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Manifest

Erotik schreiben heißt "kreativ schreiben"

Kreatives Schreiben bedeutet im Grunde kaum mehr als „nicht auf die Art zu schreiben, wie wir es in der Schule gelernt haben.“ Die Aussage klingt ein bisschen salopp, aber sie beruht darauf, dass wir gelernt haben, unseren Worten einen festen, recht einheitlichen Rahmen zu geben.

Nehmen wir an, wir würden in der Schule für das Leben lernen. Dann wären wir auf den Beruf eines „akademischen“ Schreibers hinreichend vorbereitet. Das heißt, wir könnten eine „Abhandlung“ zu Papier bringen. Behauptet wird auch, dass die Schule möglicherweise auf für den Beruf des Journalisten sinnreich sein könnte. Auch ihm ist ein Rahmen gegeben, in den er seien Worte setzt.

Erzählungen sind ebenfalls eine Form, der wir in der Schule begegnen, ja selbst in früher Kindheit, beispielsweise in Märchen und Sagen. Erzählungen verwenden einen recht engen zeitlichen oder räumlichen Rahmen, der ihnen Struktur verleiht.

Warum benötigt man aber „kreatives Schreiben“?

Bilder durch Worte übermitteln

Wer diese Art des Schreibens benutzt, will etwas anderes erreichen: Er will die Bilder, die er im Kopf hat, auch im Kopf seiner Leserinnen dun Leser entstehen lassen. Oder noch etwas blumiger: Er zeichnet mit Worten ein Bild von dem Bild, das er im Kopf hat. Die Leserschaft macht sich nun ein eigenes Bild von dem Bild, was sie dabei aufnimmt. Das heißt aber auch: Was der Autor schrieb, muss nicht identisch mit dem sein, was im Kopf des Lesers ankommt.

Die beiden bereist beschriebenen Formen, also die Abhandlung oder auch der Zeitungsartikel, sollen hingegen ein möglichst eindeutiges Bild erzeugen: Jeder Leser soll möglichst exakt das Gleiche darunter verstehen.

Bemerkt ihr den Unterschied?

Wahrscheinlich. Wenn nicht: er liegt darin, dass „kreatives Schreiben“ die Fantasie der Leserinnen und Leser anregen soll.

Und was läge nun näher, als erotische Geschichten genau nach dieser Vorgabe zu schreiben?

Keine Bedienungsanleitungen und keine Ratgeber für guten Sex

Seht - das ist es. Wer erotisch schreibt, will keine „Bedienungsanleitung für eine Klitoris“ schreiben und keine „Abhandlung über den Geschlechtsverkehr als solchen.“ Vielmehr beabsichtigt der Erotik-Schriftsteller, einige flirrende, bunte Bilder zu erzeugen, die so lebensnah sind, dass sich fast jede und jeder damit identifizieren kann.

Nachwort

Ein Hinweis: Ihr werdet sowohl im Internet wie auch bei verschiedenen Schreibschulen und Schreiblehrern noch vielfach Argumente gegen das „kreative Schreiben“ finden. Sie entspringen in der Regel einem akademischen Verständnis des Schreibens. Diese Ansichten haben ohne Zweifel ihre Berechtigung, aber nicht für DICH.

Ein Schreibkonzept mit Spannung, aber ohne Spannungsbogen

Ein Schreibkonzept ohne Spannungsbogen? Für Erotik-Autorinnen ist es gerade richtig. Warum dieses Konzept ganz anders ist, als alles, was DU kennst? Weil es neu formuliert wurde. Denn es ist nicht wirklich neu. Viele Menschen nutzen das Modell - nicht nur Schriftsteller.

Was du nun wirklich brauchst, ist eine minimale Struktur. Vielleicht hast du in der Schule gelernt, dass du einen Spannungsbogen aufbaust, der einem Dreieck ähnelt. Doch eigentlich ist der Spannungsbogen kein Bogen, und er ähnelt auch keinem Dreieck. Es handelt sich vielmehr um eine Verschachtelung.

In der ersten Schachtel, die deine Leserinnen neugierig machen soll, liegt eine zweite, die ihr sinnliches Interesse wecken soll, dann eine Dritte, die ihr Verlangen anheizen soll bis es zu einem (vorläufigen) Höhepunkt kommt. Dann verlassen wir die Schachteln, oft mit einem einzigen Satz. Von diesem Prinzip hast du sicher noch nie gehört, aber es ist sehr effektiv.

Warum ein alternatives Konzept?

Nahezu alle Konzepte, die du im Internet lesen kannst und die auch tatsächlich so gelehrt werden, beruhen auf „großen Werken“ – und richtig, da benötigen wir mehrere Stufen. (1) In Kurzgeschichten oder Episodenromanen können wir nicht nur darauf verzichten, sondern wir benötigen andere Stilmittel. Deshalb das Konzept der Schachteln. Diese Methode funktioniert, weil die „große Schachtel“ sich (meist) nicht ändert. Zwei Personen, ein Raum, eine Leidenschaft, ein Erzählstrang.

Das folgende Modell, das wir verwenden, stammt nicht aus der Literatur, sondern aus der Ökonomie. (2)

Phase A – Aufmerksamkeit
Der Unterschied zu anderen Methoden besteht auch darin, dass wir sofort in eine Situation eintauchen. Das heißt auch: die Spannung beginnt, sobald du die erste Zeile schreibst. Du erzeugst damit Aufmerksamkeit, und zwar bis zum Schluss.

Phase I – die Handlung interessiert die Leser(innen)
Nun weckst du das erotische Interesse – bei deiner Figur ebenso wie bei deiner Leserin. Das erregt die Sinne, und die Leserin wird neugierig. Sie bleibt neugierig, bis sich die Lust entlädt - also bis zum Schluss.

Phase V – das Verlangen nach Erfüllung
Die Person befällt nun das Verlangen, das auszuleben, was sich andeutet, und du schilderst es farbig und plastisch. Nimm die Leserin mit, die ohnehin schon darauf wartet, wie sich die Leidenschaft entlädt.

Phase E – die Erfüllung ist der Schluss
Sobald der erotische Höhepunkt, die größte Ekstase oder die sinnliche Erfüllung stattgefunden hat, ist die Geschichte vorbei. Sie fällt also steil ab. Der letzte Satz ist der Abgesang auf die Lust oder der Übergang zu einer neuen Episode.
Solche Geschichte können sehr kurzgehalten werden, aber durchaus auch ausführlicher erzählt werden, weil der traditionelle Mittelteil (hier Phase I) beliebig ausgeschmückt werden kann. Deine Leserin wird „dranbleiben“, solange die Lust nicht erfüllt wurde.

Noch einige Worte zum Ablauf – nicht so erotisch

An dieser Stelle wäre etwas zu sagen: Eine erotische Geschichte muss nicht damit enden, dass tatsächlich Spermaflüssigkeit fließt. Sie kann in „etwas anderem“ bestehen oder unter Personen stattfinden, die kein Sperma produzieren. Und sie kann bisweilen schiefgehen oder eine Wendung nehmen, an die deine Figur zu Anfang nicht dachte.

Eine Bitte noch

Gib uns Feedback. Wir lernen durch dich und von dir. Wir haben auch noch ein Beispiel für dich. Wir würden aber sehr gerne wissen, wofür du es benötigst. Dein Feedback im Kommentar oder hier:

Anmerkungen und Quellen:
(1) Traditionell spricht man von „Exposition“ (Darlegung), Steigerung, Peripetie (Höhepunkt), retardierendem (verzögerndem) Element und der Katastrophe am Ende. (Es kann aber auch ein „Happy End“ sein).
(2) Das Konzept dient im Original dazu, jemanden aufmerksam zu machen, sein Interesse zu wecken, ein Verlangen zu erzeugen und ihm dann die Erfüllung zu ermöglichen.

Was ist die Wahrheit in der Erotik?

Nicht sehr real ... in Corona-Zeiten
Ich weiß nicht, welche Geschichten wirklich wahr sind. Aber ich habe vielfach erfahren müssen, wie langweilig wahre Geschichten sind . Also nehme ich an, dass meine Kolleginnen sie ein bisschen würzen, um sie zu erotischen Leckerbissen zu machen.

Wer aus der Realität heraus schreibt, zeigt uns zunächst einmal nur eine Momentaufnahme seiner Gefühle. Wenn die echten Gefühle mit den sinnlich-scharfen Gewürzen verwurstet werden, dann munden sie auch anderen. Es nützt ja nichts, dir nur selbst zu zeigen, was du selber fühlst.

Was den Körper durchzieht - und was im Text davon übrig bleibt

Was immer du dir aus dem Geschmack im Mund, dem Ziehen in der Brust, dem Dehnen der Vagina, oder auch dem Spannen der Hoden herausziehst, ist ein Abklatsch dessen, was wirklich passiert: Text eben.

Die Wahrheit ist nicht "die" Wahrheit

Es ist nicht die Wahrheit. Es ist eine Sichtweise. Deswegen beschreiben die meisten Autoren nicht das, was sie erlebt haben, sondern das, was sie gerne erlebt hätten. Die erotischen Schilderungen sind viel intensiver als die Banalität des realen Lebens.

Im Lockdown - Fantasie zählt - Realität nützt nichts

Im Moment, da in fast allen Ländern eine Art „Lockdown“ herrscht. Sind spontane, wirklich intensive erotische Erlebnisse rar geworden. Insofern haben im Moment alle Autoren Vorteile, die sich wenig um die Realität kümmern - warum sollten sie auch?

Ich kennen wirklich viele Leute, die unbedingt einmal über „ihr Leben“ schreiben wollten. Eine meiner längst verstorbenen Verwandten war auch darunter. O oftmals wurde ich angesprochen: „Ach, ich hätte da noch ein paar Tagebücher, würdest du mir meine Biografie schreiben?“ Ja klar. So etwas kann ich tun. Nur wird sie niemals jemand lesen.

Deine erotische Geschichte sollte jemand lesen wollen. Und wenn du das möchtest, dann kauf dir ein Gewürzregal: Currys, bengalischer Chili oder ungarisches Paprikapulver. Meinetwegen Zimt und Vanille. Aber möglichst nicht die nackte Wahrheit.

Die erotische Standard-Geschichte ... von Anfang an

Die erotische Geschichte - simpel
Noch keinen Anfang für deine erotische Geschichte in mehreren Kapitel gefunden? Dann versuche es einmal damit ... Es ist die erotische Standard-Geschichte ... von Anfang an. Aus ihr kannst du eine sanfte, sinnliche Liebesgeschichte entwickeln oder eine heftige, harte SM-Story.

Sie trifft ihn ...

Das Standardmodell heißt: „Sie trifft ihn“. Je weniger pornografische ein Werk angelegt ist, umso mehr gilt diese Voraussetzung, also nicht „er trifft sie“.

... ohne etwas Sinnliches zu planen

Sie kann eine andere Absicht haben, nämlich (...) wenn sie ihn trifft oder auch gar keine., weil sie nur (...). Du könntest beschreiben, was sie ursprünglich plante, nämlich (...). Gut wäre, wenn deine Leserschaft wüsste, in welcher Lage (....) sie sich emotional befindet, bevor „sie ihn trifft“.

Er ist nicht so, wie sie dachte

Sie dachte, er wäre (...) oder er müsse so sein, weil (...). Er ist aber anders, nämlich (...). Sie ist überrascht und denkt (...).

Er tut nicht, was sie erwartet

Sie erwartete, dass er (...) tun würde oder sagen würde. Er reagiert aber anders, nämlich (...). Während sie mit ihm über ihr Anliegen spricht (oder sich mit per Small Talk“ unterhält), entwickelt sie andere Gefühle und Regungen, nämlich (....).

Der Wandel

Sie versucht, ihre Gefühle einzuordnen oder zu beherrschen. Doch ihr ist anzusehen, dass (...). Sie erwartet von ihm, einen Schritt auf sie zuzugehen, zum Beispiel (...). Aber der Wandel scheitert. Hält er sie für (...) oder für (...)? Warum schlägt er nicht einfach vor (...)?

Der Übergang zum nächsten Kapitel

Ihr ursprüngliches Anliegen wird beachtet, aber sie glaubt dennoch, erfolglos zu sein. Sie sendet (...) Signale an ihn, zum zu zeigen, dass sie an ihm interessiert ist. Als sie zur Tür hinausgeht, sagt er: „Einen Moment noch“ und dann noch etwas, nämlich (...).

Verwirrung - der Beginn des nächsten Kapitels

Sie ist völlig verwirrt. Er ist nicht so, wie sie zu Anfang dachte. Aber auch nicht so, wie sie ihn „gerne hätte“. Er ist so „anders“. In ihren Gedanken kreist der Satz, den er zum Abschied sagte: „(...)“.

Schreib einfach diese Geschichte - auch wenn sie schon viele vor dir geschrieben haben.Sie wird immer wieder gerne gelesen.

Schreibst du „kinky“?

Nicht das Gewöhnliche ...
Dann weißt du, was „kinky“ ist. Wenn nicht, dann schau doch einfach mal bei der Liebeszeitung vorbei.

Am interessantesten für die Liebhaber des „Besonderen“ sind erotische Geschichten, die sanft und romantisch beginnen. Doch das „Vanillearoma“ dient nur dazu, den Mann (oder die Frau) ein zweites Mal anzulocken - und dann wird mit heißer Chilisoße gekocht. Die Partnerin (oder der Partner) ist zunächst verblüfft und etwas befremdet, erinnert sich aber an die erste Begegnung und lässt ich aus Neugierde drauf ein ...

Diese Geschichte wurde sicher schon ein Dutzend Mal erzählt. Aber nicht von dir. Und noch nicht mit den Gewürzen, die in du in deinem geheimen Schränkchen aufbewahrst.