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Worte allein verführen deine Leserinnen nicht

Wer? Wen? Das Bild entsteht im Kopf, und Worte allein genügen nicht
Das nächste mal, wenn du jemanden verführen willst, tu es nicht mit Worten. Frauen wissen mehr über Worte als Männer jemals verstehen werden. Und sie wissen, wie wenig sie möglicherweise bedeuten.

William Faulkner

Der interessante Ausspruch, der an einen Mann gerichtet ist, der eine Frau verführen will (1), sagt uns klar, was wir tun müssen, wenn wir eine Verführung beschreiben. Wir müssen nah heran an die Wäsche, an die Haut, an die aufkeimende Lust, aber auch an die inneren Widerstände. Das gilt besonders, wenn es die erste Verführung nach einer langen Abstinenz ist oder die erste, betont sinnliche Verführung durch eine Frau. Grundsätzlich rate ich euch davon ab, euch mit „echten“ Jungfrauen zu beschäftigen. Solche Verführungen wirken immer irgendwie verkrampft.

Worte verführen selten. Wenn wir sie verwenden wollen, müssen wir Gefühle wachrufen, die verschütten waren. Stell dir vor, deine Figur wünscht sich nichts mehr, als endlich von einem Mann verführt zu werden, aber es soll bitte sanft und romantisch geschehen. Weil sie schüchtern ist, wagt sie nicht, sich aufreizend zu präsentieren. Und sie fürchtet sich besonders vor dem Moment, indem sie ihr Kleid ablegt, weil dieser Moment für sie der „Punkt ohne Rückkehr“ ist.

Ich denke, diese Situation können viele von euch nachvollziehen, und sie gibt den Stoff für ein Dutzend Seiten eines erotischen Romans – und noch viel mehr.

(1) Interessant ist der Satz natürlich für jede Art von Verführung, also auch solche, die von Frauen oder Paaren ausgeht und die an Frauen oder Männer gerichtet ist,

Versuche, das zu schreiben, wovon du feucht wirst …

nicht das übliche ... aber sehr beliebt ...
Machen Leser(innen) und Autor(innen) mag nicht gefallen, was nahezu alle Berater(innen) behaupten: Wenn du selbst von deinen erotischen Texten geil wirst, dann werden es deine Leserinnen wahrscheinlich auch.

Stimmt das?

Ich glaube, es stimmt, wenn die Geilheit der Schiffsdiesel ist und nicht der Lotse. Da treibt dich deine Lust an, und sie kann dich dazu verführen, auf die Klippen aufzulaufen und beim Schreiben unterzugehen. Deine Figur durch die Story zu lotsen erfordert Sachverstand, Schreibkunst und Feingefühl, und ab und an sogar etwas Realitätssinn – und das völlig unabhängig davon, wie fantasievoll, verklärt oder gar mystisch deine Geschichte auch angelegt sein mag.

Was andere meinen ...

Hier ein Text, den wir anderwärts gefunden haben – jede von euch mag entscheiden, ob sie dem zustimmt oder nicht. (Übersetzt und gekürzt von Isidora).


Ich habe versucht, "traditionelle" Liebesgeschichten zu schreiben, also solche, in denen ein Mann eine Frau liebt. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger gefällt mir die Idee.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich eine ganze Weile damit gerungen habe. Ich las immer wieder Artikel darüber, wie man einen Bestseller schreibt oder wonach Verlage oder Agenten im Fach der Liebesromane suchen. Und ich habe mich bemüht, Ideen für Geschichten zu entwickeln, die in dieses Schema passen könnten. Aber nichts davon hat mich wirklich berührt. Ich möchte über Frauen schreiben, die sich ineinander verlieben. Ich möchte über unkonventionelle Beziehungen schreiben.

Genau das begeistert mich – und heißt es nicht immer, man soll über etwas schreiben, für das man sich selbst begeistern kann?

Ich liebe es, mich an meinen Laptop zu setzen und eine Welt zu erschaffen, in der ich verschwinden kann – aber zuerst müssen mich die Geschichten selbst ansprechen – und das merke ich, wenn ich rollig oder geil werde.

Eines will euch noch sagen: Auch wer nie etwas veröffentlichen wird, sollte schreiben, was ihn bewegt. Es ist eine geheime, sichere, sinnliche und sehr liebevolle Art, alles über sich zu erfahren.

Was hier noch fehlt ... deine Meinung!

Erotik schreiben: Leben in einer Welt, die nicht existiert

Erotisch schreiben – mag es die Blümchensex-Wiese betreffen oder den feuchten Dschungel perverser Lüste - ist eine Herausforderung.

Eine mir bekannte Autorin sagt es so:

Ich lebe in einer Welt, die kaum existiert. Natürlich existieren Autorinnen, aber Sex-Autorinnen gehören nun mal nicht zum Mainstream. Ich plane eine Karriere als Autorin, aber ich bin nicht einmal sicher, ob es mir gelingen wird.


Für die Welt, in der Blümchensex unter der Bettdecke praktiziert wird, währen die Gedanken süßen Perversionen nachhängen, sind Erotik-Autorinnen nichts als Schlampen. Sobald du dich als Erotik-Autorin outest, wirst du madiggemacht. Und weil das so ist, gibt es dich vorsichtshalber gar nicht.

Und als Autor? Die Leute werden respektlos dir gegenüber. Gleich, ob du Frau oder Mann bist – du brichst die Normen, also gehörst du zu den Freaks. Sie sehen das Feuchte, das Schmutzige, das Ungehörige in dir. Sie befreien sich selbst, indem sie sich abgrenzen: Nein, so sind wir nicht.

Sie vergessen, dass wir Autorinnen und Autoren auch nicht „so sind“. Aber wir können in die geheimen Bereiche der Seelen anderer hineinkriechen. Und das befürchten sie – da bin ich ganz sicher.

Bleiben wir in der Welt, die nicht existiert, und ignorieren wir, was die Menschen meinen. Sei meinen immer irgendetwas, nehmen ständig etwas an – aber sie wagen nie, ins Kaninchenloch hinunterzugehen, weil sie sich vor der Dunkelheit der eignen Wahrheit fürchten.

Au Contraire, Mademoiselle - das Wagnis, in die Haut des anderen zu schlüpfen

Denke nochmal - das Wort ist nicht das, was es bedeuten könnte
Wer erinnert sich nicht an den Satz von Hercule Poirot, jene etwas arrogante belgische Detektiv-Gestalt, die durch Agatha Christies Romane zu Weltruhm kam?

Im Gegenteil, Mademoiselle – das waren oft seine charmantesten Worte. Und für das Gegenteil will ich euch heute interessieren. Ich wähle einige Ideen aus, zu denen du selber Plots kreieren kannst. Einige der Themen eignen sich auch zur Selbstüberwindung – ein wichtiger Punkt beim erotischen Schreiben.

1. Konträr: Schönheit oder soziale Stellung. Eine Geschichte, in der deine Figur mit einem hässlichen oder sozial absolut inadäquaten Menschen das Bett teilt. Dieser jedoch erweist sich erotisch als ausgesprochen talentiert.
2. Konträr: die bevorzugte sexuelle Orientierung. Deine Figur gerät in eine Situation, in der ein Mensch des gleichen Geschlechts ausgesprochen attraktiv wirkt – sei es durch sexuelle Entbehrung deiner Figur oder dadurch, dass sie getäuscht wird.
3. Konträr: die Erwartung bei einem Sex-Date. Nimm an, dein Held (diesmal geht nur M) sei völlig auf Analverkehr fixiert. Das wird auch vereinbart – aber nicht so, dass die Dame sich dafür hergibt – im Gegenteil.
4. Konträr: Ein Dreier wird erwartete. Deine Figur denkt, es ginge um einen Mann und zwei Frauen – tatsächlich hat die Initiatorin aber zwei Männer eingeladen. Das Thema gibt es in vielen Variationen, und jede davon hat ihren Reiz.
5. Konträr: Alter – aber ganz anders. Deine Heldin ist eine von jenen Frauen, die optisch nicht altern. Sie ist bereits über 50, aber sie zieht mit ihrem jugendlichen Aussehen ohnehin sehr junge Männer an. Bei einem Date gibt sie an, 30 zu sein.

Der Vorteil für sich ist, dass du bei dieser Art des Schreibens dazu gezwungen bist, die Beweggründe, Sehnsüchte, Lüste und Abweichungen vom „rechten Weg“ nachzuvollziehen. Lass dich von deiner Figur führen – beschreibe ihre Vorbehalte, Ängste, Lüste und Begierden.

Es geht dabei nicht um die Praktiken, sonder darum, wie deine Figuren emotional mit dem Ungewöhnlichen umgehen. Als Icherzähler wirst du dich möglicherweise schneller in sie einfühlen, als du es dir zugetraut hattest.

Wenn du dich fragst: „Was werden die jetzt machen?“, dann könntest du scheitern, weil dir die Praktiken fremd sind. Wenn du aber fragst: „Was werden die jetzt empfinden?“ dann kannst du dich tief in ihre Psyche bohren und dabei manches von dir selbst entdecken.

Ob das dir schadet? Au Contraire, Mademoiselle.

Gebunden sein zwischen "Tu es!" und "Wehe, du tust es!"

Widersprüche zwischen Lüsten, Normen und Verhaltensweisen
Ein altes Thema holte mich dieser Tage wieder ein: Doppelbindung. Wer das googlen sollte, wird schneller verwirrt, als dass er korrekte Information bekommen würde.

Tu es, aber wehe du beginnst wirklich damit

Sagen wir’s mal so: Wenn du etwas tun sollst, aber es eigentlich lieber lassen solltest, dann sitzt du in der Klemme. Da sagt die Mutter zur Tochter: „Gehe endlich mal deine eigenen Wege und spiel nicht dauernd mit dem Handy herum – aber wehe, du lässt dich da draußen auf Männer ein.“ Das ist eine häufige Version des alten Themas: „Tu endlich etwas – aber wehe, es hat Konsequenzen“.

Bei Dates ist die Methode „Doppelbindung“ beliebt

Bei Dates wird häufig eine Methode angewendet, die aus einem inneren Konflikt einen äußeren macht. Die Frau hat sich mit viel Mühe die Zeit für ein Date erkämpft, war beim Friseur und bei der Kosmetikerin, hat sich sexy Wäsche als letzte Hülle besorgt und zeigt mit jeder Faser, dass sie erwartet, verführt zu werden. Sagt ihr in Aussicht genommener Lover aber zu früh: „Komm lass uns zu mir gehen, du hast doch nichts anderes vor?“, wird sie vielleicht antworten: „Hältst du mich für eine Schlampe, die gleich mit jedem mitgeht?“

Ein sehr populäres Beispiel aus jüngster Zeit: Sie gilt als emanzipiert und ist auffällig feministisch orientiert. Er fragt politisch korrekt, ob er sie küssen darf. Sie sagt: „Mann, was bist du für ein Schlappschwanz … wenn du so fragst, kannst du gleich in den Wind schießen!“

Bindung an Begierde und Bedenken zugleich

Die Doppelbindung ist also eigentlich keine „Doppelte Bindung“, sondern eine Bindung an zwei Teile eines offenkundigen Widerspruchs, so wie im Schlager „Komm“ (1):

Sie denken sicher weiß Gott was,
weil ich Sie eingeladen hab’,
und Sie sind jetzt mit mir allein!

Vielleicht ist’s besser, dass Sie geh’n,
Sie glauben sonst wohlmöglich noch,
das ist so üblich hier bei mir.


Vielleicht hat der Schlagertext euch den letzten Kick gegeben, um den Widerspruch zu verstehen. „Verführ mich um Himmel willen endlich, aber glaub ja nicht, dass ich die Absicht dazu hatte.“

Doppelte Bindungen im erotischen Roman

Im erotischen Roman kannst du diesen Umstand jederzeit verwenden, und viele Autorinnen tun es auch schon. Dabei kannst du von verschiedenen Widersprüchen ausgehen:

1. Was sie sagt, passt nicht zu ihrer Körperhaltung. Üblicherweise sagt sie, dass sie keinen Sex will, kann aber die Beine nicht zusammenhalten und ihre Augen strahlen Bedürftigkeit aus.
2. Das Gegenteil: Sie sagt etwas sehr Sinnliches. Ihre Körperhaltung ist dabei aber steif und unnahbar.
3. Sie weist ihn ab, als er sie küssen will. Als er sie später fragt, ob er sie küssen darf, sagt sie: „So geht es schon gar nicht.“
4. Ihre Kleidung passt nicht zu ihrem Anliegen. Sie wünscht, dass er ihr Buch beurteilt, aber sie ist so aufregend angezogen, dass er völlig abgelenkt wird.

Umsetzung des Widerspruchs

Die Widersprüche können deiner Figur bewusst sein oder auch nicht – sie können aber auch ein Trick sein, um die Partner(innen) zu täuschen. Oder sie können Teil eines verborgenen psychischen Problems sein, dass durch eine Provokation gelöst werden soll oder eben auch zufällig gelöst wird.

Ein Beispiel aus einem Roman – die Entlarvung

In einem sehr erotischen Roman (2), der in Deutschland kaum bekannt ist, entlarvt die lesbische Verführerin ihre unschlüssige Partnerin, in dem sie die Widersprüchlichkeit aufdeckt:

Du bewegst jedenfalls deinen Bürzel wie ein Mäuschen vom Kabarett mit dem kleinen Fummel zwischen den Beinen, ohne den kleinsten Hintergedanken … oder? Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Art, wie du dienen Hintern bewegst und dem, was dein verführerisches Mündchen hervorbringt.


Entsprechen geht es weiter. Nach und nach verliert sich die Fassade, und die Verführerin wird noch deutlicher:

Du bist eine heilige Kokotte. Du liebst es, wenn man dir in den Schritt schielt, und dabei tust du so, als ob du es gar nicht bemerkst.


Andere Möglichkeiten

Die „Entlarvung“ ist nicht unbedingt nötig, macht sich als Stilmittel aber gut, weil nun die Fassade bröckelt und die zur Schau getragene Schicht (in diesem Fall der heterosexuellen, distanzierten Journalistin) ganz von der Person abfällt.

Wichtiger ist, die Gegensätze, an die deine Figur innerlich gebunden ist, deutlich zu machen. Die naturgegebene Wollust gegen die gesellschaftliche Konvention, die Furcht vor Entlarvungen gegen die Begierde, die religiöse Bindung gegen den liberalen Anspruch. Das „warnende Mäuschen hinter dem Ohr“ gegen den Anspruch auf eigenständige Lüste. Es mögen nicht alles wirkliche „Doppelbindungen“ sein – immerhin aber es sind bekannte Konflikte, die „an die Nieren gehen“, und sie quälen deshalb die Figuren erotischer Romane immer wieder.

(1) Gerog Kreisler, gesungen von Topsy Küppers)
(2) Fuchsia (Autorin Anne Félix)
Bild: Carouchet, Teilansicht (1904) in: La Flagellation à travers le monde