannen der Hoden herausziehst, ist ein Abklatsch dessen, was wirklich passiert: Text eben.

Die Wahrheit ist nicht "die" Wahrheit

Es ist nicht die Wahrheit. Es ist eine Sichtweise. Deswegen beschreiben die meisten Autoren nicht das, was sie erlebt haben, sondern das, was sie gerne erlebt hätten. Die erotischen Schilderungen sind viel intensiver als die Banalität des realen Lebens.

Im Lockdown - Fantasie zählt - Realität nützt nichts

Im Moment, da in fast allen Ländern eine Art „Lockdown“ herrscht. Sind spontane, wirklich intensive erotische Erlebnisse rar geworden. Insofern haben im Moment alle Autoren Vorteile, die sich wenig um die Realität kümmern - warum sollten sie auch?

Ich kennen wirklich viele Leute, die unbedingt einmal über „ihr Leben“ schreiben wollten. Eine meiner längst verstorbenen Verwandten war auch darunter. O oftmals wurde ich angesprochen: „Ach, ich hätte da noch ein paar Tagebücher, würdest du mir meine Biografie schreiben?“ Ja klar. So etwas kann ich tun. Nur wird sie niemals jemand lesen.

Deine erotische Geschichte sollte jemand lesen wollen. Und wenn du das möchtest, dann kauf dir ein Gewürzregal: Currys, bengalischer Chili oder ungarisches Paprikapulver. Meinetwegen Zimt und Vanille. Aber möglichst nicht die nackte Wahrheit.

Darf ein Mann aus der Sicht einer Frau schreiben?

Schreib, als ob sie (oder er) zum Leser spricht ...
Im Grund ist dies eine der Fragen, die gar nicht gestellt werden dürften, weil sie extrem albern sind. Aber weil sie nun mal gestellt werden, erscheinen sie in solchen Formulierungen:

„Entdecken Sie gerade ihre weibliche Seite neu?“

Man kann Redakteurinnen (Ute Welty) durchaus verzeihen, solche Fragen an Männer zu stellen, in diesem Fall an den Schauspieler und Autor Christian Berkel. Dennoch ist es provokant, und Berkel beantwortet sie entspannt:

Neu will ich gar nicht mal sagen. Ich bin mir der Seite letztlich immer sehr bewusst gewesen, das ist wahrscheinlich in unseren Berufen nichts Ungewöhnliches. Ich glaube, Kreativität, Empathie – also die wichtigste Fähigkeit für einen Schauspieler und auch für einen Schriftsteller ist ja eigentlich das Einfühlungsvermögen, sich in andere Welten, in andere Figuren hineindenken zu können.


Frauen traut man es zu, obgleich sie die herausfordernden Regungen männlicher Sexualität nicht kennen. Selbst Christina Berkel sagt es im Nachsatz:

(Sich in andere Figuren) ... hineindenken zu können – das ist tatsächlich bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Was dachte sich Helene Keßler, als sie unter dem Namen „Hans von Kahlenberg“ den Briefwechsel zweier Freunde über eine Frau veröffentlichte? War das unglaubwürdig? Sie hat damit ein Zeitzeugnis gegeben, das zu dieser Zeit kaum existierte. Und was schrieb die Literaturkritik, als „jemand“ die „Histoire d’O“ veröffentlichte? Dieses pornografische Machwerk, so hieß es, könne nur ein Mann geschrieben haben. Keine Frau würde jemals ....“ Und doch schrieb es eine Frau.

Wenn ein Mann als Frau schreibt ...

Dennoch ist es für viele Menschen neu und verblüffend, dass Männer die ICH-Perspektive wählen, wenn sie einen Roman über eine Frau schreiben. Im Grunde ist die Sichtweise, ein Mann müssen „männlich“ schreiben und eine Frau eben „weiblich“, völlig absurd. In nahezu jedem Roman und jeder Novelle tauchen Frauen und Männer auf, die der Leser verstehen lernen möchte. Ob du Autorin oder Autor bist: Du bist gezwungen, sie deiner Leserin oder deinem Leser zu vermitteln. Zumal, wenn du sinnlich, aber nicht explizit sexuell schreibst. Es gibt - ganz sicher - Situationen und Umstände, in denen du wirklich nicht unter die Haut des anderen Geschlechts kriechen kannst. Das allerdings sind die wenigen Ausnahmen, in denen wir fast alle auf Fundstellen in der Literatur zurückgreifen müssen. Was du aber sicher können musst, wenn du eine Erotik-Autorin oder ein entsprechender Autor bist, ist die Darstellung eines Geschlechtsakts aus der Sicht beider Partner - und dies nicht nur bei heterosexuellen Partnern.

Die Sinnlichkeit muss glaubwürdig sein

Wie genau du dich in jemanden hineinversetzen kannst, und ob du Erfahrung in dieser oder jener Handlung hast - das will niemand wissen. Die Leser interessiert nur, ob sie es nachfühlen können. Um es mal deutlich zu sagen: Der Leser (die Leserin) muss fühlen können, wie ein Penis in die Vagina, die Mundhöhle oder den Anus eindringt und wie er dort empfangen wird. Ob Leserin oder der Leser - beide müssen spüren können, was geschieht. Beispielsweise, wie es sich anfühlt, mit verbundenen Augen liebkost zu werden und wie die schlecht gewählten Handschellen an den Handgelenken schmerzen. Oder eben auch, wie sich ein Ejakulat anfühlt, sobald es wahrgenommen wird.

Du musst nicht dies oder jenes sein. Was du tun könntest, wäre: Glaubwürdig zu schreiben, was die Partner empfinden.

Zitate: Deutschlandfunk.

Literarisch „jemandem einen Blasen?“

Geben oder nicht geben ... das ist die Frage
So mancher Autor ganz gewöhnlicher Entwicklungsromane wünscht sich, dass vor dem „unaussprechlichen Sex“ das Licht erlischt und es erst wieder aufflackert, wenn der Akt vollzogen ist. „Sex“ in all seinen Variationen ist nicht unbedingt der Gegenstand der Literatur - und die Autoren neigen eben dazu, sie nur mit der Kohlenzange anzufassen.

Ich konnte gerade eine Darstellung lesen, die „Fellatio und Julia“ überschrieben war. Bevor ich beginne, dies zu kritisieren: Dem Autor sei Dank, denn er verlässt mit seinem Artikel die ausgetretenen Pfade, Und dennoch bleibt er seltsam unverbindlich, zum Beispiel in dieser Behauptung:

Eine gut gelungene Fellatioszene sollte schlicht sein. Es ist weder erstrebenswert noch notwendig, für jedes Gefühl eine eigene Metapher zu suchen oder unendlich tief in die Gedankenwelt des Protagonisten einzutauchen. ... Ein literarischer Blowjob sollte sich der Suggestion und der psychologischen Leere bedienen, die nur im Kontext seiner sozialen Beziehungen deutlich werden.

Ich kann verstehen, dass solche Szenen „schlicht gehalten“ werden sollen. Wer so schreibt, bei dem sieht man nicht genau hin, hört man nicht genau hin und erspürt auch nicht die Wollust, die den Protagonisten antreibt.

Wenn die Literatur sich am Fleischlichen vorbeimogelt

Mag sein, dass alle Szenen der Wollust aus einer psychologischen Leere erwachsen. Doch was nützt die Suggestion, wenn sich deine Leserinnen oder Leser nicht vorstellen können, wie es ist, das Zielobjekt anzupeilen? Es ist doch wahrlich kein „Gegenstand“, der da den Geschmacksnerven ausgesetzt wird und der nun auf seine Liebkosung wartet. Vielmehr ist der Penis Teil eines Menschen, dazu ein höchst empfindlicher Körperteil, der letztlich nur darstellt, was im Gehirn vorgeht. Und es ist ein Akt der Rückkoppelung, der da zwischen zwei Organismen geschieht - umso erregender, je mehr die Geberin dies weiß und darauf eingeht.

Schwankt diejenige, die gibt, nicht zwischen Ekel und Lust? Empfindet sie das gleiche, wenn sie einen frisch geduschten Jüngling beglückt oder einen älteren reisenden Kaufmann „frisch aus dem Reißverschluss“ heraus bedient? Woher bezog sie ihr Wissen und Können, falls sie Fellatio als eine Aufgabe ansieht? Was denkt sie jetzt, während sie die Lippen spitzt? Denn wenn ein Autor schon Fellatio schildert, wird er kein Ehepaar beschreiben, dass diese Lust schon 300 Mal praktiziert hat. Vielmehr wird er (oder sie) damit einen Höhepunkt setzen wollen, der - wenn er denn gelingt - zu einer neuen Sicht auf das Dasein als sexuelles Wesen führt.

Sozialer Kontext?

Wort wie der „Kontext sozialer Beziehungen“ prallen an mir ab. Alle sozialen Beziehungen basieren auf Kommunikation, ja, in Wahrheit entstehen sie erst durch Kommunikation. Klar kann im „Kontext“ auch ein Blowjob vorkommen, und auch dieser ist im weitesten Sinnen Kommunikation. Aber ein „literarischer Blowjob“ steht nicht für sich selbst - und ihm kristallisiert sich nicht die Beziehung.

Ernst nehmen - oder zu ernst?

„Die Literatur“ (genau genommen eigentlich „Die Literaturkritik“) neigt dazu, sich schrecklich ernst zu nehmen. Wenn ich richtig gelesen habe, dann ist der Blowjob sozusagen der Gegenentwurf zum Modell des Patriarchats. Der Mann (und damit der Autor) soll urplötzlich „fühlen, beobachten und aufmerksam sein“. Und das - so erfahre ich - schaffen unsere Autoren nicht.

Seht ihr, und an dieser Stelle frage ich mich: Was tun Autoren eigentlich, die „nichts fühlen, nichts beobachten und unaufmerksam sind?“

Vielleicht ist es doch nur die Scham der „großen Literatur“ davor, die Sexualität in Worten zu vertiefen.

Zwei Nachsätze zu alldem: An einigen Stellen hätte ich auch „er“ sagen können statt „sie“. Männer empfangen nicht nur Fellatio, sie geben dergleichen auch. Und die Erwartungen eines Mannes an sich selbst, an andere Männer und an Frauen ändern sich derzeit rapide.

Zitat: Vice

Die erotische Standard-Geschichte ... von Anfang an

Die erotische Geschichte - simpel
Noch keinen Anfang für deine erotische Geschichte in mehreren Kapitel gefunden? Dann versuche es einmal damit ... Es ist die erotische Standard-Geschichte ... von Anfang an. Aus ihr kannst du eine sanfte, sinnliche Liebesgeschichte entwickeln oder eine heftige, harte SM-Story.

Sie trifft ihn ...

Das Standardmodell heißt: „Sie trifft ihn“. Je weniger pornografische ein Werk angelegt ist, umso mehr gilt diese Voraussetzung, also nicht „er trifft sie“.

... ohne etwas Sinnliches zu planen

Sie kann eine andere Absicht haben, nämlich (...) wenn sie ihn trifft oder auch gar keine., weil sie nur (...). Du könntest beschreiben, was sie ursprünglich plante, nämlich (...). Gut wäre, wenn deine Leserschaft wüsste, in welcher Lage (....) sie sich emotional befindet, bevor „sie ihn trifft“.

Er ist nicht so, wie sie dachte

Sie dachte, er wäre (...) oder er müsse so sein, weil (...). Er ist aber anders, nämlich (...). Sie ist überrascht und denkt (...).

Er tut nicht, was sie erwartet

Sie erwartete, dass er (...) tun würde oder sagen würde. Er reagiert aber anders, nämlich (...). Während sie mit ihm über ihr Anliegen spricht (oder sich mit per Small Talk“ unterhält), entwickelt sie andere Gefühle und Regungen, nämlich (....).

Der Wandel

Sie versucht, ihre Gefühle einzuordnen oder zu beherrschen. Doch ihr ist anzusehen, dass (...). Sie erwartet von ihm, einen Schritt auf sie zuzugehen, zum Beispiel (...). Aber der Wandel scheitert. Hält er sie für (...) oder für (...)? Warum schlägt er nicht einfach vor (...)?

Der Übergang zum nächsten Kapitel

Ihr ursprüngliches Anliegen wird beachtet, aber sie glaubt dennoch, erfolglos zu sein. Sie sendet (...) Signale an ihn, zum zu zeigen, dass sie an ihm interessiert ist. Als sie zur Tür hinausgeht, sagt er: „Einen Moment noch“ und dann noch etwas, nämlich (...).

Verwirrung - der Beginn des nächsten Kapitels

Sie ist völlig verwirrt. Er ist nicht so, wie sie zu Anfang dachte. Aber auch nicht so, wie sie ihn „gerne hätte“. Er ist so „anders“. In ihren Gedanken kreist der Satz, den er zum Abschied sagte: „(...)“.

Schreib einfach diese Geschichte - auch wenn sie schon viele vor dir geschrieben haben.Sie wird immer wieder gerne gelesen.