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Manifest

Zier dich nicht ... komm ...

Komm ... und kommuniziere!
Komm! Der Name ist Zufall und und basiert auf einem „schicken Schlager“ (1). Wer sich in den Salon locken lassen will - oh, bitte. Der Vorhang aus rotem Samt wurde gerade geöffnet.

KOMM! ist ein Lockruf für alle, die an erotischer und nicht-erotischer Kommunikation interessiert sind. Ob seriös oder frivol - der Kommunikation ist es egal. Sie ist ein stark vernachlässigtes Forschungsgebiet und ihre Inhalte sind weitgehend unbekannt. Und ich sag mal so ... wenn du schreibst, dann hat das ja auch etwas mit Kommunikation zu tun, oder etwa nicht?

Na, kommst du mit? Kann ich dich verführen, einen Salon für Kommunikation zu betreten?

Ich war übrigens lange Jahre Dozent für Kommunikation - es ist zwar einige Jahre her - aber die Grundlagen ändern sich nicht.

(1) von Georg Kreisler, gesungen von Topsy Küppers.

Hallo, kannst du eigentlich kommunizieren?

Redest du mit ihnen? Redest du mit deinen Figuren? Nein? Warum nicht?
Redest du mit Teddybären? Ach, du redest nicht mit Spielzeugen? Dann erzähl mir doch mal, wie du mit deinen Figuren kommunizierst. Falls du nicht mit festgefahrenem Ego und in der ersten Person schreibst, wirst du mit deinen Figuren kommunizieren müssen. Und falls du es doch tust, kommunizierst du möglicherweise mit dir selbst.

Hast du dir das jemals überlegt? Jeder, der sich über „das Schreiben“ auslässt, hat schon etwas über Dialoge gesagt, aber kaum jemand sagte etwas über Kommunikation. Wahrscheinlich, weil kaum jemand etwas davon versteht.

Schade.

Fragen an Dich - versuche Antworten

Kommt bei dir eine Person vor, die masturbiert? Wenn ja, kommuniziert sie mit ihrem Körper. Hast du jemals darüber nachgedacht?

Gibt es bei dir Personen, die scheu oder einsam sind? Sie kommunizieren mit ihren Wünschen, aber auch mit Personen, indem sie nichts sagen. Du meist, das gibt es nicht? Ich sage dir verbindlich zu: Das ist Stand der Wissenschaft.

Sind deine Personen in Zwiespälten zwischen Wünschen, Verhalten und dem, was sie letztlich sagen? Wenn du das verneinst: Wie hältst du es selber damit?

Glauben deine Figuren, sie würden wissen, was andere denken? Zum Beispiel, dass sie geliebt werden? Kennst du den Satz „Ich denke, dass du denkst, dass ich denke?“ Wenn nicht: Könntest du dir vorstellen, damit eine deiner Figuren zu beschreiben? Wie würde sich diese Ansicht auf das Verhältnis der Liebenden auswirken?

Hast du schon mal gehört, dass jemand etwas sagt, was ganz anders gemeint war? Könntest du die Dialoge, die du schreibst, einmal daraufhin untersuchen?

Ich könnte viele dieser Fragen stellen. Aber ich würde sie nicht irgendeiner beliebigen Person stellen können, um eine Antwort zu bekommen. Oder um eine Einsicht auszulösen.

Aber du – du bist doch Schriftsteller(in), oder etwa nicht? Und ich denke wirklich, du solltest Antworten darauf finden.

Wie wäre es, wenn du es JETZT und HIER versuchen würdest? Und wenn nicht: KOMM. in meinen SALON.

Die Frau, die sich nicht traut - ihn zu fragen

Sie errötet bei der Ausführung - und beim Gedanken errötet jede Frau, oder?
Ob du schreibst oder nicht schreibst: Hast du schon mal stundenlang überlegt, ob du deinen Partner nach etwas sexuell Ungewöhnlichem fragen solltest? Warst du schon mal so verlegen, dass du es einfach nicht gewagt hast?

War es eine sexuelle Praxis, die du schon lange an dir oder an ihm ausprobieren wolltest? War es ein Toy, das du dir ja leicht selber bestellen konntest – aber dann musstest du es ihm ja beichten, bevor du es an ihm einsetzt? Oder er an dir?

Verlegenheit, Angst vor der Reaktion? Und diese Fragen:

Wie könnte ich danach fragen? Was würde er von mir denken?


Die Botschaft für Autorinnen

Nun, was ist meine Botschaft? Ganz einfach. Wenn du oder deine Figur so etwas planen würde (egal, um was es sich handelt), dann würdet ihr (also du oder deine Figur) eine Weile nachdenken müssen. Wie sag ich es ihm? Wann sag ich es ihm? Ist es überhaupt so wichtig, dass wir darüber reden müssen? Kann ich nicht auch „ohne“ leben? Und was, wenn er ablehnt, eventuell sogar brüsk, oder wenn er mich gar verdammt, solche Dinge zu fordern?

Du kannst sicher sein, dass sich viele Frauen schon ähnliche Fragen gestellt haben: Von „darf ich das überhaupt wagen“ bis „wie bringe ich ihn dazu, es mit mir zu probieren?“

Bringe deine Figur nun ins Spiel … lass sie schwitzen, zweifeln und erröten. Spürst du, wie ihre Hände feucht werden, ihr das Blut in die Wangen steigt, sie schnell noch mal aufs Klo geht, weil sie so aufgeregt ist? Ja, sie wird ihn fragen … gleich, wenn er heimkommt.

Bild: Ca. 1936, Illustration, Ausschnitt