Skip to content
Werbung

Dating – Überraschung inbegriffen

Man weiß nie, wann man einander begegnet ...
Die bekannte Schreiblehrerin Elisabeth Benedict hat den Kernpunkt aller Dates (also nicht nur erotischer oder spontaner Begegnungen) in einem von fünf Sätzen getroffen:

Sie stellen möglicherweise sehr unterschiedliche Erwartungen an die Begegnung.

Ja, das tun sie. Und genau das ist der Punkt, der in der gesamten „offiziellen“ Dating-Literatur verkannt wird, gleich, ob du ein Sachbuch oder eine der zahllosen Erlebnisschilderungen zur Hand nimmst.

Man kann die Teilnehmer solcher Verabredungen in vier Kategorien einteilen:

1. Sexuell und emotional zurückhaltend.
2. Sexuell offen, emotional hingegen zurückhaltend.
3. Emotional offen, sexuell hingegen zurückhaltend.
4. Emotional und sexuell offen.

Die erste Kategorie stammt gedanklich aus den Zeiten, als es weder “angebracht” war, Gefühle zu äußern als auch, sich aus sexueller Bedürftigkeit mit jemandem zu treffen. Es sid eigentlich Treffen, um die Möglichkeit einer späteren Eheschließung auszuloten.

Die zweite besteht aus Menschen, die sich wegen des Geschlechtsverkehrs oder andrer erotischer Vergnügungen treffen – auch „Casual Dating“ genannt,

Die dritte Gruppe sucht die „Seelenverwandtschaft“ mit einem Menschen und eröffnet ihm dabei die eigene Gefühlswelt.

Die vierte Gruppe schließlich sieht Sex als eine mögliche Art der lustvollen Freizeitbeschäftigung mit einem interessanten Menschen, die auch zu „mehr“ führen könnte. Und letztlich auch zu absolut skurrilen Erfahrungen mit wundersamen sexuellen Praktiken.

Der Anlass des Treffens ist völlig gleichgültig

Für Autorinnen (und damit für die Literatur) spielt der Anlass eines Treffens überhaupt keine Rolle. Deswegen ist die gesamte Ratgeber-Literatur und alles was du sonst vielleicht darüber gelesen hast, nicht als wert. In „Fuchsia“, einem Werk, das ich gerne als Referenz erwähne, entsteht die sexuelle Beziehung, als die Heldin, eine jungfräuliche Journalistin, von ihrer Interviewpartnerin auf raffinierte Weise verführt wird.

„Offizielle Dates“ sind oftmals verkrampftes Kaspertheater

In den meisten Schilderungen nicht-erotischer Art wird das „offizielle“ Date über alle Maßen mit „Erwartungen“ oder gar „Ansprüchen“ dicht gepflastert, sodass gar kein Platz mehr für die Lust bleibt.
Erstaunlicherweise wird Sex auch selten als „Alternativlösung“ verstanden: Kommt die reale Partnersuchende mit dem Wunsch, zu heiraten, so will sie heiraten. Kommt sie mit der Absicht, den Mann sexuell auszukosten, so muss es auch im Bett enden – schließlich hatte die Frau dafür viele Vorbereitungen zu treffen.

Öder Konflikt – er will Sex, sie eine Beziehung

Der Konflikt zwischen einem Mann, der eher an Sex interessiert ist, und einer Frau, die heiraten will, ist derartig ausgelutscht, dass es ich wahrhaftig nicht lohnt, darüber zu schreiben. Das Thema wurde in vielen Büchern moralisierend, aber literarisch wertlos behandelt. In den letzten Jahrzehnten gab es – zum Erstaunen der Männer – oftmals die umgekehrte Interessenlage. Dabei hatten sich Frauen wochenlang auf diesen einen Tag vorbereitet, um endlich den Sex mit einem Mann genießen zu können – doch der potenzielle Partner suchte eher nach einer Beziehung und wertete dann die Frau ab, die „nichts als vögeln“ wollte.

Nie nach Schema … immer etwas Besonderes ausdenken

Ganz generell lässt sich das so sagen: Alles, was noch „Schema F“ bei Begegnungen abläuft, ist völlig uninteressant und eignet sich kaum für Erotik-Geschichten – inklusive des ausgetretenen Konflikts „er will Sex, sie eine Beziehung“.

Elisabeth Benedict kennt die Gewürze, das alles verändern: kultureller Wandel, historische Umbrüche … aber auch Geheimnisse und Hintergründe, die nicht sofort in den Fokus der Beteiligten geraten. Warum trifft die Frauenrechtlerin den durchtriebenen Macho? Warum lechzt der Manager nach der schlampigen Putzfrau statt nach der sorgfältig geschminkten Sekretärin? Was bedeutet Begierde, wenn sie mit Ideologien über Kreuz gerät?

Beim „Dating“ ist oftmals alles erlogen, weil beide nur ihre Fassaden gegenüberstellen. Was dahinter tickt und brodelt, wird oftmals nie entdeckt, andererseits aber auch viel zu schnell an den Tag gelegt.

Ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert

Eine Schilderung aus neuester Zeit, die so ähnlich tatsächlich stattgefunden haben könnte, würde sich so lesen:

Er hatte einen ziemlich langen Satz gesagt, und sah nun bedeutsam zu mir hin. Es war ein Satz in einer ganzen Kette von Sätzen, alle wohlformuliert und sorgfältig geglättet. Bevor er den nächsten Satz hervorbrachte, sagte ich leise: „Und was willst du wirklich von mir?“

Über sein Gesicht wanderte ein langer Schatten, so, als ob er aus einem Traum aufwachen würde.
„Wieso wirklich?“, fragt er verwirrt.

„Weil niemand zusammenkommt, um nur zu reden. Hast du keine Lust auf mich? Gefalle ich dir nicht?“

Er rang sichtlich nach Worten – wirklich süß, wie er dabei errötete.

Ich legte ihm einen Finger über den Mund. „Antworte besser nicht. Du kommst heute Nacht zu mir, und ich denke, ich werde dich nicht vor morgen früh wieder laufen lassen.“

Sicher – im Beispiel liegt kein äußerer Konfliktstoff. Aber vielleicht kommt das ja noch, wenn sie ihrem Gelegenheits-Lover offenbart, was sie alles mit ihm vorhat …“

Ich wünsche euch viel Erfolg mit dieser und anderen Varianten des wirklich zeitgemäßen „Datings“.

Zitat und literarische Hinweise aus: "Erotik schreiben", zuerst erscheinen New York, 2002. Background Informationen (Dating) und Recherche: Gebhard Roese, Ex-Redakteur Liebe Pur. Textschnipsel: Isidora. Bild Aus einem US-Pulp Magazin.

Erotik: Und wenn es keine große Literatur werden soll?

Die erotische Geschichte - das erotische Spiegelbild
Wer setzt sich schon hin, spitzt die Feder und sagt: „Ich werde heute einen bedeutenden Beitrag zur Literatur schreiben?“ Kaum jemand. Doch bei der erotischen Literatur heißt es immer wieder, die Autoren müssten literarischen Ansprüchen genügen. Ob Paul Englisch (1), Elisabeth Benedict (2) oder Werner Fuld (3) – alle reden von schriftstellerisch hochwertigen Werken. Möglichst sollen sie „Sex und noch etwas anderes“ darstellen, und jährlich einmal wird der Teil der „edlen Literatur“, der sinnliche Lüste enthält, gezielt verhöhnt. (4) Leider werden darüber hinaus vor allem Frauen öffentlich diffamiert, die wagen, sich mit Sex detailliert und hautnah auseinanderzusetzen. Von ihnen und ihrer Lust am Schreiben soll hier die Rede sein.

Sex und kaum etwas anderes?

Wer sich nur für sinnliche Episoden interessiert, wer nur kurze, aber heftige Szenen seiner Fantasie schildern will oder wer sich nicht die Mühe machen will, die Sexszenen noch mit Lametta zu schmücken, wird meist abgelehnt. Der Vorwurf, dabei Pornografie zu produzieren, trifft hart, und er ist durchaus so gemeint. Die „Wohlanständigen“ erregen sich öffentlich und meinen sinngemäß: „Die Säue, die so schreiben, müssen gezüchtigt werden.“ (5)

Das Geseire über die weibliche Psyche

Einige Bücher über „das Weibliche“ und „die weibliche Psyche“ betonen immer wieder, dass Frauen erotisch anders denken, und zwar so „völlig anders“, dass es ein Mann gar nicht erfassen kann. Sogar in „Klick Mich An“ (6) werden diese Meinungen wiederholt. Frauen wird ein detektivischer erotischer Geist unterstellt, und er mündet in einen vierfachen Prozess: einer für Gefühle, einer für das Soziale, einer für das Kulturelle und einer für das Körperliche. Kurz: „Vier verschiedene Arten mentaler Software“ bewerten bei Frauen – nach Meinung der Autoren - ihr erotisches Bewusstsein. Offenbar fiel niemandem auf, dass diese Aussagen aus dem 19. Jahrhundert stammen könnten.

Emanzipiert, aber nicht frei - das Prinzip „schamvoll“

Inzwischen ist das 21. Jahrhundert angebrochen. Frauen interessieren sich deutlicher als jemals zuvor für heftige, teils ekstatische Erlebnisse in Körper, Geist und Psyche. Doch immer noch schwanken sie zwischen Schamhaftigkeit und Schamlosigkeit, wobei kaum deutlich wird, dass „beide Seelen in derselben Brust“ wohnen. Das heißt: Entweder sie bleiben (als Person oder als Autorin) schamhaft und entsprechen damit den sozialen und kulturellen Anforderungen. Oder aber sie entwickeln ihre Schamlosigkeit, sowohl privat wie auch in ihren Schriften, und gelten fortan mindestens als „Schlampe“, wenn nicht gar als „Abartig“. Die dritte Variante: Die Autorin trennt ihr „Selbst“ in einen Teil, das sich dem Alltag als respektable Person zeigt, und einen anderen Teil, der sinnliche Figuren mit lustvollen Gedanken schafft. Wer das will, braucht ein gutes Pseudonym und mehrfach abgesicherte Wege für eine geplante Veröffentlichung.

Was spricht gegen "Einseitig und schamlos"?

Ein Teil der heutigen erotischen Literatur wie auch der „kleinen“ erotischen Werke ist einseitig und schamlos. Das heißt, die Lust steht im Mittelpunkt und wird auch kaum infrage gestellt. Der Körper spricht, und die Psyche folgt seinen Befehlen. „Das Soziale“ schwindet, wenn die Heldin unter Orgasmen zuckt und stöhnt, und auf „Kultur“, sprich: „Konventionen“, kann jede westliche Autorin nötigenfalls verzichten.

Eine Erotik-Autorin, von der ich jüngst hörte (7), sagte, sie denke nur an ihren Körper, ihre Lust, ihre vergangenen Abenteuer und gegenwärtigen Fantasien, wenn sie schriebe – und an nichts anderes. (Sie gab ihr Alter mit 45 Jahren an). Dieses Sichtweise ist neu. Sie entspricht nicht dem Bild der sorgfältig kalkulierenden, schriftstellerisch versierten, aber erotisch unterbelichtete Autorin, die sich derzeit aufmacht, über Sex zu schreiben.

Die unendliche Lust der Fantasien – und die Realität

Leserinnen sehen dies ähnlich. Das Bild der einseitig lustbetonten, durchaus auf wenige erotische Spielarten fixierten Frau wird immer beliebter. Jüngst wurde eine recht junge Frau (32) zu ihren Fantasien befragt. Sie sagte, sie sähe sich in ihren Fantasien „eher in der sexkonsumierenden Rolle“ und weiter (8):

Darauf bezogen wäre es mir egal, ob mich ein Mann oder eine Frau oral beziehungsweise manuell stimuliert – solange es für mich gut ist.


Um das Thema explizit erotischer Literatur anzugehen, ist es nötig, die Schamgrenzen beim Schreiben über Bord zu werfen. Ich sage bewusst „beim Schreiben“ – nicht in der Realität. Denn wenn du schreibst, lässt du eine andere Person für dich handeln. Es ist eine Spiegel-Persönlicheit: seitenverkehrt, vergrößert oder verkleinert und manchmal gar absurd verzerrt. Du kannst sie erscheinen und verschwinden lassen, wie du willst. Und wenn du aus dem Haus gehst, bist du wieder Sekretärin, Personalchefin oder Bäckereiwarenfachverkäuferin.

(1) Geschichte der erotischen Literatur, zuerst Leipzig 1931.
(2) Erotik Schreiben, zuerst New York, 2002.
(3) Eine Geschichte des Sinnlichen Schreibens, Berlin 2014.
(4) Beim "Bad Sex Award", teils berechtigt.
(5) Siehe: Konflikt um Talkshow-Moderatorin.
(6) "Klick Mich An!, zuerst New York 2011,deutsch München, 2012.
(7) Privat und Anonym.
(8) "Sex im Kopf", Reinbek 2014.
Bild: Historische erotische Fotografie, koloriert


Welche erotischen Themen interessieren Forscher und Autoren?

Auch der stinknormale Sex interessiert
Die Stinknormalen

Die Stinknormalen haben nichts als heterosexuellen Blümchensex. Aber auch der kann ganz schön „an die Nieren gehen“ (und an sonstige Organe, versteht sich). Beim „Stinknormalen“ spielt eine große Rolle, wie intensiv „an sich „normale“ Sexpraktiken empfunden werden – es kommt also nahezu ausschließlich auf die Erzählkunst an, wie intensiv die Leser(innen) den Sex empfinden.

Die geschlechtlich anders Definierten

Die „sexuelle Orientierung“ fasziniert vor allem Psychiater und Psychologen seit dem 19. Jahrhundert – zuvor war das Thema kaum bekannt. Als literarisches Genre ist es spektakulär und es wird sehr intim und detailliert darüber geschrieben, sobald Bi-Neugierigkiet oder die Homosexualität der Frauen betroffen ist. Was meist nicht gesagt wird: Eine sexuelle Praxis auszuüben heißt nicht, die sexuelle Orientierung zu haben, der man ihr zumisst.

Die unmoralischen Moralisten

Nirgendwo versteckte sich so viel erotische Begierde wie hinter den Fassaden der Bürgerlichkeit, wenn wir den Klerus einmal ausnehmen. Auf der einen Seite wurde die Unmoral öffentlich bekämpft, auf der anderen Seite pflegte man sie. Das Thema ist sehr real – auch heute noch.

Der geheimnisvolle, geile Fremde

In der Literatur kommt er (auch sie) zunächst als böser Räuber oder (unter der Zensur) oft als Vampir hervor. Manchmal erscheinen auch Buhlteufel, die wahlweise Frauen und Männer heimsuchen, und beim Hexensabbat ist es Satan selbst, der sein „Membrum“ inzwischen die bereitwilligen Schenkel treibt. Ein Klassiker der Literatur, und auch heute wieder sehr populär - durch die Faszination der Internetbekanntschaften.

Drei Personen – mir vielen sinnlichen Varianten

Liebe zu dritt wird mal ernster, mal leichter genommen. Sex zu dritt bedingt keine Liebe, sondern nur Neugierde und Lust. Die Varianten sind viel größer als die meisten Forscher und Autoren annehmen. Zumal dann, wenn der Autor zulässt, dass die Sache nicht ausschließlich heterosexuell abläuft. Wer das Thema angeht, sollte die Varianten kennen. Zwar können auch die „berühmten“ MFF-Dreier (ein Mann, zwei Frauen) noch mit mehr Lust angereichert werden – das Thema ist aber reichlich ausgelutscht.

Orgien und Rudel-Sex - möglich, aber nicht unbedingt sinnlich

Eine Orgie ist ein ungezügeltes, von Lust und Begierde beherrschtes Ereignis, das mal nach festen Regeln, mal ohne jede Regel zelebriert wird. Man trifft darauf in Swingerklubs und anderen Gemeinschaften. Für Autorinnen und Autoren ist das Thema nur schwer zu bewältigen: zu viel Leute, zu viel Ereignisse. Mit Rudel-Sex sieht’s etwas anders aus. Man nennt sie verniedlichend auch „Herrenabende“, und es geht dabei lediglich darum, eine Dame sexuell gemeinsam (oder nacheinander) zu benutzen. Das ist beschreibbar – vor allem aus der Sicht der Frau, aber es ist sichtlich nicht „wundervoll“, so etwas zu beschreiben. Die Umkehrversion findet sich so gut wie nur im SM-Bereich, dann demütigt eine Gruppe von Frauen einen Mann sexuell. Forscher(innen) interessiert das Thema, um zu untersuchen, wie in Gruppen ethische Schranken fallen.

Voyeure und Voyeusen sowie Zurschaustellungen

Gut – Voyeure sind häufig als Voyeurinnen. Aber erstens ist nichts so beständig wie der Wandel, und zweitens sehen manche Frauen auch gerne andere Frauen, die sich entkleiden, masturbieren oder sich in einer sexuellen Beziehung vergnügen. Die Frage, ob sich Frauen gerne erotisch zur Schau stellen, muss eine Erotik-Autorin nicht beantworten – sie kann sich auf die Wirkung konzentrieren. Und natürlich gibt es Statistiken über diese erotischen Fantasien, die förmlich nach Autorinnen lechzen.

Fetische und Pseudo-Fetische

Echte Fetische werden in der Literatur selten behandelt – die Psychiater schreiben mehr über die armen Würstchen, die Höschen beschnüfflen und Büstenhalter sammeln. Pseudo-Fetische hingegen sind in der Literatur so beleibt, dass mittlerweile alles als „Fetisch“ bezeichnet wird, was irgendwie vom „Stinknormalen“ abweicht. Manchmal handelt e sich um Praktiken (Fesslungen, Rollenspiele), dann wieder um „Körperteilfetische“, die von Brust- oder Fußfetischisten zelebriert werden. Nimmt man den spektakulären Teil „Fetisch“ weg und ersetzt ihn durch „Liebhaber“, dann erkennt man schnell, dass alles „irgendwie gewöhnlich“ ist.

Rollenspiele, SM und alles drum herum

Das Lieblingsthema von Psychiatern und Psychologen, viktorianischer Autorinnen und Autoren und nicht zuletzt der Frauen und Männer, die einem Zeitgeist folgen. Ich habe die Themen „Machtspiele, SM-Aktivitäten und Demütigungen“ einfach mal zusammengefasst – sie müssen auch wirklich nicht getrennt werden. Die Frage ist eher, wie die Figuren in der Literatur sich dabei fühlen, in der einen oder anderen Rolle zu stecken. Darin findest du weiterhin viel unentdecktes Potenzial.

Sozialgefälle und Altersgefälle aus erotischer Sicht

Unterschiedliche soziale Herkünfte, ein erhebliches Altersgefälle und andere „verpönte“ Beziehungen sind stets gut für erotische Spannungen und Konflikte. Das Genre der erotischen „Aschenbrödel-Literatur“ lebt dafür (und davon), und man hat sogar ein Plot danach benannt. Zudem kommen MILFs und COUGARs zu ehren, und natürlich auch die fast vergessenen „Sugar-Daddys“ und „Sugar Babys“.

Alle anderen sinnlichen Themen

Es gibt Zeiterscheinungen, die auch in der Erotik eine Rolle spielen – sowohl im Forschungsbereich wie auch in der Literatur. Gegenwärtig wird seitens der Forschung versucht, Unterschiede der Geschlechter hervorzuheben und zu bewerten. Auf der anderen Seite finden wir immer mehr Forschungsberichte, reale Berichte und erotische Geschichten über Frauen, die gar nicht daran denken, ihre Lust auf ein Geschlecht festzulegen. Devote Männer sind ebenso zum Thema geworden wie außerordentlich selbstbewusste, teils herrisch anmutende Frauen. Und mit diesem Wandel wird es auch sowohl mehr als auch differenziertere erotische Themen geben, die heute noch ein Nischendasein fristen.

Bild: © 2019 by Liebesverlag.de

Was ist denn „neu“ am neuen Sinnlich Schreiben?

Was ist denn „neu“ am neuen Sinnlich Schreiben?

Zum Werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes Wort – und das bekommt ihr heute nicht von Schiller, sondern von Sehpferd.

Zunächst das ernste Wort: Dies Blog wird an Seriosität und an wissenschaftlichen Grundlagen noch erheblich zulegen. Dazu werden einzelne Beiträge überarbeitet, andere früher oder später auch gelöscht.

Dazu darf ich gleich zugeben: Am Anfang wurde hier ein bisschen „geschlampt“, um so schnell wie möglich auf mindestens 50 Schreibvorschläge zu kommen.

Nun die gute Rede: Ich werde die Hintergrundinformationen „wasserdicht“ machen, sodass mein Blog tatsächlich als Referenz für Autorinnen und Autoren herhalten kann. Euch dürfte klar sein, dass dies nicht „von heute auf morgen“ geht. Aber es wird geschehen. Übrigens ist diese harte Arbeit – jeder, der einmal professionell recherchiert hat, wird es nachfühlen können.

Es gibt Themen, Themenbereiche und Schreibmethoden, bei denen ich noch etwas „nachlegen“ muss. Wer mich damit unterstützen will, der ist eingeladen, damit sofort zu beginnen.

Wie fließt die Arbeit nun fort?

Ich denke, recht munter … zwar ignorieren mich die meisten Verleger(innen), Autoren/Autorinnen und die verehrten Blogger(innen) nach wie vor, aber ich bin gewohnt, autonom zu denken und zu handeln. Themen gibt es nach wie vor in Hülle und Fülle, sodass mir nicht langweilig werden wird. Interessante, innovative erotische Werke vielversprechender Schreiber(innen)? Es ist lange her, seit ich etwas wirklich Bemerkenswertes gelesen habe. Aber vielleicht habe ich ja nicht richtig hingesehen … und auch das könnt ihr alle ändern, wenn ihr mögt.

Und will ich hier gerade so viel „herumgeschillert“ habe, will ich „Die Glocke“ auch noch etwas weiter zitieren:

Den schlechten Mann muss man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Dass er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.


Wenn jeder, der heute einen erotischen Text von seiner Hand schüfe, wirklich bedenken würde, was er dabei vermittelte, was wäre dann? Und wie wäre es, wenn jeder aus dem Innersten heraus Gefühle nach außen bringen würde, die wahrhaft sinnlich wären?

Ach, wäre das wundervoll.

Liebe, Beziehung – oder reichen auch Lust und Neugierde?

Die Beziehung entsteht im Kopf - auch zu einer Statue
In der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte“, habe ich kürzlich geschrieben. Doch ich weiß natürlich (und ich denke, ihr auch) dass eine Unzahl von Kurzgeschichten und Episodenromanen gibt, in denen es um ein meist hocherotisches Solo-Thema geht.

Bei dieser Frage hilft uns eine bekannte Autorin (eigentlich die einzige, die sich wirklich ums Thema bemüht), nämlich Elisabeth Benedict (1). Sie stellt vier Eckpunkte auf, die in einem erotischen Roman unbedingt berücksichtigt werden sollen, und die ich hier stark gekürzt wiedergebe:

1. Guter Sex ist nicht nötig, aber gutes Schreiben ist unerlässlich.
2. Eine gute Sex-Szene sollte immer … im Handlungsablauf von Bedeutung sein.
3. Bedürfnisse und Impulse sind der Treibstoff für Sex-Szenen.
4. Die Beziehungen der Figuren zueinander sind ausschlaggebend.


Das heißt nun: Wenn wir die Liebe als Motor für die erotischen Gelüste ausschließen, bleiben immer noch zwei Motivationen: Bedürfnisse und Impulse. Frau Benedict nennt auch noch Vergangenheiten, doch ich würde eher dazu neigen, Neugierde als wesentliches Motiv einzubringen.

Die Frage nach der Beziehung zueinander

Was nun die Beziehungen der Personen zueinander angeht, so hilft uns die moderne Psychologie tatsächlich weiter. Auch wenn wir keine offenkundige Beziehung zu einer anwesenden Person haben, so ist es doch unmöglich, gar keine Beziehung zu ihr zu haben – schon gar nicht in einer Sexszene. Wer diesen Satz für schwer verdaulich hält, sollte sich vergegenwärtigen, dass der Glaube daran, eine sinnliche Beziehung zu jemandem zu haben, völlig ausreicht, um anzunehmen, ihn/sie zu lieben.

Wer die Beziehungen gar nicht berücksichtigen mag, wird fast unweigerlich zum Pornografen. Wer es tut, kann zudem nur noch beschreiben, was die Person „A“ mit der Person „B“ treibt und wie „B“ darauf reagiert. Das ist übrigens eine weitere Folge „traditionellen“, also erzählerischen Schreibens: da passiert etwas, dann passiert wieder etwas und danach passiert noch etwas.

Auf diese Weise wirst du niemals die Motive, Gedanken, Gefühle oder die verborgener Beziehung berühren. Denke dabei ruhig einmal an Pygmalion oder die Liebe japansicher Männer zu ihren teuren und exklusiven Sex-Puppen.

Zufrieden mit der Antwort? Wenn nicht, dann hinterlasse hier einfach einen Kommentar.

(1) Erotik Schreiben, New York 2002