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Phönix steigt wieder auf - aus dem Staub der Archive

Wie schnell sich doch das Leben verändert – gestern noch dachte ich, dass ich dies Blog einfach seinem Schicksal überlassen sollte. Jeden Tag neue Ideen zu produzieren, mit dem Risiko, wegen des Stils oder der Inhalte angegriffen zu werden? Von Schreibschulen gehasst, vor Verleger(innen) und Autor(innen) ignoriert oder verachtet werden? Viel Aufwand und kein Ertrag?

Indessen fand ich eine kleine Goldgrube: alles, was „Die Erzählerin“ vor vielen Jahren schrieb. Und außerdem das Archiv von Johann Fürchtegott Gramse, das ich schon seit Jahren nicht mehr gesichtet hatte. Hinzu kamen noch einige kleinere Geschichten, die das Leben der bürgerlichen und adligen „höheren Töchter“ um die 1900er Jahrhundertwende schilderten, sowie einige nachempfundene Geschichten ähnlicher Art aus den frühen 1930er Jahren. Leider habe ich die vielen maschinengeschriebenen oder "hektografieren" erotischen Geschichten aus den 1950er Jahren verloren – aber vielleicht hat ja noch jemand einzelne Exemplare – oder kann sie nacherzählen.

Etwas frivoler darf es schon sein …

Im Strudel der Träume
Zwei Frauen unterhalten sich. Beide sind im mittleren Alter und nach Art und Verhaltensweise typische Büroangestellte. „Du, ich habe neulich mal wieder fürs Marathon trainiert - ich kann dir sagen, das spürst du mal wieder richtig deinen Körper mit jeder Faser.“ Die andere denkt nach und sagt schließlich: „Ich würde auch gerne mal wieder meinen erregten Körper bis zur Erschöpfung spüren – aber ich stell mir vor, dass mich jemand bis zur Bewusstlosigkeit vögelt.“ Die andere wendet sich empört ab ….

Nichts als die lüsterne Begierde für eine Nacht

In den letzten Jahren hörte ich dergleichen immer wieder. Sex war im Wandel, und nicht nur Arbeiterinnen redeten offen über ihre Lüste und ob die erfüllt würden. „Oversext und untervögelt“ gehen viele durchs Leben, haben eigentlich keine Zeit dafür, sich mit Liebesaffären abzugeben. Manche Frauen suchen sich mittlerweile Männer für eine Nacht. „Wenn er nett ist und ich spüre, dass er weiß, wie man eine Frau vögelt, dann kriegt er Sex – und ich auch.“ Das sagte nicht "einmal" eine "einzige Frau" bei einer "seltenen Gelegenheit", sondern immer mehr berufstätige, engagierte Frauen leisten sich das erregend-feuchte Vergnügen für eine Nacht.

Die heftigen Träume sollen beim Lesen wachgerufen werden

Doch was macht die treue, seit Langem mit demselben Mann liierte Verwaltungsangestellte in mittleren Jahren? Sie träumt. Und liest über etwas, was sie nie tun würde – und dies mit Worten, die sie niemals wählen würde.

Dazu schreibt ein bloggernder Autor:

Mich hat immer überrascht, dass ungefähr die Hälfte meiner Leser Frauen sind. Als ich anfing, erotische Geschichten zu schreiben, ging ich davon aus, dass ich ein überwiegend männliches Publikum ansprechen würde. Aber ich habe bald festgestellt, dass viele Frauen erregende Sexgeschichten mögen, bei denen sie ihre Hemmungen und ihre Röcke ablegen können. Sex ohne Liebe kann erfüllender sein als Liebe ohne Sex. Und meine Leserinnen müssen nicht vorgeben, dass sie immer ein „braves Mädchen“ sein müssten, das „so etwas“ nie tun würde.

Was ich dazu sage? Oh, etwas ganz Einfaches: Die meisten deiner Leserinnen würden „niemals tun“, was deine Heldin leichthin tut, aber sie haben ein Dutzend Mal davon geträumt, es zu tun. Und manchmal haben sie ihre Gedanken damit aufgegeilt, während die Hand den Vibrator geführt hat. Und dann am nächsten Tag ihrer Freundin zugeflüstert: Ich krieg viele schönere Orgasmen, wenn ich es mir selber mache“, worauf die Freundin seufzend entgegnete: „Wer nicht …“

Diese Leserinnen wollen erfahren, wie es andere Frauen tun, die es eigentlich ebenfalls niemals tun würden. In einem Stundenhotel, schweißtriefend, schreiend wie von Sinnen. Keine Liebe - nur gevögelt werden.

Es ist einfach so: Sie können die gute Mutter, die treue Ehefrau, das ehrenwerte Mitglied der Kirchengemeinde bleiben, weil sie „so etwas“ nie tun würden. Aber in ihren Fantasien, da erleben sie, wie ihre Körper von der Lust ausgelaugt auf einem Hotelbett liegen, voller Schweiß und Spermaspuren. Und wie sie in den Kleidern von gestern wieder ins Büro gehen, weil sie ihrem Ehemann doch gesagt haben, sie würden bei einer Freundin übernachten. Und die Kollegin wird hoffentlich nicht merken, dass sie die Kleider von gestern trägt …

Worte allein verführen deine Leserinnen nicht

Wer? Wen? Das Bild entsteht im Kopf, und Worte allein genügen nicht
Das nächste mal, wenn du jemanden verführen willst, tu es nicht mit Worten. Frauen wissen mehr über Worte als Männer jemals verstehen werden. Und sie wissen, wie wenig sie möglicherweise bedeuten.

William Faulkner

Der interessante Ausspruch, der an einen Mann gerichtet ist, der eine Frau verführen will (1), sagt uns klar, was wir tun müssen, wenn wir eine Verführung beschreiben. Wir müssen nah heran an die Wäsche, an die Haut, an die aufkeimende Lust, aber auch an die inneren Widerstände. Das gilt besonders, wenn es die erste Verführung nach einer langen Abstinenz ist oder die erste, betont sinnliche Verführung durch eine Frau. Grundsätzlich rate ich euch davon ab, euch mit „echten“ Jungfrauen zu beschäftigen. Solche Verführungen wirken immer irgendwie verkrampft.

Worte verführen selten. Wenn wir sie verwenden wollen, müssen wir Gefühle wachrufen, die verschütten waren. Stell dir vor, deine Figur wünscht sich nichts mehr, als endlich von einem Mann verführt zu werden, aber es soll bitte sanft und romantisch geschehen. Weil sie schüchtern ist, wagt sie nicht, sich aufreizend zu präsentieren. Und sie fürchtet sich besonders vor dem Moment, indem sie ihr Kleid ablegt, weil dieser Moment für sie der „Punkt ohne Rückkehr“ ist.

Ich denke, diese Situation können viele von euch nachvollziehen, und sie gibt den Stoff für ein Dutzend Seiten eines erotischen Romans – und noch viel mehr.

(1) Interessant ist der Satz natürlich für jede Art von Verführung, also auch solche, die von Frauen oder Paaren ausgeht und die an Frauen oder Männer gerichtet ist,

Versuche, das zu schreiben, wovon du feucht wirst …

nicht das übliche ... aber sehr beliebt ...
Machen Leser(innen) und Autor(innen) mag nicht gefallen, was nahezu alle Berater(innen) behaupten: Wenn du selbst von deinen erotischen Texten geil wirst, dann werden es deine Leserinnen wahrscheinlich auch.

Stimmt das?

Ich glaube, es stimmt, wenn die Geilheit der Schiffsdiesel ist und nicht der Lotse. Da treibt dich deine Lust an, und sie kann dich dazu verführen, auf die Klippen aufzulaufen und beim Schreiben unterzugehen. Deine Figur durch die Story zu lotsen erfordert Sachverstand, Schreibkunst und Feingefühl, und ab und an sogar etwas Realitätssinn – und das völlig unabhängig davon, wie fantasievoll, verklärt oder gar mystisch deine Geschichte auch angelegt sein mag.

Was andere meinen ...

Hier ein Text, den wir anderwärts gefunden haben – jede von euch mag entscheiden, ob sie dem zustimmt oder nicht. (Übersetzt und gekürzt von Isidora).


Ich habe versucht, "traditionelle" Liebesgeschichten zu schreiben, also solche, in denen ein Mann eine Frau liebt. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger gefällt mir die Idee.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich eine ganze Weile damit gerungen habe. Ich las immer wieder Artikel darüber, wie man einen Bestseller schreibt oder wonach Verlage oder Agenten im Fach der Liebesromane suchen. Und ich habe mich bemüht, Ideen für Geschichten zu entwickeln, die in dieses Schema passen könnten. Aber nichts davon hat mich wirklich berührt. Ich möchte über Frauen schreiben, die sich ineinander verlieben. Ich möchte über unkonventionelle Beziehungen schreiben.

Genau das begeistert mich – und heißt es nicht immer, man soll über etwas schreiben, für das man sich selbst begeistern kann?

Ich liebe es, mich an meinen Laptop zu setzen und eine Welt zu erschaffen, in der ich verschwinden kann – aber zuerst müssen mich die Geschichten selbst ansprechen – und das merke ich, wenn ich rollig oder geil werde.

Eines will euch noch sagen: Auch wer nie etwas veröffentlichen wird, sollte schreiben, was ihn bewegt. Es ist eine geheime, sichere, sinnliche und sehr liebevolle Art, alles über sich zu erfahren.

Was hier noch fehlt ... deine Meinung!

Erotik schreiben: Leben in einer Welt, die nicht existiert

Erotisch schreiben – mag es die Blümchensex-Wiese betreffen oder den feuchten Dschungel perverser Lüste - ist eine Herausforderung.

Eine mir bekannte Autorin sagt es so:

Ich lebe in einer Welt, die kaum existiert. Natürlich existieren Autorinnen, aber Sex-Autorinnen gehören nun mal nicht zum Mainstream. Ich plane eine Karriere als Autorin, aber ich bin nicht einmal sicher, ob es mir gelingen wird.


Für die Welt, in der Blümchensex unter der Bettdecke praktiziert wird, währen die Gedanken süßen Perversionen nachhängen, sind Erotik-Autorinnen nichts als Schlampen. Sobald du dich als Erotik-Autorin outest, wirst du madiggemacht. Und weil das so ist, gibt es dich vorsichtshalber gar nicht.

Und als Autor? Die Leute werden respektlos dir gegenüber. Gleich, ob du Frau oder Mann bist – du brichst die Normen, also gehörst du zu den Freaks. Sie sehen das Feuchte, das Schmutzige, das Ungehörige in dir. Sie befreien sich selbst, indem sie sich abgrenzen: Nein, so sind wir nicht.

Sie vergessen, dass wir Autorinnen und Autoren auch nicht „so sind“. Aber wir können in die geheimen Bereiche der Seelen anderer hineinkriechen. Und das befürchten sie – da bin ich ganz sicher.

Bleiben wir in der Welt, die nicht existiert, und ignorieren wir, was die Menschen meinen. Sei meinen immer irgendetwas, nehmen ständig etwas an – aber sie wagen nie, ins Kaninchenloch hinunterzugehen, weil sie sich vor der Dunkelheit der eignen Wahrheit fürchten.