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Hannelore und der Geschmack des bitteren weißen Honigs

Hannelore war sichtlich verlegen, was sich vor allem daran zeigte, dass sie ständig an ihrem Rocksaum herumnestelte.

„Es ist mir etwas peinlich, dich um etwas bitten zu müssen“, begann sie, „weil es eigentlich gegen … nun gegen unsere Vereinbarungen verstößt.“ Dabei sah sie mich lauernd an.

Die Vereinbarung entstand aus dem Wunsch, eine kurze Affäre schnell zu vergessen und niemals zu wiederholen: Niemand zieht irgendetwas aus, und keine Genitalkontakte irgendwelcher Art. Semi-platonisch nannte Hannelore das. Ich hatte ihr schon oft bei ihren Kurzgeschichten geholfen, und bisweilen habe ich auch schon voll bekleidet gewisse Lagen angenommen, die mir im entblößten Zustand recht peinlich gewesen wären. Aber unsere Regel hatte Bestand: keine Körperkontakte unterhalb des Halses und keine Entblößungen, gleich, zu welchem Zweck.

Hannelore seufzte erleichtert, weil ich gelassen blieb. Dann holte sie tief Luft und sagte: „Ich habe vor, eine Szene mit dir nachzuspielen, weil ich wissen will, wie sich meine Heldin … bei etwas fühlt …“

„Bei ‚etwas‘? Soll ich dir die Zehen lecken?“

Hannelore lächelte, wurde aber dann sofort wieder ernst: „Etwas Intimeres“. Sie schlug ein etwas zerlesenes antiquarisches Buch hervor, schlug eine Seite auf und sagte: „Da lies.“ Das Kapitel war „Der Mund mit dem Schurrbart“ (1) überschrieben.

Ich kannte das Buch, hatte den Text aber bislang nun überflogen. Und falls du selber nachlesen willst: Es gibt zahlreiche Versionen, deren Wortlaute wegen der zu erwartenden Zensur abgeschwächt wurden. Aber es geht darum, dass eine reife Dame einen jungen Mann ganz und gar unter ihrem langen Rock verbirgt, wo er „den Mund mit dem Moustache“ suchen muss.

Ein Originaltext - und ein fehlender Absatz

Ich las den Text, der nicht viel mehr als eine Seite füllte, und fand ihn zwar anzüglich, aber nicht ordinär. Der Übersetzer hatte keine „ungehörigen“ Bezeichnungen verwendete und schildert zu Anfang alles wortgetreu. Natürlich fand der junge Mann den Mund, stellte er fest, dass dieser Mund nicht quer lag, wo wie jener, der die Speisen aufnimmt, sondern längs. Auch wird die Liebesknospe, die der tastenden Zunge des jungen Mannes sofort entgegen sprang, lediglich als „Vorsprung“ bezeichnet.

Allerdings hatte ich diese Szene wesentlich plastischer in Erinnerung. hatte. Im Verlauf des Geschehens war doch von zweierlei Feuchtigkeit die Rede. Eine davon bemerkt der junge Mann sofort, weil sie seine Lippen benetzt, während die andere eher eine eiweiß-änliche Konsistenz hat, die dem jungen Mann zunächst etwas bitter anmutet, die er aber schließlich mit wollüstigem Schauer schluckt.

Ich legte das Buch aus der Hand. „Viktorianische Literatur“, sagte ich trocken, „etwas wurde bei deinem Exemplar offensichtlich geschönt. Aber die Idee mit dem ‚Gamahuching‘ kommt immer wieder vor – sozusagen die „Einstiegsdroge“ für junge Männer in die Welt der ungewöhnlichen Lüste.“

„Gamahuching?“ was ist nun das wieder?

Gamahuching oder das Speisen am "Y"

„Eigentlich ist es das, was die Amerikanerinnen mit „Dining at the Y“ beschreiben – und griechisch entspricht es dem klein geschriebenen Gamma – optisch ein tief gelegtes Ypsilon (Γ γ) ein tief gelegtes Ypsilon, sozusagen. Ist aber Spekulation – man sagt, das Wort hätte sich ein Autor sozusagen „aus dem Finger gesogen“

Hannelore machte dies so neugierig, dass sie zunächst vergaß, mir einen konkreten Vorschlag zum besseren Verständnis des Zustands ihrer Heldin zu unterbreiten. Und ich muss sagen, dass es mir sehr recht war, nicht unter ihren Unterrock kriechen zu müssen, ob mit oder ohne Hautkontakt.

„Und wie geht die Geschichte?“

„Ungefähr immer gleich. Mal heben die Damen ihren Unterrock, um ihren Lovern den Duft und das Aussehen ihres Unterleibes leibhaftig vor Augen und Nase zu führen. Mal muss der Mann sein Werk in der lichtlosen Welt des Boudoirs und mal wirklich ‚unter dem Rock‘ verrichten. Und am Ende wird immer geschildert, dass er das Resultat seiner Bemühungen verschluckt - mal mit heldenhafter Überwindung seiner Abscheu, mal mit sinnlichem Genuss. Übrigens tat es der jugendliche Galan von Fräulein de Chambounard (1) nur zwei Mal – das dritte Mal spie er den weißen Honig aus.“

Hannelore hörte mir etwas befremdet, aber dennoch ruhig zu, sagte dann aber: „Was du da behauptest, steht aber nicht wirklich in dem Buch, oder?“

„Oh doch – die Reaktionen von Mademoiselle werden sogar recht heftig geschildert, und vor allem, was der junge Mann damit tat …“

Mit dem „weißen Honig“? Wie kommt es, dass eine Frau solche eine weißliche Flüssigkeit hervorbringt? Sie kommt doch nur bei Männern vor … oder?“ Als ich lächelte, fügte sie schnell hinzu „soweit mir bekannt.“

„Es kommt aus einer Drüse … ich habe den Namen vergessen (2), aber sie sondert nur bei heftigen Orgasmen wirklich erkennbare Menge von Flüssigkeit ab – nicht bei jeder Frau, nicht jedes Mal, und nicht bei jeder Stimulation.“

Ich bemerkte, wie Hannelore das Wort „Klugscheißer“ auf den Lippen lag, doch dann besann sie sich und sagte: „Dann wäre … ein Versuch mit dir und mir möglicherweise gar aussichtslos?“

Ich grinste. „Ich würde dir wohl unter den Unterrock kriechen, wenn du wissen willst, in welche Lage so etwas geht. Allerdings meine ich, dass es nicht unbedingt ideal ist, wenn sie auf einem Stuhl sitzt und er vor vor kniet … aber auf keinen Fall würde ich deine Lippen berühren …“

Das sonderbare Gefühl und der betörende Duft

Hannelore sah mich ernüchtert an, bevor sie vorsichtig fortfuhr: „Es muss ein sonderbares Gefühl für eine Frau sein … irgendwie schrecklich peinlich … was macht es für den Mann so interessant? Das wirst du mir doch sagen können?“

„Es ist der Duft, der den Mann betört, wenn er von den Röcken bedeckt wird, eine Mischung aus dem Geruch weiblicher Haut, dem sinnlichen ‚Odor di femina‘ und dem Duft des Parfüms, das sie in ihrer Wäscheschublade versprüht.“

„Und das weißt du woher?“

„Ich kannte schon ein paar Frauen in meinem Leben.“

„Und du hast sie wirklich … dort geküsst?“

Ich schwieg eine Weile, bevor ich ihr antwortete: „Nicht alle Frauen mögen, wenn man auf diese Weise mit ihnen intim wird. Aber es ist die größte sinnliche Nähe, die ein Mann zu einer Frau aufbauen kann – und umgekehrt.“

Hannelore sah mich verächtlich an, so wie man einen Hund ansieht, der gerade am Kot eines anderen Hundes geschnüffelt hat. Dann sagte sie: „Wie kann eine Frau nur jemanden auf den Mund küssen, der zuvor …“

Nun, ein Kuss ist ein Kuss ist ein Kuss … wohin auch immer. Und des einen ekliger Schleim ist des anderen süßer Honig.
(1) Kapitelname aus "Weiberherrschaft" - in deutsch antiquarisch im Original erhältlich, sonst meist zensiert.
(2) Gemeint war das Sekret der Paraurethraldrüse.

Alva - wie die Verführerin sich verführen lässt

Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines - Teil zwei.

Alva Wiederkehr – so nennt sie sich. Es ist ihre Identität, sobald sie das Hotel betritt, und sie ist ganz und gar erlogen.
Die Geschichte, die sie dazu verbreitet, beginnt damit, dass ihr Vater Brite war und „Comeback“ hieß, und dass sie später ihren Namen eindeutschen ließ. Und nun arbeite sie freiberuflich in der Ausbildung von Bankangestellten, denen sie die Geheimnisse einer speziellen, britischen Software vermittle. Sie versteht genug davon, um eine Viertelstunde im Gespräch mithalten zu können – mehr ist nicht nötig. Und sobald sie ihre neue Identität annimmt, beginnt sie mit leichtem britischen Akzent zu sprechen, verwechselt dann und wann „dir“ und „dich“ und was sonst noch schwer an der deutschen Sprache ist. Manchmal fällt ihr das englische Wort wirklich früher ein als das Deutsche – passt alles. Jedes Mal vertieft Alva das Gespräch mit der Barfrau Lola, wirft ihr ein paar Brocken aus ihrem getürkten Berufs- und Privatleben hin. Sie darf es ruhig weitererzählen, weil ohnehin nichts davon stimmt.

Das Gespräch mit der Barfrau vermittelt den Männern den Eindruck der Vertrautheit. Aha, ein Gast, den man hier schätzt. Jemand, der nicht hier ist, um Bekanntschaften zu machen, sondern ein Geschäft betreibt. Imagepflege eben.

Ein Abstecher in das Land der Verführerinnen

Liebe Leserin, falls du dich jetzt wunderst: Alva ist eine Verführerin, die verführt werden will. Wenn Alva träumt, dann spricht sie der Mann von sich aus an, und sie kann wählen, ob sie ihm ihre Gunst schenkt oder nicht. Wenn sie aber wach und realistisch ist, dann weiß sie, dass sie ihn dazu bringen muss, sie anzusprechen. Es gibt immer und überall Regeln, und wenn du ihnen folgst, glauben die Männer, was sie glauben sollen: dich erobert zu haben. Das ist gut so, denn ein wahrer Liebhaber ist mehr als ein starker, voluminöser Penis, und seine Motive sollten nicht von seinen Hoden allein bestimmt werden. Sagt selber: Eigentlich reicht das doch, oder etwa nicht? Und noch zuletzt: Der Mann muss immer glauben, dass er die Frau „erobert“ hat.

Mentale und praktische Vorbereitungen

Wenn Alva heute einer der Männer gefallen sollte, kann sie ihren Körper in weniger als einer haben Stunde in die maximale Lustbereitschaft verwandeln. Was konkret heißt: Sie ist schon feucht, bevor sich die Hotelzimmertür öffnet. Das muss so sein. . Für sich selbst und für die Männer. In den Kreisen der weniger seriösen Damen sagt man dazu „naturgeil“. In Wahrheit, so würde es dir jedenfalls Alva selbst erklären, handele es sich dabei aber um eine Melange aus dem Bereich der Psyche mit Elementen der Durchblutung der Beckenbodenmuskulatur. Beides ließe sich erlernen.

Die Kondome? Sie sollten zum Einsatz kommen, gewiss. Doch erst mal abwarten, wie sich die Sache entwickelt, dann wird sie weitersehen. Würde man sie fragen, so würde sie sagen: „Ich weiß doch noch gar nicht, was ich mit dem Mann anstellen werde.“ Oder er mit ihr? „Wenn er interessante Vorschläge hätte …“, wäre ihre Antwort.

Zwei oder drei Herren interessieren sich. Einer glotzt wie ein Kampfstier, der Zweite ist noch zu jung. Junge Männer mögen ja kräftig gebaut und „erfüllend“ sein, aber sie können nicht so hübsche Sachen sagen wie die älteren. Und abgesehen davon spritzen sie viel zu schnell ab. Der dritte Mann ist schon leicht ergraut, aber offensichtlich noch topfit. Versucht, den Ring an seiner Hand zu verbergen. So ein Dummkopf – der Ring ist ein Indiz dafür, dass er weiß, wie man eine Frau höflich und zuvorkommend behandelt.

Dezente Anbahnung

Alva weiß genau, was sie nun tun muss – möglichst nahe an ihm vorbeigehen, ihm kurz zulächeln und dann ab in die Waschräume. Sich dort lange aufhalten, aber nicht zulange. Wenn er am Ende noch dasitzt, wird er froh sein, sie noch einmal zu sehen. Nun wird Alva einen Aufbruch simulieren … es klappt fast immer. Der Herr kommt an die Bar – ein Blickkontakt genügt. Ja, es wird gehen. Was jetzt geredet wird, spielt überhaupt keine Rolle. Ihre Ziele sind klar, und das Ziel des Herrn auch. Wäre eigenartig, wenn’s anders wäre.

Selbstverständlich lässt sich sie einladen … eine Flache Sekt, aber an seinem Tisch. Nein, ab jetzt soll die Barfrau nicht mehr zuhören. Small Talk, ein bisschen Business. Ab dem zweiten Glas muss sie in verträumt ansehen, vor dem Dritten dann wie zufällig seine Hand ergreifen und warten, dass er Vorschläge macht. Beim Dritten etwas nachhelfen, falls er unentschlossene bleibt.

Dieser Mann ist wirklich charmant, liebt ihren Akzent. Und er will sie. Er fragt sie, ob sie sich vorstellen könnte … Alva weiß, dass sie nun zögern muss. Schließlich sagt sie, er solle bitte auf keinen Fall glauben, dass es bei ihr üblich sei, so spät und noch dazu leicht angeschickert mit einem Herrn …

Der Herr drängt nicht. Er sagt ihr, wie hübsch sie ist und dass es einfach wundervoll wäre, noch ein weiteres Glas mit ihr zu trinken, wo es etwas ruhiger ist. Schließlich wird sie ihn anlächeln und sagen: „Gehen wir?“

Der dritte Teil folgt bald - er heißt "Im Bett bist du, wer du zu sein scheinst" und er handelt davon, wie Alva den Herrn etwas länger glücklich macht, als er vermuten dufte.

Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines

Der Gebrauch ist einfach - doch die Effekte können variieren
Die Erzählerin – Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines sowie einige Möglichkeiten, die Lust zu befriedigen

Selbstverständlich hat sie immer ein Kondom in ihrer Handtasche. Für alle Fälle, doch weiß sie auch, dass diese Fälle kaum noch eintreten. Es ist einsam geworden um sie, vor allem, seit sie Abteilungsleiterin wurde. Zuvor leistete sie sich schon noch die eine oder andere Affäre – dann und wann jedenfalls.

Es gibt sie wirklich, doch wie nenne ich sie? Jenny? Natascha? Gertrud? Scherz beiseite: Alva würde zu ihre passen: feenhafte Erscheinung, aber mit einer robusten Psyche. Rund heraus und unverblümt: Alva sucht sich gelegentlich, aber sehr gezielt Möglichkeiten, „ihren Körper mal wieder richtig zu spüren“. Ohne jede Verbindlichkeit und innerhalb von höchstens sechs Stunden.

Einschub: guten Sex innerhalb von sechs Stunden genießen – geht denn das?

Ich muss euch jetzt mal persönlich ansprechen: Vielleicht habt ihr noch niemanden erlebt, der sich so verhält. Und es könnte durchaus sein, dass euch diese Geschichte befremdet. Aber ich kann euch versichern, dass Alva nicht die einzige Frau auf dieser Welt ist, die so denkt und handelt. „Ich will meine Lust nicht durch die Rippen schwitzen“, sagte mir Nora, die nach längerer Ehe nun „von Fall zu Fall“ mit verheirateten Männern verbringt. Ledige kämen sowieso nicht infrage. Und Beziehungen? Um Himmels willen, das brächte doch nichts als Probleme.


Zurück zu Alva und ihrer Geschichte

Kehren wir zurück zu Alva, die mir ihre Geschichte in einer schwülen Gewitternacht im letzten Spätsommer des vorigen Jahrhunderts erzählte. Damals hätte man noch eine Verbindungslinie von Alva zu mir ziehen können, und ich habe deshalb über das geschwiegen, was ich von ihr hörte. Und vielleicht noch dies: Ich habe keine Veranlassung, an dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussage zu zweifeln. Allerdings habe ich einige Ergänzungen hinzugefügt, um die Geschichte etwas plastischer schildern zu können und einiges weggelassen, soweit es die Intimsphäre von Alva betrifft.

Alva und die Probleme mit der Kleinstadt

Es ist wirklich schwer für Alva, in ihrer Stadt einen Mann zu finden. Knapp 45.000 Einwohner hat sie mit allen Vororten. Kleinstadt also, wenngleich mit großer Bedeutung für verschiedene ertragreiche Branchen. Wenn du in der Kleinstadt wohnst, wirst du wissen: Die Leute beobachten dich. Und Alva ist bekannt. Denk mal an eine Physiotherapeutin, eine Studienrätin oder die Leiterin der örtlichen Volksbank. Dann kannst du dir nicht einmal leisten, in deinen Dessous im Garten zu sitzen.

In die Abschlepp-Bar oder zum Sex in die Hauptstadt?

Sicher gibt es eine Bar in der Nähe ihres Wohnorts, in der du Männer kennenlernen kannst – aber wenn du dahin gehst, bist du gleich abgestempelt. „Notgeile Schlampe“ ist noch eine der höflicheren Bezeichnung für dich, wenn du hingehst und dich an die Bar setzt. Ich schildere dir mal, wie es ist: Geh rein, setz dich auf einen Barhocker, zieh den Rock so weit hoch, dass die Jungs deine Oberschenkel sehen können und lass dich zu einem Drink einladen. Der Rest findet im Auto statt – oder bei schönem Wetter auch mal auf einer Waldlichtung auf dem verlassenen Truppenübungsplatz. Wenn du Glück hast, in einer unaufgeräumten Junggesellenwohnung oder einer Monteurunterkunft. Ein Hotel können sich die Jungs nicht leisten. Wollen sie auch gar nicht. Und das Schlimmste: Sie erzählen weiter, wie es mit dir war. Garantiert und in Details.

Nun gut – Alva könnte heimlich die Hauptstadt fahren, wo sie niemand kennt und niemand fragt. Von der Apothekerin weiß sei, wie so etwas geht: eine Anzeige im „Wochenblatt“ mit einem etwas verschlüsselten Text, der dem Eingeweihten klar macht, was geboten und erwartet wird. In der heutigen Zeit heißt so etwas „Casual Dating – damals sagte man „Begegnungen“ dazu.

Das alles ist nichts für Alva. Sie will nicht, dass von vornherein alles klar ist, inklusive der möglichen Varianten, sondern dass sie ein Mann anspricht, der sie schön und begehrenswert findet. Und sie will den Dingen ihren Lauf lassen, weil sie es hasst, wenn immer alles „nach „Muster“ abläuft.

Alva geht aus

Alva wird heute dennoch ausgehen. Sie überprüft ihre kleine Handtasche, geht zur Keksdose auf dem Nachtisch, nimmt ein Kondom heraus. Eines? Manchmal ist ein Zweites nötig - diesmal eines aus dem verschließbaren Medizinschränkchen. Also zwei Kondome, dazu einen Ersatzslip – der nimmt nicht viel Platz weg. Viel mehr wird sie nicht brauchen. Oh, die Visitenkarte, falls jemand ihr nicht glaubt, das zu sein, was sie nun darstellen wird: die reisende Schulungsleiterin Alva Wiederkehr.

Sie überprüft noch einmal ihre Garderobe, ihr Make-up und ihre Frisur. Da muss sie nicht viel ändern. Business-Outfit, heller, etwas kürzerer Rock als üblich, Halterlose an den langen Beinen. Die Bluse nicht völlig zugeknöpft, der BH darf leicht durchschimmern. Das Parfüm eine Spur sinnlicher, aber nicht zu schwer. Ein einziges Schmuckstück, mehr nicht. Eine edle Uhr? Reicht völlig.

Ihre Wohnung liegt am Rande eines neuen Stadtviertels, deutlich getrennt vom Hauptort. Von dort sind es noch etwa 500 Schritte zu einem riesigen Hotelareal in einer Art Park. Dort nächtigen nahezu ausschließlich Firmengäste, Vertreter, Reisende und Tagungsteilnehmer. Die meisten Gäste scheuen den Weg in die verhuschte Innenstadt, die ohnehin außer der bereits erwähnten Schummerbar so gut wie nichts zu bieten hat. Und aus eben diesem Grund verfügt jedes dieser Hotels über eine relativ große Hotelbar, die stets überaus gut frequentiert wird. So gut wie alle reisenden Geschäftsleute, ob Frauen oder Männer, fühlen sich abends einsam. Und wer sich einsam fühlt, nimmt gerne Gesellschaft an, in der Hoffnung, das am Ende vielleicht doch noch ein feuchtes Erlebnis herausspringt, aber ohne die Erwartung, dass es unbedingt passieren muss. Aber ein kleiner Flirt wird doch erlaubt sein, nicht wahr?

Alva weiß, worauf es hier ankommt: Du musst aussehen wie eine Businessfrau und dich benehmen wie eine Businessfrau. (Alva würde selbst noch viel mehr Eigenschaften nennen können, schließlich ist sie eine Businessfrau). Klar kannst du abends an der Bar ein bisschen legerer auftreten, doch Alva weiß: je weniger sie auffällt, umso besser.

Die Konkurrenz – wo Männer sind, da sind auch Frauen

Um das zu verstehen, muss ich nun mit euch über Alias „Konkurrenz“ reden, so peinlich dies auch sein mag. In einer Hotelbar kann jede Frau eine Konkurrentin sein, damit musst du rechnen, wenn du dort auf „deinen“ Lover wartest. Du kannst lernen, sie auseinanderzuhalten, in Gruppen einzuteilen und sie zu umgehen. Aber das ist nicht das Wichtigste: Du musst den männlichen Gästen klar machen, dass du auf keinen Fall dazugehörst. Wenn du heute in Hotelbars gehst, findest du dort viel mehr reisende Geschäftsfrauen als in den 1990ern – damals waren sie aber noch eine Rarität.

Und du? Du hattest einen harten Tag. Und nun suchst du Abwechslung. Nette Gespräche und einen kleinen Flirt -. auf keinen Fall mehr. Sollte dich ein Herr dennoch „überreden“, noch ein weiteres Gläschen auf seinem Zimmer mit dir zu trinken, dann tut er es, weil er dich wirklich mag. Niemanden interessiert die Wahrheit – es ist ein Mantra, das du selber ein bisschen glauben musst, damit es für andere glaubwürdig ist.

Manche deiner Konkurrentinnen ahmen das Verhalten von Geschäftsfrauen in Hotels nach. Da wäre zum Beispiel Xenia, die eine Codekarte mit Zimmernummer besitzt und sie immer deutlich auf die Bar-Theke legt. Die Karte ist längst abgelaufen, aber mancher Herr glaubt ihr, dass sie Reisende für Kosmetika ist. Andere geben sich erst gar keine Mühe, ihre Absichten zu verbergen – man erkennt sie an ihrem Verhalten, an ihrer Redeweise und an ihren Handtaschen – von der aufreizenden Haltung einmal abgesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihr denkt, aber es geht eigentlich immer um Geld: Mal im Voraus, mal hernach, mal in bar, mal per Kreditkarte. Und dann und wann geht es um Erpressung oder Industriespionage.


Alva weiß von zwei oder drei Frauen, die aus dem gleichen Grund hier in die Hotelbar gehen wie sie selbst: Einen wundervollen Lover zu suchen und sonst gar nichts. Sie begegnet ihnen selten, und wenn, dann geht sie ihnen aus dem Weg - besser so.

Das bevorzugte Hotel - der Gang durch die Hotelhalle

In dem Hotel, das Alva bevorzugt, gibt es keinen separaten Eingang zur Bar. Sie geht durch die Halle, wie jemand der froh ist, dass der harte Tag endlich vorbei ist. Manchmal lächelt sie der jungen Frau an der Rezeption zu. Natürlich weiß sie, dass Alva hier kein Zimmer gebucht hat – aber es kommt schon vor, dass man sich in der Bar auch noch zu geschäftlichen Gesprächen trifft oder einfach eine Kollegin aus einer fernen Zweigstelle des Unternehmens.

Bevor sie die Bar betritt, richtet sie sich noch einmal innerlich auf und bleibt einen Moment im Eingangsbereich stehen. Sie weiß, dass sie dabei von den Herren gemustert wird, doch verzieht sie keine Miene, geradezu so, als ob ihr einziges Ziel wäre, sich auf dem nächstbesten Hocker niederzulassen.

Doch nun bleibt sie einen kurzen Moment vor der Bar-Theke stehen. Sie mustert die Barfrau, die heute Dienst hat. Diese blickt kurz auf, und beide lächeln. Die Unsicherheit, so weiß sie, lauert beim Personal, nicht bei den Gästen. Die Gefahr, dass man plötzlich eine Schulkameradin als Hausdame, Portierin oder Barfrau trifft, mag gering sein, aber sie ist real. Diese Barfrau stammt nicht aus dem Ort, sondern aus einer eher ländlichen Gegend südlich der kleinen Stadt, leicht über die Autobahn erreichbar, aber fern genug, um ihr gefährlich zu werden. Sie nennt sich Lola … Gäste in Bars wollen „ihre“ Barfrau immer mit Vornamen ansprechen – das ist international üblich. Lola erkennt Alva und sagt: „Es ist lange her, dass Sie das letzte Mal bei uns waren, Miss Wiederkehr, nicht wahr?“

Wollt ihr die nächste Folge lesen? Sie heißt:"Wie die Verführerin sich verführen lässt" .
Insgesamt besteht unsere Geschichte aus fünf Teilen - und sie ist wirklich passiert.

Etwas frivoler darf es schon sein …

Im Strudel der Träume
Zwei Frauen unterhalten sich. Beide sind im mittleren Alter und nach Art und Verhaltensweise typische Büroangestellte. „Du, ich habe neulich mal wieder fürs Marathon trainiert - ich kann dir sagen, das spürst du mal wieder richtig deinen Körper mit jeder Faser.“ Die andere denkt nach und sagt schließlich: „Ich würde auch gerne mal wieder meinen erregten Körper bis zur Erschöpfung spüren – aber ich stell mir vor, dass mich jemand bis zur Bewusstlosigkeit vögelt.“ Die andere wendet sich empört ab ….

Nichts als die lüsterne Begierde für eine Nacht

In den letzten Jahren hörte ich dergleichen immer wieder. Sex war im Wandel, und nicht nur Arbeiterinnen redeten offen über ihre Lüste und ob die erfüllt würden. „Oversext und untervögelt“ gehen viele durchs Leben, haben eigentlich keine Zeit dafür, sich mit Liebesaffären abzugeben. Manche Frauen suchen sich mittlerweile Männer für eine Nacht. „Wenn er nett ist und ich spüre, dass er weiß, wie man eine Frau vögelt, dann kriegt er Sex – und ich auch.“ Das sagte nicht "einmal" eine "einzige Frau" bei einer "seltenen Gelegenheit", sondern immer mehr berufstätige, engagierte Frauen leisten sich das erregend-feuchte Vergnügen für eine Nacht.

Die heftigen Träume sollen beim Lesen wachgerufen werden

Doch was macht die treue, seit Langem mit demselben Mann liierte Verwaltungsangestellte in mittleren Jahren? Sie träumt. Und liest über etwas, was sie nie tun würde – und dies mit Worten, die sie niemals wählen würde.

Dazu schreibt ein bloggernder Autor:

Mich hat immer überrascht, dass ungefähr die Hälfte meiner Leser Frauen sind. Als ich anfing, erotische Geschichten zu schreiben, ging ich davon aus, dass ich ein überwiegend männliches Publikum ansprechen würde. Aber ich habe bald festgestellt, dass viele Frauen erregende Sexgeschichten mögen, bei denen sie ihre Hemmungen und ihre Röcke ablegen können. Sex ohne Liebe kann erfüllender sein als Liebe ohne Sex. Und meine Leserinnen müssen nicht vorgeben, dass sie immer ein „braves Mädchen“ sein müssten, das „so etwas“ nie tun würde.

Was ich dazu sage? Oh, etwas ganz Einfaches: Die meisten deiner Leserinnen würden „niemals tun“, was deine Heldin leichthin tut, aber sie haben ein Dutzend Mal davon geträumt, es zu tun. Und manchmal haben sie ihre Gedanken damit aufgegeilt, während die Hand den Vibrator geführt hat. Und dann am nächsten Tag ihrer Freundin zugeflüstert: Ich krieg viele schönere Orgasmen, wenn ich es mir selber mache“, worauf die Freundin seufzend entgegnete: „Wer nicht …“

Diese Leserinnen wollen erfahren, wie es andere Frauen tun, die es eigentlich ebenfalls niemals tun würden. In einem Stundenhotel, schweißtriefend, schreiend wie von Sinnen. Keine Liebe - nur gevögelt werden.

Es ist einfach so: Sie können die gute Mutter, die treue Ehefrau, das ehrenwerte Mitglied der Kirchengemeinde bleiben, weil sie „so etwas“ nie tun würden. Aber in ihren Fantasien, da erleben sie, wie ihre Körper von der Lust ausgelaugt auf einem Hotelbett liegen, voller Schweiß und Spermaspuren. Und wie sie in den Kleidern von gestern wieder ins Büro gehen, weil sie ihrem Ehemann doch gesagt haben, sie würden bei einer Freundin übernachten. Und die Kollegin wird hoffentlich nicht merken, dass sie die Kleider von gestern trägt …

Wie du eine berühmte Autorin wirst

Verwirrt dich dieser Beitrag? Nun, er ist keine Satire, sondern absolut ernst gemeint

Wie du eine berühmte Autorin wirst

Besorg dir einen PC mit einem Schreibprogramm,
Und während andere die Vögel zwitschern hören,
Draußen vor dem Fenster.

Hau in die Tasten.
Wild und entschlossen.

Zieh den Frauen die Masken vom Gesicht und den Männern.
Zeig sie, wie sie wirklich sind: animalisch und geil.
Öffne ihre Jalousien und zieh ihnen die Bettdecken weg.
Und denk dran, wie sie in einsamen Nächten
Ihre Orgasmen herausschreien – wie die Katzen in der Nacht.


(Einem Gedicht von Charles Bukowski nachempfunden)

Mehr von Bukowski (auch über das Schreiben).