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Gebunden sein zwischen "Tu es!" und "Wehe, du tust es!"

Widersprüche zwischen Lüsten, Normen und Verhaltensweisen
Ein altes Thema holte mich dieser Tage wieder ein: Doppelbindung. Wer das googlen sollte, wird schneller verwirrt, als dass er korrekte Information bekommen würde.

Tu es, aber wehe du beginnst wirklich damit

Sagen wir’s mal so: Wenn du etwas tun sollst, aber es eigentlich lieber lassen solltest, dann sitzt du in der Klemme. Da sagt die Mutter zur Tochter: „Gehe endlich mal deine eigenen Wege und spiel nicht dauernd mit dem Handy herum – aber wehe, du lässt dich da draußen auf Männer ein.“ Das ist eine häufige Version des alten Themas: „Tu endlich etwas – aber wehe, es hat Konsequenzen“.

Bei Dates ist die Methode „Doppelbindung“ beliebt

Bei Dates wird häufig eine Methode angewendet, die aus einem inneren Konflikt einen äußeren macht. Die Frau hat sich mit viel Mühe die Zeit für ein Date erkämpft, war beim Friseur und bei der Kosmetikerin, hat sich sexy Wäsche als letzte Hülle besorgt und zeigt mit jeder Faser, dass sie erwartet, verführt zu werden. Sagt ihr in Aussicht genommener Lover aber zu früh: „Komm lass uns zu mir gehen, du hast doch nichts anderes vor?“, wird sie vielleicht antworten: „Hältst du mich für eine Schlampe, die gleich mit jedem mitgeht?“

Ein sehr populäres Beispiel aus jüngster Zeit: Sie gilt als emanzipiert und ist auffällig feministisch orientiert. Er fragt politisch korrekt, ob er sie küssen darf. Sie sagt: „Mann, was bist du für ein Schlappschwanz … wenn du so fragst, kannst du gleich in den Wind schießen!“

Bindung an Begierde und Bedenken zugleich

Die Doppelbindung ist also eigentlich keine „Doppelte Bindung“, sondern eine Bindung an zwei Teile eines offenkundigen Widerspruchs, so wie im Schlager „Komm“ (1):

Sie denken sicher weiß Gott was,
weil ich Sie eingeladen hab’,
und Sie sind jetzt mit mir allein!

Vielleicht ist’s besser, dass Sie geh’n,
Sie glauben sonst wohlmöglich noch,
das ist so üblich hier bei mir.


Vielleicht hat der Schlagertext euch den letzten Kick gegeben, um den Widerspruch zu verstehen. „Verführ mich um Himmel willen endlich, aber glaub ja nicht, dass ich die Absicht dazu hatte.“

Doppelte Bindungen im erotischen Roman

Im erotischen Roman kannst du diesen Umstand jederzeit verwenden, und viele Autorinnen tun es auch schon. Dabei kannst du von verschiedenen Widersprüchen ausgehen:

1. Was sie sagt, passt nicht zu ihrer Körperhaltung. Üblicherweise sagt sie, dass sie keinen Sex will, kann aber die Beine nicht zusammenhalten und ihre Augen strahlen Bedürftigkeit aus.
2. Das Gegenteil: Sie sagt etwas sehr Sinnliches. Ihre Körperhaltung ist dabei aber steif und unnahbar.
3. Sie weist ihn ab, als er sie küssen will. Als er sie später fragt, ob er sie küssen darf, sagt sie: „So geht es schon gar nicht.“
4. Ihre Kleidung passt nicht zu ihrem Anliegen. Sie wünscht, dass er ihr Buch beurteilt, aber sie ist so aufregend angezogen, dass er völlig abgelenkt wird.

Umsetzung des Widerspruchs

Die Widersprüche können deiner Figur bewusst sein oder auch nicht – sie können aber auch ein Trick sein, um die Partner(innen) zu täuschen. Oder sie können Teil eines verborgenen psychischen Problems sein, dass durch eine Provokation gelöst werden soll oder eben auch zufällig gelöst wird.

Ein Beispiel aus einem Roman – die Entlarvung

In einem sehr erotischen Roman (2), der in Deutschland kaum bekannt ist, entlarvt die lesbische Verführerin ihre unschlüssige Partnerin, in dem sie die Widersprüchlichkeit aufdeckt:

Du bewegst jedenfalls deinen Bürzel wie ein Mäuschen vom Kabarett mit dem kleinen Fummel zwischen den Beinen, ohne den kleinsten Hintergedanken … oder? Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Art, wie du dienen Hintern bewegst und dem, was dein verführerisches Mündchen hervorbringt.


Entsprechen geht es weiter. Nach und nach verliert sich die Fassade, und die Verführerin wird noch deutlicher:

Du bist eine heilige Kokotte. Du liebst es, wenn man dir in den Schritt schielt, und dabei tust du so, als ob du es gar nicht bemerkst.


Andere Möglichkeiten

Die „Entlarvung“ ist nicht unbedingt nötig, macht sich als Stilmittel aber gut, weil nun die Fassade bröckelt und die zur Schau getragene Schicht (in diesem Fall der heterosexuellen, distanzierten Journalistin) ganz von der Person abfällt.

Wichtiger ist, die Gegensätze, an die deine Figur innerlich gebunden ist, deutlich zu machen. Die naturgegebene Wollust gegen die gesellschaftliche Konvention, die Furcht vor Entlarvungen gegen die Begierde, die religiöse Bindung gegen den liberalen Anspruch. Das „warnende Mäuschen hinter dem Ohr“ gegen den Anspruch auf eigenständige Lüste. Es mögen nicht alles wirkliche „Doppelbindungen“ sein – immerhin aber es sind bekannte Konflikte, die „an die Nieren gehen“, und sie quälen deshalb die Figuren erotischer Romane immer wieder.

(1) Gerog Kreisler, gesungen von Topsy Küppers)
(2) Fuchsia (Autorin Anne Félix)
Bild: Carouchet, Teilansicht (1904) in: La Flagellation à travers le monde

Die Frau, die sich nicht traut - ihn zu fragen

Sie errötet bei der Ausführung - und beim Gedanken errötet jede Frau, oder?
Ob du schreibst oder nicht schreibst: Hast du schon mal stundenlang überlegt, ob du deinen Partner nach etwas sexuell Ungewöhnlichem fragen solltest? Warst du schon mal so verlegen, dass du es einfach nicht gewagt hast?

War es eine sexuelle Praxis, die du schon lange an dir oder an ihm ausprobieren wolltest? War es ein Toy, das du dir ja leicht selber bestellen konntest – aber dann musstest du es ihm ja beichten, bevor du es an ihm einsetzt? Oder er an dir?

Verlegenheit, Angst vor der Reaktion? Und diese Fragen:

Wie könnte ich danach fragen? Was würde er von mir denken?


Die Botschaft für Autorinnen

Nun, was ist meine Botschaft? Ganz einfach. Wenn du oder deine Figur so etwas planen würde (egal, um was es sich handelt), dann würdet ihr (also du oder deine Figur) eine Weile nachdenken müssen. Wie sag ich es ihm? Wann sag ich es ihm? Ist es überhaupt so wichtig, dass wir darüber reden müssen? Kann ich nicht auch „ohne“ leben? Und was, wenn er ablehnt, eventuell sogar brüsk, oder wenn er mich gar verdammt, solche Dinge zu fordern?

Du kannst sicher sein, dass sich viele Frauen schon ähnliche Fragen gestellt haben: Von „darf ich das überhaupt wagen“ bis „wie bringe ich ihn dazu, es mit mir zu probieren?“

Bringe deine Figur nun ins Spiel … lass sie schwitzen, zweifeln und erröten. Spürst du, wie ihre Hände feucht werden, ihr das Blut in die Wangen steigt, sie schnell noch mal aufs Klo geht, weil sie so aufgeregt ist? Ja, sie wird ihn fragen … gleich, wenn er heimkommt.

Bild: Ca. 1936, Illustration, Ausschnitt

Sinnlich schreiben: Web Eins Null, Zwei Null oder Drei Null?

So, wie das World Wide Web in den Kriminalroman eingedrungen ist, so weit könnte es auch in den erotischen Roman vordringen.

Web 1.0 – der Anfang, schon ziemlich heftig

Sklave des Computers
Tatsächlich war es schon da, nur habt ihr’s vielleicht nicht gemerkt. Ob „VOX“, „My Tiny Life“ oder die „Cybergypsies“ – alles noch ein bisschen WEB 1.0. Hauptsächlich ging es um die ersten „virtuellen Welten“, Flirts in Chat-Boxen oder Liebeszauber per E-Mail. Das Interessante (auch wieder mit Parallelen zum Kriminalroman): Du weißt nie so genau, wer am anderen Ende sitzt: ein Betrüger, ein Spion, ein Zuhälter, ein Mörder gar? Die Spannung, aber auch der Konflikt entsteht aus dem Missverhältnis zwischen Realität und Wunschvorstellung. Es gibt Paare, die ganz bewusst die Illusion aufrechterhalten, zusammenzukommen, aber dies nie verwirklichen. Sie sind sozusagen Autorinnen/Autoren ihrer eigenen Träume, die sie nur dem anderen mitteilen, aber nicht einer weltweiten Leserschaft.

Web 2.0 – wo wir jetzt sind

Künstliche Welten, virtuelle Realitäten, vor allem aber vorbeihuschende Gesichter und Mitteilungen … dazu noch heftigere Leidenschaften, die Teil schamlos genutzt werden … das ist die Welt von Web 2.0. „Nutze es oder verliere den Kontakt mit deinen Freunden“, wird allen jungen Menschen suggeriert. Und sie nutzen es – intensiv, lustvoll, teils bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Das Paralleluniversum, schon in „Web 1.0“ heftig diskutiert, wird zur zweiten Heimat, zu dem Ort, in dem ein zweites Leben pulsiert, auch wenn es sich gar nicht um ein Leben handelt. Wenn Hans oder Grete im Netz flirten und dabei etwas naiv sind, kann ihr Partner ein „Chatbot“, eine Frau oder ein Mann sein, ein Detektiv oder ein professioneller Betrüger. Web 2.0 zu nutzen heißt, sich auf eine Reise in Abenteuer zu begeben, die zwar in der Realität stattfinden, die aber vom „Web“ weitgehend beeinflusst werden.

Web 3.0 – wo wir hinkommen

Dinge machen etwas selbst. Sie schalten sich ein und aus, benachrichtigen und bestellen automatisch, sie bringen Pakete und haben automatische Programme zur Selbstbefriedigung. Zugleich überwachen sie Räume und Körper, sammeln Daten und bringen Partner zusammen. Alles ist möglich, alles ist im Fluss. Noch ist dies eine Zukunftswelt, aber wir sind mitten drin, in sie hineinzugleiten. Und weil diese Welt so schillernd ist, werden sich viele wieder in eine Wohnhöhle hineinwünschen: kein WLAN, kein Handy-Funkverkehr. Was, wenn die Öko-Frau den Programmierer trifft? Was, wenn alle sozialen Schranken durch einen Wisch auf dem Handy überwunden werden: „Klar weiß ich, dass du ein arbeitsscheuer Macho bist – aber ich will dich im Bett haben?“ Gut, auch das ist nicht so schrecklich neu. Web 3.0 lebt von zweierlei: der Überzeugung, dass deine Figur der Dauerüberwachung entweichen kann und dem Wunsch, alles zu erproben, was die neue Technik zur Verfügung steht – und nicht nur technisch.

Bild: Computermagazin, historisch, ca. 1988

Wie geht das eigentlich mit der erotischen Strafe?

Der Artikel "Wie geht das eigentlich mit der erotischen Strafe?" beschreibt, wie Autorinnen mit einem Thema umgehen können, mit dem sie keine eigenen Erfahrungen haben. Es ist keine Anleitung, um an jemandem eine erotische Strafe zu vollziehen.

Wichtig ist, dass du erotische Strafen liebst. Jawohl, du solltest sie mögen, wirklich und wahrhaftig. Das heißt nicht, dass du es jemals ernsthaft ausprobiert hast – ich denke, die wenigsten erotisch motivierten Autorinnen haben jemals sinnliche Schläge genossen oder ertragen.

Etwas zu lieben, zu mögen oder damit zu liebäugeln ist in erotischen Geschichten die Voraussetzung, sich in die Situation hineinzuversetzen. Es gibt Alternativen, etwa die Situationen genau zu beobachten oder andere nach ihren Gefühlen zu fragen.

Das Gefühl sitzt im Gehirn
Aber das führt zu oberflächlichem Schreiben. Wer wirklich tief in die Psyche schauen will, wer die Nerven in Aktion sehen will und wer sowohl den Schmerz wir auch die Lust nachempfinden will, der sollte die Lüste und Schmerzen seiner Figur dort nachempfinden, wo sie auch in Wahrheit entstehen: im Gehirn. Was nicht heißt, dass Praxiserfahrungen schädlich sind. Sie führen aber leider oft zu allzu realistischen oder auch zu einseitigen Sichtweisen. Mit anderen Worten: Niemand verlangt, dass deine Figur so fühlt, wie du es tust.

Eine Autorin mit eigenen Erfahrungen schrieb jüngst, wie sich „anfühlen“ könnte, nach und nach für die Bestrafung ausgezogen zu werden. Und sie liefert damit auch dir einen Hinweis, worauf es ankommt beim „sinnlichen Fühlen“ während einer erotischen Strafe, die so begann, dass der Liebhaber sie in Jeans schlug:

„Dann zieht er die Jeans herunter – nicht ganz. Sie sind immer noch da, umschlingen meine Beine, hindern mich, die Pobacken zu spreizen. Es geht nicht darum, dass ich jetzt nackter bin als zuvor. Es geht um die Präsentation, das unverhüllte Ausgeliefertsein. Die heruntergezogenen Jeans erinnern mich daran, dass ich eben noch eine ganze gewöhnliche Frau war, selbstbewusst, viellicht ein bisschen flatterhaft. Und jetzt bin ich nackt und verfügbar.“

Andere Autorinnen haben darüber fantasiert, dass ihre Figuren einen klassischen Bauwollslip unter einem Rock tragen, und dass für die Bestrafung Schicht um Schicht abgetragen wird. Soweit es in die Zeit passt, kann die Reihenfolge durchaus neben dem Kleid auch ein Unterkleid beinhalten. Wichtig ist dabei nicht nur, dass sich das „Strafinstrument“ stets anders anfühlt, sondern auch, dass du die stärker hervortretende Nacktheit als sinnliches (oder auch beschämendes) Gefühl beschreibst.

Wenn du die Geschichte aus der Sicht der Figur beschreibst, die bestraft wird, fehlt ihr die optische Ebene, um ihren Körper zu beschreiben – die Empfindungen müssen dann als Ersatz herhalten. Du kannst den optischen Eindruck aber mit einflechten, wenn sich deine Figur hernach im Doppelspiegel betrachtet und nun noch einmal „nachempfindet“, wie sie sich bei der Bestrafung gefühlt hat.

Und bevor du fragst: Natürlich geht das alles mit einem hübschen Jüngling genau so gut – in Jeans, im Nadelstreifenanzug – und hin und wieder auch in einem Rock oder Kleid – manche Herren lieben die zusätzliche Erniedrigung, die sie dadurch erfahren.

Flirten ist oft besser als Sex – oder?

Übertriebene, aber weitgehend realitische Flirtpose
Für Autorinnen und Autoren ist der Flirt theoretisch einfacher zu schildern als alles, was mit „etwas in etwas“ oder „rein-raus“ zu tun hat.

Eigentlich wissen wir das ja – nicht wahr? Nur lese ich dennoch immer wieder das sein Händchen – so ganz plötzlich – unter ihrem Röckchen landet. Oder dass ihre sinnliche Hand sich ebenso plötzlich mit der Ursache seiner „Beule“ beschäftigt.

Der Flirt ist eine Verführung "ohne anzufassen"

Der Flirt ist eine sinnliche Verführung mit Worten „ohne anzufassen“. Manchmal bleibst’s dabei – das schadet weder ihm noch ihr, und auch die Leserin wird bestenfalls noch neugieriger, ob’s beim nächsten Mal richtig feucht wird zwischen beiden.

Ich las gerade im Internet, wie jemand einen Flirt für sich selbst beschreibt:

Flirts verbrauchen weniger physische und psychische Energien. Und ein wundervoller, begehrlicher Blick kann dazu führen, dass ich schneller feucht werde als von einer Hand, die versucht, meine Klitoris zu erreichen.


Mehr Flirts im erotischen Roman?

In der Praxis heißt das: Ein Flirt ist eine Mehrwege-Kommunikation ohne Anfassen, aber mit viel begehrlichen Blicken und sinnlichen Worten. Wenn ich das einmal in einen Gegensatz zu einer Verführung bringe, dann werden Verführungen normalerweise mit wenigen Worten, aber zahllosen Berührungen und Empfindungen beschrieben.

Mir scheint, der „Knackpunkt“ ist, dass nur wenige Autoren die überaus sinnlichen und hintergründigen Dialoge eines Flirts – sie nun verbal oder nonverbal – beschreiben mögen. Gerade sie sind aber die Bausteine für das Aufwallen der Begierde.
Was meint ihr? Ist es zu schwer, einen Flirt oder den Beginn einer Verführung in Worte zufassen? Oder warum wird in erotischen Romanen so wenig geflirtet, bevor der BH fällt oder sich der Reißverschluss öffnet?