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Erotische Szenarien und Plots, die du vielleicht noch nicht kennst

Zehn neue, zumeist gar innovative Ideen für dich und deine erotische Geschichte - zusammengestellt nach neuen Erkenntnissen aus der Welt des erotischen Schreibens.

Die zehn Ideen für erotische Plots

1. Die Suche nach dem richtigen Weg …

Man sagt dazu auch „Reise und Rückkehr“. Deine Figur ist unzufrieden mit ihrem gegenwärtigen Zustand und versucht, durch neue Erfahrungen zu einem besseren (sinnlicheren) Leben zu gelangen. Das System ist einfach:
- Du brauchst einen Grund oder Umstand, das Risiko einzugehen.
- Irrungen, Wirrungen und Hindernisse, die überwunden werden müssen.
- Erfolg bei der Rückkehr (gelegentlich auch Versagen)
Das System ist bewährt – die einzelnen Stationen müssen aber interessant gestaltet werden. Jedes Mal entsteht ein Lerneffekt, der die Möglichkeiten der Sinneslust erweitert.

2. Das Opfer – die Figur opfert sich, um …

Normalerweise wird ein heldenhaftes Opfer erwartet, aber in der erotischen Literatur wird daraus ein „Wiedergeburtsplot“. Das heißt, dadurch, dass sich jemand „opfert“, wird er/sie „geläutert“ und findet die wahre Bestimmung. Man sagt dazu auch eine „Feuertaufe“. Die Leserin muss davon überzeugt sein, dass deine Figur wirklich ein „Opfer“ eingeht. Sie muss dabei sinngemäß „alle Brücken hinter sich abbrechen“ und bewusst durch einen „Höllenschlund“ gehen, bevor die Läuterung möglich wird. Deine Leserin wird den Mut deiner Figur bewundern, den sie selber nicht aufbringen mag.

3. Die Liebe verbindet und trennt

Die klassische, erregende Situation als Plot: Ein Paar will zusammenkommen, muss zahllose Hürden überwinden und strauchelt mehrfach. Das gilt für die „schwierige Liebe“ ebenso wie für die „verbotene Liebe“, für Romantik-Kitschroman ebenso wie für härteste Romane um Dominanz und Unterwerfung. Meist wollen Leserinnen, dass solche Szenen „hautnah“ geschildert werden und die Emotionen bildhaft „rübergebracht“ werden. Das Thema ist ziemlich ausgelutscht, und deshalb ist in diesem Fall besonders viel Einfühlungsvermögen und Schreibtalent gefordert.

4. Rache ist süß (oder auch nicht)

Das übliche Erotik-Plot zur Rache: Jemand wird hintergangen, meist durch Ehe- oder Treuebruch, und der/die ander versucht sich zu revanchieren. Beispiel: Der Ehemann betrügt die Ehefrau mit seiner Sekretärin, die Ehefrau verführt die Sekretärin zu sexuellen Handlungen und entzieht sie ihm dadurch. Es gibt andere, härtere Schilderungen von „Revanche“, die meist darauf beruhen, dass ein sexueller Übergriff vorausging und der Aggressor bestraft werden soll. Die Leserin muss davon überzeugt sein, dass er/sie die Strafe wirklich verdient.

5. Ein Abenteuer eingehen

Ein beliebtes Thema der erotischen Romane besteht darin, ein Abenteuer einzugehen, also das gewohnte, sichere Umfeld zu verlassen, um erregende Erlebnisse zu finden. Sie können deine Heldin erbauen oder erniedrigen, und sie kann dabei gewinnen oder daran scheitern. Das Thema ist vielfältig und farbenfroh und nahezu grenzenlos, und es kann die Grenzen der Realität jederzeit sprengen. Deswegen ist dies Plot auch als „erotisches Märchen“ bekannt. Günstig ist, etwas Mystik in das Thema einzuweben – das mögen Leserinnen. Und damit werden auch die möglichen Härten abgefedert, die manche Abenteuer begleiten.

6. Geheimnisse, die herauswollen oder auch nicht

Bei diesem Plot geht es darum, eine geheime Begierde zu wahren oder eine frühere Erfahrung oder Lebensweise zu vertuschen. Käme sie heraus, so müsste deine Figur Schlimmes befürchten. Typisch sind Geschichten um das „Coming Out“, über Parallelbeziehungen oder gar ein Doppelleben. Bei Frauen kann das Geheimnis auch eine frühere Tätigkeit als Escort-Girl oder als Domina bestehen, bei Männern im Wunsch, als Frauen behandelt zu werden („Feminisierung“). Oftmals werden solche Themen in modernen Kriminalromanen verwendet, weil Erpressung eine Rolle spielt. In rein erotischen Romanen spielt der “innere Konflikt“ meist die größere Rolle. Emotional fordern solche Themen sowohl dich als Autorin wie auch deine Figuren heraus – und das gilt auch für potenzielle Leserinnen.

7. Unterlegenheit als Stärke

Der Cinderella entlehnt, baut dieses Plot auf die „Kraft der Unterlegenen“ auf. Für erotische Plots heißt das: Jemand gewinnt aus der Unterlegenheit, aus der Rolle des „Dienenden“ eine Machtposition auf. Deine Figur hat also Fähigkeiten, die Macht innerhalb einer „schrägen“ Beziehung zu ihrem Gunsten zu verändern, zum Beispiel „aus der Gosse aufzusteigen“ oder ihre angeblich unterwürfige Position nach und nach in eine Machtposition zu verwandeln. Teils sind es märchenhafte Plots, teils fußen sie auf der Realität. Cinderella & Co. sind immer beliebt, weil sich viele Leserinnen selbst als „unterbewertet“ ansehen und von einem wunderbaren Zufall träumen, der sie an die Spitze der Gesellschaft katapultiert.

8. Aus der Kurve geworfen werden

Dies Plot wird relativ häufig benutzt: Eine an sich moralisch sichere, integre Person wird durch ein einmaliges Ereignis aus der Bahn geworfen. So jedenfalls in der „großen Literatur“. Wird die Person auf den „Pfad der Tugend“ zurückfinden? Wird sie dabei untergehen? Oder wird sie Gefallen an einem neuen Lebensstil finden und den alten verlassen? Anders als im „großen Roman“, in dem ein „gestandener Mann“ ruiniert wird, hat die Figur im erotischen Roman die Chance auf ein weniger stressiges, aber sinnlicheres Leben. Der Unterschied zum „Wiedergeburtsplot“ besteht darin, zufällig oder fahrlässig in das Abenteuer des Wandels katapultiert zu werden.

9. Verführt werden und verführt werden wollen

Das Thema ist trivial – Verführungen sind so häufig wie Gänseblümchen. Interessanter ist der innere Widerstand, der durch die Verführung gebrochen werden soll. Wenn du dich in den Emotionen auskennst, die dabei entstehen – dann ist das Thema gut für dich. Denk dran, dass „Verführung“ nicht bedeutet, dass ein „überlegener Mann eine naive junge Frau zu gewöhnlichem Sex“ verführt. Alle geschlechtlichen Varianten (Hetero, Bi, Gay) sind möglich und ebenso alle Praktiken. Interessant sind auch Verführungen, die nicht zufällig geschehen, sondern erwartet werden. Ein Beispiel dafür wäre, einschlägige Orte aufzusuchen, um dort „angesprochen zu werden“ oder eindeutige Dates einzugehen und vorzugeben, nicht zu wissen, worauf man sich einlässt.

10. Spielen - Lust mit offenem Ausgang

Diese Variante des erotischen Romans ist relativ selten, aber wesentlich interessanter als alle Plots, bei denen man den Ausgang schon kennt, wenn die Person ihre ersten Schritte macht. Man benötigt eine emotionale Spielerin, die den Verlauf ihrer erotischen Begegnungen davon abhängig macht, wie sie ihre jeweiligen Partner einschätzt. Besonders interessant wird das Thema, wenn sie selbst unterschiedliche Rollen in diesem Spiel einnehmen kann.

Solltest du eine dieser zehn Ideen verwenden?

Diese 10 Plot-Ideen sind sicherlich nicht vollständig. Aber sie bieten Anregungen, um selbst weiterzusuchen und die Fantasie zu beflügeln.

Alle Ideen sind auf eine Person bezogen, die vorzugsweise als Ich-Erzähler(in) auftritt. Weil die Plots alle personenbezogen sind, bist du nicht gezwungen, Ereignisse aneinanderzureihen – nur bei „Reise und Rückkehr“ sind mehrere Episoden nötig, ansonsten reicht es, das Grundschema zu verwenden:

- Die Situation oder Befindlichkeit, in der sich deine Figur befand, bevor der Wandel eintrat.
- Der Wandel und seine Folgen (ausführlich) möglichst mit mindestens einer Hürde, die das Geschehen etwas zurückwirft.
- Eine kurze Schilderung der neuen Situation oder Befindlichkeit.

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Der Mann, der sich nicht traut

Verführt ... wozu?
Die meisten Männer reagieren eigenartig, wenn eine Frau verführt – zumal, wenn es sich sich um eine Frau mit viel Erfahrung handelt, die weiß, wie man Männer „in etwas hineinziehen“ kann. Und was passiert, wenn ein scheuer, heterosexueller, an Blümchensex gewohnter Mann an eine solche Frau gerät?

Starke Frauen: Flüchten oder standhalten?

In der Realität ist’s wie im Roman: Er hat zwei Möglichkeiten: Flüchten oder Standhalten. Flüchtet er, ist er aus der „Gefahrenzone“ heraus. Keine ungewöhnlichen Gefühle, keine ungewöhnlichen Begierden, kein eigenartiger Geschmack auf der Zunge. Entweder aktiven Blümchensex, schon frivol, schon ekstatisch – aber eben Standard: Er küsst sie hier, er küsst sie dort, sie zieht sich aus, sie ermuntert ihn ein wenig, und dann ist’s PiV (1), nicht Paff und nicht Puff.

Hält er stand – nun, dann kann er entweder etwas lernen, etwas leiden lernen oder die Macht erspüren, die Frauen haben, wenn sie wollen. Und daran kann er über sich hinauswachsen oder daran zugrunde gehen. Und ich denke, genau da wollt ihr als Autorinnen hin – denn das ist wahrhaftig am interessantesten.

Neulich als ich eine recht interessante Geschichte über eine „späte Flucht“. Der Mann hat Zweifel, weiß nicht, worauf sie genau hinauswill. Er wäre auch bereit, den nächsten Schritt zu vollziehen, aber etwas hält ihn zurück. Oder soll sie ihn wirklich erst auffordern, sich auszuziehen?

Es handelt sich um eine Nacherzählung aus dem Ausland. (2) Der Vorfall soll sich in ähnlicher Weise tatsächlich ereignet haben.

Er ist ein wenig ängstlich, scheint sich nicht zu trauen. Also frag ich ihn, ob ich ihn küssen darf. Er strahlt, also fange ich an. Bei einem neuen Lover gehe ich mit der Zunge auf Entdeckungsreise, reize ihn mehr und mehr und erfühle seine Reaktionen. Er wehrt sich gegen nichts, ist offen dafür, dass ich ihn dabei ziemlich geil mache.

Oh – etwas hat sich jetzt verändert. Er will nicht mehr reden, nur noch küssen. Ich gönne ihm noch ein paar Lustküsse, dann nehme ich seine Zunge und beiße ein wenig hinein - sanft, aber fühlbar. Er zuckt ein wenig, lächelt.

„Hab ich dich erschreckt?“
„Ein bisschen, ja.“

Er kommt mir näher, versucht, sich an meinen Körper zu schmiegen. Sanft, zurückhaltend. Ich soll nicht merken, wie geil er schon ist. Manche Männer haben gelernt, dass man besser verbirgt, was da hervorquillt – aber Nähe will er eben doch.

Ich frag ihn, ob er ein Schmuser ist. Er sagt „Nein“, nicht wirklich. Klar ist er einer. Er will sich in den Sex hineinschmusen. Romantiker, eigentlich ganz nett, mal damit zu spielen.

Na schön, es gibt mehr Küsse, viel mehr. Gar nicht schlecht. Ich drücke ihn gegen mich, will wissen, wie geil er inzwischen ist. Na klar ist er scharf, bockscharf.

Ich denke, dass er weiß, was er jetzt zu tun hat. Die Sachen passieren im Untergeschoss, nicht im ersten Stock.


An dieser Stelle verlasse ich das Fragment dieser Geschichte. Es ist der Versuch einer Frau, die viel mehr bietet und viel mehr erwartet, und eines Mannes, der gelernt hat, sich zurückzuhalten und seine Geilheit auch nicht erfühlen zu lassen. Wie sie in Wahrheit ausgehen mag, weiß ich nicht, aber die Fantasie setzt keine Grenzen.

Der schüchterne Mann, der zum Küssen aufgefordert werden muss und der sich wünscht, dass man ihm ins Ohr flüstert: „Wenn du dich ausziehen würdest, könnte ich viel mehr von dir spüren“, kommt tatsächlich noch selten vor in der erotischen Literatur. Und je weniger plakativ die Verführung ausfällt, umso erfrischender und überraschender sind die Effekte.

Das Thema: „Ich verführe den schüchternen Mann erst sanft und mache ihn dann zum Werkzeug meiner geheimen Lüste“ steht auf einem anderen Blatt. Es ist sicher ebenfalls ein geeignetes Libretto für eine furiose Opernaufführung geheimer Lüste.

(1) PiV - Penis in Vagina, Slangausdruck aus den USA.
(2) Nacherzählung, Anreicherung und Übersetzung: Isidora.
Bild: Ca. 1840, Buchillustration, Ausschnitt, koloriert und retuschiert.

Frauen als aggressive Verführerinnen - das Rollentausch-Phänomen

Bild einer Tierlehrerin, als Zirkusplakat benutzt
Wenn du nach einer Idee (oder nach einem Plot) für ein erotisches Werk suchst, wirst du wenig Erfolg haben. Es gibt zwar mehrere Autorinnen (auch Schreib-Lehrerinnen), die dir verraten, wie du die Basis für eine romantische Liebesgeschichte (inklusiv diverser Konflikte) entwickelst, aber was fehlt, sind entsprechende „Kataloge“ für Erotik-Autorinnen.

Jüngst fand ich eine Idee, die im erotischen Roman immer „geht“ und die inzwischen viel Erfolg hat - das Rollentausch-Phänomen. Doch zunächst lassen wir mal die Klischees sprechen.

Der Mann als böser Verführer

Sieh mal, der Mann tritt fast immer als Verführer oder Bedränger auf, vom sanften, wortreichen Gentleman-Verführer bis zum aggressiven, fordernden und drangsalierenden Macho. Es gab einmal Zeiten, in der nahezu jeder Mann die gleiche, schnöde und irgendwie abgeschmackte Rolle spielte. Sie war so gut wie „vorgeschrieben“ und ein heimliches Konzept bei jeder Verabredung: Versuche es in jedem Fall, Mann – wenn sie „nein“ sagt, kannst du immer noch aufhören. Das Spiel gab es in Dutzenden von Verfahrens- und Verhaltensweisen. Die modernste ist die Dating-Variante (aus der Sicht einer Frau):

Ich werde dich hassen, wenn du versuchst, mich ins Bett hineinzureden – ich bin schließlich kein Flittchen, die für jeden zu haben ist. Aber wehe, du versucht nicht wenigstens, mich in Betracht zu ziehen – bin ich dir etwa nicht attraktiv genug?


Natürlich kannst du auch aus dieser Art einer sogenannten „Doppelbindung“ eine hübsche Geschichte formen. Eine „Doppelbindung“ in der Erotik entsteht immer, wenn jemand versucht, dich erotische zu begeistern und dich zugleich moralisch davon abhält, es auch wirklich mit dir zu praktizieren. Es gibt viele andere Varianten – doch davon vielleicht später einmal.

Rollenwechsel - Frauen verführen und bedrängen

Drehen wir im Moment mal die Rollen der Verführung, Bedrängung oder Aufforderung zum Sex um.

Dann wäre deine Protagonistin jemand, der um jeden Preis versucht, eine andere Person in eine ausweglose Situation zu bringen. Wenn ich schreibe „ausweglos“, bedeutet dies nicht, dass es niemals den „Weg hinaus“ gegeben hätte. Zumeist geht es um „gewillkürte Abhängigkeiten“, von denen die „Salamitaktik“ am bekanntesten ist. Neben sozialen Abhängigkeiten werden oftmals psychische Verstrickungen oder eine Pseudo-Gefangenschaft genutzt, um den Widerstand der männlichen Partner zu brechen. Oder aber auch seine Begierde so stark anzufachen, dass er alle Vorsicht und ethischen Überzeugungen vergisst.

Der Mann im Spinnennetz weiblicher Verführung

Das Thema funktioniert in zwei Varianten:

Weicher Mann

Der weiche Mann will natürlich Sex, fürchtet sich aber vor jeglicher Konsequenz. Er wird zumeist körperlich oder emotional gedemütigt und als williges Objekt benutzt. Klar, dass er einverstanden sein muss – aber er hatte eigentlich andere Vorstellungen vom Verlauf der Begegnung. Am Ende ist er froh, dass er überhaupt ein sexuelles Erlebnis mit deiner Protagonistin haben dufte.

Harter Mann

Der harte Mann kommt siegessicher daher, und er denkt, die Frau schenkt ihm sowieso alles, was Männer beglückt. Er wird „gebrochen“, das heißt, ihm wird die Kläglichkeit der männlichen Existenz vor Augen geführt, damit er in das Spiel einwilligt, dass deine Protagonistin mit ihm plant. Am Ende wischt er sich die Augen und denkt: „Wie konnte ich nur?“

Tipp: Wissen über das Rollenverständnis aneignen, bevor du tauscht

Ein Tipp: Wenn du wirklich mit einem Rollenwechsel spielst, solltest du sicherstellen, dass du beide Rollen recht gut kennst und weißt, was sich „drehen“ lässt und was nicht. Denk dran, dass die meisten Männer die Rolle des „Hineingetricksten“ oder Bedrängten nicht akzeptieren würden – sie würden sich wehren. Das Gegenmittel ist das Versprechen, das es irgendwann und irgendwie doch noch Sex gibt, und das ist praxiserprobt und keine schnöde Fantasie. Denk auch dran, dass du eine konsequente, manchmal kompromisslose Protagonistin benötigst, und stelle sie glaubhaft dar.

Hinweis: Das Zitat stammt aus einem Gespräch mit einer Dame, die Online-Dating betreibt und jedes Mal viel Aufwand verwendet, um sich attraktiv darzustellen.

Fantasien – Fantasmes – Fantasies

Heteroflexibel? Bi-neugierig? Oder nur ein Traum?
Was sagen eigentlich andere Quellen zu weiblichen Fantasien?

Die Quellen der weiblichen erotischen Fantasien sind ausgesprochen vielfältig. In Frankreich gibt es eine Webseite, die sich ausschließlich damit beschäftigt – offenbar aufgrund von Schilderungen einzelner Frauen. Die Seite ist beliebt, weil sie auch Youtube-Beichten von tatsächlich existierenden Frauen enthält.

Weiterhin verkündete der Sexologe und Gynäkologe Sylvain Mimoun, ähnliche Befragungen in Frankreich durchgeführt zu haben. Sie wurden als Grundlage vielfältiger Artikel in französischen Frauenzeitschriften verwendet, zum Beispiel in der COSMOPOLITAN (2019).

Die Zeitschrift GLAMOUR (auch 2019) will wissen, dass Frauen gut 25 sexuelle Fantasien bevorzugen, und nimmt die Informationen aus verschiedenen Studien und Erfahrungsberichten.

Der schicke Mix: Studien, Experten und Betroffene

Die meisten Veröffentlichungen bestehen aus Extrakten wissenschaftlicher Studien, Umfragen, Expertenmeinungen und Berichten betroffener Frauen, die zu einer Mischung verarbeitet wurden. Dabei wäre freilich zu berücksichtigen, dass auch die Meinungen der Redakteurinnen und Redakteure dabei eine erhebliche Rolle spielten. Zudem werden in der Presse gerne einzelne Sexologen oder Psychologen genannt, die als Experten fungieren – ob sie tatsächlich über spezifisches Zahlenmaterial verfügen, ist fragwürdig. Die Lieblinge des Journalismus aber sind stets die „Berichte Betroffener“, von denen angenommen wird, dass sie den Leserinnen rasch „unter die Haut gehen“ und zudem zur Glaubwürdigkeit beitragen.

Meinungen und Zeitgeist

Je fragwürdiger die Quellen, je mehr Meinungen in die Artikel eingehen und je glänzender die Namen der Experten sind, die befragt wurden, umso mehr können die Statistiken manipuliert werden. Die Frage ist allerdings auch, inwieweit der Zeitgeist in die Artikel eingeht. Gilt gerade als chic, „heteroflexibel“ oder „bi-neugierig“ zu sein, so werden mehr Befragte behaupten, über die Liebe zu einer anderen Frau zu fantasieren, liegt hingegen der Schatten von Mr. Grey über den Frauenfantasien, so wird die sexuelle Unterwerfung hoffähig. Erstaunlich ist allerdings, dass es in manchen Erhebungen Exhibitionismus und Voyeurismus auf die Top-Plätze eins bis fünf schafften.

Wie bereits anderwärts erwähnt, spielt die Fragestellung oder Sprachregelung selbst eine entscheidende Rolle. Begriffe aus der Psychiatrie, wie Exhibitionismus und Voyeurismus, kommen oft nicht gut bei den Befragten an und auch Leserinnen und Leser könnten davon abgestoßen werden. Doch die Fantasie, sich selbst zur Schau zustellen oder andere zu beobachten, bleiben davon unberührt.

Die Essenz für Autorinnen

Sicher weißt du, worüber in deinem Umfeld fantasiert wird und wie deine eigenen Fantasien durch den Dschungel deines Hirns schleichen. Es wäre wirklich schade, wenn du es nicht wüsstest. Wie die Fantasien ablaufen, hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Herkunft, Drang, Mut, Scham … das sind nur einige. Interessant für dich als Autorin ist immer, die Realität mit der Fantasie zur verknüpfen, um deiner Leserin „eine Brücke zu bauen“. Also denk dir einfach etwas aus, was sich deine Nachbarin, Kollegin oder die Verkäuferin für Damenoberbekleidung, die dich jüngst so gut beraten hat, vielleicht wünschen würde.

Frauen sind die bewussteren Exhibitionisten

Zweiter Teil von: Voyeur und Voyeuse, Exhibitionist und Exhibitionistin
Expertin: Stripperin bei einer Shoe
Sind Frauen wirklich Exhibitionistinnen?

Beim Thema „Frauen als Exhibitionistinnen“ zeigt sich die bereist erwähnte Forschungslücke: In einer der wesentlichen Studien zum Thema „erotische Fantasien“ wurde nicht abgefragt, ob Frauen gerne aktive, sinnliche Verführerinnen sein würden. Als man es dennoch einmal tat, waren die Versuchskaninchen junge Studentinnen und Studenten – nicht einmal viele. Dennoch soll in dieser Studie (Symons-Ellis) festgestellt worden sein (1),

Dass in mehr als der Hälfte der weiblichen Fantasien der Wunsch zum Ausdruck kommt, sexuell unwiderstehlich zu sein.


Der Wunsch, um jeden Preis begehrt zu werden und dabei wirklich alle Register zu ziehen ist Fantasie und Realität zugleich. Dabei ist es nicht allein die Präsentation auf Partys und auf Bällen, in Bars und bei Dates. Es ist auch das sinnliche oder auch aggressive Flirtverhalten, das sich nahezu beliebig steigern lässt. Am Ende der Kette stehen dann die Fantasien, die all dies noch einmal mit der scharfen Chilisoße der absoluten Sinneslust würzen: Sklavin oder Haremsdame sein, Stripperin oder Burlesque-Tänzerin, Animierfrau oder Escort-Girl.

Und auch abseits der Evolutionspsychologie, aus dem der wissenschaftliche Ansatz stammt, kann in der Praxis festgestellt werden: Frauen versuchen gerne auf ihre Art unwiderstehlich zu sein – und zwar entweder als selbstbewusste Verführerin oder als scheinbar leichtfertige Frau, die dem Mann im Glauben lässt, selber der Verführer zu sein.

Die Frau als unwiderstehliche Verführerin
Präsentation aus den 1950er Jahren - möglicherweise Amateurfoto
Um diese Thesen zu belegen, müsste man eigentlich nur eine beliebige Mainstream-Frauenzeitschrift aufschlagen, in denen mehr oder weniger nichts anderes zu lesen ist: Verführe mit einem modifizierten Körper und verführerischen Klamotten, Dessous inbegriffen.

Die Faszination der nackten (reinen) Verführerin mit entblößtem Körper hat in der heutigen Zeit nachgelassen. An ihre Stelle ist die Verführerin getreten, die sich raffiniert entblößt – und dann plötzlich nicht mehr als „rein“ oder „natürlich“ angesehen wird, sondern als „verrucht“.

Edgar Allan Poe hat eine bemerkenswerte Szene über eine weibliche Exhibitionistin in eines seiner Werke eingebaut. Hier der Auszug aus dem Text:

»Eugénie Salsafette … war ein sehr hübsches und zurückhaltendes junges Mädchen, dem die übliche Kleidertracht anstößig erschien; sie versuchte deshalb, statt in die Kleider hineinzuschlüpfen, aus ihnen herauszukommen. Das geht übrigens ganz leicht. Man braucht nur so – zu machen – und dann so – so – so – und dann so – und so – und so – und dann –«
»Mein Gott! Fräulein Salsafette!« riefen ein Dutzend Stimmen. »Was fällt Ihnen ein! – Gott bewahre! Genug, genug! – Wir sehen deutlich genug, wie es gemeint ist! – Halt, halt!« Und einige sprangen schon von ihren Sitzen, um Fräulein Salsafette davon abzuhalten, sich in das Kostüm der Mediceischen Venus (2) zu werfen.


Das Beispiel mag zeigen, welche Faszination davon ausgeht, sich unbekleidet zu zeigen, aber auch, wie selbst unter den Umständen (alle sind Patienten der Psychiatrie) die Entkleidung als schweres Vergehen gegen die Sittlichkeit betrachtet wird.

Die inneren Konflikte, die daraus entstehen, verführerisch wirken zu wollen, sich dann betont erotisch zu entkleiden und schließlich nackt zu sein sind Gegenstand mancher erotischer Werke. Während jedoch früher eher die „Nacktheit“ thematisiert wurde, ist es heute die erotische Verführung durch das Ausziehen, die in im Mittelpunkt steht – und bisweilen Anstoß erregt.

Sinnliche Vorführungen - nicht immer gelingt die Pose
Exhibitionistisch anbieten – was passiert bei Ablehnung?

Frauen, die mit hohem Körpereinsatz spielen, erwarten normalerweise, damit einen nachhaltigen Eindruck bei Männern zu hinterlassen, sei es, dass die Partnersuche damit befeuert werden kann oder dass sich die männlichen Spendierhosen um sie scharen. Wann immer Männer dieses Verhalten nicht goutieren, glauben Frauen, persönlich versagt zu haben. Dem Autor liegen dazu Erfahrungen aus dem Bereich von sogenannten „Dates“ vor, also Verabredungen, um sich möglicherweise näherzukommen. Keine Frau erwartete dabei, dass ihr Auftritt erfolglos sein könnte – die meisten sind sich sogar sicher, dass sie die freie Auswahl wie bei einer Losbude auf dem Jahrmarkt haben.

Varianten exhibitionistischen Frauen-Verhaltens

Die Frage ist nun natürlich, über was (und für wen) wir schreiben. Die Sekretärin, die ganz real zum Online-Date geht und dabei jeden Quadratzentimeter ihres Körpers auf Präsentation ausgerichtet hat, wird andere Erfahrungen machen als die tanzbegeistere Friseurin, die sich von einer Kollegin zu einer privaten erotischen Burlesque-Show in einer vornehmen Villa überreden ließ.

Nur über eines können wir uns ganz sicher sein: Jeder der „alten Kunstgriffe“, vom Finger im Mund über die hervortretenden Brustwarzen bis zum Hochschieben des Rocks auf dem Barhocker funktioniert gestern wie heute.

Männliche Exhibitionisten

Von „Penisfotos“ über „nackte Kerle“ bis hin zum Männer-Strip – das Thema gibt nicht viel her. Dennoch ist es möglich, die Faszination athletischer Männer, seien sie Artisten, Sportler oder Stripper in einen heterosexuell geprägten erotischen Roman mit einzubeziehen. Und dann kann die Autorin auch getrost ein paar Worte über „sein“ tolles Gesäß und die Schönheit oder Hässlichkeit des Penis fallen zu lassen. Die Idee, eine Frau im erotischen Roman sagen zu lassen: „Zieh dich jetzt vor mir aus“ ist zwar neu, wird aber immer populärer.

Was bedeutet dies alles für das „Sinnliche Schreiben“?

Das Thema des „Ausziehens“, vom verschämten, zurückhaltenden Entkleiden bei gedämpftem Licht über das elegante Ausziehen in sündhaft teuren Dessous vor einer Einzelperson bis zum „scharfen“ Strip im Scheinwerferlicht, ist ein beliebtes Erotik-Thema. Leser können damit unmittelbar fasziniert werden, Leserinnen achten erfahrungsgemäß auf jede Bewegung, die du beschreibst. Ein weiterer Artikel zum Thema, besonders für Autorinnen, ist in Vorbereitung.

(1) Aus: "Klick mich an" - In Kapitel sechs: Was psychisch anmacht –die Heldin.
(2) Bei der Venus handelt es sich um eine nackte Frauenstatue.
Bilder: Oben, unten: © 2019 by liebesverlag.de, Mitte © ?? unbekannt, vermutlich aus einer Sammlung von Amateurfotos, ca. 1950.