Skip to content
Manifest

Unentschlossen, was du schreiben möchtest?

Die Lust lauert in der Figur ... und wie kommt sie heraus?
Du willst erotisch schreiben, aber du bist noch unentschlossen, was du schreiben möchtest? Unsere neue Serie, die eigens von unserem Bloggerteam "isi & Obu" entwickelt wurde, hilft dir.

Wenige Voraussetzungen - leichter Anfang

Erotik zu schreiben erfordert zunächst die gleichen Voraussetzungen wie jede andere schriftstellerische Tätigkeit. Du brauchst Lust, etwas zu schreiben, eine minimale Befähigung und vor alle eine Idee.

Lust auf Lust hilft dir

In der erotischen Literatur geht es im um sinnliche Empfindungen und genau das ist die größte Hürde. Wenn du Lust hast, über sie hinwegzuspringen, und dabei einen guten Eindruck hinterlässt, dann kannst du auch erotische Literatur schreiben.

Welche Lüste verspürst du besonders heftig? Nimm eine dieser Lüste und schreib über sie. Es macht gar nichts, wenn es nur eine Fantasie ist. Nun verrate ich dir den Trick, der die gesamte erotische Literatur durchzieht wie eine goldene Leitlinie:

Lass deiner Figur Freiheiten ...

Leg deiner Figur eine deiner lustvollen Fantasien in den Schoss. Dann lass sie los und all das tun, wovor du dich bisher gescheut hast.

Wenn sie weit genug gelaufen ist und du dir sicher bist, dass du die Geschichte zu einem Ende bringen kannst, dann hast du das Wichtigste bereits geschafft.

Erst der Entwurf, dann die Struktur

Erst jetzt beginnst du damit, deiner Geschichte eine Struktur zu geben. Dazu gehören nicht nur die Höhen und Tiefen des Empfindens, sondern auch ein wenig Realitätssinn und Plausibilität. Wenn du Details der intimen Szenen beschreiben willst, ist die beste Idee, deine bereits vorhandenen Erfahrungen zu nutzen, um sie bei deiner Figur ins Ekstatische zu steigern.

Wie viel von dir steckt in deiner Figur?

Des dürfte auch die oft gestellte Frage beantworten: „Muss ich wirklich alles selbst erlebt haben?“ Nein, natürlich nicht. Aber wenn du es glaubwürdig und intim genug schildern kannst, dann erreichst du deine Leserinnen in jedem Fall.

isi - kurz und bündig
Besonders interessant für nahezu alle Leserinnen sind Geschichten, in denen deine Figur auf lustvolle und raffinierte Weise verführt wird oder in der sie als aktive Verführerin auftritt. Deine Leserinnen sind dann recht schnell gefühlsmäßig beteiligt und fragen sich: Würde ich mich auch so fühlen oder verhalten können wie die Verführte oder Verführerin?

Du hast sicher bemerkt, dass es sich um „Anschaulichkeit“ dreht. Man sagt auch „Show, Don’t Tell“ und zur Methode sagt man auch „Kreatives Schreiben“.

Die erotische Autobiografie

Echte Autobiografien sind selten. Zumeist werden sie damit verschleiert, dass der Autor eine Figur mit autobiografischen Zügen ausstattet. Wir finden sie besonders häufig - und durchaus unter erotischen Anspielungen - bei E.T. A. Hoffmann.

Noch seltener sind erotische Autobiografien. Meist sind sie eine Mischung aus Wahrheiten und Erlebnissen, die mit der verschleiernde Soße der Fantasie übergossen wurden.

Glaubwürdig, und dennoch nicht die Realität

Das wichtigste Merkmal der erotischen Autobiografie besteht darin, glaubwürdig zu sein. Das unterscheidet sie von Pseudo-Autobiografien, wie etwa der „Geschichte der O“, die dem Talent einer überaus fantasievollen Schriftstellerin entsprang.

Glaubwürdig heißt nicht: „Es war genau so, wie ich es beschreibe.“ Es kann harmloser oder wesentlich „schärfer“, vor allem aber deutlich peinlicher gewesen sein.

Autobiografien, Romane und sexuelle Erregung

In erotischen Romanen setzen wir voraus, dass die Personen Momente extremer sexueller Erregung erleben. Wir erwarten heftige Liebesszenen, die in grandioser Wollust ausgeführt werden, selbst wenn die übrige Handlung von ganz anderer Art ist. In vielen gebrauchten Büchern können wir feststehen, wie „zerlesen“ entsprechende Abschnitte sind.

In der erotischen Autobiografie lassen die Autoren die Dinge langsamer angehen. Sie versuchen, über das eigene Leben zu reflektieren - vor allem aber darüber, wie sie sich im Strudel der Erotik fühlten. Die Romane können als Tagebücher, Briefromane oder Novellen aufgemacht sein - und sogar als Kombination von allem.

Was wahr sein sollte und was nicht ganz wahr sein muss

Und nein - alles ist nicht „genauso gewesen“. Denn das, was „gewesen ist“, kennen die meisten Menschen: Eine Vagina nimmt einen Penis auf, es gibt eine schweißtreibende Aktion, und am Ende gibt es Spermaflecken auf dem Laken. Ja sicher, beim zweiten Mal kann etwas ganz anders geschehen. Aber interessant wird der Geschlechtsakt erst durch die Motive, die Sinnlichkeit, die Momente der Zweifel einerseits und des Rausches andererseits.

Was tue ich eigentlich, um verführt zu werden?

Die erotische Autobiografie kann Fragen stellen. Zum Beispiel. „Was tue ich, um verführt zu werden?“ Warum verführe ich nicht selber? Warum warte ich, bis er/sie etwas vorschlägt?“ Oder: „Warum sage ich nicht, wie ich es gerne habe?“ Oder eben auch: „Warum habe ich gezögert, ihn/sie zu vögeln oder einem Dreier beizuwohnen?“

Die Fragen zu stellen ist bereits mutig. Die intimen Gedanken hingegen wollen kaum zu Bildschirm kommen. Da klemmen die Finger, die sonst so aufmerksam den Körper berühren.

Es ist einfach so: „Die Verführung kreist um die Frage des Begehrens“ (1). Aber während sie „kreist“ macht sie etwas mit dir. Etwas, das zwischen ICH, ES und ÜBER-ICH herumwandert. Etwas, das mal die Graswurzeln berührt und mal die Schamlippen. Etwas, das uns hindert und beflügelt. Wenn du die Graswurzeln nicht zulässt, und damit die Natur, die dich aufwühlt, wirkst du nicht authentisch. Und wenn du die Schamlippen auslässt, wirkst du nicht erotisch. Und falls du bei jeder Taste, die du drückst, daran denkst, wie peinlich dir alles ist – dann lass es bleiben.

Nun gut - falls du eine erotische Biografie planst, sei vorsichtig mit deinem Namen. Die böswilligen Menschen, die dich zu entlarven versuchen, sitzen hinter jedem virtuellen Busch.

(1) Der Tanz um die Lust, München 2007.

Ich verweise gerne auch auf eine Biografie, die auf autobiografischen Aufzeichnungen beruht. Der Link führt zum Deutschlandfunk.

Pandemie-Lüste

Ob sanfte Lüste oder Schmerz - wie wäre es deine Gefühlswelt auszuweiten?
Pandemie-Lüste wendet sich an alle, die sagen: "Ich habe keinen Bock mehr auf Schreiben." Ja, was denn? Warum nicht? Und falls es doch so ist, warum kümmerst du dich nicht um deinen Körper? Denn in der Pandemie kannst du Erfahrungen sammeln, wie ein Eichhörnchen im Herbst - auf Vorrat.

Lerne deine Haut kennen

Die Haut kennenzulernen ist eine einfache, sinnliche und überaus abenteuerliche Art, während der Pandemie die eigenen Gefühle zu erforschen. Es muss nicht immer gleich die „heftige Art“ sein, wie sie beispielsweise mit Nervenrädern oder Brustklemmen erreicht werden kann. Wenn ihr euch nur daran erinnert, wie kaltes Wasser auf der Haut wirkt oder auch sehr warmes, dann bekommt ihre eine Idee, was eine zurückhaltende Autorin tun kann.

Wasserspiele - wirklich mit Wasser

Wissen, wie es sich anfühlt ...
Denk mal daran, was Wasser alles auslösen kann. Du musst nicht nackt durch den Regen gehen, um die vorstellen zu können, wie es sich anfühlt. Aber hast du dich schon einmal vollständig bekleidet geduscht? Da ist doch noch das Kleid, das du seit 2002 nicht mehr getragen hast, nicht wahr? Ruiniere es einfach. Die Erfahrung ist unbezahlbar.

Wenn die Haut sich rötet

Von den ganz gewöhnlichen Dingen gar nicht zu reden ... epilieren zum Beispiel. Je nachdem wie du es machst, ersetzt es jede Erfahrung mit einer SM-Begegnung. Auch die gründliche Entfernung von Hautschuppen soll ein Erlebnis sein. Warst du schon einmal bei einer Fußpflegerin? Geh einmal hin und achte genau auf deine Gefühle, wenn deine Hornhaut abgeschmirgelt wird.

Sanfte Seide, kalte Leder und kratzige Wolle

Viele Menschen mögen (oder hassen) bestimmte Materialien auf der Haut: Seide, Wolle, Baumwolle, Leder, Pelz, PVC, Gummi ... das alles gehört zu den harmlosen Erfahrungen, die du jederzeit selbst machen kannst.

Self Spanking? Es ist möglich, aber anders

Ob es möglich ist, sich selbst lustvolle Schmerzen zuzufügen? Du wirst kaum die gleiche Lust verspüren, als wenn es deine Partnerin oder dein Partner macht - aber auf der Haut bleibt ein Gefühl zurück, dass du beschreiben kannst.

Andere Klamotten auf der Haut

Falls du die Gelegenheit hast, „altmodische“ Kleidung wie zum Beispiel Korsetts, altmodische Strapse oder Unterröcke zu tragen - tu es einfach. Das Entscheidende ist die Frage, wie es sich anfühlt. Den Damen muss ich nicht erst sagen, dass ein Herrenhemd mit Krawatte sehr stimulierend wirken kann. Und falls es wirklich Männer geben sollte, die gute Erotik schreiben, hier ein Tipp. Verwandelt euch mal in Damen, wenn ihr die Gelegenheit habt, und spürt, wie sich eure Unterleiber anfühlen, wenn ihr Röcke, Strapse oder High Heels tragt.

Und nun du ...

Meine Ideen sind noch lange nicht ausgeschöpft, und deine Ideen können noch viel wilder sein. Das Einzige, was du wirklich beachten solltest: Nicht mit dir unbekannten stechenden oder stark reizenden Stoffen oder Gegenständen zu spielen und dich nicht selbst fesseln. Sicherheit geht vor.

Bilder: (oben) Comic nach einem Originalbild. Unten: Unbekannt .

Wie ich in meinen ersten Dreier hineinglitt

Niemand weiß, ob diese Geschichte wahr oder erfunden ist. Sie wurde uns erzählt ... und wir haben diesen kleinen Teil aus der Erinnerung aufgeschrieben.

Ich hätte niemals gedacht, in diese Lage zu geraten. Die sanfte Verführungskunst von Andrea überwältigte mich einfach. Sie hatte meine Bluse geöffnet, als ob sie nie etwas anderes mit einer Frau getan hätte. Wie selbstverständlich hatte sie meine Brüste geküsst. Ich wehrte mich nicht dagegen, weil sie es so selbstverständlich und zugleich so sinnlich tat. Schließlich befreite sie mich von meinem Slip und ich konnte nicht anders, als mich ihrer Zunge hinzugeben. Ihr Spiel glich einem Musikstück, das als Diminuendo begann und in ein überlautes Crescendo überging, dann wieder abebbte und schließlich in einem Furioso endete. Zu meine eigenen Verblüffung machte ich mir keine Sorgen über meinen Zustand. Vielmehr dachte ich als brave Tochter bürgerlicher Eltern in den kleinen Pausen zwischen der pulsierenden Wonne eher daran, ob ich die feine Ledercouch ruinieren würde.

Es schien, als würde Andrea alles geben, aber nichts erwarten. Doch schließlich hob sie ihren Kopf und sprach mich an. „Würdest du Jan die Freude machen, an meine Stelle zu treten?“

Jan? Oh ja, er war noch nicht anwesend, als mich Andrea zu küssen begann, aber er war angekündigt … schließlich sollte es ja eine „Ménage-à-trois“ werden. Aber ich war im Moment völlig verwirrt von seiner Anwesenheit. Und ihre überaus korrekte Höflichkeit passte überhaupt nicht zur Situation der Wollust, der ich mich gerade hingab.

Mehrere Sekunden lang sagte keiner von uns dreien ein Wort.

Andrea und Jan sahen mir in die Augen, weder fordernd noch dringlich. Dennoch wartete sie auf meine Entscheidung. Ich fand dies höchst merkwürdig, weil Andrea mich zuvor niemals gefragt hatte. Was hätte sie auch fragen sollen? Dort war sie, erfahren und überaus sinnlich, und hier war ich, durstig nach Lust. In diesem Moment war mir mehr als bewusst, dass ich mich bisher willenlos von ihr verführen ließ. Nun aber erwarteten sie, dass ich mich entschied. Halb vernebelt, vor Lust trunken, mit nacktem Unterleib.

Nach meinem Gefühl verging eine undenklich lange Zeit, bis Andrea die Frage noch einmal wiederholte: „Möchtest du gerne, dass Jan an meine Stelle tritt und weitermacht, wo ich aufgehört habe?“

Ich wollte auf keinen Fall, dass irgendetwas aufhörte. Das war der einzige klare Gedanke, den ich fassen konnte. Und schließlich brachten meine Lippen ein leises und hingehauchtes „Ja“ zustande.

Damit begann mein erster Dreier, der sich bis in den frühen Morgen hinzog. Und immer wieder wurde ich gefragt: „Darf ich?“ und „Möchtest du jetzt?“ Und ich hatte wirklich nur noch eine Antwort: „Ja, bitte…“

Warum ist erotische Literatur so wichtig für Frauen?

Sinnliche Gedanken beim Lesen
Die meisten bekannten Studien über „das Erotische“ zeigen auf, dass Frauen mehr von Büchern erregt werden, während Männer eher auf visuelle Pornografie abfahren.

Nun sagen neue Studien aus, dass Worte offenbar nachhaltiger in uns Menschen wirken als Bilder. Aber das ist noch nicht alles. Bücher können uns verändern, indem wir in die Figuren „hineinkriechen“, die uns Autoren und Autorinnen anbieten.

Reicht die eigene Vorstellungskraft nicht aus, so hängen sich deine Leserinnen an die Aussagen des Autors. Und weil der Autor im Buch ja im Hintergrund bleibt, versuchen sie, sich mit deiner Figur zu identifizieren.

Im Grunde ist es ein Lernprozess, den du wahrscheinlich schon einmal als Leserin durchlebt hast: Wann würdest du genauso handeln wie die Romanfigur? Was würdest du auf keinen Fall tun? Wo würdest du etwas verändern, wenn du in der Situation wärest? Und falls all das nicht reicht, kannst du einfach der Realität entfliehen und in die Welt deiner Figur eintauchen. Dazu dies Zitat (1):

Du kannst den Sorgen und dem Stress der Alltagswelt entfliehen und eine Weile damit verbringen, den Bereich der Vorstellungskraft des Autors zu erkunden.

Keine Frage, das tun wir alle, nicht wahr?

Was geht in uns vor, wenn wir Erotik lesen?

Doch was passiert bei der erotischen Literatur?

Gute erotische Literatur erfüllt mindestens zwei Bedürfnisse.

Erstens: Die Gefühle indirekt anzusprechend, damit sinnliche Gedanken entstehen, denen deine Leserin nachspüren kann.

Zweitens: Rein sexuelle Lüste zu erzeugen, die sozusagen „von den Augen durch das Hirn in den Schritt“ wandern.

Ist nur das Erste der Fall, handelt es sich um Liebesromantik, wird nur das Zweite angesprochen, so ist es vermutlich Pornografie.

Ein Kernsatz für Autorinnen

Was Autoren wissen müssen (sinngemäß nach einem Internet-Artikel, 2).

Wenn du Erotik schreibst, entstehen die Emotionen erst im Kopf deiner Leserinnen und Leser. Auf die gleiche Wiese werden sie auch geil (oder eben nicht).

Erotik lesen heißt etwas, über die eigene Sexualität zu lernen

Jede Leserin erotischer Bücher weiß, welch wundervolle Gefühle sie auslösen können. Wenn es dir gelingt, deine Figur entsprechend anzulegen, ist Erotik ein außergewöhnlich wirksames Aphrodisiakum.

Darüber hinaus kommt deine Leserin mit ihrer Sexualität in Kontakt. Dabei fallen Schranken, die sie „innerlich“ aufgebaut hat. Ihr könnten also die Augen aufgehen. Zugleich lernt deine Leserin, ihre offensichtlichen und geheimen Lüste besser zu verstehen.

Das alles kann deine Leserin zu der sexuellen Person werden lassen, die sie sich wirklich gewünscht hat. Und du hast es erreicht. Allein dies wäre ein Grund, heute mit dem Schreiben zu beginnen.

(1) Zitat: Dr. David Lewis, Neurologe.
(2) Zitiert nach einem Essay von "Emma London" (vermutlich ein Pseudonym)

Zu den wissenschaftlichen Hintergründen: Emory University