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Erotisch schreiben – ist Unwissen wirklich sexy?

„Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts.“ So viel kann man über moderne erotische Groschenroman-Schreiber im Buchformat sagen. Und doch will ich versuchen, dies loszuwerden: Schreibt über Dinge, bei denen ihr euch auskennt - oder ihr fliegt auf als Unwissende.

Nein, den Großen der Erotik-Szene macht es nichts, wenn sie Stuss schreiben, genauso wenig wie den „gestandenen“ Literaten, wenn sie sich über die Liebe, die Lust oder den Sex auslassen. Jedes Jahr wird wieder klar: Selbst, wer das Schreiben „von der Pike auf“ gelernt hat, versagt bei der Schilderung der Sexualität oft kläglich (1). Und ich verrate euch: Nicht einmal Wissenschaftler schrecken davor zurück, Nichtwissen, Vermutungen und plakative Behauptungen abzumixen und zu veröffentlichen.

Verdammt - schreibt kein dummes Zeug!

Und dann sage ich armes Würstchen euch, ihr sollt mal gefälligst gucken, ob es im Vereinigten Königreich wirklich 1-Pfund-Noten gibt? Oder euch klar zu machen, in welcher Position ein Mann liegen sollte, um „Pegging“ zu praktizieren? Oder wie sich eine Rosette überhaupt für Sex öffnet?

Das ist erst der Anfang. Je weiter du dich in Welten begibst, in die du nie einen Fuß hineingesetzt hast, umso besser solltest du dich informieren. Sicher, du wirst wissen, dass es im 19. Jahrhundert noch keine Mobiltelefone gab. Aber gab es Telefone? Man könnte auch fragen: Wurde in preußischen Internaten für höhere Töchter die Prügelstrafe aufs nackte Gesäß appliziert?

Fragen über Fragen. Wie verheiratete eigentlich ein Bürger seine Tochter? Oder suchte sie sich den Bräutigam selbst? Wie freizügig war das Mittelalter? Oder noch früher: Hatten germanische Frauen Geschlechtsverkehr mit römischen Soldaten? Und, verflixt noch mal, wie trieben es eigentlich die Steinzeitmenschen?

Die letzte Frage haben irrsinnigerweise sogar Wissenschaftler beantworten wollen – und haben dabei alles verkannt, was über die Zeit bekannt ist – zum Beispiel auch, in welcher Steinzeit? Die teilt sich nämlich sehr deutlich durch die Neolithische Revolution.

Plausibel schreiben schadet nicht

Wir sehen daran, dass keine Bevölkerungsgruppe vor Oberflächlichkeit sicher ist. Und wer schreibt, sollte wenigstens ein plausibles Bild von dem haben, über was er schreibt.

Dummheit ist nicht wirklich sexy – und Nicht-Wissen ist zumindest peinlich, wenn du Szenen schilderst, die eigentlich „wahnsinnig aufreizend“ sein sollen, die aber anatomisch oder historisch fragwürdig sind.

Und in diesem Sinne: Schreibt über das, was ihr kennt, ergänzt und erweitert es um das, was lustvoll für eure Leser ist, und prüft (wenigstens gelegentlich) ob das, was ihr schreibt, plausibel ist.

(1) ... und wird als Schlechtschreiber "honoriert".

Drei Arten von Erotik-Schreiber(innen)

Es gibt sicher mehr als diese drei Arten von Erotik-Autoren (und Autorinnen) aber ich will sie einfach mal katalogisieren:

1. Die echten Literaten, die unter Pseudonym schreiben
Sie können wirklich Literatur schreiben, und das zeigen sie uns auch. Ihre Geschichten sind interessant, ihre Details lebensnah, und die ausgesprochen anregenden Details sind mindestens in Fragmente einer Geschichten eingebettet. Es gibt zahllose Beispiele dafür – die „Geschichte der O“ ist dabei ausgesprochen spektakulär, weil die Autorenschaft über Jahrzehnte unbekannt blieb. Üblicherweise erkennt man eine literarisch vorgebildete Autorin daran, ungewöhnliche Dialoge zu schreiben und die Leserin „ins Geschehen hineinzuziehen“.

2. Die kundigen Vielschreiber, die „geile“ Texte verfassen
Diese Leute können schreiben, weil sie Journalisten sind oder waren und sie schreiben mindestens nur das, was sie aufgrund ihrer Erfahrung selber für denkbar halten – mit einem geilen Sahnehäubchen oben drauf. Meist gelingt es Ihnen deshalb, die Realität durch die Schilderung überschwängliche Lust zu übertreffen – das macht ihre Texte so „lüstern“. Manche schreiben „am Fließband“, und das merkt man ihren Texten auch an.

3. Die „Dahinschreiber“ mit engem Horizont
Sie schreiben, weil sie eine sexuelle Praxis besonders lieben oder ständig dieselbe Fantasie in neuem Kleid vermarkten. Dabei nutzen sie eine Fähigkeiten, die sie seit der neunten Schulklasse besitzen: Die Technik des Aufsatzschreiben. Das Paar ist da und da, sie tun dann dies und das, und am Ende wird mit einem der üblichen Larifari-Sätze abgeschlossen. Allerdings muss „dies und das“ unbedingt vor Aktivitäten überlaufen, genau so, wie es einen beständigen Fluss von Vaginalsekreten und Sperma geben muss.

Selbstverständlich gibt es Zwischenstufen – und wenn man differenzieren will, auch noch mehr Kategorien.

Sage uns bitte , was du darüber denkst.

Ein Date - dein erster Versuch mit der Erotik

Nichts eignet sich besser für eine Anfängerin, als über ein Date zu schreiben. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass du eine erotische Begegnung nicht in einem komplizierten Kontext stellen musst. Deine Figur entschließt sich, ein Date einzugehen, und du kannst alles hineinpacken, was du darüber weißt – und deine geheimen Wünsche kannst du ebenfalls verwerten. Klar ist: Diene Figur muss über das hinausgehen, was du dir selbst zutrauen würdest.

Nachdem dies gesagt ist: Ein Date hat mindestens drei Teile, nämlich einen über die Vorbereitung, einen über die Durchführung und einen über die Konsequenz. Bei „echten“ erotischen Dates ist allgemein üblich, den Mittelteil aufzuteilen, und wieder haben wir einen dreiteiligen Aufbau als „Geschichte in der Geschichte“, die wir als „Kern“ bezeichnen können. Der erste Teil, der dieses Kerns besteht in der vorsichtigen Annäherung (Imagination). Der zweite Teil in der Absicht, miteinander intim zu werden (oder dies möglich nicht zu tun) und der dritte Teil in der lustvollen Aktion oder im Bedauern, dass es nicht dazu kam. Nochmals und ausschließlich positiv:

Rahmen:
1. Teil: Vorfreude und Vorbereitung
Vorbereitung, Friseur, Kosmetik, Kleidung, Schmuck, Dessous. Gedanken und Dialoge mit sich selbst.
2. Teil: Durchführung.
Wann, wie und wo das Date stattfindet, Begrüßung Ambiente, Stimmung, Speisen und Getränke und schließlich der Entschluss, was weiter geschehn soll. Nun den „Kern“ einbinden.
3. Teil: Konsequenz
Was folgt aus dem Date und der erotischen Begegnung?

Kern:

1. Teil: Imagination
Ich stelle mir vor, dass … und beobachte meinen Partner dabei. Die Dialoge zunächst „flach halten“, dann in den Flirt-Modus“ wechseln. Nicht vergessen, viel in Dialogform zu schreiben.
2. Teil: Intimität vorbereiten
Ob geplant oder nicht – der Partner erwartet Hinweise auf die Absicht, mit ihm das Bett zu teilen, auch dann, wenn er selbst noch nicht einmal sicher ist, ob er das wirklich will. Das geschieht durch intensiveres Flirten, Gesten und Berührungen. Dialoge sind unbedingt nötig. Übergang von der „Möglichkeitsform“ in die Absicht des Handelns.
3. Teil: Sinnlichkeit, Lust, Sex
Meist ist mit dem dritten Teil ein Ortswechsel verbunden („Zu mir oder zu dir?“) – und dort sind dir dann keine Grenzen mehr gesetzt, was deine Figuren miteinander treiben. Du kannst auch letzte „Bedenken“ in deine Geschichte einbauen oder sogar einen „Rückzieher“.

Nun musst du nur noch alles zusammenfügen – und du hast fünf bis sechs Kapitel, in denen du dich so „austoben“ kannst, dass mindestens ein E-Book daraus wird. Ein kleiner Tipp: Wenn es dir nicht liegt, „erotisch explizit“ zu schreiben oder du die Zensur fürchtest, kannst du den Rahmen (erster Teil) mit zahllosen erotischen Details füllen, die deine Figur gedanklich durchlebt. Der Mittelteil kann zahlreiche Dialoge enthalten, die sinnlich anregen, ohne irgendwelche Anspielungen auf genitalen Sexualverkehr zu enthalten.

Good Luck – und lass von dir hören, wenn du es wagst.

Die erste Liebeserfahrung – ein merkwürdiger Beginn

"Die erste Liebeserfahrung – ein merkwürdiger Beginn" ist eine Erzählung, die nach Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert zusammengestellt wurde.

Eigentlich wollte ich meine ersten echten Liebeserfahrungen mit Marietta teilen, der älteren Tochter einer vornehmen, aber etwas leichtfertigen Dame, die oft „auf Reisen“ war – doch jeder wusste, dass sie diese Reisen nutzte, um ihre Amouren ausgiebig zu zelebrieren. Ihre Töchter hatten die Neugierde und Leichtlebigkeit der Mutter ohne jeden Zweifel geerbt, doch nur Marietta, die gut zwei Jahre älter war, folgte den sinnlichen Spuren ihrer Mutter. Offenbar hatte sich mich dazu ausersehen, ihre Erfahrungen in der Liebe zu bereichern, was mir natürlich schmeichelte. Doch musste ich einige Wochen warten, bis ihre Mutter wieder auf Reisen ging, denn so ungezügelt sie ihre eigenen Amouren zelebrierte, so duldete sie doch niemals, dass sich ihre Töchter in ihrer Anwesenheit in ähnlicher Weise vergnügen würden.

Marietta hatte indessen ihre Pläne verändert. Sie war kürzlich einem Bonvivant begegnet, der nicht nur charmant war, sondern auch die Mittel besaß, sie auf eine Weltreise mitzunehmen – ein Vorschlag, dem sie nicht widerstehen konnte. Sie offenbarte mir dies erst, als ich bei ihr eintraf. Kurz gesagt offenbarte sie mir, sie habe eine Vereinbarung mit ihrer Halbschwester Rosa getroffen, die einen ähnlichen Lebenshunger verspürte. Rosa würde also an ihre Stelle treten, wobei sie sich vergewissert habe, dass ihrerseits die Bereitschaft dazu vorläge.

Nun hatte ich ganz und gar nichts dagegen, Rosa näher kennenzulernen, aber die Art, in der Marietta ihren Vorschlag vorbrachte, erinnerte ich mich zu sehr an einen Kontrakt, der in einem Kontor zwischen Kaufleuten verhandelt wird als an eine Liebesaffäre.

Doch Marietta konnt mich beruhigen: „Rosas Liebesfeuer für dich ist schon seit Langem entbrannt – sie wollte mich aber nicht brüskieren, weshalb sie sich zurückhielt und mir das Feld überließ. Hast du es nicht geahnt?“

Mir kam blitzartig der Gedanke, dass Rosas Charakter im Vergleich viel zu fein und unverdorben war, und ich vermutete zudem, dass sie über erheblich weniger Erfahrungen verfügte als ihre Halbschwester. Durfte man so eine zarte Person überhaupt verführen, auch wenn sie neugierig und verliebt war? Bei allem musste ich sagen, dass ich selbst kaum etwas von der Liebe verstand – allein deshalb war meine Wahl auf Marietta gefallen. Doch nun schien es mir so, als hätte ich gar keine Wahl mehr.

Inzwischen sprach Marietta weiter zu mir, ohne eine Antwort abzuwarten. „Du unterschätzt Rosa, nicht wahr? Alle tun es. Sieh mal, sie war noch nie zuvor mit einem Mann allein, wenn du weißt, was ich meine. Und natürlich weiß sie wenig von der Liebe, aber sie ist mehr als bereit. Ich denke, sie wird dir alles geben, was du begehrst, Ludwig.“

Ich hatte nicht bemerkt, dass Rosa inzwischen den Raum betreten hatte. Wie eine Katze hatte sie sich in ein Sofakissen gekuschelt und vermied, mich anzusehen. Doch ich hatte immerhin ein dahingehauchtes: „Oh ja, Marietta“, vernommen, als der letzte Satz fiel.

„Indessen“, so sagte Marietta nun einschränkend, gegenüber ihren Worten, die sie zuvor an mich richtete, „tut etwas Wein der Absicht gut, die ihr beide hegt, denn dieser Tropfen der Natur regt die Liebe an und verhindert dunkle Gedanken, die euch zunächst befallen könnten.“ Sie ging hinaus und kam alsbald mit einem Tablett zurück, auf dem sich einige köstliche Küchlein befanden und eine große Karaffe eines süßen Weins.

„Ich lasse euch Liebesvögelchen jetzt allein. Habt eine wundervolle Nacht miteinander.“ Kaum hatte sie dies gesagt, verschwand sie lächelnd.

Rosa war neugierig, bereit und doch unsicher und etwas verschämt. Das änderte sich, als sie gut und gerne sechs Gläser des köstlichen Weins getrunken hatte, ohne dass ich sie dazu auffordern musste. Plötzlich streckte sich ihr Körper, ihre Gesten wurden lebendig und ihre Augen begannen zu glänzen. Und ihre anfängliche Scheu, mir liebe Worte zu sagen, war ganz und gar verflogen.

„Tu es einfach, bitte … ich, will es, und du darfst nicht aufhören, auch wenn ich mich … dumm anstelle, hörst du?“

Trotz meiner geringen Erfahrung tat ich das, was ich von der Liebe wusste. Ich legte dazu meinen Arm um ihre Taille und drückte sie eng an mich. Sie musste es erwartet haben, denn auch sie schmiegte ihren Körper nun fest an mich. Ich hatte gehört, dass eine sehr junge Frau vor allem fordernde Küsse benötigt, um auch im Unterleib die Hitze zu entfalten, die sich ein Mann wünscht – und so küsste sich sie heftig und begierig. Es schien ihr zu gefallen, und so wagte ich, etwas mutiger zu werden: Ich öffnete ihre Bluse und schob meine Hand darunter, um ihre Brust zu streicheln. Offenbar erwartete sie auch dies, und sie begann leicht zu seufzen, als ich es tat.

Nach einer Weile nahm ich meine Hand von ihrer Brust und nestelte an ihrem Unterrock, den ich ihr dann hochzog, bis ihre Knie freilagen. Die Haut ihrer Oberschenkel war seidenweich, und ich zögerte keinen Moment, mit meiner Hand weiter vorzudringen.

Rosa hatte die ganze Zeit kein weiteres Wort gesagt. Marietta musste sie entsprechend instruiert haben. Es war nicht üblich, dass eine Frau sagte, was sie sich wünschte, sondern den Mann gewähren ließ, solange sie sich wohlfühlte. Hätte man sie nicht instruiert, so wäre sie wohl verwirrt gewesen und hätte für mich wie für sich selbst alles verdorben. Doch nun, als meine Hand vor ihrer Pforte lag, sagte sie einen einzigen Satz:

„Ich möchte, dass du dich ausziehst, und ich werde es auch tun – ich will die ganze Liebe, die du geben kannst und kein Spiel, wie es junge Mädchen wohl tun mögen.“

… und das war der kleine Auszug aus einer Liebesgeschichte, wie sie vor ungefähr 100 Jahren erzählt worden wäre. Hat sie euch gefallen?

Me Too … was geht (noch) und was geht nicht mehr?

„Non Consensual“ heißt der Begriff aus dem Englischen, den du immer häufiger hören wirst, wenn du erotisch schreibst. Übersetzt heißt er „nicht im Einverständnis“ und ist (leider) ein Gummibegriff.

Festere Regeln hat dieser Begriff nahezu ausschließlich in der SM-Szene (Sadomaso für die einfachen Gemüter). Dort unterscheidet man sozusagen die „Bösen Übergriffe“ (Tunnelspiele, Rack, Nocon), von den „Übergriffen im Einverständnis“ (SSC).

Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur die Idee des SSC, nämlich „Sicher, bei klarem Verstand und in Übereinstimmung“ zu handeln. Weil auch die Grenzen für die Übereinstimmung fließend sind, vereinbart man ein Sicherheitswort, das alle Aktivitäten beendet.

Man kann diese durchaus auf ganz gewöhnliche Liebes, Lust- und Sexaffären übertragen. Tatsächlich gibt s für ein Paar, das sich zur körperlichen Lust entschlossen hat, keine „wirklichen“ Grenzen. Das Paar kommt zusammen in der Überzeugung, dass beiden die Lust als solche gefällt, aber nicht in dem Bewusstsein, bestimmte Handlungen auszuführen. Man kann auch sagen: Es gibt kein Drehbuch. Meist entscheiden beide Partner spontan, was „noch geht“ und „was nicht mehr geht.“

Ich denke, es ist bekannt, dass es keine „eindeutigen“ Regeln mehr gibt: Küssen, leichtes Petting ohne Ausziehen, heftiges Petting mit Ausziehen, Oralverkehr, PiV – werde die Reihenfolge ist vorgegeben noch die Intensität. Welcher „innere Widerstand“ überwunden werden muss, welche sorgsam gepflegten Normen und Ansprüche überwunden werden müssen, und wie dies alles vonstattengeht – es ist „Sache des Paares“ geworden.

Im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung ist aber die Frage entstanden, welche Handlung (oder gar welche Frage) bereits einen Übergriff oder gar eine Nötigung beinhaltet.

Die Antwort fällt nicht leicht, denn was jemand als einen mentalen „Übergriff“ wertet, ist abhängig von der Kultur, der Situation und der Spannung, die zwischen beiden herrscht.

Daher zählt das Argument auch nicht, man könne einer Person „so etwas nicht zumuten“. Was für jemanden zumutbar ist, kann nur die Person selbst entscheiden.

Kommen wir zur Literatur. Sie lebt, ob erotisch oder nicht, niemals davon, das „Gute und Richtige“ in Situationen zu beschreiben, die allen geläufig sind und denen alle zustimmen. Dafür findest du keine Leser(innen).

Dir blieibt also gar nicht anders übrig, als scharf an den Grenzen „langzufahren“ und sie dann und wann auch zu überschreiten. Allerdings hat sich eine Art „Kodex der Wohlanständigkeit“ verbreitet, der uns sagt, dass wir unsere weiblichen Figuren niemals durch eine andere Figur „zwingen“ lassen dürfen. Damit einher geht eine Fortsetzung der Doppelmoral unter anderen Vorzeichen – denn alle anderen Nötigungen sind mehr oder weniger weiterhin toleriert:

- Wenn Frauen einzeln oder in Gruppen einen Mann nötigen.
- Wenn ein Mann einen anderen Mann nötigt.
Und auch:
- Wenn eine Frau von einer anderen Frau genötigt wird.


Stark tabuisiert ist hingegen, wenn eine Frau von einem Mann genötigt wird, insbesondere, wenn sie eben nicht bei in einer „sicheren Umgebung“, nicht bei „klarem Verstand“ und – vor allem – nicht restlos einverstanden mit den Handlungen des Mannes ist.

In diesem Zusammenhang wäre wünschenswert, wenn mehr Autorinnen dazu übergehen würden, ihre weiblichen Figuren „selbstbestimmt“ handeln zu lassen, also nicht im Licht, dessen, was Männer von ihnen erwarten.