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Voyeur und Voyeuse, Exhibitionist und Exhibitionistin

Erster Teil – Frauen sind die sinnlichen Voyeure
Aus reiner Neugierde ...
Der Wunsch nach Sex, während andere zusehen oder zumindest die Möglichkeit dazu besteht, ist ein Reizmuster, das viele Menschen – auch ganz viele Frauen – haben. Da geht es um Aspekte des Verruchten, des Versauten, des Verbotenen.


(Aus: "Sex im Kopf")

Voyeur oder Voyeurin, Exhibitionist oder Exhibitionistin - für Erotik-Autorinnen oder Erotik-Autoren sollte keine Rolle spielen, auf welcher Seite des Zauns ihre Figuren stehen. Denn beim erotischen Schreiben geht es nicht um die Erregung öffentlichen Ärgernisses, sondern um die heimliche Lust dran, sich erotisch zu präsentieren oder jemandem zuzusehen, der sich entsprechend präsentiert.

Beobachten – beim Entkleiden, Nacktsein oder beim Kopulieren

Das gemeinsame Vergnügen in den Fantasien von Frauen und Männern ist zweifellos, „beim Sex gesehen oder beobachtet zu werden.“ Ähnlich verhält es sich mit der Lust, einen Ort aufzusuchen, an dem die Möglichkeit besteht, sich nackt oder in Dessous zu präsentieren. Einige Frauen haben die auffällige Tendenz, dies auch im wirklichen Leben zu tun, etwa, indem sie halbtransparente Blusen oder extrem kurze Minikleider tragen, die unweigerlich sinnliche Blicke auf sich ziehen. Zu den exhibitionistischen Komponenten gesellen sich oft noch Fantasien, sich in erotischen Positionen anzubieten oder gar feilgeboten zu werden. Ich kann mich erinnern, dass mir eine Dame einmal einen Traum schilderte, indem sie nackt auf einem Sklavenmarkt präsentiert wurde. Erstaunlicherweise war das Schlimmste, was in dieser Fantasie geschah, dass keiner der Männer auf sie bot. Ähnliche Träume, sich sexuell anzubieten, kommen immer wieder in Fantasien vor – aber sie gehen fast nie in Statistiken ein.

Die Forschung weiß diesmal auch nicht mehr

Irritiert, Männer?
Sowohl die Forschungen wie auch die Berichte von Zeitzeugen lassen keine eindeutigen Schlüsse darüber zu, wie viel Frauen Voyeurinnen sind und wie viele sich gerne erotisch vor Publikum präsentieren würden. Das gilt für die Realität wie für die Fantasie.

Statistiken – vielfältig, aber unklar

Im Bereich der Statistik fällt eine merkwürdige Konstellation auf:

Gut 30 Prozent der befragten Frauen können sich in der Fantasie vorstellen, beim Sex zweier Frauen „Mäuschen zu spielen“, also Voyeurinnen zu sein. Sich beim Sex beobachtet zu werden, erregte hingegen etwas mehr als die Hälfte der Frauen. Und während sich nur etwa ein Achtel der Befragten vorstellen kann, ihren nackten Körper öffentlich zu präsentieren, will ein Viertel der Frauen im Traum durchaus mal „nackt vor die Kamera“.

Frauen sind übrigens noch weitaus intensiver empfindende erotische Voyeure als Männer, wie die Forschungen von Meredith Chivers belegen. Sie verließ sich nicht auf die Aussagen der Frauen – sondern ging ans „Eingemachte“, indem sie die Scheidenfeuchtigkeit mithilfe eines Plethysmographen maßen. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen von nahezu allem angeregt wurden, was kopulierte, inklusive Bonobos (Zwergschimpansen), Frauen und Männern.

Erwartungsgemäß sehen die Männer gerne bei allem zu – die Quoten sind schwindelerregend hoch und liegen in zwei Disziplinen satt über 80 Prozent. Aber mindestens zwei Drittel der Männer würden sich auch gerne beim Sex in die Öffentlichkeit wagen, um gesehen zu werden – in der Fantasie.

Was dies für dich als Autorin bedeuten könnte, werden wir anderwärts beleuchten. Doch zunächst will ich mich dem Spiegelbild von Voyeurin und Voyeur widmen: der Exhibitionistin und dem Exhibitionisten.

Alle Bilder: © 2019 by Liebesverlag.de
Kopfzitat aus: "Sex im Kopf", Reinbek 2014.

Plots – was ist das eigentlich?

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, was Plots sind und ob und wann sie sinnvoll und notwendig sind. Am Ende stelle ich einige, wenige Plots vor, die in der erotischen Literatur sinnvoll sein könnten.

Mit neuen Wörtern aus dem Englischen kann man einfache Gemüter immer wieder beeindrucken. Und ein „Plot“ ist ein solches Wort. Es lässt sich leicht entzaubern, indem wir den Begriff des Grundschullehrers vergangener Tag verwenden: Es ist ein Handlungsgerüst.

Meilensteine in Geschichten erwünscht? Dann nimm Plots!

Ich will das mal so erklären: Wenn du mit dienen Gedanken wanderst und genau weißt, wohin du willst, dann kannst du unterwegs „Meilensteine“ oder „Wegzeichen“ setzen. Von „A“ nach „“E“ geht es also über B, C und D.

Das wird im Lexikon der Literatur (online) so erklärt:

Bevor der Autor die Handlung genau aufschreibt, überlegt er sich in der Regel zuerst das Gerüst seiner Geschichte. Er überlegt sich also, welche Personen, Orte, Ereignisse in seiner Geschichte auftreten, welche Verwicklungen geschehen und wie sie wieder gelöst werden können. (…) Wichtig bei einem Plot ist, dass die einzelnen Ereignisse logisch und wahrscheinlich aufeinander folgen und die Personen stimmig gezeichnet sind.


Im sogenannten „narrativen“ (erzählerischen) Schreiben könnte ein Plot notwendig werden, wenn deine Geschichte ohne Plot unübersichtlich oder unlogisch wäre oder relativ viele Personen, Ort und Ereignisse vorkämen.

Und wie wäre es ohne Plot?

Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass Schreibanfänger oder schreibende Enthusiasten sich gleich an Werke wagen, die Romanlänge haben, und die sich nicht in Episoden aufteilen lassen. Und da wäre natürlich sofort die Frage: was wäre, wenn wir kein Plot verwenden würden?

Ganz einfach: Wenn jemand übersichtliche Geschichten mit wenig beteiligen Personen (zwei oder drei) schreibt, die an einem Ort spielen und in denen ein Ereignis dominiert – dann braucht er kein Plot.

Manche Autoren verwenden auch deshalb keine Plots, weil sie ihrer Hauptfigur einen Freiraum lassen wollen. Wir haben ja gehört, dass Plots „Meilensteine“ benötigen. Es mag aber sein, dass deine Figur in höchster Erregung (als kurz vor dem Höhepunkt der Geschichte) einer anderen Weggabelung folgt – auf der naturgemäß keine Meilensteine zu finden sind.

Kannst du Standard-Plots verwenden?

Für erotische Geschichten, in denen die spontane Leidenschaft oft eine große Rolle spielt, sind nur wenige Standard-Plots wirklich geeignet. Dazu muss man wissen, dass Standard-Plots zumeist an die erzählerische Aufbereitung von Schicksalen gebunden sind. Sie beschäftigen sich daher mit dem Aufstieg und dem Fall, auch dem erneuten Aufstieg und einem erneuten Abstieg) von Personen.

Märchenhafte Lust und Liebe

Oft wird das Cinderella-Plot verwendet. Es ist dem märchenhaften Aufstieg, dem vorübergehenden Fall und dem erneuten Aufstieg des „Aschenbrödels“ entlehnt. Weil es märchenhaft und anrührend ist, wird es oft in Liebesromanen verwendet. Allerdings ist das Plot (wie auch das Thema) schrecklich abgegriffen.

Abenteuer Lust

Spielen in dem Cinderella-Plot noch Gerechtigkeit, Mitleid und Rührung die Hauptrolle, so ist die „Suche nach dem (wahren) Glück“ die willkürliche Suche nach Lust, Liebe und Leidenschaft. Das Abenteuer beginnt also aus reiner Lust und Neugierde. Daher musst du auch kein Ziel definieren. Hat deine Figur das Glück gefunden, ist deine Geschichte beendet.

Wiedergeburt (verändert oder geläutert werden)

Die Liebe verändert manche Menschen radikal. Um dies zu schildern, ist ein besonders heftiges erotisches, oft auch magisches Ereignis nötig. In diesem Plot kommt deine Figur durch wenige Erlebnisse „als ein anderer Mensch“ oder „wie umgewandelt“ zurück.

Reise und Rückkehr

Dieses Plot hat Tradition. Jemand wird auf eine wirkliche oder emotionale Reise geschickt, die ihn verändert. Meist werden dabei viele Stationen durchlaufen, in denen deine Figur etwas über sich selbst lernt. Im erotischen Roman sind es Episoden, die ihre erotische Persönlichkeit formen. Im Gegensatz zu „Wiedergeburt“ liegt der Wandlung also ein Lernprozess zugrunde. Diese Methode ist sehr gut geeignet, um einzelne Episoden zu beschreiben, die in sich auch abgeschlossen gelesen werden können.

To Plot or not to Plot?

Solltest du nun „plotten“ oder lieber nicht „plotten“? Wenn du rein erzählerisch vorgehen willst und dir über Weg und Ziel bei einem langen Werk (Roman) allzeit klar sein willst, dann kannst du Plots entwerfen. Ansonsten geht’s jederzeit ohne Plot und auch ohne Literaturtheorie.

Welche erotischen Themen interessieren Forscher und Autoren?

Auch der stinknormale Sex interessiert
Die Stinknormalen

Die Stinknormalen haben nichts als heterosexuellen Blümchensex. Aber auch der kann ganz schön „an die Nieren gehen“ (und an sonstige Organe, versteht sich). Beim „Stinknormalen“ spielt eine große Rolle, wie intensiv „an sich „normale“ Sexpraktiken empfunden werden – es kommt also nahezu ausschließlich auf die Erzählkunst an, wie intensiv die Leser(innen) den Sex empfinden.

Die geschlechtlich anders Definierten

Die „sexuelle Orientierung“ fasziniert vor allem Psychiater und Psychologen seit dem 19. Jahrhundert – zuvor war das Thema kaum bekannt. Als literarisches Genre ist es spektakulär und es wird sehr intim und detailliert darüber geschrieben, sobald Bi-Neugierigkiet oder die Homosexualität der Frauen betroffen ist. Was meist nicht gesagt wird: Eine sexuelle Praxis auszuüben heißt nicht, die sexuelle Orientierung zu haben, der man ihr zumisst.

Die unmoralischen Moralisten

Nirgendwo versteckte sich so viel erotische Begierde wie hinter den Fassaden der Bürgerlichkeit, wenn wir den Klerus einmal ausnehmen. Auf der einen Seite wurde die Unmoral öffentlich bekämpft, auf der anderen Seite pflegte man sie. Das Thema ist sehr real – auch heute noch.

Der geheimnisvolle, geile Fremde

In der Literatur kommt er (auch sie) zunächst als böser Räuber oder (unter der Zensur) oft als Vampir hervor. Manchmal erscheinen auch Buhlteufel, die wahlweise Frauen und Männer heimsuchen, und beim Hexensabbat ist es Satan selbst, der sein „Membrum“ inzwischen die bereitwilligen Schenkel treibt. Ein Klassiker der Literatur, und auch heute wieder sehr populär - durch die Faszination der Internetbekanntschaften.

Drei Personen – mir vielen sinnlichen Varianten

Liebe zu dritt wird mal ernster, mal leichter genommen. Sex zu dritt bedingt keine Liebe, sondern nur Neugierde und Lust. Die Varianten sind viel größer als die meisten Forscher und Autoren annehmen. Zumal dann, wenn der Autor zulässt, dass die Sache nicht ausschließlich heterosexuell abläuft. Wer das Thema angeht, sollte die Varianten kennen. Zwar können auch die „berühmten“ MFF-Dreier (ein Mann, zwei Frauen) noch mit mehr Lust angereichert werden – das Thema ist aber reichlich ausgelutscht.

Orgien und Rudel-Sex - möglich, aber nicht unbedingt sinnlich

Eine Orgie ist ein ungezügeltes, von Lust und Begierde beherrschtes Ereignis, das mal nach festen Regeln, mal ohne jede Regel zelebriert wird. Man trifft darauf in Swingerklubs und anderen Gemeinschaften. Für Autorinnen und Autoren ist das Thema nur schwer zu bewältigen: zu viel Leute, zu viel Ereignisse. Mit Rudel-Sex sieht’s etwas anders aus. Man nennt sie verniedlichend auch „Herrenabende“, und es geht dabei lediglich darum, eine Dame sexuell gemeinsam (oder nacheinander) zu benutzen. Das ist beschreibbar – vor allem aus der Sicht der Frau, aber es ist sichtlich nicht „wundervoll“, so etwas zu beschreiben. Die Umkehrversion findet sich so gut wie nur im SM-Bereich, dann demütigt eine Gruppe von Frauen einen Mann sexuell. Forscher(innen) interessiert das Thema, um zu untersuchen, wie in Gruppen ethische Schranken fallen.

Voyeure und Voyeusen sowie Zurschaustellungen

Gut – Voyeure sind häufig als Voyeurinnen. Aber erstens ist nichts so beständig wie der Wandel, und zweitens sehen manche Frauen auch gerne andere Frauen, die sich entkleiden, masturbieren oder sich in einer sexuellen Beziehung vergnügen. Die Frage, ob sich Frauen gerne erotisch zur Schau stellen, muss eine Erotik-Autorin nicht beantworten – sie kann sich auf die Wirkung konzentrieren. Und natürlich gibt es Statistiken über diese erotischen Fantasien, die förmlich nach Autorinnen lechzen.

Fetische und Pseudo-Fetische

Echte Fetische werden in der Literatur selten behandelt – die Psychiater schreiben mehr über die armen Würstchen, die Höschen beschnüfflen und Büstenhalter sammeln. Pseudo-Fetische hingegen sind in der Literatur so beleibt, dass mittlerweile alles als „Fetisch“ bezeichnet wird, was irgendwie vom „Stinknormalen“ abweicht. Manchmal handelt e sich um Praktiken (Fesslungen, Rollenspiele), dann wieder um „Körperteilfetische“, die von Brust- oder Fußfetischisten zelebriert werden. Nimmt man den spektakulären Teil „Fetisch“ weg und ersetzt ihn durch „Liebhaber“, dann erkennt man schnell, dass alles „irgendwie gewöhnlich“ ist.

Rollenspiele, SM und alles drum herum

Das Lieblingsthema von Psychiatern und Psychologen, viktorianischer Autorinnen und Autoren und nicht zuletzt der Frauen und Männer, die einem Zeitgeist folgen. Ich habe die Themen „Machtspiele, SM-Aktivitäten und Demütigungen“ einfach mal zusammengefasst – sie müssen auch wirklich nicht getrennt werden. Die Frage ist eher, wie die Figuren in der Literatur sich dabei fühlen, in der einen oder anderen Rolle zu stecken. Darin findest du weiterhin viel unentdecktes Potenzial.

Sozialgefälle und Altersgefälle aus erotischer Sicht

Unterschiedliche soziale Herkünfte, ein erhebliches Altersgefälle und andere „verpönte“ Beziehungen sind stets gut für erotische Spannungen und Konflikte. Das Genre der erotischen „Aschenbrödel-Literatur“ lebt dafür (und davon), und man hat sogar ein Plot danach benannt. Zudem kommen MILFs und COUGARs zu ehren, und natürlich auch die fast vergessenen „Sugar-Daddys“ und „Sugar Babys“.

Alle anderen sinnlichen Themen

Es gibt Zeiterscheinungen, die auch in der Erotik eine Rolle spielen – sowohl im Forschungsbereich wie auch in der Literatur. Gegenwärtig wird seitens der Forschung versucht, Unterschiede der Geschlechter hervorzuheben und zu bewerten. Auf der anderen Seite finden wir immer mehr Forschungsberichte, reale Berichte und erotische Geschichten über Frauen, die gar nicht daran denken, ihre Lust auf ein Geschlecht festzulegen. Devote Männer sind ebenso zum Thema geworden wie außerordentlich selbstbewusste, teils herrisch anmutende Frauen. Und mit diesem Wandel wird es auch sowohl mehr als auch differenziertere erotische Themen geben, die heute noch ein Nischendasein fristen.

Bild: © 2019 by Liebesverlag.de

Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben?

Wanda - die Venus im Pelz - ist die Heldin bei Sacher-Masoch
Was ist das eigentlich, „Sadomasochistische Literatur“? Man kann sich’s wirklich einfach machen und Etiketten draufkleben. Dann ist es so:

Sadomasochistische Literatur beschäftigt sich mit Themen zur sadomasochistischen Sexualität und zur Partnerschaft von Personen mit entsprechender sexueller Disposition. Hierbei kann es sich um Erotik, Pornografie, fiktive Geschichten, Erlebnisberichte, wissenschaftliche/pseudowissenschaftliche Abhandlungen, Ratgeber und Aufklärungsbücher handeln.


Das mag aus der Sicht eines Lexikons richtig sein. Aber wenn wir wirklich wissen wollen, wie Literatur und Sadismus, Literatur und Masochismus, und schließlich Literatur und „Sadomasochismus“ zusammenkommen, hilft uns das nicht viel. Denn in der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte, in die (in diesem Fall) Elemente der Beherrschung und Unterwerfung einfließen.

Vergiss de Sade und Sacher-Masoch

Es nützt wenig, sich mit den Namensgebern und ihrer Literatur zu beschäftigen – nämlich dem Marquis de Sade, einem französischen Schriftsteller und dem österreichischen Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch. Ebenso wenig nützt es uns, den deutschen Psychiater zu lesen, der den Knoten zwischen beiden hervorbrachte: Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, besser bekannt als Richard von Krafft-Ebing.

Weg von den albernen Psychiatrie-Begriffen

Das Problem all dieser Begriff besteht darin, dass sie psychologisch und/oder psychiatrisch besetzt sind. Und dies verhindert, sie neutral als menschliche Züge zu bezeichnen, die in Verbindung mit der Sexualität zu ekstatischer Lust führen können. „Krankheiten“, „Perversionen“ und selbst die abgemilderten „Paraphilien“ sind kein gutes Omen für die pure Sinneslust.

Keine Klassifizierung – sondern Lust pur

Echte Liebesromane mit stark sinnlichen Zügen benötigen keine Klassifizierung, auch dann nicht, wenn deine Figur es entweder liebt, ihren Partner in vielfältiger Weise zu dominieren, von ihr dominiert zu werden oder mal das Eine, dann wieder das Andere zu tun. Grundsätzlich sollten wir bedenken:

1. Wir schreiben über die Liebe, und zwar über eine besonders intensive, ekstatische Liebe.
2. Innerhalb der Geschichte schreiben wir über Sexualität, also über eine sinnliche Urkraft des Menschen, die rauschähnliche Zustände erzeugt.
3. Zur Steigerung der Lust werden verschiedene Elemente verwendet – hier zumeist Dominanz, Fesselungen, Bisse, Kratzer und Schläge – aber auch andere, die hier keine Rolle spielen sollen.
4. Parallel zu den körperlichen Reaktionen (Schmerz) sollen damit zumeist auch psychische Sensationen ausgelöst werden, die ihrerseits wieder zum Teil auf drogenähnlichen Botenstoffen basieren.
5. Wenn all dies nicht als Spiel aufgefasst wird, kommen wir an die Grenze zur Psychiatrie, die von manchen Autoren auch erreicht wird.

Damit wäre die Frage zu stellen, ob es (außerhalb der Pornografie und der Psychiatrie) überhaupt notwendig ist, den Handlungen ein Etikett zu verpassen.

Die Antwort ist: Nein, es sei denn, du würdest für die „Kaste“ der BDSM-Anhänger schreiben.

Der alberne Streit um „echte“ BDSM-Literatur

Die ganze Angelegenheit um „Sado“ und „Maso“ wurde ad absurdum geführt, als die Trilogie „50 Shades of Grey“ erschien. Die Autorin hatte ihre Protagonistin mit einer erbärmlichen Gefühlswelt ausgestattet. Das erkannten die BDSM-Anhänger sofort und schrieben erboste Kommentare, weil sie keinen „korrekten“ Sadomasochismus dahinter erkennen konnten. Das allerdings war auch kaum die Absicht: die Geschichte sollte mit den BDSM-ähnlichen Szenen nur „aufgehübscht“ werden.

Damals ergab sich sehr schnell, dass mit dem Aua-Effekt eine neue Richtung der unterhaltenden Literatur, die „Mütterchen-Pornografie“ erschaffen wurde, die weder Pornografie noch Literatur war. Seither gibt es Varianten dieses Themas in Hülle und Fülle, aber auch der „harte“ Sadismus oder der entsprechende Masochismus existierte in zahllosen Schriften weiter. Beide sind nicht unbedingt empfehlenswert.

Verwende die Elemente wie alle anderen auch

Inzwischen wäre die Frage, ob die drei Hauptelemente des Genres nicht in jedem beliebigen erotischen Roman erscheinen könnten, die da sind:

1. Psychische Unterwerfung, Gehorsam.
2. Körperliche Züchtigungen, nicht notwendigerweise als Strafen.
3. Fesselungen und andere Bewegungshemmungen.

Voraussetzung wäre, dass sie Teile des normalen Liebesspiels würden – was heute schon recht häufig der Fall ist.

Zum besseren Verständnis sollte ich noch sagen, dass solche Liebesszenen, ebenso wie manche Verführungen, lustvolle Spiele der Erwachsenen sind, die keinen „ideologischen Überbau“ benötigen. Oder mit anderen Worten: Kenntnisse in Psychologie und Anatomie sowie ein klarer Sinn dafür, wie sich Schmerzen „anfühlen“ und wann Menschen in Schreie und Tränen ausbrechen, sind immer sinnvoll.

Fazit - die Antwort auf die Frage

Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben? Nein, solltest du nicht. Schreibe gute Texte, in denen besonders farbenprächtige Fantasien vorkommen. Schreibe über Lust und Schmerz und lass dabei nichts aus – aber schreibe auf keinen Fall „sadomasochistische Literatur“.

Bild: Umwandlung eines Fotos in ein Symbolfigur, © 2019 by liebesverlag.de

Warum gibt es keine Literatur über sinnlichen Sadismus?

das gesicht des sadismus
Wann immer du im Internet oder sonst wo nach „sinnlichem Sadismus“ suchst, wirst du lediglich die von Textern geschriebenen Anzeigen von Frauen finden, die sich sadistische Züge angeschminkt haben – volkstümlich Dominas oder neuerdings auch „Bizarrladys“ genannt. Unter dem Ausdruck „sinnliche Dominanz“ finden wir ebenfalls wenige Einträge, und darunter noch etliche, die auf Pornografie oder ebenfalls auf die vorgenannten Damen verweisen.

Drei goldene Regeln für alle erotischen Schriftsteller(innen)

Gut – nachdem dies gesagt ist, muss ich einen Grundsatz loswerden, der für alles gilt, was du jemals schreiben oder nicht schreiben wirst:

1. Wissen
Die Fakten lassen sich für jedes Thema ermitteln. Je mehr du weißt, umso weniger ängstigt dich das Thema.
2. Einfühlen
Je mehr du dich in ein Thema einfühlen kannst, auch ohne es zu akzeptieren, umso mehr kannst du es auch vermitteln.
3. Sein
Sobald dir gelingt, deine Psyche für eine kurze Zeit so einzurichten, dass sie den Gefühlen folgt, die du gefunden hast, umso mehr kannst du deine Figur in die neue Lust hineinschicken.

Ganz schlecht sind Vorurteile, die du selbst hast, die deine Figur aber auf keinen Fall haben soll. Glaubwürdig hingegen ist ein Zwiespalt, den deine Figur haben mag – so wie du.

Wie du das Thema "sinnlicher Sadismus" in den Griff bekommst

Wohlan – die Fakten über sinnlichen Sadismus bekommst du nirgendwo, aber es gibt einige Wege "drumherum".

Eine sehr selbstbewusste Sadistin und Masochistin (1) schreibt:

Wenn jemand von mir verlangt, sadistisch zu sein und dies als erotisches Spiel versteht, ist alles in Ordnung. Zum Beispiel, wenn die Person auf einen vorsichtigen Biss oder einen sinnlichen Kratzer wirklich emotional reagiert und sie mich um mehr bittet, macht mich das glücklich. Es ist jene Art von Fröhlichkeit, die sich am gemeinsamen Erfolg misst. Wenn sich der Masochist unter meinen Handflächen wimmert und stöhnt, während ihm der Schmerz Lust bereitet, dann hüpft mein Herz vor Freude. Wenn ich auf einem Gebiet wirklich gut bin, und wenn jemand will, dass ich seinen inneren Masochisten verwöhne, fühle ich mich absolut geehrt, weil er mir ja seinen schutzlosen Körper und seine nackte Psyche anvertraut.


Sadismus als Win-win-Siutation

Das ist schon ein ausgesprochen sinnlicher Sadismus. Jemand anderem zu etwas zu verhelfen, was er wirklich will, auch gegen innere Widerstände, ist ja im Grund geradezu altruistisch. Macht es dann auch noch selber Freude – was könnte besser sein als diese Win-win-Situation?

Schauspiel ist nicht nur Schau-Spiel

Manche selbstbewusste Frauen, die sadistisch auftreten können, aber dies nicht als ihre ureigene Persönlichkeitseigenschaft ansehen, retten sich auch in die Rolle einer Schauspielerin: Solange ich etwas spiele, bin ich es. Gehe ich von der Bühne, bin ich wieder ich selbst.

Die unbarmherzige Samariterin

Andere sehen sich als eine Art unbarmherzige Samariterin. Sie sagen beispielsweise, dass sie ein Verlangen erfüllen, zu dem nur wenige Frauen bereit sind – und sie sind stolz darauf, diesen Dienst einigen Auserwählten anzubieten. Andere wieder rühmen sich, dir Situation völlig beherrschen zu können, denn im Gegensatz zur „echten“ Sadistin würden sie nicht aus einer krankhaften Gefühlslage heraus handeln.

Was deine Figuren auch tun werden - alle lässt sich beschreiben. Und bei allem sind Gefühle beteiligt, die du an den Tag bringen kannst. Am Ende kannst wirklich lernen, deine Heldin an der langen Leine laufen zu lassen, wohin sie will.

Wahrscheinlich sage ich nichts Neues, wenn ich dir verrate: Diese Frau kann deine Nachbarin oder Arbeitskollegin sein. Sie kann sanft wie ein Lämmchen sein oder wild wie ein reißender Wolf. Ja, sie kann sogar heute sadistisch sein und morgen masochistisch, weshalb die Psychologen in ihrer Überheblichkeit auch von „Sadomasochismus“ sprechen.

Nicht urteilen - beschreiben

Du solltest sie nicht einstufen, sondern beschreiben, was sie tut, wie sie es tut und was sie dabei fühlt. Das allein ist sinnvoll – jedenfalls für eine Autorin.

(1) Zum Schutz der Betroffenen werden alle Zitate so abgewandelt, dass die Ursprungsquellen im Internet nicht zu ermitteln sind. Fotomontage © 2019 by Liebesverlag.de