Skip to content
Manifest

Thema: Das erotische Dienstmädchen

Das Dienstmädchen ist – aus heutiger Sicht – ein Relikt der bürgerlichen Blütezeit. Damals gingen viele unverheiratete junge Frauen vom Lande in die Stadt, um dort „in Stellung“ zu gehen. Wer ernsthaft über die Dienstmägde jener Zeit schreiben will, tut gut daran, einige historische Quellen nachzulesen. Doch worin lag die Erotik, die den Dienstmädchen zugesprochen wurde? Das lässt sich in zehn Punkten zusammenfassen:

Zehn Punkte, warum Dienstmädchen erotisch interessant waren

1. Nahezu alle Mädchen kamen vom Lande, waren naiv und nicht vertraut mit den städtischen Gegebenheiten.
2. So gut, wie alle Dienstmädchen waren im medizinischen und psychischen Sinne Jungfrauen.
3. Dienstmädchen trugen Uniformen – diese haben insbesondere bei britischen Gentlemen eine unglaubliche erotische Wirkung.
4. In die Dienstverträge konnte theoretisch jede Pflicht hineingeschrieben werden – aber Rechte hatten die Dienstmägde so gut wie gar keine.
5. Die Drohung mit Entlassung oder schlechten Zeugnissen machte viele der Frauen zu willfährigen, von Angst getriebenen Objekten für sexuelle Handlungen des Dienstherrn oder anderer männlicher Personen im „großen Haus“.
6. Die Züchtigung gehörte zum „guten Recht“ der Herrschaft, konnte aber auch von höher gestellten Bediensteten ausgeführt werden. Einen konkreten Anlass benötigte man nicht, und auch das Strafmaß blieb der Herrschaft überlassen.
7. Es ist nicht verbürgt, aber sehr wahrscheinlich, dass die Dienstmägde auch genötigt wurden, gelegentlich Gästen „zu Diensten“ zu sein.
8. Nicht nur der Hausherr, auch die Dame des Hauses nutzten gelegentlich die Dienstmägde zu erotischen Dienstleistungen.
9. Die Gefahr, bei Entlassungen in die Prostitution abzugleiten, war außerordentlich groß. Sie hinderte die Dienstmägde auch daran, einfach „wegzulaufen“.
10. Niemand von ihnen hatte das Geld, um „schmutzige Bücher“ zu erwerben - in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren – in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren sie jedoch zu finden.

Die erotische Dienstmagd – Lustbringerin und "Prügelfleisch"

In der erotischen Literatur der Vergangenheit sind Dienstmägde so gut wie immer verführbare, meist zunächst störrische, später aber durchaus willfährige Objekte männlicher und weiblicher Lüste. Besonders ausgeprägt kommt dies in dem „klassischen“ erotischen Episodenroman „Die Wonnen der Rute“ zur Geltung, in der eine Gruppe von vornehmen Damen ihre Dienstmägde in schamverletzender Weise vorführt, um ihnen dann gehörig die Rute zu geben. Wenn ich hier „schamverletzend“ schreibe, so solltest du die Epoche beachten, in der Damen öffentlich noch Handschuhe trugen, um die Hände nicht nackt erscheinen zu lassen.

Vorschlag: Historisierend schreiben, ein wenig über die Epoche wissen

Es ist nicht nötig, jedes Detail der Bürgerlichen (hier hauptsächlich der englischen, viktorianischen) Epoche zu kennen. Stell dir einfach vor, da wäre eine brodelnde, schlecht organisierte Großstadt mit einer typischen „Klassengesellschaft“. Jeder macht hinten verschlossenen Türen seine eigenen Verträge und handelt nach Gutdünken. Das Dienstpersonal ist in jeder Hinsicht abhängig von der Herrschaft. Die vor dem gesamten Gesinde vollzogene „offizielle“ Züchtigung ist ebenso populär und legal wie die „private“ Züchtigung auf den nackten Leib. „Ausgang“ ist im brodelnden Moloch der Stadt höchst gefährlich – Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Also bleibt man unter sich – trifft sich bestenfalls mit Dienstmägden der unmittelbaren Umgebung. Falls du darüber schreibst, baust du am besten eine naive Heldin auf, die nach und nach durch Schläue einerseits und Nachgiebigkeit andererseits das Vertrauen der Herrschaft gewinnt – und die dadurch gewonnen Macht auch ausspielen kann. Besonders interessant sind dabei Dreiecksverhältnisse: Sowohl die Hausherrin wie auch der Hausherr verlangen und erhalten erotische Dienste. Solange keine unvorhergesehenen Ereignisse „dazwischenkommen“ wächst die Macht der Dienstmagd mit jedem Tag.

Übrigens sind auch Dienerinnen oder Zofen der Damen ein ähnlich interessantes Thema.

Moderne Dienstmädchen und andere Bedienstete

In der heutigen Zeit und der heutigen Welt ist eine entsprechende Konstellation nicht nur schwer vorstellbar, sondern sie ist auch ein krimineller Akt. Dennoch sind die erotischen Komponenten (Uniform, Abhängigkeit, Schamverletzung und sinnliche Schläge) nicht einfach fortgelaufen – sie halten sich nur in den Büschen der Fantasie versteckt. So sind Zofen, Küchenhilfen, Dienerinnen und Sklavinnen immer noch Gegenstand männlicher Fantasien. Parallel dazu haben sich weibliche Fantasien ähnlicher Art entwickelt, sowohl aktiv wie auch passiv. In der Regel – und hier liegt nun die Chance moderner Autorinnen – werden diese in Rollenspielen verwirklicht, die recht umfassend sein können. Sobald weibliche Erotik betroffen ist, wird das „Zofenthema“ immer populärer: Die erfolgreichere und mächtigere Frau hält sich ein armes, aber williges „Kätzchen“, mit dem sie nach Gutsherrinnenart verfährt.

Wer erzählt?

Das Thema ist literarisch anspruchsvoll, weil du die Gegebenheiten der Zeit oder der verwendeten Rollenspiele gut kennen solltest. In der Regel erzählt das Dienstmädchen selbst, es gibt aber durchaus auch Varianten, in denen eine dritte Person das Geschehen beobachtet.

Relevanz

Obgleich die Relevanz des Themas nicht unmittelbar messbar ist, liegt sie doch im Bereich zwischen „gut“ und „befriedigend“. Als Vergleich dienten dabei Aussagen wie „ich träume davon, dominiert/geschlagen zu werden.“

Deine Schreiberfahrung

Du solltest dieses Thema nur dann aufgreifen, wenn du sensibel genug bist, die vielen Nuancen der Beziehung zwischen „Herrschaft und Dienerschaft“ und ihre erotischen Komponenten zu erkennen und zu beschreiben. Die erotische Fantasie spielt dabei eine erhebliche größere Rolle als die oft schnöde Realität.

Argumente für weibliche Erotik-Autoren (2): Fantasien freilassen

Mal sind es Demutsfantasien ...

Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurde angenommen, Frauen mit einem gut entwickelten sexuellen Verlangen seien „krank“ oder „schlecht erzogen“. (1) Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahmen Mediziner und Psychologen an, die sexuelle Lust der Frauen sei wesentlich schwächer entwickelt als die der Männer. Und bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde angenommen, Frauen hätten so gut wie keine sexuellen Fantasien.

Zwar gab es immer wieder seriöse Befragungen, die in Statistiken mündete und dabei das Gegenteil bewiesen – doch sie wurden niemals ernst genommen. Bis heute gilt in manchen Kreisen: Frauen haben keine sexuellen Fantasien. Und falls doch, denn bewegten sie sich im Rahmen von ekstatischen Orgasmen während des einvernehmlichen Vaginalverkehrs.

Das alles ist ausgemachter Blödsinn. Der Mensch ist in der Lage, mithilfe seines Gehirns lustvolle Situationen zu produzieren, die ihn zugleich körperlich aufgeilen. Das ist bei Frauen nicht anders als bei Männern, denn die Gehirne sind in ihren Basisfunktionen nicht wirklich unterschiedlich, wie es einige vorlaute Autorinnen angeblicher „Sachbücher“ über das Gehirn behaupten.

Autorinnen sollten also alles tun, um zu sagen: Jawohl, Frauen haben erotische Fantasien – und eine Short Story, eine Novelle oder ein Roman sind gute Möglichkeiten, die auch auszudrücken.

... und mal Herrschaftsfantasien ...

Und was können Sie tun, um weibliche Fantasien darzustellen?

Autorinnen haben die Möglichkeit, Fantasien in inneren Dialogen oder tatsächlichen Dialogen unter Frauen unterzubringen. Ihre Heldin kann beim Betrachten des eigenen Körpers oder beim Masturbieren Fantasien entwickeln, während des Geschlechtsverkehrs mit einem Mann oder mit einer Frau, bei der zufälligen Betrachtung eines Liebespaars und in zahllosen anderen Situationen. Da ich über das Gehirn sprach: Menschen denken assoziativ, das heißt, die erotische Fantasie kann durchaus auch von einem völlig anderen Umstand ausgelöst werden als von sexuellen Versuchungen. Beispiele wären Düfte, Farben oder erotische anmutende Gegenstände. Wenn Sie Autorin sind, können Sie ihre eigenen Fantasien vollständig auf Ihre Heldin übertragen und sie dann in ihr weiterentwickeln. Alternativ können Sie auch eine fremde, beliebige Fantasie in ihre Heldin stecken und diese dort „bebrüten“. Denken Sie dabei bitte daran, dass Ihre Heldin Abenteuer bestehen kann, zu denen Sie selbst nicht bereit wären, denn die Fantasie soll, kann und darf über die Realität hinausgehen.


(1) Nach "Psychopathia Sexualis" - volkstümlich wurde das weibliche Sexualverlangen auch als "Mannstollheit" oder pseudowissenschaftlich als "Nymphomanie" bezeichnet.

Warum Sie mit ihren Worten die (erotische) Welt verändern

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Nein, Worte verändern die Welt!
Die meiste Menschen glauben, dass es außer der Existenz der physikalischen Welt dort draußen auch noch eine Welt gäbe, die „Wahrheiten“ über uns Menschen enthält. Sie nehmen an, die Wahrheit über unser Verhalten, unser Denken, Fühlen und Handeln könne präzis ermittelt und über Jahrhunderte gesammelt werden. Dann, so denken sie, können alles in Blei gegossen werden und bis in alle Ewigkeit existieren.

In Wahrheit – und das wird viele überraschen – gab es niemals einen schlüssigen Beweis dafür, wie Menschen denken, fühlen und handeln. Ebenso gibt es keine präzisen Aussagen darüber, was Liebe ist, und erst recht nicht darüber, wie erotische Anziehung funktioniert.

(Zitat von Richard Rorty:)

«Dort draußen kann es keine Wahrheit geben – nicht ohne den menschlichen Verstand. Das liegt daran, dass Worte dort draußen nicht unabhängig existieren, oder nicht einfach nur „dort sind“.»


Das menschliche Denken spiegelt also nicht die Realität, sondern es produziert sie. Eine ähnliche Theorie vertrat bereits der Kommunikationsforscher und Psychotherapeut Paul Watzlawick, der darüber das Werk „Wir wirklich ist die Wirklichkeit?“ schrieb.

Schriftsteller(innen), Meister(innen) des Wortes, verändern die Welt

Obgleich Schriftstellern nur sehr selten zugetraut wird, die Welt zu verändern, tun sie es mit jedem Wort. Nur wer kommuniziert, schreibt oder sich anderweitig äußert, kann die Welt gestalten. Das Problem: Dort draußen arbeitete eine riesige Propagandamaschinerie daran, Nebelkerzen in die Wahrheit zu werfen. Sowohl die Dummbacken des Boulevard-Journalismus sind mit ihren Publikationen daran beteiligt, wie auch die effektheischenden Wissenschaftler, die jeden angeblich gefundenen geistigen Furz sofort publizieren. Dadurch gerät die Wahrheit in Schräglage, wird zum Spielball von Dummbacken, Politikern, Wirtschaftsmanager, Religionsfanatikern und Wissenschaftlern.

Wir befinden uns als Schriftsteller also in der Rolle des bedauernswerten David, der gegen den übermächtigen Goliath kämpft. Was wir schreiben, sei es vor dem Hintergrund unserer Wahrheit oder als bloße Fantasie, hat allerdings enorm scharfe Pfeilspitzen: Manche unserer Worte dringen dringen sofort tief in die Psyche unserer Leserinnen und Leser ein.

Wir durchdringen mit scharfen Pfeilen die Moralfassaden

Das gilt umso mehr, als wie die Emotionen ansprechen, die mit Lust, Liebe und Leidenschaft einhergehen. Hier können wir ganze Köcher voller wirksamer Pfeile direkt in die Psyche schießen. Die selbst ernannten Moralisten wissen das sehr gut – sie versuchen deshalb, uns zu diffamierten und werfen ihrerseits Stinkbomben. Sie enthalten die Drohung mit der Hölle, beschwören den sittlichen Verfall und glauben, wir würden die Gleichheit zwischen Frau und Mann aushöhlen.

Doch wir, die Davids der Kommunikation, dürfen uns davon nicht beeinflussen lassen. Wir bilden die menschliche Psyche in einer absolut einmaligen, unnachahmlichen Weise ab, und durch uns wird die Liebe, Romantik, die erotische Fantasie und die Sexualität im Allgemeinen erst zu der wundervollen Blüte gebracht, die alle sinnlichen Menschen beflügelt.

Schreiben Sie! Sie verändern dadurch die Welt und nehmen den Piraten des des Geistes und der Moral ein klein wenig von ihrer Macht. Und auf diese Weise tragen wir dazu bei, die Wahrheit über die Sinnlichkeit und die Lust in die Welt hinauszutragen.

Das Wort schafft die Wahrheit. Kann es eine noch wertvollere Aufgabe im Leben eines Menschen geben, als danach zu handeln?

Wenn Sie mögen. lesen Sie in englischer Sprache bei "Dumb Domme" nach.

Die sinnliche Woche: „Shades of Grey“ und kein Ende?

Nun kommt er bald, der Film zum Buch. Und was empfehle ich dazu? Bitte schreiben Sie nicht noch eine „Nachahmung“ des „schlechtesten Erotik-Romans des 19. Jahrhunderts, der in unserer Zeit geschrieben wurde“ wie Werner Fuld in seiner „Geschichte des sinnlichen Schreibens“ feststellt. Sie erreichen den Erfolg sowieso nicht mehr, weil nun wirklich alles ausgelutscht ist, was darin vorkommt, inklusive des Schlags auf die Vagina. Wir hätten ein paar Alternativen für Sie, was Sie schreiben könnten.

Wenn du zur Tastatur gehst, vergiss die Peitsche (nicht)

Falls Sie sich jemals an ihren Schreibknecht setzen und mit den Tasten auch die Peitsche schwingen wollen: Lesen Sie wenigstens die drei Folgen unserer Serie „Es, muss nicht immer die Peitsche sein“. Falls Sie den ersten Teil gelesen haben, werden Sie gespannt auf Teil zwei und drei sein. Diese Woche hatten wir den Beitrag „Zu peitschen und nicht zu peitschen.“ Dieser Teil handelt des dreiteiligen Beitrags handelt von all dem, was „E.L. James“ nicht kann, was Sie aber vielleicht zustande bringen: Gefühle zu schildern, die wenigstens noch halbwegs glaubhaft bei gebildeten Leserinnen ankommen.

Erotische Züchtigung? Niemals! Oder doch?

Im dritten Teil betrachten wir dann aus einer sehr modernen Sichtweise, warum Züchtigungen erotisch sein können. Diese Frage wird oft gestellt, aber so gut wie nie beantwortet. Wir planen einen weiteren Teil mit Szenarien aus der Vergangenheit und der Jetztzeit, in der Sie etwas über die Möglichkeiten erfahren, die Szenarien aufzubauen. Leider sind wir im Moment allerdings stark beschäftigt, sodass Sie damit wohl noch etwas warten müssen.

Auch über Fetische lässt sich schreiben

In weiteren Vorschlägen zum sinnlichen Schreiben haben wir all das aufgeführt, was ein paar durchgeknallte Psychiater früher mal als „Fetische“ bezeichnet haben – meist harmlose sinnliche Liebhabereien. Natürlich gib es auch ein paar Varianten davon, die nun wirklich sinnlich-hintergründige Einblicke in die Psyche ermöglichen, und auch dafür hatten wir Vorschläge.

Die Scham der Frauen, sich als sinnlich zu offenbaren

Außerdem beschäftigen wir uns mit der Frage, warum Frauen zwar erotische Fantasien haben, sie aber nicht einmal erzählerisch umsetzen. Können sie nicht? Wollen sie nicht? Schämen sie sich vor der Pfarrersfrau oder der örtlichen Frauen-Union? Ich weiß es nicht.

Die Zensur - im Namen des Feminismus?

Zensur im Namen der Jugend war in den 1950er und 1960er Jahren populär. Damals gab es auch zahllose Zensurversuche im Namen der Ehre der Frauen. Und inzwischen? Sind wir wieder bei diesen dunklen Zeiten angekommen? Wollen wir wieder Sittenwächter und Sittenschnüffler? Nur dass es diesmal nicht die Sittenspione der Adenauerregierung sind, die Zensur ausüben wollen, sondern die Feministinnen und ihre Helfershelfer? Ich hoffe doch, dass die Freiheit des Wortes auch in Deutschland etwas zählt.

Bald kommen neue Themen - steigen Sie jetzt ein

Übrigens hat die Beschäftigung mit den „Shades of Grey“ auch bei uns ein Ende. Denn selbst, wenn der Film (was leider zu erwarten ist) ein Erfolg wird, ändert das nichts daran, dass das Vorbild eine Schnulze ist.

Noch ein letztes Wort: Es gibt kaum ein umfassenderes Füllhorn an Ideen für Autorinnen erotischer Romane als das Blog „Sinnlich Schreiben“. Selbst wenn das nach Eigenlob klingt: Versuchen Sie doch mal, dergleichen anderwärts zu finden. Falls Sie’s schaffen: Scheiben Sie uns mal die Adresse –wir veröffentlichen sie gerne.

Frauen haben erotische Fantasien – und wo verstecken sie sich?

Wäre ich gerne Wanda? Oder Anastasia? Oder mal dies, mal jene?
Sie wissen es, und alle anderen, die es wissen wollen oder nicht wissen wollen, ahnen es auch: Frauen haben erotische Fantasien, von der Busfahrerin bis zur Professorin. Das Problem: Bisher teilen sie diese Fantasien kaum öffentlich miteinander. Daher glauben viele Frauen, sie allein hätten diese Fantasien, und sie zu haben, sei beschämend, fragwürdig oder vielleicht gar krankhaft. Mit anderen Worten: Man kann zwar E. L. James lesen, darf sich aber um Himmels willen nicht damit identifizieren, geschweige denn, Fantasien zu äußern, die darüber hinaus gehen.

In Irland gibt es gegenwärtig ein Projekt, in dem Frauen ihre erotischen Fantasien miteinander teilen können, in dem sie diese einfach mitteilen.

Die Initiatorin schreibt:

Es kann sehr befreiend sein, sich an den Computer zu setzen und über etwas zu schreiben, das bisher nur in Ihrem Kopf war. Manchmal vergegenwärtigen Sie sich die Anzahl der Details ihrer Fantasien erst, wenn sie zu schreiben beginnen.


Etwas Entscheidendes kommt aber noch hinzu: der irische Humor, der durch die Zeilen lacht.

Was ist die Botschaft dieses Artikels? Ich nehme nicht an, dass Sie Irin sind oder in englischer Sprache schreiben werden.

Nun, es ist eine dreifache Botschaft:

1. Schämen Sie sich niemals, Ihre eigenen erotischen Fantasien zu beschreiben. Lassen Sie ihre Heldin das erleben, was sie sich versagen müssen.
2. Gönnen Sie sich die einzigartige Selbsterfahrung, Details Ihrer Fantasien zu beschreiben. Das befreit Sie selbst von Schuldzuweisungen und gibt Ihrer Story die Würze, die Ihre Leserinnen schätzen werden.
3. Es ist gut und richtig, lustvoll, humorvoll und hintersinnig zu schreiben. Das ist viel besser, als Ereignisse aneinanderzureihen, wie es so viele Autorinnen tun.

Das Einzige, was Sie, liebe Leserin tun müssen: Zu schreiben beginnen. Denken Sie vorläufig gar nicht an Veröffentlichungen oder Ruhm. Sie schreiben es für sich auf, um sich selbst ein Stück zu befreien von all der Scham, die in Sie hineinerzogen wurde, und falls dies nicht so gewesen sein sollte: Es macht einfach Freude. Wirklich!