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Der Teppichklopfer

Der Flohmarktkauf kam in die Besenkammer, doch das Zischen ist allgegenwärtig
Ich gehe für mein Leben gerne auf Flohmärkte. Manche Händler haben gewisse Kuriositäten, die aus aufgelösten Sammlungen stammten. Man findet hier alles, was es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte: Damenpeitschen, Radfahrerpeitschen und andere Instrumente, deren Wirkung den Menschen heute nicht mehr geläufig ist.

Sehr gerne nehme ich dies und jenes in die Hand und stelle mir vor, wie es wohl wirken würde. Die meisten Händler glauben, es handele sich „nur“ um Sammlungen, aber viele der Instrumente zeigen „Gebrauchspuren“, die nur der Kenner sieht. Allein deshalb denken sie sich meist gar nichts, wenn ich mir die Instrumente ansehe. Höchstens ein „Sammeln Sie auch?“, höre ich dann und wann.

Dort drüben sehe ich einige Teppichklopfer. Wurden sie wirklich benutzt, um Teppiche auszuklopfen? Oder landeten sie in einem geheimen, schallschluckenden Raum, in denen ein wundersames Paar seine frivolen Lüste auslebte?

Den Teppichklopfer aufnehmen, ihn in der Hand zu wiegen, die Luft damit zu schlagen … die Händlerin blickte auf. „Sie scheinen sich auszukennen, junge Frau. Dieses Exemplar ist besonders flexibel – da können Sie sich vorstellen, wie es wirkt, wenn es sein Ziel trifft, nicht wahr?“

Ein leichter Schimmer von Röte überzog mein Gesicht, kaum merklich. Die Händlerin sagte nun vielleiser: „Sie sehen so aus, als ob sie um die Wirkung wüssten … sie haben keine Teppiche, nicht wahr?“

„Nein, ich habe keine … Teppiche … es ist nur…“
„Sie haben eine Vision, was Sie damit tun werden?“

In dem Moment, indem die Händlerin dies sagte, hatte ich eine Vision. Ich würde über der Sofalehne liegen, in einem weißen Nachthemd … und ich würde auf das Zischen warten …

„Ich denke, Sie wissen, dass diese alten Stücke eine hervorragende Reinigungskraft haben, nicht wahr? Hernach werden Sie sich besser fühlen – viel, viel besser.“

Nun war es an der Zeit, mich zu verabschieden. Ich wollte auf keinen Fall zeigen, wie mich das Gespräch erregte … ein Teppichklopfer auf einem weißen Nachthemd … allein die Vorstellung trieb mir noch mehr Blut in die Wangen.

„Nehmen Sie ihn mit, Madame, nehmen Sie ihn mit … etwas Besseres können Sie nicht für sich tun…“

Ich zahlte den Preis, den sie verlangte – nicht einmal viel.

Als ich in der Straßenbahn saß und den Teppichklopfer dabei nur mühsam verbergen konnte, glaubte ich, dass alle Passagiere genau wussten, wie der Teppichklopfer verwendet werden sollte. Jedenfalls war ich froh, als ich aussteigen konnte.

Der Teppichklopfer, so viel kann ich sagen, lag viele Monate in der Besenkammer. Doch immer wieder holte ich ihn hervor, zog mein langes weißes Nachthemd an und legte mich über die Sofalehne. Weißt du, wie das ist? Wenn du das zischende Geräusch nicht mehr aus den Ohren bekommst und du dir wünscht, dass es nicht beim Schlagen der Luft bleiben würde?

Wenn du es weißt, dann schreibe deine eigene Geschichte. Diese ist eine Nacherzählung aus dem großen Topf wahrer und erfundener Geschichten aus unserem Archiv. Isidora hat sie sich von einer Händlerin erzählen lassen und in die Ich-Form übersetzt.

Zu Geschichte haben wir einen Faktencheck vorbereitet. Frage dich, andere und das Web, und schau, welche Fakten du findest.

Zusammenarbeit ist möglich - und hier schreibe ich, wie ...

Mit mir kann man reden - und Worte wechseln
Liebe Verleger, Autoren und Werbe-Agenten,

als Herausgeber sehne ich mich nach jedem Buch, jedem Manuskript und sogar nach jedem Artikel, der in dieses Magazin irgendwie hineinpasst.

Ich vermute, dass manchem nicht gefällt, was hier geschrieben steht. Möglicherweise, weil es nicht zu euch passt, aber vielleicht auch, weil hier „Tacheles“ geredet wird.

Gemeinsame Ziele?

Doch manches von dem, was ihr da draußen erreichen wollt, gehört auch zu meinen Zielen. Zum Beispiel, das Beste zu wollen und möglichst auch durchzusetzen.

Wir könnten diese Ziele gemeinsam angehen. Es wäre schön, wenn ihr den Kontakt suchen würdet. Was Werbung betrifft - hier können wir nur für das werben, was im engeren Sinne „sinnlich“ oder „erotisch“ ist - und ich bin da ganz ehrlich: Worte zählen dabei am meisten.

Was die Werbebranche betrifft: Nein, ich will eure angeblich „hochklassigen“ Artikel nicht, die unter dem Deckmantel der journalistischen Objektivität in Wahrheit Werbung verbreiten.

So ist es - und nicht anders. Ich nehme kein Geld, und ich gebe kein Geld. Ich nehme aber Worte und gebe Worte. Wem das ausreicht, der kann gerne eine Bitte äußern.


Sehpferd

Pandemie-Lüste

Ob sanfte Lüste oder Schmerz - wie wäre es deine Gefühlswelt auszuweiten?
Pandemie-Lüste wendet sich an alle, die sagen: "Ich habe keinen Bock mehr auf Schreiben." Ja, was denn? Warum nicht? Und falls es doch so ist, warum kümmerst du dich nicht um deinen Körper? Denn in der Pandemie kannst du Erfahrungen sammeln, wie ein Eichhörnchen im Herbst - auf Vorrat.

Lerne deine Haut kennen

Die Haut kennenzulernen ist eine einfache, sinnliche und überaus abenteuerliche Art, während der Pandemie die eigenen Gefühle zu erforschen. Es muss nicht immer gleich die „heftige Art“ sein, wie sie beispielsweise mit Nervenrädern oder Brustklemmen erreicht werden kann. Wenn ihr euch nur daran erinnert, wie kaltes Wasser auf der Haut wirkt oder auch sehr warmes, dann bekommt ihre eine Idee, was eine zurückhaltende Autorin tun kann.

Wasserspiele - wirklich mit Wasser

Wissen, wie es sich anfühlt ...
Denk mal daran, was Wasser alles auslösen kann. Du musst nicht nackt durch den Regen gehen, um die vorstellen zu können, wie es sich anfühlt. Aber hast du dich schon einmal vollständig bekleidet geduscht? Da ist doch noch das Kleid, das du seit 2002 nicht mehr getragen hast, nicht wahr? Ruiniere es einfach. Die Erfahrung ist unbezahlbar.

Wenn die Haut sich rötet

Von den ganz gewöhnlichen Dingen gar nicht zu reden ... epilieren zum Beispiel. Je nachdem wie du es machst, ersetzt es jede Erfahrung mit einer SM-Begegnung. Auch die gründliche Entfernung von Hautschuppen soll ein Erlebnis sein. Warst du schon einmal bei einer Fußpflegerin? Geh einmal hin und achte genau auf deine Gefühle, wenn deine Hornhaut abgeschmirgelt wird.

Sanfte Seide, kalte Leder und kratzige Wolle

Viele Menschen mögen (oder hassen) bestimmte Materialien auf der Haut: Seide, Wolle, Baumwolle, Leder, Pelz, PVC, Gummi ... das alles gehört zu den harmlosen Erfahrungen, die du jederzeit selbst machen kannst.

Self Spanking? Es ist möglich, aber anders

Ob es möglich ist, sich selbst lustvolle Schmerzen zuzufügen? Du wirst kaum die gleiche Lust verspüren, als wenn es deine Partnerin oder dein Partner macht - aber auf der Haut bleibt ein Gefühl zurück, dass du beschreiben kannst.

Andere Klamotten auf der Haut

Falls du die Gelegenheit hast, „altmodische“ Kleidung wie zum Beispiel Korsetts, altmodische Strapse oder Unterröcke zu tragen - tu es einfach. Das Entscheidende ist die Frage, wie es sich anfühlt. Den Damen muss ich nicht erst sagen, dass ein Herrenhemd mit Krawatte sehr stimulierend wirken kann. Und falls es wirklich Männer geben sollte, die gute Erotik schreiben, hier ein Tipp. Verwandelt euch mal in Damen, wenn ihr die Gelegenheit habt, und spürt, wie sich eure Unterleiber anfühlen, wenn ihr Röcke, Strapse oder High Heels tragt.

Und nun du ...

Meine Ideen sind noch lange nicht ausgeschöpft, und deine Ideen können noch viel wilder sein. Das Einzige, was du wirklich beachten solltest: Nicht mit dir unbekannten stechenden oder stark reizenden Stoffen oder Gegenständen zu spielen und dich nicht selbst fesseln. Sicherheit geht vor.

Bilder: (oben) Comic nach einem Originalbild. Unten: Unbekannt .

Was will deine Figur eigentlich?

Und wie entscheidet sich deine Figur jetzt?
Immer, wenn ich diesen Satz hier erwähne, spüre ich schon die Prügel, die ich von Schreibschulen und schreibenden Bloggern bekomme. Danach zu fragen, was eine Figur will, ist ungefähr das Letzte, was euch jemand raten würde.

Und nun kommt Sehpferd und will euch erzählen, dass ihr eurer Figur die Fesseln entreißen sollt, die sie an euch bindet? Euer Verstand sagt euch: „Diese Figuren sind meine Geschöpfe, Marionetten in meinen Händen – und sie sollen so handeln, wie ich es will.“

Dreht euch mal um – ich bin zwar Sehpferd, aber ich bin nicht allein.

Denn „Finde heraus, was deine Figur will“ ist ein Kernsatz erotischer Literatur. Er beruht darauf, dass die sexuelle Begierde nicht voraussehbar ist, sondern während der Handlung eigene Wege sucht. Das kommt der Realität verdächtig nahe, nicht wahr?

Eine Kollegin schrieb (stark gekürzt) :

Das Schöne beim Schreiben ist, dass sich die Dinge verändern werden … folge dem Weg, den deine Figur einschlägt, und höre darauf, was sie dir sagen will.

Es mag ein bisschen verrückt klingen, aber es funktioniert wirklich. (Du magst etwas für diesen Abschnitt geplant haben), aber deine Figur verschränkt die Arme, schüttelt den Kopf und sagt: "Nein, das mache ich nicht. Ich möchte stattdessen etwas andere machen.“

Kämpfe nicht dagegen an – mach mit. Hör hin, was deine Figur will.


Die Psychologie dahinter - nicht vorausgehen, sondern folgen

Psychologisch ist dies durchaus logisch. Wenn du schreibst, möchtest du, dass deine Figur die Grenzen überschreitet, die du dir in deinem Leben setzt. Und doch soll die Handlung noch lebensnah und glaubwürdig sein. Also ist es nötig, deine Figuren von der Leine zu lassen. Und das heißt: gehe nicht voraus, sondern folge ihnen.

Warum ist erotische Literatur so wichtig für Frauen?

Sinnliche Gedanken beim Lesen
Die meisten bekannten Studien über „das Erotische“ zeigen auf, dass Frauen mehr von Büchern erregt werden, während Männer eher auf visuelle Pornografie abfahren.

Nun sagen neue Studien aus, dass Worte offenbar nachhaltiger in uns Menschen wirken als Bilder. Aber das ist noch nicht alles. Bücher können uns verändern, indem wir in die Figuren „hineinkriechen“, die uns Autoren und Autorinnen anbieten.

Reicht die eigene Vorstellungskraft nicht aus, so hängen sich deine Leserinnen an die Aussagen des Autors. Und weil der Autor im Buch ja im Hintergrund bleibt, versuchen sie, sich mit deiner Figur zu identifizieren.

Im Grunde ist es ein Lernprozess, den du wahrscheinlich schon einmal als Leserin durchlebt hast: Wann würdest du genauso handeln wie die Romanfigur? Was würdest du auf keinen Fall tun? Wo würdest du etwas verändern, wenn du in der Situation wärest? Und falls all das nicht reicht, kannst du einfach der Realität entfliehen und in die Welt deiner Figur eintauchen. Dazu dies Zitat (1):

Du kannst den Sorgen und dem Stress der Alltagswelt entfliehen und eine Weile damit verbringen, den Bereich der Vorstellungskraft des Autors zu erkunden.

Keine Frage, das tun wir alle, nicht wahr?

Was geht in uns vor, wenn wir Erotik lesen?

Doch was passiert bei der erotischen Literatur?

Gute erotische Literatur erfüllt mindestens zwei Bedürfnisse.

Erstens: Die Gefühle indirekt anzusprechend, damit sinnliche Gedanken entstehen, denen deine Leserin nachspüren kann.

Zweitens: Rein sexuelle Lüste zu erzeugen, die sozusagen „von den Augen durch das Hirn in den Schritt“ wandern.

Ist nur das Erste der Fall, handelt es sich um Liebesromantik, wird nur das Zweite angesprochen, so ist es vermutlich Pornografie.

Ein Kernsatz für Autorinnen

Was Autoren wissen müssen (sinngemäß nach einem Internet-Artikel, 2).

Wenn du Erotik schreibst, entstehen die Emotionen erst im Kopf deiner Leserinnen und Leser. Auf die gleiche Wiese werden sie auch geil (oder eben nicht).

Erotik lesen heißt etwas, über die eigene Sexualität zu lernen

Jede Leserin erotischer Bücher weiß, welch wundervolle Gefühle sie auslösen können. Wenn es dir gelingt, deine Figur entsprechend anzulegen, ist Erotik ein außergewöhnlich wirksames Aphrodisiakum.

Darüber hinaus kommt deine Leserin mit ihrer Sexualität in Kontakt. Dabei fallen Schranken, die sie „innerlich“ aufgebaut hat. Ihr könnten also die Augen aufgehen. Zugleich lernt deine Leserin, ihre offensichtlichen und geheimen Lüste besser zu verstehen.

Das alles kann deine Leserin zu der sexuellen Person werden lassen, die sie sich wirklich gewünscht hat. Und du hast es erreicht. Allein dies wäre ein Grund, heute mit dem Schreiben zu beginnen.

(1) Zitat: Dr. David Lewis, Neurologe.
(2) Zitiert nach einem Essay von "Emma London" (vermutlich ein Pseudonym)

Zu den wissenschaftlichen Hintergründen: Emory University